1. Advent – Wünsche, Gedanken und Zwi schen r äu me

Wir haben die erste Adventwoche des zweiten speziellen Jahres, um es so zu sagen. In dieser Zeit bis zu Weihnachten wird es draussen richtig kalt, bei uns ist letzte Nacht der erste richtige Schnee gefallen. Wir sind gern drinnen in der Wärme, sorgen für helles Licht und langsam kommt ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung auf.
In dieser Zeit wünschen wir uns gerne stille Momente, die schön sind, Besinnlichkeit und Frieden. Wir wünschen es uns und lassen uns dann doch vom hektischen Treiben des Lebens mitreissen.

Jedes Jahr und auch in diesem. Es war wieder kein einfaches, wie schon das letzte und die Hoffnung auf ein 2022 ohne Covid hat sich irgendwie auch bereits verabschiedet. Covid ist das eine schwierige Ding, mit dem wir wohl oder übel für eine unbestimmte Zeit leben müssen. Wie die Menschen damit umgehen und was es aus aus ihnen – aus uns – macht, ist das andere. Ich denke nicht, dass Corona die Menschen spaltet und Unmut streut, sondern die Menschen selber das tun. Zusammenhalt und Miteinander, Einigkeit und Vertrauen ist im Kleinen schon nicht immer einfach (zB in kleinen Teams wie Ehepaaren, Familien, in der Arbeit, Freundeskreis usw), wie können wir denn ernsthaft davon ausgehen, dass das im Grossen klappen soll? Also alle Einwohner einer Stadt, eines Landes, von ganz Europa oder sogar der ganzen Welt?

Es wird viel gemalt momentan. Vor allem schwarz. Menschen lassen sich leiten von negativen Gefühlen, von Missmut, Angst und Misstrauen. Schwarz überfärbt immer alles. Ein Bild kann noch so bunt und leuchtend sein, wenn jemand nur ein paar Tupfer schwarze Farbe darauf spritzt, verläuft alles ineinander und wird zu einer bräunlich-schwarze Sauce. Und in der befinden wir uns mit unserem Kopf momentan grad ziemlich oft. Schwierig, darin die bunten Farben zu sehen. Schwierig, darin mit den Gedanken zur Ruhe zu kommen. Schwierig, darin klar zu sehen.

Manchmal scheint es mir, es sei nicht mal mehr nur schwarz und weiss, sondern nur noch schwarz. Different shades of black sozusagen. Aber gibt es die überhaupt?
Klar gibt es Momente, wo die Extreme zählen, wo es nur Ja oder Nein gibt oder nur Das oder Jenes.

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.
Francis Picabia (zw. 1910 und 1915)

Sehr oft im Leben ist es das Dazwischen, was wichtig ist, was wirklich zählt. Die Zwischenräume, die wir xbeliebig mit unserem Leben und unseren bunten Farben, unseren Ideen, unserer Persönlichkeit und unserer Vielfalt füllen dürfen und auch sollen.
Der Zwischenraum zwischen Entstehung und Tod heisst Leben.

Wie auch immer.
Jedenfalls wünsche ich euch und mir eine angenehme erste Adventwoche, frohe Gedanken, Zuversicht und einen liebevollen Umgang miteinander. Vielleicht wird so dann auch das mit dem Frieden und der Liebe etwas, wer weiss…

Trauer.



Manchmal überlege ich mir, welches das schlimmste Gefühl von allen ist und ich glaube, es ist die Trauer.

Andere Gefühle können auch schlimm sein, ich weiss. Und ganz bestimmt hat jeder Mensch sein ganz persönliches Gefühl, welches ihn zu Tode triggert. Ich glaube, bei ganz vielen ist es die Angst bzw irgendeine Art von Angst, denn es gibt ja unzählige.
Bei mir ist es die Trauer. Und vielleicht ist auch sie mehr oder minder entfernt sogar mit der Angst verwandt.
Die Trauer ist so ein richtiges Scheiss-Gefühl. Wenn sie da ist, ist sie so hoffnungslos und so tief in uns drin. Ich würde behaupten, dass die Trauer das intensivste Gefühl ist, neben der Liebe vielleicht. Sie wird uns zugefügt und bleibt dann erstmal für eine ganze Weile. Eiskalt und schwer sitzt sie wie so’n Klumpen auf unserem Herzen. So dass unser Herz richtig weh tut und uns das Atmen schwer fällt.
Ich verstehe die Trauer nicht so gut. Ich weiss, warum sie da ist und ich weiss auch, was es benötigt, dass sie irgendwann weniger wird. Aber verstehen tu ich sie nicht. Sie ist doch eigentlich im Kopf, wie alles andere auch und doch fühle ich sie mehr im Herzen als im Kopf.


Trauer ist auch etwas anderes als Traurigkeit.
Ich glaube, Traurigkeit ist auch schlimm. Sie wird von Ereignissen ausgelöst und verschwindet dann aber auch zeitnah wieder, womit sich die Trauer hingegen ziemlich viel Zeit lässt.
Sie wird ausgelöst durch die Erfahrung von existenziellen Verlusten. Also von Verlusten, die unser Leben so sehr beeinflussen oder durcheinander werfen, dass es uns aus den Socken haut. Trauer kann ganz tiefe Traurigkeit auslösen, Ängste und Vermissen bzw. wohl meistens gleich alle drei zusammen. Und zwar in einer Intensivität, die kaum auszuhalten ist, besonders am Anfang.

Trauer verbinde ich vor allem mit Todesfällen. Mit einem Verlust, wie oben geschrieben. Damit, dass ein Mensch oder ein Wesen, das wir lieben oder zumindest mögen, mit dem wir auf irgendeine Art verbunden sind und das ein fester Bestandteil unseres Lebens ist, aus dem Leben gerissen wird. Aus seinem und damit auch aus unserem. Das hinterlässt eine Lücke, die sich mit Schmerz fühlt.

Es ist schwer auszuhalten, wenn jemand fehlt.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass jedesmal, wenn ein nahestehendes Wesen stirbt, ein Teil der Trauer, die man in der Vergangenheit erlebt und eigentlich als bewältigt betrachtet hat, sich auch wieder ein wenig aufwölbt und zusammen mit den ganz frischen Gefühlen nochmals auflebt. Aufbebt.


