puremyself

Meine Texte und Fotos

Immer wieder stosse ich auf Menschen, die von sich behaupten, Menschen zu hassen und ich kann mir das nicht vorstellen. Wie kann man denn Menschen hassen, wenn man selber einer ist? HASSEN!!! Wie kann man denn nur das Negative sehen, wo es doch so viel Interessantes und Spannendes zu sehen gibt, so viele liebenswerte, tolle Menschen? So viel zu erfahren, zu erleben! Wie kann man hassen und dermassen verschlossen sein, wenn man selber doch so gerne wahrgenommen und geliebt werden würde?

Ich weiss nicht, ob ich von mir sagen kann, dass ich Menschen LIEBE. Also jedenfalls nicht alle. Aber ich finde Menschen wirklich interessant. Mich interessiert, warum Menschen sind, wie sie sind. Ich würde manchmal gerne Hintergründe wissen, um Zusammenhänge zu entdecken, um zu verstehen. Eigentlich gibts kaum etwas interessanteres, finden sie nicht auch?

Grundsätzlich trete ich den meisten Menschen zuerst mal wertschätzend und positiv eingestellt gegenüber. Ich finde ja immer, das sollten alle tun. Ob die Chemie stimmt oder nicht, merkt man ja immer gleich sofort. Entweder hat man sich etwas zu sagen oder eben halt nicht. Einige wecken dann aber mein grösseres Interesse, ich möchte tiefer blicken, sie kennen lernen, mich mit ihnen auseinandersetzen, Zeit verbringen, mehr von ihnen erfahren und auch von mir erzählen. Im besten Fall werden aus diesen Menschen Freunde, für eine Weile oder für „immer“. Menschen, die ich lieb habe, die mir irgendetwas bedeuten.

In meinem Beruf habe ich mit Menschen zu tun. Menschen, die ich dabei unterstütze, ihren Alltag zu meistern, Probleme zu lösen und möglichst selbständig leben zu lernen bzw. leben zu können. Ich übe diesen Beruf seit vielen Jahren aus und er wird mir nicht langweilig. Menschen sind abwechslungsreich, jeder Tag ist irgendwie anders als geplant, was die Arbeit spannend, manchmal aber auch anstrengend und herausfordernd macht. Ich finde nicht immer alles nur toll und manchmal bin ich total genervt von ihnen. Aber es macht sooooo viel Freude!

Was ich vermutlich an Menschen besonders mag ist, dass ich mich durch sie weiter entwickeln und total viel lernen kann. Ein wichtiger Wert im Leben ist meiner Meinung nach Lebenserfahrung und ich glaube, ohne den Umgang mit Menschen kann man diese Erfahrung nicht erwerben.

Ich verstehe es schon auch, dass man sich unter Umständen nach Enttäuschungen und Verletzungen nicht mehr so schnell öffnen mag für andere Menschen, vorsichtig wird. Auch meine Erfahrungen war nicht immer nur alle gut. Normal… Hassen würde ich es nicht nennen. Und wenn dann höchstens einen oder einzelne, nicht alle. Bisschen Vorsicht hat noch nie jemandem geschadet, man muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Langsam und sich Zeit lassen und auch gute Erfahrungen zulassen.

Je älter ich werde, desto weniger mag ich grosse Menschenansammlungen, grosse Veranstaltungen und Parties sind mir ein Graus. Zu eng, zu laut, zu unübersichtlich, zu oberflächlich… Wo man mich vor ein paar Jahren noch mittendrin im Getümmel gefunden hat, findet man mich nun am Rand des Geschehens. Wie man so schön sagt, wenn die Party im Wohnzimmer statt findet, sitze ich in der Küche und unterhalte mich.
Ich glaube, vielen geht es so. Sie brauchen mehr Ruhe, was irgendwie heutzutage etwas ist, was schwierig zu finden ist.
Mein Freundeskreis hat sich in den letzten Jahren drastisch verkleinert. Durch meine veränderten Lebensumstände, weniger Zeit andere Inhalte und schwups sind viele weg. Bei einigen fand ich das okay und es kam auch von mir aus, bei anderen tat mir das schon weh. Aber: Die, die noch da sind, sind da und zwar richtig. Und ich für sie auch. Und immer mal wieder spült mir das Leben jemanden vor die Füsse, den ich gern bekomme. Schön ist das!

