Alles und ganz viel Glück unter einen Hut bringen

Ich habe in der letzten Zeit immer wieder Situationen erlebt, in denen ich mir Gedanken gemacht habe darüber, was es bedeutet, im Leben erfolgreich zu sein. Es geschafft zu haben, wie man so schön sagt.
Aber was ist dieses „ES“ denn eigentlich? Das grosse Glück, die grosse Liebe, Attraktivität, Gesundheit, Arbeit, Heirat, Kind, Haus, Boot, Reisen, Golf spielen, Freunde haben, Geld haben oder was eigentlich?

Ich bin unterschiedlichen Menschen begegnet, die bei mir diese Fragen ausgelöst haben. Aus meiner Sicht aus betrachtet, so perfekt und sorglos, fast ein bisschen glitzernd. Aber ist das alles das, was sie sich gewünscht hatten oder wünschen sie sich noch mehr oder gar anderes?
Manchmal sieht so ein Menschenleben von aussen so perfekt, so schön aus, aber ob der Mensch selbst das auch so empfindet, weiss man nicht.

Jedenfalls habe ich über mein Leben nachgedacht.
Und ich glaube, dass dieses Erfolgreich Sein bei jedem wohl etwas anderes sein kann. Und dass Begriffe wie Glück, Zufriedenheit, Erfolg, Geborgenheit und Liebe von Person zu Person unterschiedlich definiert und noch unterschiedlicher gefüllt werden. Je nach Situation, je nach Charakter und Möglichkeiten und ich glaube auch, je nachdem, was diese Person in der Vergangenheit erlebt hat.
Aus dem was uns fehlt, formt sich das was wir suchen und anstreben, würde ich sagen. Vielleicht.
Ich glaube, das Glück – was auch immer es ist – ist für ganz viele Menschen etwas weit Entferntes und nie Erreichtes und nur die ganz besonders Glücklichen realisieren, dass sie bereits davon umgeben und mittendrin sind.

Ich weiss aber nicht, ob das Glück und das Glücklich Sein dasselbe ist wie im Leben etwas erreicht zu haben. Bestimmt nicht für alle. In unserer Gesellschaft hat „erfolgreich sein“ ja auch ganz viel mit materiellen Dingen zu tun. Damit, diese Dinge für sich zu geniessen, aber auch damit, andern zu zeigen, dass man diese Dinge hat. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Aber auch damit, dass materieller Reichtum uns ganz, ganz viel Sicherheit und Unbeschwertheit vermitteln kann.
Und doch sagt man, Geld allein mache auch nicht glücklich.
Aber was denn noch? Liebe? Geborgenheit? Freiheit? Sorglosigkeit?
All diese Begriffe bedeuten für jede etwas anderes.
Für den einen bedeutet Glück, eine Familie zu haben, für den andern bedeutet es, gesund zu sein und für wieder einen andern ist es das grosse Glück, in der Welt herum zu reisen und ein anderer sieht sein grosses Glück im erfolgreich sein im Job.
Für die eine bedeutet Geborgenheit, sich in ihrer Wohnung sicher und wohl zu fühlen, für jemand anderer bedeutet es, zu jemandem zu gehören, sich geliebt zu fühlen.
Dasselbe mit Sicherheit. Wir können nahestehende Menschen als Sicherheit empfinden, Geld oder was auch immer. Wir hier haben bestimmt eine ganz andere Definition von Sicherheit, verglichen mit zB einer Frau in Afghanistan, die Angst haben muss, getötet zu werden, wenn sie ihr Haus verlässt oder auch wenn sie es nicht verlässt.
Und ich glaube, fast noch unterschiedlicher ist es mit der Liebe. Wir lieben aus unterschiedlichen Gründen und Bedürfnissen heraus genau die Person, die wir lieben. Und auch wenn wir nicht lieben, hat das seine Gründe. ZB kann Sicherheit ein Grund zum Lieben, aber auch zum Alleine bleiben sein, je nachdem welche Erfahrungen man gemacht hat. Liebe ist sehr vielschichtig.

So habe ich mich vor einiger Zeit mit einer alten Freundin seit langem wieder getroffen und unterhalten und das war sehr spannend. Sie führt seit ein paar Jahren ein Leben, das kann man sich als „normaler Mensch“ kaum vorstellen. Sie hat alles, was ich nicht habe, wenn man das so pauschal sagen kann und ich habe alles, was sie nicht hat. Ich hatte im Gespräch ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle und eines davon war, dass ich ihr ihr Glück (ich hoffe dass es das ist) von Herzen gönne. Zum andern habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr so mag von mir erzählen, weil neben ihren Erzählungen mein Leben sehr erbärmlich ausgesehen hat. Aber das ist okay, ich fand es interessant zuzuhören und zu staunen.

