Alleinerziehend. Ein weiterer Text.

Ich schreibe immer wieder darüber. Weil es mein neues Leben ist und ich mich damit auseinander setze. Auseinander setzen muss. Etwas anderes bleibt mir ja nicht übrig. Und ich muss sagen, ich habe manchmal noch Mühe damit. Es ist genau das, was ich nie wollte. Ich wollte nie allein gelassen werden. So fühle ich mich tatsächlich oft. Allein gelassen.

Ich habe es mir wirklich sehr gut überlegt damals, ob ich schwanger werden will. Ob ich ein Kind bekommen möchte, diese Verantwortung tragen kann. Nach dem Tod meiner Eltern sah ich mich auch ohne Kind bereits in einer Rolle, die viel Verantwortung tragen muss. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden, zusammen mit meinem damaligen Ehemann. Im Glauben, dass wir diese Aufgabe zusammen meistern, das Kind in Liebe bei uns aufwachsen lassen.

Tja. Glauben ist nicht wissen. So ist das Leben.

Und jetzt ist das so. Es geht mir nicht ums Jammern. Nie. Es gibt nichts zum Jammern, es läuft ziemlich gut.

Jemand hat mir gesagt, das was ich nun bezahle, ist der Preis, den Mütter bezahlen für die enge Bindung zwischen ihnen und dem Kind. Diesen Preis bezahlt man. Und es ist normal. Naja, ich finde das nicht. Als Frau bin ich nach der Trennung deutlich schlechter gestellt als der Mann, obwohl die Trennung nicht von mir aus kam. Das Finanzielle ist nur die eine Seite.

Ich bin wahnsinnig froh, dass das Kind bei mir wohnt. Ich könnte ohne sie gar nicht leben, das würde mir das Herz brechen. Neben Familie, Organisation, Terminen, Haushalt und Arbeit habe ich meine Freiheit aber zB ziemlich verloren. Ich meine die Freiheit, mal weg zu gehen, abends oder so. Ich bin mir sicher, das klingt verbitterter als es soll. Ich will es aber nur beschreiben. Bei fehlender Familie, die mir mal unter die Arme greifen könnte, gehe ich praktisch nie aus. Ich habe sozusagen kein Sozialleben mehr. Und wenn jede zweite Woche das Kind eine Nacht nicht zuhause übernachtet, könnte ich zwar, möchte aber das Geld nicht unnötig ausgeben. Es würde anderswo fehlen. Und ich bin sowieso zu müde. Es sind lange Tage, ich schlafe während der Woche nie so richtig genug.

Wie ich oben gesagt habe, ich bin nicht unzufrieden. Und doch finde ich es nicht immer einfach, ich gebe das auch zu. Ich bin extrem froh, dass wir dieses Jahr überstanden haben und es uns gut geht. Mir fehlt nichts. Ich finde, ich bin sogar wieder ziemlich glücklich. Aber ich bin müde. Und unentspannt. Ich habe die alleinige Verantwortung, loslassen geht da schlecht irgendwie.

Ich schaue positiv eingestellt in die Zukunft. Aber in was für eine Zukunft? Irgendwie braucht das viel Energie. Ich habe die aber, ich weiss das. Das letzte Jahr hat’s bewiesen.

Alleinerziehend und ohne Verwandtschaft zu sein, bedeutet irgendwie schon auch, allein zu sein. Zumindest in gewissen Momenten. Damit tu ich mich manchmal noch schwer. Nie irgendwelche Gedanken, Sorgen mit einer erwachsenen Person teilen, nie müde nach Hause kommen und jemand interessiert es, wie dein Tag war. Mal weinen und jemand nimmt dich in den Arm. Sich immer um Kontakte bemühen, es ist niemals jemand einfach da. Verabreden usw, oft mit dem Hintergedanken, ob wir wohl stören oder uns aufdrängen… Sowas halt. Vielleicht fehlt mir ein Partner. Mag sein. Aber das ist genau das, was ich mir nach all diesen Erfahrungen nun wirklich überhaupt nicht mehr vorstellen kann.

Ich habe es gut. Ich verdiene mein eigenes Geld, ich habe alles gut auf die Reihe gekriegt, bin physisch und psychisch gesund. Andere müssen mit schlimmeren Situationen zurecht kommen, viel schlimmeren. Ich habe Lebensgeschichten und von Trennungssituationen gehört, die hält man nicht für möglich…

Mich macht nicht mal nur mein Alltag müde, sondern auch Menschen, die in total anderen Lebensumständen leben und sich null hinein versetzen können. Oder wollen. Diese herablassende Haltung Frauen gegenüber. Durchaus auch von Frauen. Wenn Frauen gleichberechtigt und gleichwertig wären bei uns in der Schweiz, würden viele das im Alltag vielleicht nicht mal so deutlich merken, ich weiss. Aber jede kann in Situationen kommen, in denen es einen Unterschied machen würde. Es gibt Frauen, Familien, die fallen durch die Netze.

Männer wären dadurch nicht benachteiligt oder weniger wichtig bzw weniger wert. Es ist kein Geschlechterkampf. Es geht um Zusammengehörigkeit.

Es wäre einfach fair und manchmal ein bisschen einfacher und ich finde, dieser Zustand ist erstrebenswert. Lassen wir eine Entwicklung zu.