Es gibt da eigentlich nicht so wirklich vieles, was hilft. Wenn man jemanden kennt, der trauert, dann würde man ihm am liebsten all den Schmerz abnehmen und ihn wieder glücklich sehen. So geht es mir zumindest. Ich finde auch das schwer auszuhalten. Zu sehen und in etwa zu wissen, welchen Schmerz der andere gerade fühlt… Aber es nützt ja nichts. Jeder muss da für sich selber einfach durch. Mit Hilfe oder ohne. Hilfe unterstützt, nimmt aber nichts weg, wie das halt immer so ist.

Ich habe diese Woche weinend zu der Tierärztin gesagt, die mein Meerschweinchen erlöst hat, dass ich damit einfach nicht so gut umgehen kann. Weil ich mich geschämt habe, dass ich weine.
Beim nach Hause fahren kam ich an einem Haus vorbei von dem ich wusste, dass da vor kurzem eine Frau gestorben ist, die ihren Mann und (erwachsene) Kinder hinterlassen hat. Und ich dachte an einen Bekannten, der vor nicht zu langer Zeit sehr schnell gestorben ist und noch relativ kleine Kinder hinterlassen hat. Und ich habe mich fast geschämt für meine Tränen um ein Tier, als ich an diese Menschen gedacht habe.
Aber ich weiss, das ist nicht vergleichbar. Einen Menschen zu verlieren ist total etwas anderes. Ich habe es auch erlebt.
Man muss es nicht miteinander vergleichen. Es sind unterschiedliche Situationen.


Und dennoch war ich am Dienstag sehr aufgelöst und bin auch heute noch traurig. Nur schon der Entscheid des Erlösens und dann mit dem Tierchen auf dem Arm zu warten, bis es gestorben ist… Ich finde das wirklich sehr schlimm. Und er fehlt. Uns und ganz offensichtlich auch der kleinen Meerschweinchen-Bande. Dass sie trauern, das finde ich auch nicht ganz einfach. Da kann man irgendwie nichts machen, die verstehen das alles doch gar nicht, das ist einfach so. Es braucht Zeit.

Später am Dienstagabend, als ich zuhause weiter weinte, habe ich mir weitere Gedanken darüber gemacht und ich bin zum Entschluss gekommen, dass ich damit total normal umgehe, denn trauern ist eine sehr persönliche Sache und jeder tut es auf seine Art und Weise. Da gibt es nichts zu werten oder zu beurteilen. Und weinen ist kein Zeichen, dass man damit nicht umgehen kann, sondern es ist einfach ein Zeichen dafür, dass man traurig ist. Dass das Herz so voll und so schwer ist.

Ein paar Tage später nun glaube ich, dass ich eigentlich sogar recht gut damit umgehen kann. Ich kann mich meiner Trauer stellen. Wie in jeder anderen Situation bin ich der Meinung, ich muss da einfach durch, ausweichen ist kontraproduktiv. Ich würde das auch jedem raten. In jeder Lebenslage.

Trauern ist ein Gefühl in unserer unendlich weiten Gefühlspalette und es gehört dazu wie jedes andere. Es ist nicht das Ziel, es irgendwann nicht mehr zu spüren, wenn jemand stirbt, um dann sagen zu können, man könne damit gut umgehen. Man kann damit nicht besser umgehen, wenn man nicht weint oder ausweicht und seine Trauer andern nicht zeigt.
Es ist das Ziel, es zulassen zu dürfen. Das finde ich zumindest.

Schlussendlich sind wir alle irgendwann in unserem Leben Trauernde. Und das nicht nur einmal im Leben.
Ich wünsche euch allen viel Kraft dabei, wenn sie bei euch ist, die Trauer. Es braucht viel Zeit, aber sie wird sich wieder zurück ziehen und schöne Erinnerungen und Licht hinterlassen, irgendwann. Sie hat gutes Sitzleder, es braucht Geduld.

Alles und ganz viel Glück unter einen Hut bringen

Ich habe in der letzten Zeit immer wieder Situationen erlebt, in denen ich mir Gedanken gemacht habe darüber, was es bedeutet, im Leben erfolgreich zu sein. Es geschafft zu haben, wie man so schön sagt.
Aber was ist dieses „ES“ denn eigentlich? Das grosse Glück, die grosse Liebe, Attraktivität, Gesundheit, Arbeit, Heirat, Kind, Haus, Boot, Reisen, Golf spielen, Freunde haben, Geld haben oder was eigentlich?

Ich bin unterschiedlichen Menschen begegnet, die bei mir diese Fragen ausgelöst haben. Aus meiner Sicht aus betrachtet, so perfekt und sorglos, fast ein bisschen glitzernd. Aber ist das alles das, was sie sich gewünscht hatten oder wünschen sie sich noch mehr oder gar anderes?
Manchmal sieht so ein Menschenleben von aussen so perfekt, so schön aus, aber ob der Mensch selbst das auch so empfindet, weiss man nicht.

Jedenfalls habe ich über mein Leben nachgedacht.
Und ich glaube, dass dieses Erfolgreich Sein bei jedem wohl etwas anderes sein kann. Und dass Begriffe wie Glück, Zufriedenheit, Erfolg, Geborgenheit und Liebe von Person zu Person unterschiedlich definiert und noch unterschiedlicher gefüllt werden. Je nach Situation, je nach Charakter und Möglichkeiten und ich glaube auch, je nachdem, was diese Person in der Vergangenheit erlebt hat.
Aus dem was uns fehlt, formt sich das was wir suchen und anstreben, würde ich sagen. Vielleicht.
Ich glaube, das Glück – was auch immer es ist – ist für ganz viele Menschen etwas weit Entferntes und nie Erreichtes und nur die ganz besonders Glücklichen realisieren, dass sie bereits davon umgeben und mittendrin sind.