Abschliessend möchte ich sagen, dass ich mir wünschen würde, dass Menschen sich mehr für einander interessieren, bisschen wertschätzender und offener aufeinander zugehen. Ich bin mir fast sicher, dass die Welt so eine bessere werden würde…

Der Tod….  Ich habe ihn gesehen und viele von euch wohl auch. Irgendwann im Leben ist es soweit, wir treffen ihn. Nein, nicht wenn er zu uns kommt, nein. Sondern wenn er sich jemanden holt, den wir lieben. Er ist unberechenbar, unnachgiebig und hart. Er lässt nicht mit sich reden, lässt sich nicht von unserem Flehen und unseren Tränen erweichen. Er bekommt, was er will. Er tritt gern als der grosse Erlöser auf, lässt schwer Kranke sterben und nimmt ihnen damit das Leiden. Wir möchten ihn so sehen, um uns zu trösten. Wir möchte im Frieden sein mit ihm, das ist uns wichtig, so ist es einfacher.

Der Tod… Er ist immer noch ein Tabu, irgendwie. Es gibt tausend Dinge, über die wir lieber sprechen, über die wir lieber nachdenken. Ich kann das jetzt. Aber damals als ich es hätte können sollen, konnte ich es nicht. Ich habe ihn verdrängt, gehofft und weggeschaut, bis er dann hier war. Sehr überraschend und schmerzhaft. Das ist er ja immer.

Seit jeher wurde der Tod von uns Menschen nicht gerne beim Namen genannt. Er wurde und wird gerne umschrieben… ewiger Schlaf, erlöschen des Lebenslichts, von uns gegangen, uns voraus gegangen, Abschied, Hinschied, Entschlafen, Gott hat ihn zu sich gerufen usw… Und auch so ein wenig abgeschwächt. Ein Versuch, es erträglicher zu machen?

Es gibt viel Poesie und Lyrik zum Thema Tod, wo er zum Teil wunderschön umschrieben wird:

 

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,
er blüht wie eine Blume auf dem Felde;
wenn der Wind darübergeht,
so ist sie nimmer da,
und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.
Ps 103, 15-16

 

Ich löschte das Licht, um den Schnee zu sehen.
Und sah den Schnee durch das Fenster und sah den Mond.
Doch dann sah ich, daß Schnee und Mond nur wieder Fenster sind,
und durch dieses Fenster sahst Du mich an.
Ernesto Cardenal

 

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten ..
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,
und du dir selbst ein fremder Traum ..
…als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf ..
und plötzlich flimmert’s durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!
Cäsar Flaischlen

 

Ich glaube, dass, wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von dem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.
Arthur Schopenhauer

 

Es gibt ein Land der Lebenden
und ein Land der Toten
und die Brücke ist die Liebe…
Das einzige Überleben.
Der einzige Sinn.
Thornton Wilder
(Ich habe dieses Gedicht damals gewählt für die Trauerkarte meiner Mutter… Erinnerungen)

 

Denn was heißt Sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen! Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?
Khalil Gibran

 

Es gibt unzählige und ich finde sie durchaus sehr schön.

Aber ich sehe nichts poetisches am Tod.
Er umarmt nicht, er nimmt.
Er legt sich nicht sanft aufs Leben wie ein transparenter, grauer Schleier. Er kommt schwarz und schwer und legt sich auf alles.
Er macht alles kaputt, unter ihm kann niemand mehr atmen. Nicht mal mehr die, die noch leben.
Er nimmt einen und lässt alle andern weinend zurück.

Aber so ist er halt.
Wenn wir leben wollen, müssen wir ihn akzeptieren.