Nach diesem Nachmittag bin ich nach Hause gefahren und habe mir echt viele Gedanken gemacht. Ich hatte ganz fest das Gefühl, dass sie genau das gefunden hat, erreicht hat, was sie sich total gewünscht hat immer. Um ehrlich zu sein, habe ich mir auch überlegt, ob ich neidisch bin. Und gemerkt, dass ich es nicht bin. Das was sie hat, macht sie sehr happy. Mich würde es wohl entlasten und mir viele, viele Sorgen und Gedanken nehmen, aber MEIN Leben wäre das nicht.
Und so habe ich in diesen Gedanken realisiert, dass ich glücklich bin mit meinem Leben. Ja, wirklich. Glücklich. Dass ich andern ihr Glück und ihr Leben gönnen kann und ich meines mit allem drum und dran liebe. Ich glaube, das war meine persönliche Erkenntnis dieses Jahres. Ich finde es gut so wie es ist und ich liebe es.
Es ist zuweilen etwas anstrengend, zugegeben. Ich muss meine Energie immer wieder sehr gut einteilen und komme trotzdem immer mal wieder an meine Grenzen auf ganz verschiedenen Ebenen. Ich weiss, dass das noch ein paar Jahre so sein wird und in die Ferien fahren irgendwohin nicht in Frage kommen wird. Es ist wie es ist. Und man hat was man hat. Nicht mehr und auch nicht weniger. Auch zuhause kann ich mir kleine Oasen schaffen.
Und es gibt auch Momente, da fühle ich mich allein, obwohl ich so ziemlich gar nie allein bin. Diese Momente hatte ich früher öfter, jetzt nur noch ganz selten. Vermutlich dann, wenn ich nur noch wenig Kraft habe und mir wünschte, mir würde jemand beim Tragen helfen.

Ich habe mich grad diese Woche mit einer Frau unterhalten, die vor Jahren ihre vier Kinder, eins davon mit einer Einschränkung, allein aufgezogen hat. Sie hat gesagt, dass sie dieses Allein-Gefühl sehr ausgeprägt hatte und das während der ganzen Zeit sehr schwer gefunden hat. Ich kann das gut nachvollziehen, obwohl es mir nicht ganz so geht. Aber den Gedanken „es gibt auf dieser Welt niemanden (ausser mein Kind natürlich, aber das ist etwas anderes), der mich liebt“, den kenne ich auch. Ich mag ihn nicht. Aus diesem Grund vermeide ich ihn so gut es geht. Klappt ganz gut.

Es wird immer wieder Momente geben, in denen ich mich in Gesellschaft irgendwie als Aussenseiterin fühle. Ich muss das nicht, ich weiss, aber manchmal ist es halt trotzdem so.
So habe ich vor ein paar Wochen in einem Gremium an einer Sitzung teilgenommen, wo jede und jeder sich zuerst mal vorgestellt hat. Dabei haben sie auch ihren Partner bzw. ihre Partnerin erwähnt und ich war da die einzige Alleinerziehende und Alleinstehende. Ich bin mir blöd vorgekommen und ich habe mich geschämt in diesem Moment. Weil ich in diesem Moment dachte, dass ich so ziemlich alles, was ich in meinem Leben erreicht hatte bisher, verloren habe. Die andern sind daran nicht schuld, diese Gedanken werden in mir selbst ausgelöst durch die Auseinandersetzung mit mir und meiner neuen Rolle zuhause und auch in der Gesellschaft. Mit der zuhause habe ich mich gut arrangiert. Mit der in der Gesellschaft noch nicht so ganz, denn das ist schon schwieriger. Man ist als Alleinerziehende wohl sehr damit beschäftigt zu funktionieren, zu arbeiten, zu haushalten, zu erziehen, Geld zu verdienen, möglichst flexibel zu sein, dass man keine Zeit dafür hat, sich für sich und andere Alleinerziehende stark zu machen. Deswegen ist man mit seinen Themen allein, obwohl es so viele Alleinerziehende gibt. Aber das sind wieder andere Themen.

Ich glaube jedenfalls, dass es notwendig ist, sich diese Gedanken zu machen Die Gedanken, was uns glücklich macht und was wir im Leben erreichen und leben möchten, denn die Zeit läuft und läuft und kommt nie mehr zurück. Es ist gut, auf dem Weg zu sein und ein Ziel im Auge zu haben…
Und das ganz persönliche kleine oder grosse Glück im Alltag zu sehen und zu geniessen. Ich probiere das auch. Es gelingt manchmal schon ganz gut.









Verschwunden. Hinter Schleiern, hinter Mauern, hinter Männern.

Shamsia Hassani, Afghanistan


Afghanistan… die Machtübernahme der Taliban und die überaus schlimme Situation dort hat das Augenmerk der Medien und auch unseres in den letzten Tagen auf sich gelenkt. Die Menschen in Afghanistan sind in Gefahr und ganz besonders die Frauen.
Es ist ja nicht so, dass die Lage in diesem arg gebeutelten Land in den letzten Jahren / Jahrzehnten jemals wirklich gut war. Wir haben nur nicht mehr hingeschaut. Laut Amnesty International führt Afghanistan seit ewig die traurige Rangliste der gefährlichsten Länder der Welt für Frauen an oder befindet sich zumindest in den ganz vordesten Rängen. Diese Gefahr hat sich mit der Machtübernahme der Taliban nochmals dramatisch verschärft.