Ich weiss aber nicht, ob das Glück und das Glücklich Sein dasselbe ist wie im Leben etwas erreicht zu haben. Bestimmt nicht für alle. In unserer Gesellschaft hat „erfolgreich sein“ ja auch ganz viel mit materiellen Dingen zu tun. Damit, diese Dinge für sich zu geniessen, aber auch damit, andern zu zeigen, dass man diese Dinge hat. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Aber auch damit, dass materieller Reichtum uns ganz, ganz viel Sicherheit und Unbeschwertheit vermitteln kann.
Und doch sagt man, Geld allein mache auch nicht glücklich.
Aber was denn noch? Liebe? Geborgenheit? Freiheit? Sorglosigkeit?
All diese Begriffe bedeuten für jede etwas anderes.
Für den einen bedeutet Glück, eine Familie zu haben, für den andern bedeutet es, gesund zu sein und für wieder einen andern ist es das grosse Glück, in der Welt herum zu reisen und ein anderer sieht sein grosses Glück im erfolgreich sein im Job.
Für die eine bedeutet Geborgenheit, sich in ihrer Wohnung sicher und wohl zu fühlen, für jemand anderer bedeutet es, zu jemandem zu gehören, sich geliebt zu fühlen.
Dasselbe mit Sicherheit. Wir können nahestehende Menschen als Sicherheit empfinden, Geld oder was auch immer. Wir hier haben bestimmt eine ganz andere Definition von Sicherheit, verglichen mit zB einer Frau in Afghanistan, die Angst haben muss, getötet zu werden, wenn sie ihr Haus verlässt oder auch wenn sie es nicht verlässt.
Und ich glaube, fast noch unterschiedlicher ist es mit der Liebe. Wir lieben aus unterschiedlichen Gründen und Bedürfnissen heraus genau die Person, die wir lieben. Und auch wenn wir nicht lieben, hat das seine Gründe. ZB kann Sicherheit ein Grund zum Lieben, aber auch zum Alleine bleiben sein, je nachdem welche Erfahrungen man gemacht hat. Liebe ist sehr vielschichtig.

So habe ich mich vor einiger Zeit mit einer alten Freundin seit langem wieder getroffen und unterhalten und das war sehr spannend. Sie führt seit ein paar Jahren ein Leben, das kann man sich als „normaler Mensch“ kaum vorstellen. Sie hat alles, was ich nicht habe, wenn man das so pauschal sagen kann und ich habe alles, was sie nicht hat. Ich hatte im Gespräch ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle und eines davon war, dass ich ihr ihr Glück (ich hoffe dass es das ist) von Herzen gönne. Zum andern habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr so mag von mir erzählen, weil neben ihren Erzählungen mein Leben sehr erbärmlich ausgesehen hat. Aber das ist okay, ich fand es interessant zuzuhören und zu staunen.

Nach diesem Nachmittag bin ich nach Hause gefahren und habe mir echt viele Gedanken gemacht. Ich hatte ganz fest das Gefühl, dass sie genau das gefunden hat, erreicht hat, was sie sich total gewünscht hat immer. Um ehrlich zu sein, habe ich mir auch überlegt, ob ich neidisch bin. Und gemerkt, dass ich es nicht bin. Das was sie hat, macht sie sehr happy. Mich würde es wohl entlasten und mir viele, viele Sorgen und Gedanken nehmen, aber MEIN Leben wäre das nicht.
Und so habe ich in diesen Gedanken realisiert, dass ich glücklich bin mit meinem Leben. Ja, wirklich. Glücklich. Dass ich andern ihr Glück und ihr Leben gönnen kann und ich meines mit allem drum und dran liebe. Ich glaube, das war meine persönliche Erkenntnis dieses Jahres. Ich finde es gut so wie es ist und ich liebe es.
Es ist zuweilen etwas anstrengend, zugegeben. Ich muss meine Energie immer wieder sehr gut einteilen und komme trotzdem immer mal wieder an meine Grenzen auf ganz verschiedenen Ebenen. Ich weiss, dass das noch ein paar Jahre so sein wird und in die Ferien fahren irgendwohin nicht in Frage kommen wird. Es ist wie es ist. Und man hat was man hat. Nicht mehr und auch nicht weniger. Auch zuhause kann ich mir kleine Oasen schaffen.
Und es gibt auch Momente, da fühle ich mich allein, obwohl ich so ziemlich gar nie allein bin. Diese Momente hatte ich früher öfter, jetzt nur noch ganz selten. Vermutlich dann, wenn ich nur noch wenig Kraft habe und mir wünschte, mir würde jemand beim Tragen helfen.

Ich habe mich grad diese Woche mit einer Frau unterhalten, die vor Jahren ihre vier Kinder, eins davon mit einer Einschränkung, allein aufgezogen hat. Sie hat gesagt, dass sie dieses Allein-Gefühl sehr ausgeprägt hatte und das während der ganzen Zeit sehr schwer gefunden hat. Ich kann das gut nachvollziehen, obwohl es mir nicht ganz so geht. Aber den Gedanken „es gibt auf dieser Welt niemanden (ausser mein Kind natürlich, aber das ist etwas anderes), der mich liebt“, den kenne ich auch. Ich mag ihn nicht. Aus diesem Grund vermeide ich ihn so gut es geht. Klappt ganz gut.

Es wird immer wieder Momente geben, in denen ich mich in Gesellschaft irgendwie als Aussenseiterin fühle. Ich muss das nicht, ich weiss, aber manchmal ist es halt trotzdem so.
So habe ich vor ein paar Wochen in einem Gremium an einer Sitzung teilgenommen, wo jede und jeder sich zuerst mal vorgestellt hat. Dabei haben sie auch ihren Partner bzw. ihre Partnerin erwähnt und ich war da die einzige Alleinerziehende und Alleinstehende. Ich bin mir blöd vorgekommen und ich habe mich geschämt in diesem Moment. Weil ich in diesem Moment dachte, dass ich so ziemlich alles, was ich in meinem Leben erreicht hatte bisher, verloren habe. Die andern sind daran nicht schuld, diese Gedanken werden in mir selbst ausgelöst durch die Auseinandersetzung mit mir und meiner neuen Rolle zuhause und auch in der Gesellschaft. Mit der zuhause habe ich mich gut arrangiert. Mit der in der Gesellschaft noch nicht so ganz, denn das ist schon schwieriger. Man ist als Alleinerziehende wohl sehr damit beschäftigt zu funktionieren, zu arbeiten, zu haushalten, zu erziehen, Geld zu verdienen, möglichst flexibel zu sein, dass man keine Zeit dafür hat, sich für sich und andere Alleinerziehende stark zu machen. Deswegen ist man mit seinen Themen allein, obwohl es so viele Alleinerziehende gibt. Aber das sind wieder andere Themen.