 

 

Wir hören Dinge, lesen Dinge, sehen Dinge.
Dinge, die andere sagen, schreiben oder tun.
Und wir denken uns unsere Sache dabei. Das muss nicht unbedingt beurteilend sein, kann aber. Es kann aber auch einfach sein, dass wir uns Gedanken dazu machen. Das tun wir ja dauernd und zwar meistens unbewusst. Unser Gehirn verbringt 24/7 damit, Dinge wahrzunehmen, darüber kürzer oder länger nachzudenken und sie irgendwo zu speichern. Manches bewusster, manches unbewusster.
Und dann neigt der Mensch – wenn ich das so verallgemeinern darf – dazu, das Bedürfnis zu haben, seine Gedanken mitzuteilen, denn sie sind ja so klug. Die eigenen Gedanken sind sowieso immer die interessantesten und die durchdachtesten. Unsere Sicht der Dinge, unsere Meinung.

Es ist doch für den Eigentümer des Dings, das wir sehen, hören oder lesen eine unglaubliche Bereicherung, wenn wir seine Gedanken und Ideen ergänzen, korrigieren oder sogar total über den Haufen werfen und umkrempeln. Er wartet sozusagen nur darauf, zu hören, was wir darüber denken. Auf unsere ungefragten Tipps. Wir führen aufgedrängte Diskussionen, die nie geführt werden wollten. Suchen nach Erklärungen, die nirgendwo hin führen.

Oder ich lasse mich von diesen gehörten, gelesenen und gesehenen Dinge einfach inspirieren und mache mir meine Gedanken. Lasse daraus eigene Ideen entstehen, eigene Taten, eigene Worte. Es muss nicht immer alles diskutiert werden. Ausser es muss. Dann muss es natürlich.

Ich lass das mal so stehen.

Es gibt verschiedene Arten von „schlimm“, so wie es verschiedene Arten von „schön“ gibt.

Was ist schlimmer? Lebensbedrohlich zu erkranken? Jemanden zu lieben, der gegen Krebs kämpft? Seinen Ehemann begraben zu müssen? Oder ein Kind? Aus seinem Heimatland flüchten zu müssen, alles hinter sich lassend? Einen Terroranschlag mitzuerleben und zu überleben? Von einer Lawine verschüttet zu werden? In einen Verkehrsunfall mit Schwerverletzten oder Toten verwickelt zu sein? Schwere Depressionen zu haben? Ein Burnout zu erleiden? Obdachlos zu sein? Arbeitslos? Suchtkrank zu sein? Ein Kind oder einen Partner zu haben, der süchtig ist? Eine psychische Erkrankung zu haben? Betrogen zu werden? Alles in einem Brand zu verlieren? Kinderwunsch ohne Erfüllung? Eine Vergewaltigung? Psychische oder physische Gewalt? Jemand zu finden, der sich umgebracht hat? Oder jemand zu sein, der sich umbringen wird?
Und welches ist schlimmer? Dein oder mein Erlebnis?

Was ist schöner? Ein Kind zu bekommen? Sich zu verlieben? Der Hochzeitstag? Ferien? Ein Lotto- oder Wettbewerbsgewinn? Am Morgen gesund aufzuwachen? Geliebt zu werden? Einen guten Job zu haben? Schön zu wohnen? Sich leisten zu können, was man möchte? Gut auszusehen? Freunde zu haben? Frei zu sein? Glücklich zu sein? Besondere Talente zu besitzen? Wohlhabend zu sein? Adrenalinschübe… Fallschirm springen, Bungeejumping?  Um die Welt reisen? Zu lernen?
Und welches ist schlimmer? Deines oder meines?

Es gibt keine Masseinheiten oder Massstäbe für Gefühle oder dafür wie jemand etwas empfindet. Und auch vor allem keine Vergleiche. Ich glaube, das in dem man gerade steckt, ist meistens wohl das schlimmste. Oder das schönste.
Und dann verblassen schöne Momente in unserer Erinnerung, leider schneller als schlimme. Schlimme hinterlassen Spuren. Schöne auch, aber ich denke die schlimmen spüren wir deutlicher, weil sie schmerzen. Und weil der Mensch irgendwie oft so ein negatives Wesen ist. Verletzungen gehen viel tiefer als Freude. Leider.