Ich habe in den letzten Tagen viel gehört und gelesen und die Situation dieser Frauen interessiert mich. Und nicht nur das. Es berührt mich zutiefst. Ich möchte nicht, dass Mädchen und Frauen so leben müssen. Alles, was ich für sie aber tun kann, ist mich darüber zu informieren und vielleicht andere auch darauf aufmerksam zu machen und ob das überhaupt etwas bringt, das bezweifle ich sogar. Dennoch ist hinschauen besser als wegschauen, eigentlich immer. Es ist unsere Welt, von uns gestaltet. Schauen wir hin, auch dort wo es uns nicht gefällt. Auch dort, wo es uns nicht betrifft.
Natürlich ist es mir auch bewusst, dass sich auch Männer in unmittelbarer Gefahr befinden. Man hat in den letzten Tagen ja bereits von Verfolgungen und Tötungen gehört. Dennoch ist die Situation der Männer eine andere und ich würde mich hier gerne auf die Frauen konzentrieren.

Die Taliban ist eine terroristische Organisation, die 1994 gegründet wurde und von 1996 bis 2001 erstmals grosse Teile Afghanistans beherrschte. Dann wurde ihre Regierung in einer Zusammenarbeit von afghanischen, amerikanischen und britischen Truppen gestürzt. Das war kurz nach den Terroranschlägen von 9/11.
Die Taliban verübten in den darauf folgenden Jahren (und schon vorher) immer wieder grössere Terroranschläge, vor allem in westlichen Ländern bzw. das sind die, von denen wir gehört haben, von denen unsere Medien uns berichtet haben. In Afghanistan fanden aber auch jährlich unendlich viele Terroranschläge durch die Taliban statt. Im Jahr 2020 habe ich zB 28 gezählt. In diesem Jahr bis jetzt auch bereits 15, bis es in dieser Woche schlussendlich zur Machtübernahme kam.
Ausgeübt wurden die Attentate sehr oft durch Selbstmordattentäter, oder mit Schusswaffen, Raketen, Bomben, Giftgas…
In den letzten 20 Jahren lebte das afghanische Volk also immer in unmittelbarer Gefahr eines Terroranschlages. Egal wo sie sich aufhielten, es konnte jederzeit passieren:

Eine Bombe im Abfallkübel beim Spielplatz.
Eine Rakete, die in die örtliche Mädchenschule einschlägt.
45 Tote im Einkaufszentrum.
23 Tote und 80 Verletzte bei einer Hochzeit, die Bombe befand sich in einem Pflanzentopf.
Auf dem Arbeitsweg, es war eine Autobombe.
Eine Bombe im Regierungs- oder im Polizeigebäude.
Ein Selbstmordattentäter im Zug, im Bus, im Bahnhof oder im Kino.
Im Briefkasten, wo man eine Geburtstagskarte einwerfen wollte, explodiert eine Bombe.
Auf dem Wochenmarkt sprengte sich neben dir ein Selbstmordattentäter in die Luft und nimmt dich und 4 andere Passanten mit in den Tod. Zahlreiche sind verletzt, einige davon schwer.
Bei der Hunderunde um den Block, erschiesst dich jemand aus einem Versteck im Dachstock des Nachbarshaus
es.

Und so weiter, und so weiter.

Die Feindbilder der Taliban sind, so könnte es man wohl kurz fassen, die sogenannten westlichen, modernen Werte und Lebensweisen, ihr Gesetz ist die Scharia. Die Gesetze der Scharia richten sich nach den rechtlichen Grundzügen des 8. und 9. Jahrhunderts (man stelle sich DAS vor!!) und und folgen den sozialen und politischen Interessen genau dieser Zeit. Also ein biiiiisschen veraltet… Wenn euch das näher interessiert – und es ist tatsächlich recht interessant – könnt ihr das ja selber nachlesen. Näher darauf einzugehen würde hier irgendwie den Rahmen sprengen und mich nur unnötig aufregen.

Wir schreiben heute nun also den 21. August 2021 und in Afghanistan übernahmen diese Woche Männer die Regierung, die irgendwo vor mehr als 2000 Jahren stecken geblieben sind, betreffend Wertvorstellungen, Rollenbildern und Umgang miteinander.
Die Menschen in Afghanistan kennen ein Leben, wie wir es haben, nicht. Einfach einigermassen friedlich, ohne Angst zu haben, das nächste geparkte Auto könnte explodieren oder eine Rakete könnte im Supermarkt, in dem ich gerade einkaufe, einschlagen. Terror, Angst, Gewalt und Tod ist an der Tagesordnung. Für alle und vor allem für Menschen, die ein moderneres Leben führen (möchten) oder / und sich dafür einsetzen.

