#unhatewomen

Ich bin vor kurzem per Zufall auf den Hashtag #unhatewomen gestossen und habe einiges darüber gelesen unterdessen. Weil gestern ja Weltfrauentag war, möchte ich heute darüber schreiben.

Unhate women heisst auf deutsch Hasse Frauen nicht.
Hasse Frauen nicht.
Hör auf, Frauen zu hassen.
Unhate women.

Wenn es euch interessierst, könnt ihr bei http://www.terredesfemmes.de mehr darüber lesen. Ich habe hier noch ein paar Bilder dieser Kampagne gepostet, schaut sie euch an.
Ich schreibe darüber nichts.
Aber es schockiert mich zutiefst, was Frauen sich offensichtlich anhören müssen bzw. z.B. auch in Songtexten zu hören bekommen.

Es ist abartig und krank.

Frauenrechte sind Menschenrechte. Auch diese Aussage habe ich auf der Website von Terre des femmes gelesen. Das ist doch klar, oder? Frauenrechte. Männerrechte. Menschenrechte. Leider ist es immer noch nicht so. Frauen haben nicht dieselben Rechte wie Männer, in vielen Bereichen des Lebens nicht. Es geht mir nicht darum, mich zu beklagen. Es geht mir nur darum, meine Meinung darüber zu schreiben und vielleicht euer Interesse zu wecken. Es geht hier jetzt um Frauen. Wenn ihr mich öfter liest wisst ihr aber, dass es mir sowieso ein Anliegen ist, dass Menschen gleichwertig behandelt werden. Fair behandelt werden. Und ihren Möglichkeiten entsprechend unterstützt und gefördert werden, ihren Möglichkeiten entsprechend Chancen haben. Egal ob Mann oder Frau, egal welche Hautfarbe und welche Herkunft, ob Kind, ob Mensch mit einer Behinderung oder wer auch immer.

Frauen sind auf dem Weg. Viele von ihnen. Sie wollen gleiche Chancen haben wie Männer und sie setzen sich dafür ein. Und es gibt keinen Grund, warum sie diese nicht bekommen sollten. Keinen Grund, warum sie weniger wert sein würden als Männer. Ohne die Männer geht das nicht. Ohne die Gesellschaft geht das nicht.

Das soll jetzt hier kein Feminismus-Referat werden. Irgendwie wäre das noch viel ein grösseres Thema und da trau ich mich noch nicht so richtig ran. Lustigerweise (nein, lustig ist es eigentlich nicht) macht man sich bei vielen Menschen ja sehr angreifbar und unbeliebt, wenn man irgendwas von Feminismus redet.
Feminismus wird in direkten Zusammenhang gebracht mit Extremismus, was meiner Meinung nach total am Thema vorbei ist.
Ich finde auch keinesfalls, dass Männer Angst haben sollen vor dieser Entwicklung. Ganz im Gegenteil. Natürlich wird das auch das Leben der Männer zum Teil verändern, wenn Frauen z.B. beruflich mehr Möglichkeiten haben. Aber bestimmt nicht zum Negativen. Ausserdem steht es jedem Paar frei, sein Leben so zu gestalten, wie es gerne möchte. Die Veränderung ist aber, dass so fast alles möglich sein wird, was es jetzt eher noch nicht ist.
Für mich geht es auch darum, die sogenannt weiblichen Eigenschaften (was verallgemeinernd ist, ich weiss) anzuerkennen und zu sehen, dass sie ebenso wichtig und unentbehrlich sind wie die sogenannt männlichen. Zu erkennen, dass Perfektion eine Mischung von beidem ist. Togetherness. Auch hier wieder.

Vielleicht schreibe ich mal ein paar Erfahrungen auf, die ich so gemacht habe oder auch Dinge, von denen ich gehört habe. Zum Thema Frauen. Feminismus. Gleichberechtigung. Unhate women.

Ich habe eine Freundin, die mir vor kurzem erzählt hat, wie sie als Teenager vom Vater ihrer Freundin nach Hause gefahren wurde bzw. statt nach Hause ist er in den Wald gefahren, hat angehalten und versucht, sie zu berühren, zu küssen. Sie hatte totale Panik und Angst, er würde sie vergewaltigen, sie hat sich gewehrt und konnte entkommen. Sie hat sich stundenlang im Wald versteckt, weil sie Angst hatte, er lauere ihr irgendwo auf. Als sie dann sehr spät abends nach Hause gekommen ist, verheult und in einem offensichtlich desolaten Zustand, hat sie es ihrer Mutter erzählt. Und ihre Mutter hat gesagt, es ist ja nichts passiert, hör auf und mach kein Drama…
Meine Freundin ist unterdessen 60 und hat dieses Erlebnis nicht vergessen. Es hat ihren Selbstwert und ihr Vertrauen zu Männern bis heute sehr geprägt…

Eine andere Frau, die ich kenne, war schon als Kind wunderhübsch. Sie wurde damals sozusagen vorgeführt. Wenn Besuch da war, wurde sie gerufen und wurde vorgezeigt, für ihre Schönheit gelobt und konnte dann wieder gehen. Sie hat bis heute das Gefühl, dass sich nie jemand für etwas anderes als ihr Aussehen interessiert hat.

Damals in der Phase der Trennung hatte mein Mann schon nach sehr kurzer Zeit eine Freundin, was für mich sehr schlimm war. Ich habe dies weinend jemandem erzählt und sie hat gesagt „ist sie schlank?“
Ich: Ja
Sie: Tja, dann…
Da fühlt man sich wertlos und zwar so richtig. Es ist fast zwei Jahre her, ich kann diese Worte und den Gedanken, hässlich zu sein, nicht vergessen.