Ich möchte nur sagen, es gibt viele schlimme Dinge und sie müssen nicht verglichen oder gewertet werden. Schlimm genug, dass sie jemand erleben muss.
Und es gibt viele schöne Dinge. Auch sie müssen nicht verglichen und gewertet werden. Nur gegönnt. Und so können wir uns sogar mitfreuen.

 

 

Schau es dir genau an. All das, was du verloren hast.
Und dann, dreh dich um und sieh all das, was du gewonnen hast.

Es hat mit Loslassen zu tun, glaube ich, wenn wir nicht aufhören können, zurück zu schauen. Zurück schauen ist festhalten, irgendwie die Veränderung noch nicht akzeptieren wollen. Das tut weh. Es ist wie am Abgrund hängen mit wunden, schmerzenden Händen und immer noch nicht loslassen. Nur sind es beim Zurückschauen nicht die Hände, sondern das Herz.
Ich finde es wichtig, zurück zu schauen. Wirklich. Für mich bedeutet es auch irgendwie Abschied nehmen. Genau hinschauen und wissen, was ich verloren habe. Es würdigen, aber auch all die Gefühle zulassen, die hochkommen. Trauer, Wut. Es gehört dazu.
Wenn es uns schwer fällt, loszulassen, dann war das etwas, was uns viel bedeutet hat. Etwas, was ein Teil unseres Lebens war. Ich finde, das darf uns schwer fallen.

Und dennoch nützt es uns nichts. Wir müssen weiter. Nach einer Weile ist es auch wichtig, dass wir uns umdrehen, dem Vergangenen den Rücken drehen. Wenn wir das tun, sehen wir nicht mehr, was hinter uns geschieht und das ist gut. Es muss uns egaler werden und eines Tages sogar ganz egal. Wir müssen weitergehen. Alles andere ist zerstörend und das soll nicht sein. Das Leben will gelebt werden und das Glück liegt irgendwie auf dem Weg vor uns.

Wenn wir uns umdrehen mit dem Vergangenen, Schmerzenden im Rücken und unseren Blick schweifen lassen, mag es sein, dass wir noch gefangen sind in unseren negativen Gefühlen. Normal. Einfach mal stehen bleiben und sich orientieren, das Leben ist Zeit. Wir dürfen sie uns nehmen. Und erst dann eröffnen sich uns neue Wege, neue Horizonte. Freiheit. Ja, Freiheit. Alles ist offen. Wir dürfen uns überlegen, was wir von unserem Leben noch wollen. Von unserer verbleibenden Zeit. Natürlich ist nicht alles möglich, wir müssen uns an unseren Rahmen halten, finanziell zum Beispiel. Und womöglich stehen wir nicht allein da, sondern mit einem Kind an der Hand, für dessen Leben wir auch verantwortlich sind. Da finde ich, man soll sich gut überlegen, wie es weiter gehen soll.
Dieses Offene, diese Freiheit kann auch beängstigend sein. Viele von uns Menschen sehnen sich nach Freiheit, aber auch nach Sicherheit und die fehlt dann im Moment so ziemlich. Gar nicht sooo einfach, diesen Zustand auszuhalten.

Ich glaube, es ist gut, mit einer positiven Grundhaltung weiter zu gehen. Weiter zu WOLLEN. Auch wenn man Angst hat oder traurig ist. Auch wenn man noch hadert und keinen Sinn im Vergangenen sieht. Auch wenn man sehr verletzt ist. All das wird immer schlimmer, wenn man sich davon aufsaugen lässt. Und da wird uns niemand rausholen. Nur wir selbst können das. Damit, dass wir vorwärts wollen. Damit, dass wir wieder glücklich sein wollen. Damit, dass wir helfende Hände annehmen und auch all unsere eigenen Kräfte nochmal mobilisieren.