Darunter auch ganz besonders die Frauen.

Frauen, die gebildet oder in Ausbildung sind. Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, Frauen die berufstätig sind. Frauen, die eine Meinung haben und diese auch mitteilen. Frauen, die am Leben teilnehmen. Frauen, die man überall sieht. Auf den Spielplätzen mit ihren Kindern, im Krankenhaus als Ärztin, in der Bäckerei als Verkäuferin, in der Schule als Lehrerin, als Hausfrau, Mutter, als Journalistin, als Reinigungsfachkraft, als Betreuerin, als Pilotin usw. Mädchen, beim Spielen auf dem Pausenplatz, am Lachen mit den Freundinnen. Mädchen in Sport- oder Musikvereinen. Mädchen in Jeans und Shirts. Mädchen mit geflochtenen Zöpfen und wehenden Haaren.
Normale Frauen und Mädchen, so wie wir es sind. Und ihre Familien, ihr Umfeld.

Diese Frauen und Mädchen werden verschwinden.
Hinter Schleiern, hinter Mauern, hinter Männern.

Seit 2001 und dem damaligen Ende des Taliban-Regimes haben sich die Frauen viele ihrer Rechte und Möglichkeiten zurück erkämpft, zurück erobert… UM. DIESE. NUN. WIEDER. ZU. VERLIEREN.

Ich habe gelesen, dass die Taliban das Volk auffordert, ihnen (unverheiratete) Mädchen und (ledige, verwitwete, geschiedene, alleinerziehende) Frauen ab 15 bis 40 Jahre sozusagen zur Verfügung zu stellen. Auszuliefern. Unter „auffordern“ versteht sich in diesem Fall ein Befehl und wer dem nicht Folge leistet, gefährdet sein Leben genauso wie es das dieser Mädchen eh ist, egal ob sie ausgeliefert werden oder nicht.

15… das erscheint uns sehr jung und das ist es auch, obwohl dieses „zur Verfügung stellen“ auch im Erwachsenenalter jeglichen ethischen und gesetzlichen Menschenrechten widerspricht, denn wehren kann sich da keine mehr wirklich. Ich denke auch nicht, dass es für diese Männer einen Unterschied macht, ob ein Mädchen 15, 11 , 13 oder 18 ist. Sie werden sich alles nehmen und zwar mit roher Gewalt.
Ich sage „werden“ und möchte aber sagen, dass das alles genau jetzt passiert. Es ist die Gegenwart.

Junge Mädchen und Frauen werden verschleppt, vergewaltigt und womöglich umgebracht. Sie sind Mittel zum Zweck (Kinder gebären vor allem, würde ich sagen) und total wertlos.
Und ganz ehrlich und ganz unzynisch denke ich, dass in dieser Situation der Tod womöglich nicht die schlechteste aller Situationen für diese Frauen ist. Ich hoffe, ihr wisst was ich meine…
Ich stelle mir unsäglich schlimme Szenen vor. Solche, wie ich sie mir gar nicht vorstellen möchte. Und ich glaube nicht mal, dass wir überhaupt in der Lage sind, uns auch nur ansatzweise vorzustellen, was dort alles passiert.

Frauen werden gebrochen und gefügig gemacht. Sie werden in ihre Schranken verwiesen. In Schranken, die wie oben erwähnt, vor mehr als 2000 Jahren errichtet wurden. Wer sich versteckt, weigert oder wehrt, wird vergewaltigt, wieder und wieder, von vielen, vielen Männern. Wird geschlagen, gefoltert und zwar solange, bis sie sich nicht mehr wehrt. Oder bis sie tot ist.

Sie werden ihre Berufe nicht mehr ausüben können, nicht mehr zur Schule gehen.
Frauen haben keine Rechte. Und ich spreche da von internationalen Menschenrechten. Von Dingen, die für uns ganz normal sind, wie zB so angezogen zu sein, wie man sich wohl fühlt, in der Bäckerei Brötchen zu kaufen, schreiben und lesen zu lernen, eigenes Geld zu verdienen und zu besitzen, „nein“ zu sagen, wenn man Sex oder sonst etwas nicht möchte, den Mann zu heiraten, den man liebt, ins Kino zu gehen, mit Freundinnen einen Kaffee trinken zu gehen oder sein Gesicht öffentlich zu zeigen.

Vielleicht male ich zu schwarz? Ich hoffe es.
Vermutlich aber ja leider nicht…

Ich habe in den letzten Tagen in den Medien auf den Bildern von all den flüchtenden Menschen in Kabul relativ wenig Frauen gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es für Frauen seit der Machtübernahme schon zu riskant ist, sich in der Öffentlichkeit aufzuhalten.