Ich hatte eine Bekannte, vielleicht sogar eine Freundin, mit der ich regelmässig über vieles gesprochen und diskutiert habe. Eines Tages vor etwa einem Jahr kamen wir aufs  Thema Feminismus und alleinerziehend sein. Ich zeigte ihr einen Blog, den ich sehr gut fand, von einer Mutter, die von ihrem Leben aus dem Blickwinkel des Feminismus schreibt (nicht alleinerziehend). Meine Bekannte fand das alles total daneben und hat sich gefragt, wo diese Frau vor ihrer Ehe gelebt hat, wenn sie das alles jetzt so erlebt. Total naiv und dumm. Sie hat auch gesagt, dass wenn eine Frau Kinder will und bekommt, das Zurückstecken und alleinige Übernehmen der Verantwortung halt der Preis ist, den sie dafür bezahlt.
Ich habe in dieser Situation bestimmt zu heftig reagiert und ihr gesagt, dass sie das vielleicht nicht verstehen kann, weil sie nicht in dieser Situation ist. Ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört und hatte ehrlich gesagt auch nicht, die Energie mich wieder zu melden.

Ihr habt bestimmt auch solche Beispiele. Und ich möchte euch sagen, egal wer oder was ihr seid, geht einfach anständig miteinander um. Damit wären 99% der Probleme dieser Welt gelöst.

 

5 Comments on “#unhatewomen

  1. Mein Problem mit dem Feminismus ist auch mein Problem mit der Gender-Debatte und allem anderen, das auch nur im Entferntesten das Thema Gleichberechtigung berührt:

    Gehörst du zur selben Spezies von in der Theorie vernunftbegabten Säugetieren wie ich? Dann respektiere ich dich und lass dich tun, was du willst, solange du damit niemandem schadest.

    Klingt einfach, ist es nur leider nicht. Weiblich / männlich / divers (eine stetig steigende Zahl, da sich ja jeder selbst was aussuchen kann, schließlich ist es wichtig, dass einem da keiner reinreden darf) … wie wäre es mit „Mensch“? Funktioniert nicht. Nicht nur Verwaltungsapparate brauchen Definitionen und klare Bezeichnungen, sondern Menschen – besonders, die für Gleichberechtigung und gegen Schubladendenken sind – wollen unbedingt klarmachen, dass sie genau in Schublade XY gehören.

    Und da kommt das Problem mit dem Feminismus, nämlich das viele denken, ein Einsatz für die Frau an sich, mit all ihren Facetten, bräuchte zwingend ein Feindbild. Und was passt da besser als der Mann? Im Prinzip sind es also die sogenannten „Feminazis“, die dem Feminismus am meisten schaden, in meinen Augen. Und das geht schon in die Richtung des Extremismus. Leider sind das eben auch genau die, die immer am lautesten schreien und oft die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

    Dann ist da noch die Rhetorik. Gleichberechtigung ist super und hin und wieder muss auch Bevorzugung mal sein. „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen und Behinderte bevorzugt behandelt“ hat mit Gleichberechtigung nichts zu tun. Das ist okay, man sollte es nur nicht leugnen.
    Dieses ganze miteinander reden, besonders auf Augenhöhe, um in allen Bereichen mal eine Gleichberechtigung erreichen zu können, kann nur funktionieren, wenn man auch zu dem steht, was man sagt.

    Auf die Rap-Zitate gehe ich nicht noch ein. Sind auch so schon zu viele einzelne Gedanken in einem Kommentar.

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  2. Ich gucke mir gerade mal wieder die Filme „Ku´damm 56“ und „Ku´damm 59“ an (https://www.zdf.de/filme/kudamm-56) Ich bin in dieser Zeit und mit dem furchtbaren Frauenbild von damals aufgewachsen. Daran muss ich gerade denken, denn ich spüre die Nachwirkungen noch bis heute. Liebe Grüße!

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  3. PS: Artikel 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland:

    „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ usw.

    Eine Ausnahme für Rapper hab ich hier nicht gelesen. Es gibt aber wirklich sozialkritischen und guten Hipp-Hopp. So meine Erfahrung.

    Gegen respektlosen und frauenfeindlichen Gesang muss jetzt endlich was getan werden. Da bin ich voll auf deiner Seite.

    LG Sven

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  4. Müsste man verbieten, dass hier 50 Prozent der Bevölkerung verunglimpft werden. Sie beleidigen nicht nur Gleichaltrige, sondern auch Schwestern, Cousinen, Mütter, Großmütter usw. und zuletzt sich selbst, weil sie ja ohne Frauen erst gar nicht auf der Welt wären. Wie kann man in einer Demokratie so etwas zulassen? Die Freiheit der Kunst hört hier für mich auf. Wohl zuviel Männer in den verfassungsschützenden Organen? Macht mich echt traurig ..

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  5. Das letzte Beispiel ist doch ein Paradebeispiel für die Haltung, die vielerorts herrscht: Was ICH erlebt habe, prägt meine Haltung. Jetzt kommt es darauf an, was ich daraus mache. Leite ich daraus ab, dass nur mein Erlebtes richtig ist, entsteht irgend ein -ismus.
    Das was ich zwischen den Zeilen aus deinen Zeilen aus deinem Leben herauslese, spricht nicht für wirklich gute Erfahrungen mit Männern, zumindest mit dem Letzten. Ich habe ähnliche Erfahrungen mit meiner Exe gemacht. Wir zwei könnten sicher gut diskutieren, wenn die Bereitschaft da ist, den anderen mit seinem Erfahrungshintergrund zu respektieren. Ansonsten würde sich jeder in seiner Argumentationskette verkriechen.
    RESPEKT ist die Grundlage für den Umgang miteinander.
    Und im Übrigen finde ich, dass du sehr sehr hübsch bzw. schön bist.

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