Ich glaube jedenfalls, dass es notwendig ist, sich diese Gedanken zu machen Die Gedanken, was uns glücklich macht und was wir im Leben erreichen und leben möchten, denn die Zeit läuft und läuft und kommt nie mehr zurück. Es ist gut, auf dem Weg zu sein und ein Ziel im Auge zu haben…
Und das ganz persönliche kleine oder grosse Glück im Alltag zu sehen und zu geniessen. Ich probiere das auch. Es gelingt manchmal schon ganz gut.









Herzen bauen keine Mauern

Ich möchte behaupten, es lebt sich entspannter und viel glücklicher, wenn man sich vom Negativen so gut es geht fern hält und das Leben mit Blick auf das Positive geht. Einfacher scheint es im ersten Moment nicht immer, aber ich glaube, das ist zum Teil auch Übungssache, wie so manches andere auch.

Wir Menschen machen unsere Erfahrungen, positive wie negative oder um es weniger wertend zu sagen, solche und solche. Die positiven nehmen wir so gern als gegeben und selbstverständlich an, wir vergessen schnell und gehen weiter im Glauben, dass das normal ist so. Die Erfahrungen, die uns jedoch traurig machen, erschüttern, die Angst machen oder enttäuschen, die bleiben in unseren Köpfen für eine sehr lang Zeit stecken, versinken in unser Gedankengut und verfestigen sich. Als Folge davon werden wir im Umgang mit andern vielleicht vorsichtiger, wir vertrauen weniger schnell, wir sind voreingenommen und dadurch schränken wir uns und auch andere ein. Das ist ja auch ganz normal, denn man lernt ja aus seinen Erfahrungen. Gut so, denn das ist schlussendlich nichts anderes als Selbstschutz.

Schlussendlich ist es aber tatsächlich so, dass eine oder zwei oder vielleicht auch fünf oder sechs schlechte Erfahrungen zB mit Männern zwar sehr verletzend sind und einem in seinen Grundsätzen und -mauern bis ins Tiefste erschüttern können, aber trotzdem nicht auf alle bezogen werden können.
Kennt man einen, kennt man alle. So ist das nämlich nicht. Kennt man einen, kennt man eben halt nur den einen. Dasselbe ist auf sämtliche andere Erfahrungen, die man macht, übertragbar.
Ich habe mit diesem Text schon vor ein paar Tagen begonnen und lustigerweise hat mich gestern Morgen jemand im Gespräch gefragt, was meine Trennungs-Erfahrung mit mir gemacht habe betr. Männerbild. Ob ich zur Männerhasserin geworden bin, wie man es manchmal von Frauen hört (und umgekehrt von Männern vielleicht genauso). Und nein, das bin ich tatsächlich nicht. Aber schon zurückhaltend(er), kritischer und nicht mehr so begeisterungsfähig wie vielleicht vor 20 Jahren. Das muss aber nicht unbedingt die Erfahrung sein, vielleicht liegt es auch an meinem Alter. Und wenn ich komische Erfahrungen mit komischen Männern mache, ist es mir auch immer bewusst, dass das nur dieser eine Mann ist und dass andere nicht in diese Schublade passen. Ich tendiere in keinem meiner Denk- und Meinungsbereiche zur Verallgemeinerung oder Radikalisierung.

Und trotzdem prägen uns Erfahrungen natürlich. Schlussendlich alle. Ich wäre eigentlich dafür, wenn es um Erfahrungen geht, die Wertung „positiv“ oder „negativ“ wegzulassen, denn es sind ja einfach nur Erfahrungen, aus denen unser ganzes Leben besteht. Da gibt es sooo vieles, was zwischen gut und schlecht liegt.
Erfahrungen können noch so schlecht und niederschmetternd sein, am Ende kommts drauf an, was man daraus macht. So eine Erfahrung ist ja meist auch nur eine Momentaufnahme, den weiteren Verlauf bestimmen sehr oft wir selbst. Eine äusserst positive Erfahrung, ein grosses Glück kann sich unter Umständen ganz schnell in Luft auflösen und eine sehr schlechte Erfahrung kann uns eventuell auf einen Weg führen, auf dem wir schöne Erfahrungen machen, die wir ohne diese nicht gemacht hätten.
Ich würde behaupten, meine Erfahrungen waren wirklich nicht alle willkommen und auch nicht alle notwendig. Schlussendlich haben sie mich reich (an Erfahrung) und irgendwie reifer gemacht. Und halt zu dem, was oder wer ich bin. Das kann man gut oder schlecht finden, aber für mich ist das ganz okay so. Dass nicht alle Erfahrungen so wunderbar waren wie man es sich wünschen würde, hat mich mental stärken lassen.
Ich glaube, das geht nicht allen so, ich weiss nicht woran es liegt. Es gibt Menschen, die zerbrechen an Erfahrungen, werden mürbe oder verbittert, verschliessen sich oder werden krank. Ich weiss nicht, ob man diesen Vorgang selbst steuern kann oder ob die Fähigkeit des „Vorwärts schauens und das Beste draus machens“ einem im die Wiege gelegt wird oder geübt werden kann. Fakt ist, dass nicht alle dieselben Voraussetzungen mitbekommen und zwar auf verschiedenen Ebenen, zB kognitiv, psychisch, physisch, familiär. Das ist nicht zu werten. Das was man mitbekommt ist sozusagen die Starthilfe und dann kommt man selbst zum Zug, auch wieder jeder mit unterschiedlichen Möglichkeiten und auch unterschiedlichen Auslegungen von Eigenverantwortung.

Egal für welchen Weg man sich entscheidet – und das ist schlussendlich jedem selbst überlassen – ich finde es schade, wenn sich jemand für den lebenslangen Tunnel entscheidet. (Und ich bin mir durchaus bewusst, dass diese Entscheidung nicht jedem zur freien Verfügung steht.) Es ist viel schöner, wenn auch anstrengend, sich immer wieder einen Ausgang zu suchen, sich aus Krisen zu erheben und dran zu wachsen. Ich glaube, das ist eine Art von Freiheit.
Es ist viel schöner, die Mauern, die das Gehirn baut, gleich selbst wieder abzureissen, bevor sie zu hoch und zu dick werden und offen zu bleiben. Denn nur so ermöglicht man sich ganz viele weitere Erfahrungen – wiederum jeglicher Art, aber auch ganz bestimmt mit dieser Grundeinstellung auch viele, viele schöne.