Beim Stöbern und Lesen im Internet sind mir die Graffitis und Bilder der afghanischen Künstlerin Shamsia Hassani (siehe erstes Bild) aufgefallen. Shamsia Hassani ist die erste Graffiti-Künstlerin Afghanistans und doziert an der Universität Kabul Zeichnen und Anatomisches Zeichnen.
Auf ihren Bildern malt sie Frauen, die genauso stark und kraftvoll wie zerbrechlich und verletzlich auf mich wirken. Situationen voller Hoffnung und Schönheit und gleichzeitig voller Hoffnungslosigkeit, Angst und Traurigkeit. Irgendwie wunderbar bunt und sehr düster und beängstigend zugleich. Ich finde sie sehr ausdrucksstark und wunderwunderschön.
Und irgendwie so passend zu den Ereignissen im August 2021 in Afghanistan.

Wenn es dich interessiert, schaue unter https://www.shamsiahassani.net
Alle Bilder in diesem Beitrag stammen von ihr. Ich habe mir erlaubt, sie zu verwenden.

Die (fehlende) Wertschätzung von Care-Arbeit und Erziehung

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Dasselbe Volk, das auf dem Balkon fürs Gesundheitspersonal applaudiert, zieht über Eltern bzw. vor allem wohl über Mütter her, denen die letzten zwei Monate alles zuviel wurde… Und dieselben Menschen merken nicht, dass sie sich da selbst widersprechen, denn es geht um Wertschätzung und um die Aufwertung der Arbeit, die „früher“ und auch oft heute noch vor allem von Frauen, aber nicht nur, z.B. in Familien übernommen wurde und wird. Es geht um die Pflege, um die Erziehung, die Arbeit in der Familie und im Haushalt. Um unbezahlte oder schlecht bezahlte Arbeit, wenn wir ehrlich sind.
Die Angst vor dem Corona und die Angst davor, vielleicht auf Gesundheitspersonal angewiesen zu sein, falls man erkrankt, hat ein bisschen wach gerüttelt. Aber nur ein bisschen und eigentlich auch nur, um den eigenen Arsch zu retten, wenn ihr mich fragt. Geht’s dabei tatsächlich darum, sich für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung für das Personal in diesem Sektor oder ging es einfach darum, sie alle schön bei Laune zu halten? Sie zu ermuntern, sich weiterhin den Arsch aufzureissen und nicht aufzugeben, denn wir alle sind potenzielle Patienten und wir alle möchten gerettet werden, falls es hart auf hart kommt.

Und was ist mit dem Personal in Alters- und Pflegeheimen, die wohl seit Jahren knapp sind an Mitarbeitenden und alles ihnen mögliche tun, um den betagten Menschen einen angenehmen und glücklichen Lebensabend zu bieten. Diese Arbeit ist weitaus mehr als „nur“ Pflege, worauf sich aber viele Institutionen wohl reduzieren mussten. Dabei ist es doch ebenso wichtig, Zeit zu haben für diese alten Menschen. Ein Schwätzchen zu halten zwischendurch. Zuzuhören, denn ich könnte mir vorstellen, dass sie zum Teil echt viel zu erzählen haben, zu verarbeiten haben. Spazieren zu gehen, einfach Zeit zu haben, ohne von Klient zu Klient zu hetzen.
Vielleicht sehe ich das ganz falsch, keine Ahnung. Ich habe keinen Einblick in solche Institutionen, meine Worte sind einfach meinem Vorstellungsvermögen entsprungen und vom Gefühle her würde ich sagen, total unrealistisch sind sie nicht.

Dasselbe tut das Personal in Institutionen, zB für behinderte Menschen. Tagein, tagaus, egal was passiert. Betreuungsarbeit ist soooo viel mehr als nur Arbeit.
Und da spreche ich jetzt in Wir-Form, denn in diesem Bereich arbeite ich. Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich mit Jugendlichen gearbeitet (Dissozialität und später mit Jugendlichen mit psychischen Problemen oder Lernschwierigkeiten). Danach zog es mich in ein Kleinkinderheim, wo Kinder wohnten, die aus irgendwelchen Gründen nicht zuhause wohnen konnten oder durften. Später betreute ich psychisch kranke Erwachsene und danach nochmal Jugendliche und seit ein paar Jahren nun erwachsene Männer und Frauen mit einer geistigen Behinderung. Wie es typisch ist im sozialpädagogischen Bereich, habe ich immer im stationären Bereich gearbeitet. Die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, haben also dort gewohnt, manchmal für immer, manchmal für eine längere Phase oder einfach für eine Weile.