Und dann sieht man halt diese Freiheit, die zu offen und zuviel ist und baut sich wieder Sicherheiten ein, begeht neue Wege und merkt, dass die Vergangenheit weiter wegrückt und fängt immer mehr an, zu geniessen und wieder glücklich(er) zu sein.

Denn, das sollen wir. Glücklich sein. Ich bin mir ganz sicher, dass das Leben uns glücklich sehen will.

Das habe ich gelesen und irgendwie hat’s mich dann nicht mehr so ganz in Ruhe gelassen. Dann machen wir uns doch gleich mal zusammen ein paar Gedanken…

Die Angst vor Nähe… So richtig habe ich das nie verstanden, um ehrlich zu sein. Natürlich weiss ich, dass es Krankheitsbilder gibt, bei denen die Angst vor Nähe ein Symptom ist. Oder das nicht ertragen von Nähe. Zum Beispiel Borderline. Nähe wollen und so dringend brauchen und sie nicht zulassen können. Das ist aber ein anderes Thema, denn ich überlege mir, warum gesunde Menschen Angst vor Nähe haben. So etwas ist ja nicht eine Charaktereigenschaft oder ein Teil der Persönlichkeit eines Menschen. So etwas entwickelt man im Laufe des Lebens…

Nähe.
Nähe ist ein Umstand, wofür es keine Masseinheit gibt, kein Richtig und kein Falsch. Und dennoch gibt es ein Zuviel und auch ein Zuwenig.
Nähe empfindet jeder Mensch anders. Nähe braucht jeder Mensch anders. Empfindet jeder Mensch anders. Je nach Situation und Befindlichkeit kann das mal mehr und mal weniger sein. Und das Allerwichtigste ist das Gegenüber. Wir sind nicht allen gleich nah und „ertragen“ oder brauchen nicht von jedem dieselbe Nähe. Logischerweise.

Die Nähe, die wohl im Bild beschrieben ist, interpretiere ich als Nähe in einer Beziehung oder engen Freundschaft. Die Nähe zu einem Menschen, mit dem wir uns sehr verbunden fühlen, dem wir vertrauen und ohne den wir uns unser Leben kaum noch vorstellen können oder möchten.

Ich finde, dass manchmal schnell von Freundschaft gesprochen wird und dass auch Beziehungen schnell eingegangen werden.
Ich war in dieser Beziehung immer eine Person, die Zeit brauchte und sich das gut überlegte, besonders wenn es um Männer bzw. Beziehungen ging. Zwischen zwei Beziehungen brauchte ich immer viel Zeit, um das eine zu verarbeiten und abzuschliessen, bis ich bereit für etwas Neues war.
Ich finde diese Vorgehensweise richtig. Für mich. Andere machen es anders und das ist auch okay. Jeder so, wie es für ihn richtig ist, ist die Devise. Auch wenn ich nicht immer alles verstehe.

Ich finde auch, dass schnell von „für immer“ gesprochen wird. Über dieses „für immer“ habe ich mir in den letzten Monaten unglaublich viele Gedanken gemacht und mache es bis jetzt. Wenn jemand verspricht, für immer zu bleiben oder ich es jemandem verspreche, dann finde ich das schon etwas, was ernst zu nehmen gilt. Dass es nie eine Garantie gibt, wissen wir alle. Liebe vergeht manchmal. Interesse auch. Das ist realistisch. Dann finde ich es aber sehr wichtig, wie damit umgegangen wird. Kommunikation… Respekt… irgendwie sowas.