Man sagt so oft, dass man sich eine Mauer ums Herz herum aufbaut, um sich zu schützen.
Aber ich glaube, Mauern baut man sich im Kopf, aber nie im Herzen.



Ende.

Dinge gehen zu Ende, es ist unweigerlich so. Immer. Unendlichkeit existiert in einem menschlichen Leben nicht und wenn doch, dann nur in unseren Wünschen und Träumen.

Enden sind manchmal ganz okay und manchmal überhaupt nicht.

Was bin ich jedes Mal traurig, wenn ich ein gutes Buch (eigentlich viel zu schnell) zu Ende gelesen habe und es irgendwie nicht genügend genossen habe? Verschlungen, Sätze überlesen, um möglichst schnell alles in mir aufzusaugen. Und am Ende bleibt immer ein kleines Bisschen Leere und es dauert eine kleine Weile, bis ein nächstes Buch diese wieder auszufüllen vermag.

Wir freuen uns auf einen besonderen Augenblick oder einen Tag, auf Weihnachten, Urlaub und Geburtstage und wenn wir ehrlich sind, ist vielleicht die Vorfreude viel ergiebiger als der Moment selbst, denn sie dauert unter Umständen viel länger und lässt uns erschaudern, glücklich sein und uns alles in den schönsten Farben ausmalen. Wenn der besondere Moment dann da ist, ist er auch schon wieder vorbei und was bleibt, sind Erinnerungen.

Gerade gestern habe ich darüber geschrieben, wie es ist wenn ein Leben endet. Ein Ende und ein Abschied für immer und auch für ewig, obwohl ich gerade eben geschrieben habe, dass es die Unendlichkeit gar nicht gibt. Und doch scheint es sie zu geben, nämlich im Tod. Im Nichts. Oder auch nicht. Niemand weiss es, einige glauben irgendetwas.

Freundschaften enden, Menschen leben sich auseinander, finden neue, interessantere Menschen, mit denen sie sich verbinden und Zeit verbringen möchten. Das ist der Lauf der Zeit. Normal. Und doch ist auch das manchmal mit loslassen verbunden und loslassen ist vielleicht mit losreissen verbunden und vielleicht tut das dann einem von beiden mehr weh als dem andern.
Und manchmal ist längst nicht alles ein Ende, was wie ein Ende aussieht. Manchmal ist es nur ein Warten, ein Zwischenraum und die Angst vor dem Ende, die uns etwas zusammenphantasieren lässt.

Ich glaube, wir füllen so manche innere Leere mit einem Menschen. Einem, der ganz genau das ist, was wir brauchen. Ganz genau das, was uns glauben macht, wir wären nicht leer, nicht zerbrochen. Es ist schön, dass es das gibt. Und aber auch unschön, wenn dieser Mensch dann nicht mehr da ist, denn dann werden wir auf unser inneres Leer-Sein zurück geworfen und das ist vielleicht das allerschlimmste Gefühl von allen.
Leere ist schwer auszuhalten. Für mich jedenfalls.
Und dennoch tu ich es, wenn sie mal da ist. Muss.

Ich glaube, wenn wir vermögen, alle diese leeren Stellen in unseren Herzen selbst auszufüllen und wir mit uns selbst zufrieden und glücklich sind, dann sind wir bereit für die Liebe. Denn dann brauchen wir nicht mehr, kompensieren wir nicht mehr, sind wir nicht mehr abhängig, sondern sind wirklich frei für jemanden.

die Liebe

Ich finde, es geht im Leben immer darum, etwas Gutes aus dem zu machen, das man hat oder bekommt. Oder das Bestmögliche. Dinge umzudrehen, um zu schauen, wie es auf der andern Seite aussieht. Fünf Schritte retour gehen, um es von dort aus zu betrachten oder ganz nah ran zu gehen, um etwas wirklich ganz genau sehen zu können.

Es geht darum,
in Tumult und Lärm die Ruhe zu finden.
In der Dunkelheit das Licht und
in einem Haufen Dreck den Schatz.

In Berg- und Talfahrten die Balance.
In Streit und Krieg den Frieden und
in der Krise die Chance.

Im Dickicht und Gestrüpp den Weg.
Im Chaos und Wirrwar die Ordnung und
in der Kälte die Wärme.

In der Trauer den Trost.
In Verzweiflung und Angst die Hoffnung und
in der Angst die Hand, die uns hält.

Im Bösen das Gute.
Im Hässlichen das Schöne und
in allem die Liebe.

Ein Virus, der Glückshormone ausschüttet….

Ein Virus bringt fast die ganze Welt total durcheinander.
Jedenfalls unsere.
Dem einen bringt es sehr viel Zeit, dem andern sehr viel Stress.
Dem einen bringt es Krankheit, vielleicht sogar Tod, der andere merkt nicht mal etwas davon. Dem einen bringt es Existenzängste oder gar den finanziellen Ruin, der andere verdient sich an der ganzen Sache eine goldene Nase.
Ich glaube, viele fühlen sich momentan irgendwie mehr oder weniger einsam, jeder auf seine Art und Weise. Die Distanz zueinander, die fehlenden persönlichen Kontakte… das fehlt uns. Auch in diesem Bereich haben bestimmt viele ein Manko und andere genau das Gegenteil. Menschen, die sehr intensiv in der Pflege oder Betreuung oder vielleicht auch in den Läden arbeiten, waren in den letzten Wochen dem Kontakt mit anderen Menschen sehr intensiv „ausgesetzt“. Das kann zuviel werden und wirkt sich manchmal auch in der Freizeit mit Unlust auf Kontakte aus, obwohl die Qualität dieser Kontakte ganz anders ist, wenn man die professionelle von der freundschaftlichen Beziehung unterscheidet.

Ich weiss auch heute noch immer nicht, ob ich DAS Virus schreiben muss oder ob es DER Virus heisst. Falls ich es falsch mache, ist es nicht schlimm, denn ihr seid ja nachsichtig und nicht streng. Rechtschreibung und Grammatik sind mir sehr, sehr wichtig. Aber in diesem Fall habe ich keine Lust, zu recherchieren, wie es tatsächlich heisst und das zeigt genau auf, wie sehr mir der ganze Mist mit diesem Virus unterdessena auf den Sack geht.