In meiner Arbeitszeit begleite ich also Menschen, die mit mir sozusagen ihre Freizeit verbringen. Ich arbeite in ihrem Zuhause. Und ich bin eine sehr wichtige Bezugsperson, für einige sogar die wichtigste, die sie momentan haben. Das ist eine grosse Verantwortung, die soll mit Sorgfalt getragen werden wie alles andere in diesem Beruf ebenfalls

Ich bin noch in Kontakt mit zwei, drei Jugendlichen, die ich damals einen Teil auf ihrem etwas holprigen Weg begleitet habe. Unterdessen sind sie natürlich erwachsen und eigentlich gar nicht so viel jünger als ich es bin. Es hat einige dabei, die als Kind fast ausschliesslich in Heimen gelebt und unter den Beziehungsabbrüchen zu ihren Bezugspersonen sehr gelitten haben. Denn wenn eine Betreuerin kündigt, verliert der betreute Mensch unter Umständen eine ihr sehr nahestehende Person. Eine, die ihm zugehört hat, die ihm geholfen hat einige seiner Ziele zu erreichen, eine die konstant immer wieder da war, eine auf die er sich verlassen konnte, eine die ihn in seinen Schwierigkeiten unterstützte und in seinen Fähigkeiten bestätigte und förderte. Und halt einfach Zeit mit ihm verbrachte und zwar in seinem Wohnbereich, was ja etwas sehr privates ist. Es gibt auch Bereiche in unserer Arbeit, wo man dem Klientel körperlich sehr nah kommen muss, z.B. wenn man ihnen beim waschen helfen muss oder sowas. Ich muss das nicht und mir wäre das auch gar nicht gegeben. Ich habe mir mein berufliches Umfeld immer so ausgesucht, dass Pflege da nicht dazu gehört.
(Bei all diesen oft privaten Themen und unserem Aufhalten im Privat- und manchmal sogar im Intimbereich dieser Menschen ist eine professionelle Beziehung und Vorgehensweise neben Fachkenntnissen natürlich sehr wichtig.)

Ich finde es sehr wichtig, dass mit all diesen Menschen gut ausgebildete Fachkräfte arbeiten. Jeder Mensch hat ein Recht darauf und auch ganz bestimmt vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich. Und genau da wird am ersten gespart, wenn gespart werden muss. Seit Jahren. Oder seit immer?
Wie wäre es, wenn es im Coiffeurgeschäft zu wenig Angestellte hätte und die Coiffeuse kaum richtig Zeit für euch hätte und deswegen allen die selbe Frisur und Farbe auf den Kopf knallen würde? Oder wie wäre es, wenn der IT-Mann, der gerade arbeitslos ist, beim Bäcker als unausgebildete (Billig-)Arbeitskraft arbeitet und dort Brötchen backt? Sie wären günstig und es gäbe viele, aber sie wären trocken und hart wie Stein. Oder wie wäre es, wenn der Gärtner nicht mehr soooo Bock auf seinen Beruf hat und statt Hecken nun lieber Zehennägel schneidet, davon aber keine Ahnung hat? Oder wie wäre es, wenn die Bundesregierung sparen müsste und überall schlecht qualifizierte Präsidenten die Staaten regieren würden? Wäre das auch in Ordnung?

Den Berufen im Gesundheits- und Sozialbereich wird keine grosse Wichtigkeit, kein grosser Stellenwert zugeschrieben. Noch immer. Obwohl das Dienstleistungen sind, die die meisten von uns irgendmal in unserem Leben in Anspruch nehmen werden müssen.
An der Haltung der breiten Bevölkerung hat auch Corona nichts geändert, das sind Meinungen und Haltungen, die wir Menschen in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten, Jahrhunderten in uns verankert haben. Wertvorstellungen, die wir übernehmen, Generation für Generation. Da wird ein bisschen applaudiert und das war durchaus nett, versteht mich nicht falsch. Aber bringts jemandem etwas? Nein. Es würde all diesen Berufsleuten und den betreuten Personen weitaus mehr helfen, wenn ihr sie auch wertschätzt, wenn ihr gesund seid. Und vor allem, wenn ihr bei Wahlen und Abstimmungen an die Institutionen im Gesundheits- und Betreuungswesen denkt und Parteien wählt, die sich für soziale Anliegen einsetzen.

Wir denken ja, dass wir in einer aufgeklärten Gesellschaft leben. Offen und modern. Und schon recht emanzipiert. Aber das stimmt nicht. Und die vergangenen acht Wochen haben dies sehr deutlich gezeigt, finde ich.
Die Schulen wurden geschlossen und das war bestimmt eine gute Entscheidung. Und da ist man wohl davon ausgegangen, dass eine Familie aus einem Vater, einer Mutter und einem, zwei oder drei Kindern besteht. Ein Elternteil arbeitet, im traditionellen Rollenverständnis wohl der Vater, und die Mutter ist Hausfrau und ist dementsprechend zuhause. Deswegen ist es gut machbar, die Kinder zuhause erstens zu betreuen und zweitens sie beim sogenannten Homeschooling zu begleiten. Mehrere Stunden am Tag.