Unterdessen muss ich sagen, dass ich an ein „für immer“ nicht mehr glaube. Ich glaube nicht mal, dass es das gibt. Was soll „für immer“ bedeuten? Wie lange dauert das? Bis eines von beiden stirbt? Ist das dann für immer? Ich weiss es nicht und je länger ich darüber nachdenke, desto weniger Sinn macht es. Denn wenn es für das eine für immer ist, ist es das für das andere immer noch nicht, denn es muss ja allein weiterleben…

Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass man den Moment leben soll. Das Jetzt. Ohne daran zu denken, wie lange etwas dauern wird, egal was. Denn, dass es irgendwann zu Ende ist, ist unumgänglich. Vielleicht dauert es zwei Monate, vielleicht 14 Jahre und trotzdem ist es jetzt schön und tut uns gut.
Ich finde aber auch, dass man niemandem versprechen darf, für immer zu bleiben, in welcher Rolle auch immer. (Jedenfalls MIR nicht mehr)
Versprechen sollen eingehalten werden. Weil sich jemand darauf verlässt, darauf stützt. Und weil dann dieser Jemand traurig und verletzt ist, wenn das nicht der Fall ist. Deswegen.
Beziehungswunden sind tief und heilen schlecht.

Ich war immer jemand, die sich für andere Menschen interessierte. Immer. Und ich werde mich nicht verändern. Ich werde offen bleiben. Ich werde Nähe zulassen.
Aber ich verstehe nun diese Angst vor Nähe. Ich glaube, es ist die Angst, sich auf etwas Tiefes einzulassen, mit ganzem Herzen. Sich fallen zu lassen, sich tragen zu lassen. Sich einzulassen mit jeder Faser des Körpers, der Seele und des Herzens. Sich zu wünschen und zu hoffen, dass es für immer sein möge.
Ich verstehe das wirklich. Und ich bin im Moment sehr, sehr weit davon entfernt, dies wieder zuzulassen. Ich glaube nicht mal, dass es Angst ist. Ich habe einfach keine Lust, so eine Scheisse nochmal zu erleben.
Und ich weiss, dass ich es schwierig finden werde, wieder zu vertrauen. Es zu glauben, wenn irgendwann wieder einer sagen würde, dass er mich liebt, dass er mit mir zusammen sein will.
Unvorstellbar im Moment.
Den Glauben daran habe ich wohl definitiv verloren. Aber das ist auch nicht wirklich das Thema. Es braucht Zeit und ich komme zurecht.

Und ich werde es nie zulassen, dass ich Angst bekomme vor Menschen, die mich lieb haben, die mir nah sein möchten. Nie. Das habe ich mir versprochen.

 

 

 

Ich habe den Titel „Allein“ geschrieben und stutzte, weil er mir bekannt vorkam. Habe ich darüber schon geschrieben? Und tatsächlich habe ich das, es ist noch nicht mal lange her. https://puremyself.blog/2019/01/04/allein/

Ich mache das nun trotzdem nochmal. Dasselbe Thema, andere Gedanken.

Ich muss sagen, ich denke viel darüber nach. Über das Allein sein. Ich möchte mich nicht beklagen, denn ich habe ein Umfeld. Ich weiss, dass es nicht allen so geht. Es gibt Menschen, die haben niemandem und es gibt viele Alleinerziehende, denen es so geht. Unter anderem.

Dann ist man plötzlich getrennt und findet sich irgendwann früher oder später zusammen mit dem Kind / den Kindern in der eigenen Wohnung. Die Trümmer hat man hinter sich gelassen. Lassen müssen. Denn es muss weiter gehen. Bergauf. Weiter! Geschwächt durch die letzten Monate des Trennungsschmerzes, der Ungewissheit, Angst und des totzdem einigermassen Funktionierens geht man weiter. Immer weiter. Und meistens geht das schon ganz gut. Den Rucksack mit der ganzen Verantwortung für dieses Kinderleben und auch für das eigene trägt man nun allein. Und obwohl ich diese Verantwortung schon immer hatte, fühlt es sich schwer an. Ich weiss nicht ob es ist, weil der Vater sich sozusagen offiziell ausgeklinkt hat oder ob ich einfach erschöpft bin. Aber es geht. Wie immer Schritt für Schritt, auf und ab.

Mein Thema sind soziale Kontakte. Neben Arbeiten, Haushalt, Terminen und Organisatorischem bleibt kaum Zeit für irgendwas. Für mich ist alles noch neu. Ich sehe es einigermassen positiv. Auch das wird sich einpendeln.