Kommen wir aber zurück auf diesen Virus, der alles durcheinander bringt… Es ist, weil er uns unter Umständen sehr krank machen oder uns sogar umbringen kann.

So ein Virus ist ein destruktives Arschloch, ich kann es nicht anders sagen. Oder habt ihr schon mal von einem Virus gehört, der etwas Schönes bewirkt?
Wir wäre es mit einem Virus, der uns glänzendes, volles Haar beschert?
Oder Virus, der in unserem Hirn Glückshormone freisetzt?
Ein Virus, der Krebszellen abtötet?
Ein sehr, sehr ansteckender Virus, der rechtsradikales Gedankengut angreift und vernichtet?
Ein Virus, der uns motiviert, freundlich und hilfsbereit zueinander zu sein?
Oder vielleicht einer, der aus gestressten Menschen ruhigere, entspanntere macht?
Wunderbar wäre aber auch ein Virus, der unser Blick auf die Menschen und Dinge in unserer Umwelt versöhnlich und positiv stimmt.
Ein Virus, der es uns ermöglicht, nachts tief, fest und ruhig zu schlafen.
Und vielleicht ein Virus, der es uns ermöglicht, vorurteils- und angstfrei auf andere Menschen zuzugehen.
Einer, der es uns ermöglicht, alles so zu nehmen wie es kommt.
Ein Virus, der uns unsere Ängste nimmt und sich nachts in unseren Schlaf schleicht und unsere Träume beschützt.
Schön wäre ein Virus, der uns ein Blick auf das Wesentliche ermöglicht.
Ein Virus, der uns statt mit Hass, Neid und Missgunst, mit Freude und Liebe erfüllt.
Einer, der uns unseren Rucksack tragen lässt, ohne dass jemand darunter zusammenbrechen muss, denn alles was wir hinter uns gelassen haben, ist da nicht mehr drin.

Solche Viren wünsche ich mir und ich glaube, es gibt sie schon. Wir Menschen tragen sie in uns und es liegt in unserer Macht, sie grosszügig unter den Menschen zu verteilen. Das geht auch ganz gut, obwohl wir momentan Abstand halten müssen. Und ich freue mich darauf, wenn wir das irgendwann dann nicht mehr müssen, denn eine Umarmung und körperliche Nähe ist doch schon auch etwas Überlebensnotwendiges und stärkt uns unbestritten.

Nun heisst es weiterhin DURCHHALTEN und fleissig unsere positiven Viren mit Liebe auf andere zu übertragen.

#unhatewomen

Ich bin vor kurzem per Zufall auf den Hashtag #unhatewomen gestossen und habe einiges darüber gelesen unterdessen. Weil gestern ja Weltfrauentag war, möchte ich heute darüber schreiben.

Unhate women heisst auf deutsch Hasse Frauen nicht.
Hasse Frauen nicht.
Hör auf, Frauen zu hassen.
Unhate women.

Wenn es euch interessierst, könnt ihr bei http://www.terredesfemmes.de mehr darüber lesen. Ich habe hier noch ein paar Bilder dieser Kampagne gepostet, schaut sie euch an.
Ich schreibe darüber nichts.
Aber es schockiert mich zutiefst, was Frauen sich offensichtlich anhören müssen bzw. z.B. auch in Songtexten zu hören bekommen.

Es ist abartig und krank.

Frauenrechte sind Menschenrechte. Auch diese Aussage habe ich auf der Website von Terre des femmes gelesen. Das ist doch klar, oder? Frauenrechte. Männerrechte. Menschenrechte. Leider ist es immer noch nicht so. Frauen haben nicht dieselben Rechte wie Männer, in vielen Bereichen des Lebens nicht. Es geht mir nicht darum, mich zu beklagen. Es geht mir nur darum, meine Meinung darüber zu schreiben und vielleicht euer Interesse zu wecken. Es geht hier jetzt um Frauen. Wenn ihr mich öfter liest wisst ihr aber, dass es mir sowieso ein Anliegen ist, dass Menschen gleichwertig behandelt werden. Fair behandelt werden. Und ihren Möglichkeiten entsprechend unterstützt und gefördert werden, ihren Möglichkeiten entsprechend Chancen haben. Egal ob Mann oder Frau, egal welche Hautfarbe und welche Herkunft, ob Kind, ob Mensch mit einer Behinderung oder wer auch immer.

Frauen sind auf dem Weg. Viele von ihnen. Sie wollen gleiche Chancen haben wie Männer und sie setzen sich dafür ein. Und es gibt keinen Grund, warum sie diese nicht bekommen sollten. Keinen Grund, warum sie weniger wert sein würden als Männer. Ohne die Männer geht das nicht. Ohne die Gesellschaft geht das nicht.

Das soll jetzt hier kein Feminismus-Referat werden. Irgendwie wäre das noch viel ein grösseres Thema und da trau ich mich noch nicht so richtig ran. Lustigerweise (nein, lustig ist es eigentlich nicht) macht man sich bei vielen Menschen ja sehr angreifbar und unbeliebt, wenn man irgendwas von Feminismus redet.
Feminismus wird in direkten Zusammenhang gebracht mit Extremismus, was meiner Meinung nach total am Thema vorbei ist.
Ich finde auch keinesfalls, dass Männer Angst haben sollen vor dieser Entwicklung. Ganz im Gegenteil. Natürlich wird das auch das Leben der Männer zum Teil verändern, wenn Frauen z.B. beruflich mehr Möglichkeiten haben. Aber bestimmt nicht zum Negativen. Ausserdem steht es jedem Paar frei, sein Leben so zu gestalten, wie es gerne möchte. Die Veränderung ist aber, dass so fast alles möglich sein wird, was es jetzt eher noch nicht ist.
Für mich geht es auch darum, die sogenannt weiblichen Eigenschaften (was verallgemeinernd ist, ich weiss) anzuerkennen und zu sehen, dass sie ebenso wichtig und unentbehrlich sind wie die sogenannt männlichen. Zu erkennen, dass Perfektion eine Mischung von beidem ist. Togetherness. Auch hier wieder.

Vielleicht schreibe ich mal ein paar Erfahrungen auf, die ich so gemacht habe oder auch Dinge, von denen ich gehört habe. Zum Thema Frauen. Feminismus. Gleichberechtigung. Unhate women.