In dieser Planung wurden ganz viele vergessen und meiner Meinung nach auch ziemlich verheizt. Nämlich die berufstätigen Mütter und auch die alleinerziehenden Mütter, die ja meistens auch berufstätig sind, denn sie müssen Geld verdienen, um eine Familie zu ernähren. Der Arbeitgeber erwartet 100prozentigen Einsatz und in einer Krisenzeit vermutlich noch mehr als das. Zu Recht, denn er ist ja auf diese Fachkraft angewiesen und bezahlt ihr am Ende des Monats ihren Lohn.
Es war ganz selbstverständlich, dass Mütter das alles irgendwie auf die Reihe kriegen. Ich finde, da wurden sie wirklich überhaupt nicht ernst genommen erstens in ihrer beruflichen Tätigkeit und zweitens auch als Mutter. Es war z.B. selbstverständlich, dass eine Frau Homeschooling machen kann mit den Kindern, während sie gleichzeitig Homeoffice machte. Aber Homeoffice bedeutet eigentlich, dass zuhause gearbeitet wird und zwar genau so viele Stunden wie normalerweise am Arbeitsort. Ja, wirklich. Aber wie soll denn das gehen, wenn die Kinder zuhause sind man neben dem eigentlichen Job auch noch Lehrerin sein soll? Andere müssen am Arbeitsort arbeiten, währenddem sie gleichzeitig zuhause die Kinder betreuen sollten. Da entsteht viel Druck, viel Stress, zeitlich und energiemässig, denn alles will gut gemacht werden bzw. alles will gemacht werden.

Ich habe jeden Morgen ab 8 Uhr mit dem Kind Schulsachen gemacht. Den ganzen Morgen. Das Kind hat nicht immer gleich gut gearbeitet. Zuhause ist die Ablenkung grösser und die Mama ist irgendwie auch anders als die Lehrerin. Da kann man auch mal bocken und trödeln und frech sein und überhaupt. Wir waren bis Ostern auf uns selbst gestellt, wir haben einen grossen (riesig) Stapel Broschüren und Bücher bekommen mit einer Liste, was die nächsten drei Wochen abgearbeitet werden muss. Danach haben wir nichts mehr von der Schule gehört, wir mussten auch nichts abgeben zum korrigieren oder so. Nach Ostern dasselbe noch einmal, dieses Mal war aufgelistet, welche Aufgaben wir in der ersten und welche in der zweiten Woche erledigen sollten. Es war viel zu viel, wenn ihr mich fragt. Zwei Bastelarbeiten waren dabei, die haben dem Kind Spass gemacht und wir durften der Lehrerin Fotos davon schicken. Leider kam darauf keine Reaktion, was ich traurig fand und auch irgendwie unfreundlich, wenn ich ehrlich bin.

Ich habe immer versucht, während diesen gut drei oder vier Homeschooling-Stunden zwischendurch etwas im Haushalt zu machen, eher so semi-erfolgreich.
Dann gekocht und auch währenddessen von Küche zum Kind am Esstisch hin und her und her und hin, bis es dann alles versorgen durfte und wir assen. Danach ein bisschen spielen und aufs Sofa liegen (ich), durchatmen und dann das Kind bei seinem Vater abliefern und zur Arbeit gehen bis abends um 20 /21 Uhr. Wenn ich dann abends müde nach Hause kam, hatte er das Kind in meiner Wohnung zu Bett gebracht und wartete bis ich kam, um dann selbst in die Nachtschicht zu gehen. Meistens war das Kind noch wach und ich erledigte noch ein paar Sachen (Meerschweinchen überprüfen und eventuell Heu nachfüllen, Wäsche aufhängen, Geschirrspüler leeren oder füllen usw.), bis ich dann erschöpft neben dem Kind lag, ihm den Rücken krabbelte, bis es einschlief. Ich schlief auch ein, obwohl ich noch sooo gerne geduscht hätte. Ich mach das am Morgen… denn um 06.15 klingelt wieder der Wecker.
So war das MI, DO und SA immer. Montags hatten wir am Nachmittag beide frei und Zeit, spazieren oder Radfahren zu gehen. Dienstags arbeitete ich morgens und wir mussten den ganzen Nachmittag für die Schule arbeiten. Freitags hatten wir am Nachmittag auch frei, meistens habe ich da aber dann etwas im Haushalt gemacht, damit ich nicht alles sonntags machen musste.

Also. Wenn eine Mutter sowas dann erzählt, geht das ja sehr schnell unter jammern. Aber es ist nur erzählt. Ich muss sagen, ich bin weit über meine Grenzen hinaus gekommen und ich könnte das nicht noch einmal durchstehen. Ich fand es schön, das Kind zuhause zu haben. Bei mir. Aber durch den ganzen Druck und den ganzen Stress hatten wir zwei zeitweise auch viel Stress, die Nerven lagen zwischendurch recht blank. Es ist ja bitter, dass man sich dann rechtfertigen muss für so etwas oder dass man dann als nicht belastbar angeschaut wird. Aber ist man tatsächlich weniger belastbar als andere, wenn man das alles ganz allein macht und noch viel mehr oder ist man dann vielleicht nicht sogar super-belastbar, aber es ist einfach nicht mehr so richtig im Bereich des möglichen?
Ja, aber dafür müsste man ja die Sichtweise ändern und das können nicht alle. Ich glaube aber, das zeigt ganz klar, dass unsere Länder auch heute noch auf diesem traditionellen Rollenbild funktionieren bzw. versuchen zu funktionieren, obwohl das längst so nicht mehr stimmt. Das geht auf die Kosten der Frauen, ganz ehrlich. Denn ich würde jetzt behaupten, die meisten Mütter machen einen riesigen Spagat und reissen sich den Arsch bis zur extremen Erschöpfung auf, weil die Kinder nicht unter der Situation leiden sollen.