Ich habe an den Wochenenden frei und das Kind auch. Da spüre ich es wohl am deutlichsten, dass wir zwei irgendwie doch allein sind. Sonntag ist Familientag. Da möchte ich nicht stören. Und doch fehlen mir soziale Kontakte irgendwie.

Ich muss mich um neue Kontakte bemühen bzw müsste. Andere Alleinerziehende, denen es ähnlich geht. Aber ich kann das im Moment noch nicht. Ich bin noch nicht dazu bereit, grosse Schritte nach aussen zu machen. Ich habe die Energie dazu nicht, auch wenn das wohl lächerlich klingt. Ich merke auch, dass das Kind damit im Moment noch überfordert wäre. Und doch möchte ich ihr ein soziales Umfeld und ein Netz bieten, das uns hält. Gar nicht so einfach.

Vermutlich wird sich auch das einpendeln und ergeben und ich setze mich selbst zu stark unter Druck. Der Wunsch nach Normalität. Und ich vermisse meine Eltern, so stark wie seit Jahren nicht mehr. https://puremyself.blog/?s=September

Es ist bestimmt nicht so schlimm wie es sich anhört. Es sind einfach manchmal die Wochenenden. Während der Woche sind wir voll ausgelastet. Es braucht bestimmt Zeit, wenn sich das Leben so stark verändert und man muss geduldig sein, wohl vor allem mit sich selbst.

Also. Krönchen richten und weiter machen!

Vielleicht sind Narben gar keine Narben, sondern einfach Spuren, die das Leben hinterlässt. In uns und an uns, innerlich und äusserlich.

Und vielleicht machen wir diese manchmal noch schlimmer als sie eh schon sind, weil wir sie uns selber wieder aufreissen, um darin herumgrübeln, statt sie einfach heilen zu lassen.
Wenn wir nicht weitergehen wollen. Wenn wir nach Antworten suchen, die es nicht gibt. Wenn wir festhalten, aber loslassen müssten.
Dann vernarben Wunden manchmal lange nicht. Oder Narben werden wieder zu Wunden. Es ist schmerzhaft.

Und vielleicht sind wir das auch nicht immer selber, die unsere Narben aufreissen. Manchmal sind das andere Menschen, die das tun. Bewusst oder unbewusst.
Und wir lassen es zu.

Und wir verstecken unsere Narben. Manchmal.
Wir sehen sie als Makel. Als Schönheitsfehler. Als Schwäche. Dinge, die andere nicht sehen sollen, Dinge die kaschiert und versteckt werden sollen.
Aus Angst, dass sie uns weniger attraktiv erscheinen lassen. Weil wir uns schämen für das, was wir erlebt haben, was uns zugefügt wurde. Und manchmal, weil wir uns selbst nicht immer daran erinnern wollen, weil wir vergessen wollen.

Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter früher oft gesagt hat „es heilt besser, wenn Luft dran kommt“ und ich glaube, sie hat recht. Natürlich meinte sie zum Beispiel Schürfwunden, die man sich als Kind ja öfter mal zufügt. Aber ich glaube, es passt auch auf die seelischen Wunden.
Wir müssen unsere Wunden und Narben nicht jedem zeigen, aber zu verstecken brauchen wir sie auch nicht. Sie gehören zu uns und zum Leben. Oft haben sie uns geprägt, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht.

Jedes Leben hinterlässt Spuren an seinem Menschen, sichtbare und spürbare. Ich glaube, wenn wir uns trauen würden, sie als zu uns gehörig zu tragen, würden sich das andere auch trauen. Denn sie zu verstecken und zu überspielen braucht für die Betroffenen oft wahnsinnig viel Energie. Und zu sehen, dass es andern – oder allen – irgendwie ähnlich geht, wenn auch ganz anders, wäre auch für die Akzeptanz von sich selbst, aber auch von andern nicht so verkehrt.

Sie gehören dazu, unsere Verletzungen. Sie müssen weder hervorgehoben noch kaschiert werden. Genauso wie all die anderen Dinge, die uns ausmachen.