Ich habe eine Freundin, die mir vor kurzem erzählt hat, wie sie als Teenager vom Vater ihrer Freundin nach Hause gefahren wurde bzw. statt nach Hause ist er in den Wald gefahren, hat angehalten und versucht, sie zu berühren, zu küssen. Sie hatte totale Panik und Angst, er würde sie vergewaltigen, sie hat sich gewehrt und konnte entkommen. Sie hat sich stundenlang im Wald versteckt, weil sie Angst hatte, er lauere ihr irgendwo auf. Als sie dann sehr spät abends nach Hause gekommen ist, verheult und in einem offensichtlich desolaten Zustand, hat sie es ihrer Mutter erzählt. Und ihre Mutter hat gesagt, es ist ja nichts passiert, hör auf und mach kein Drama…
Meine Freundin ist unterdessen 60 und hat dieses Erlebnis nicht vergessen. Es hat ihren Selbstwert und ihr Vertrauen zu Männern bis heute sehr geprägt…

Eine andere Frau, die ich kenne, war schon als Kind wunderhübsch. Sie wurde damals sozusagen vorgeführt. Wenn Besuch da war, wurde sie gerufen und wurde vorgezeigt, für ihre Schönheit gelobt und konnte dann wieder gehen. Sie hat bis heute das Gefühl, dass sich nie jemand für etwas anderes als ihr Aussehen interessiert hat.

Damals in der Phase der Trennung hatte mein Mann schon nach sehr kurzer Zeit eine Freundin, was für mich sehr schlimm war. Ich habe dies weinend jemandem erzählt und sie hat gesagt „ist sie schlank?“
Ich: Ja
Sie: Tja, dann…
Da fühlt man sich wertlos und zwar so richtig. Es ist fast zwei Jahre her, ich kann diese Worte und den Gedanken, hässlich zu sein, nicht vergessen.

Ich hatte eine Bekannte, vielleicht sogar eine Freundin, mit der ich regelmässig über vieles gesprochen und diskutiert habe. Eines Tages vor etwa einem Jahr kamen wir aufs  Thema Feminismus und alleinerziehend sein. Ich zeigte ihr einen Blog, den ich sehr gut fand, von einer Mutter, die von ihrem Leben aus dem Blickwinkel des Feminismus schreibt (nicht alleinerziehend). Meine Bekannte fand das alles total daneben und hat sich gefragt, wo diese Frau vor ihrer Ehe gelebt hat, wenn sie das alles jetzt so erlebt. Total naiv und dumm. Sie hat auch gesagt, dass wenn eine Frau Kinder will und bekommt, das Zurückstecken und alleinige Übernehmen der Verantwortung halt der Preis ist, den sie dafür bezahlt.
Ich habe in dieser Situation bestimmt zu heftig reagiert und ihr gesagt, dass sie das vielleicht nicht verstehen kann, weil sie nicht in dieser Situation ist. Ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört und hatte ehrlich gesagt auch nicht, die Energie mich wieder zu melden.

Ihr habt bestimmt auch solche Beispiele. Und ich möchte euch sagen, egal wer oder was ihr seid, geht einfach anständig miteinander um. Damit wären 99% der Probleme dieser Welt gelöst.

 

Lichter

Heute ist ein grauer Tag im November. Ende November schon bald. Manche mögen sagen, dass der November so ist. Nur so. Ich würde mal behaupten, dass der November der Montag unter den Monaten ist. Eigentlich nicht ganz zurecht, wie ich finde. Wir hatten dieses Jahr extrem viele heisse Tage und wirklich viel Sonne. Auch im Oktober und November. Sooooo schlecht war es bis jetzt wirklich nicht.

Und trotzdem ist es abends früh dunkel. Ich kann es schon verstehen, dass es Menschen gibt, die das nicht mögen. Wenn es draussen dunkel ist, ist man irgendwie von der Umwelt abgeschnitten, so kommt es einem jedenfalls fast vor. Vorhänge werden zugezogen, damit nicht jeder hinein sieht und schon ist man allein in seinen vier Wänden.
Ich finde das nicht schlimm. Eigentlich ganz im Gegenteil. Ich mache es uns gemütlich. Mit Licht zum Beispiel, egal ob elektrisch oder Kerzenlicht. Oder mit beidem. Ich mag das auch ganz gern, muss ich sagen. Aber ich bin auch nicht allein und mir geht es gut. Vielleicht ist es das, was den Unterschied macht.

Und doch bin auch ich in dieser Zeit nachdenklicher. Ich denke mehr nach und das tu ich auch sonst schon ziemlich viel. Das ist ja nichts negatives. Aber ich denke da schon auch öfter an Dinge, die mich traurig machen. Über meine Verluste zum Beispiel.
Am 13. November ist der Todestag von meinem Paps. Es war vor 12 Jahren, als er am 13. November meinen Anruf nicht beantwortete und ich intuitiv wusste, dass er nicht mehr lebt. So habe ich ihn dann tot in seinem Bett gefunden. Erlöst vom Speiseröhrenkrebs. Für mich zu früh und zu plötzlich.
Ich habe schon ein paar Mal davon geschrieben, ich werde mich nicht wiederholen. Und trotzdem. Wenn ich an meinen Vater denke, denke ich natürlich im gleichen Atemzug auch an meine Mama. Sie ist schon so lange tot, dass ich mich kaum an sie erinnern kann. 21 Jahre. Unterdessen wäre sie eine ältere Frau, die Grossmutter meines Kindes. Ich kann mir das nicht vorstellen, wie das wäre. Wie sie 21 Jahre älter wäre, wie sie aussehen würde und all das. Es ist zu lange her. Und vielleicht ist auch all das tief in meinem Herzen irgendwo versteckt, denn ich wollte dass Gras drüber wächst und ich weiterleben kann, ohne dass die Trauer und die Fragen über den Sinn des Todes mich zu sehr beschäftigen würden.

Verluste sind ja nicht nur Todesfälle. Es gibt auch viele andere und ich habe keinen Bock darauf jetzt einzugehen. Im November hört man langsam auf, nachgewachsenes Gras zu mähen. Der Winter wird kommen und wird eine dicke Schneeschicht drauf legen und das ist gut so.

Für mich war in diesem Jahr der Tod meines Meerschweinchens ein grosser Verlust, so lächerlich es klingen mag, nachdem ich vom Tod meiner Eltern erzählt habe, nachdem meine Ehe letztes Jahr bachab gegangen ist. Das sind Schicksalsschläge, die ich verarbeitet habe. Ich bin jedesmal durch tiefe Krisen gegangen, war mir jedesmal nicht sicher, ob und wie ich es überstehen soll.
Aber ich habe. Und ich habe all das hinter mich gelassen. Mehr oder weniger jedenfalls. Natürlich ist all das immer wieder mal ein Thema. Ich denke nach wie vor recht viel an meine Eltern und ich vermisse beide ziemlich oft, besonders auch seit dem ich mit dem Kind nun allein bin. Und dann meine Ehe nicht funktioniert hat, darüber bin ich vermutlich noch nicht hinweg. Ich habe mich vom Mann gelöst und alles einigermassen verarbeitet. Aber verstehen tu ich nicht. Und dass ich das Konstruktion „Familie“ und damit ganz viel Sicherheit, auf verschiedenen Ebenen, verloren habe, das tut mir immer noch weh. Das vermisse ich immer noch. Aber so einfach ist es dann doch auch nicht. Ich möchte es zurück. Und doch nicht. Nicht mit diesem Mann. Und mit einem anderen Mann kann ich es mir auch nicht vorstellen. Und aus diesem Grund wird es wohl gut sein, so wie es ist.

Und eben dieses Meerschweinchen. Luna.
Man möge mich jetzt auslachen, aber sie war mir eine wichtige Begleiterin in der Trennungszeit. In einer Zeit, in der ich gefühlt alles was ich hatte, verloren habe. Ich kann es mir auch nicht erklären, aber Luna hat mich gespürt. Ihr Fell hat meine Tränen aufgesogen und sie hat mir ganz viel zurück gegeben. Vor allen Dingen wohl Wärme und das Gefühl, mit meinen Tränen nicht allein zu sein.
Diesen Frühling ist sie dann gestorben, das war ganz schrecklich für mich.

Das Kind und ich haben für Luna eine Blume auf dem Balkon und ein bunt bemaltes Glas, in dem jeden Abend ein Licht für Luna und für all die andern im Himmel brennt. Für die, die durch die Dunkelheit hindurch sehen sollen, wo wir sind, damit sie wissen dass wir sie nicht vergessen haben.

 

Luna ❤ 

wegwerf-beziehungen

Wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft. Es ist kostengünstiger und unkomplizierter, defekte und kaputte Dinge zu ersetzen, statt sie zu reparieren.

Dinge…
Das sind Gegenstände, Fahrzeuge, Kleidung. Alles, was man halt so braucht im Leben, von den Socken bis zum Küchengerät, vom der Uhr bis zum Rasenmäher.
Ersatzteile gibt’s keine mehr oder die Reparatur ist viiiiiiiel zu teuer, also weg damit und ein Neues kaufen.
Wir werfen nicht nur Gegenstände weg, sondern auch sehr viele Lebensmittel.
Es nennt sich Food Waste.
Überfluss. Offensichtlich.

Wir leben in einer Zeit, in der aber ein Umdenken statt findet. Es wird darüber geschrieben und gesprochen und es wird von vielen auch gehandelt. Veränderungen brauchen Zeit…

 

Dinge…
Wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft. Ich wiederhole mich… Wir entledigen uns schnell Dingen und ersetzen sie, während dem sich bei uns unendlich viele Dinge ansammeln. Wir haben, was wir benötigen und noch viel mehr. Wir haben nicht nur eins davon, sondern zwei oder drei oder vier. Wir besitzen unglaublich viele Dinge.

Vielleicht verlieren sie für uns genau aus diesem Grund an Wert. An Besonderheit.
Weil fast alles einfach zu ersetzen ist.

 

Dinge…
Ich wiederhole mich noch einmal… Wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft. Nicht nur was Dinge und Gegenstände betrifft, nein. Auch was unsere Beziehungen betrifft, was Menschen betrifft.

Wer nicht mehr reinpasst, kann weg. Es ist so einfach.

Jede dritte Ehe wird in der Schweiz geschieden (was zwar eine Verbesserung ist, denn in den letzten zwanzig Jahren war es sogar jede zweite). Es ist einfach, sich zu trennen oder scheiden zu lassen. Es geht schnell und man muss sich nicht unbedingt mehr damit auseinander setzen. Man kann sich sogar online scheiden lassen.
Einfach weg damit. Vergessen und weit weg ist die Liebe, die man füreinander gefühlt hat und damit all die Wünsche, Hoffnungen und Pläne… Wo sind die Versprechen geblieben, die man einander gegeben hat? Die,  in denen man um die Liebe, um die Beziehung kämpfen wollte? Daran arbeiten? Weg und vergessen?
Es ist auch einfach, einen fliegenden Wechsel von Partnern zu machen. Die „alte“ Beziehung muss dafür nicht zwangsläufig schon beendet sein.

Die Liebe ist ja nur eine Art von Beziehungen, es gibt noch andere. Zum Beispiel Freundschaften. Mir kommt es manchmal so vor, als ob auch diese nicht mehr soooo viel zählen würden. Viele Freundschaften oder Bekanntschaften sind oberflächlicher geworden, sicher auch begünstigt durch „neuen“ Kommunikationsmittel. Es ist nicht nötig, alles zusammen zu besprechen oder jemandem persönlich etwas zu erzählen, man macht einfach eine Whatsapp-Text- oder Sprachnachricht. Man liest sich bei Facebook oder sieht sich den Whatsapp-Status an. Mehr Kontakt besteht oft nicht. Muss ja auch nicht zwangsläufig, denn es gibt ja verschiedene Arten von Bekanntschaften.
Wir wissen vielleicht mehr voneinander und dennoch weniger.

Freunde sind austauschbar geworden, viele Menschen haben es verlernt oder sind nicht bereit, sich mit jemandem auseinander zu setzen oder sich für jemanden einzusetzen. Es ist so unbequem, wenn es jemandem nicht gut geht, wenn jemand anderer Meinung ist oder wenn er etwas Falsches sagt.
Keine Zeit und keine Lust auf sowas, der kann weg. Denn es hat andere, mit denen es einfacher ist. Im Moment jedenfalls.

Bestimmt ist das überrissen dargestellt. Irgendwie. Oder vielleicht doch nicht?