Ich habe in den letzten Tagen viel gelesen, wie andere Mütter in der Schweiz und in Deutschland diese Lockdown-Wochen erlebt haben, mit Fokus auf die Schulschliessung und die Doppelbelastung, der viele dann ausgesetzt waren bzw. Dreifachbelastung. Es gab Mütter, die haben ausgerechnet, wieviel Geld der Bund ihnen für die von ihnen wahrgenommene Betreuung schuldet oder schulden würde. Ich persönlich finde das nun schon auch überzogen, auf solche Gedanken wäre ich jetzt nicht gekommen. Aber es ist egal. Es hat z.B. bei Twitter etliche Erfahrungsberichte. Ich denke nicht, dass es dabei ausschliesslich um den finanziellen Aspekt geht, sondern über ganz viel Müdigkeit und Überbelastung und halt nicht zuletzt auch um die unbeachtete Arbeit, die Mehrbelastung, die Mütter leisten. (Wenn ich von Müttern schreibe, betrifft das natürlich all die Väter, die das ebenfalls tun, auch.)
Sehr, sehr krass sind aber dann zum Teil die Kommentare, die auf diese Eltern reagieren. Ich schreibe euch mal einige auf, sie sind unter dem Hashtag CoronaElternRechnenAb und #CoronaEltern zu finden. (Rechtschreib- und Grammatikfehler übernehme ich, wegen zitieren und so):

Euch sollte man die Kinder wegnehmen was stimmt nicht mit euch?????
@EffzehEngel

Ich schreibe übrigens keine Rechnung für meine Arbeit zuhause mit Kindern, Schulaufgaben und Haushalt.
Ich glaube, wenn man Kinder bekommt, gehört es zum Lebensrisiko, dass man sich um sie kümmern muss.
@Parns1

Das italienische Restaurant um die Ecke wird Augen machen, wenn ich ihm in Rechnung stelle, dass ich acht Wochen lang selbst Pasta machen musste.
@DandeloGale

Beim Sex zu blöd für die Verhütung und dann dem Staat die Rechnung für die eigenen Konsequenzen präsentieren. Genau mein Humor.
@AlterSack10

Stell dir vor, du musst während einer weltweiten Pandemie auf DEIN Kind aufpassen! Verrückt oder? Wer will denn bitteschön auf sein eigenes Kind aufpassen?
@Pulkz_

#CoronaElternRechnenAb oder auch:
Ich hatte Sex, will mich aber nicht mit den Konsequenzen konfrontieren und irgendwie sind die Bratzen, trotz des Ratgebers, echt anstrengend, also ab, weg damit, bis ich sie mit 18 vor die Tür setzen kann.
@blckmtlbrbie

Man bekommt mittlerweile den Eindruck, dass das Leben zu Hause zwischen Eltern und Kind einer Kriegsgefangenschaft gleicht. Warum setzt ihr Kinder in die Welt, wenn ihr diese ausschliesslich in der Kita abgeben wollt und nur „Zeit für euch“ benötigt?
@blume_grun

Ich würd ja eher die Kinder dafür bezahlen, das die sich mit ihren scheiss Eltern rumschlagen müssen. Ich will gar nicht wissen, wie die sich fühlen wenn ihre Eltern solche Drecksmesnchen sind.
@itsamehmika

Bevor ihr also in eine derart missliche Lage kommt, kneift die Nudel ab, presst die Knie zusammen. Eure ungeborene Brut wird es Euch danken. Bussi aufs Arschi, ihr Kackbeutel…!
@MannOhneGeduld

#CoronaElternRechnenAb sorry, aber ich kotze gleich im Strahl. Mimimimi ich hab Kinder, mimimi ich muss alles machen. Na und? Mein Mann und ich sind beide Krankenschwester/Pfleger im 3 Schichtsystem. Unser Kind lebt noch. Kommt mal klar. Ihr habt den Schlag nicht gehört.
@Kerstin33001384

Sehr viele Unterstellungen… Ach, und ganz vieles, das tief, tief unter der Gürtellinie ist, das ist mir sogar zu krass, um es zu zitieren. Sowas schreib ich in meinem Blog nicht. Mütter werden so zB Weicheierfotzen genannt und anderes, weil sie erzählen, wie sie es wochenlang schaffen oder fast nicht schaffen, Arbeit, Schule, Erziehung und Haushalt unter ihren Hut zu bringen. Es wird auch ganz deutlich gesagt, dass sie schlechte Mütter sind. Natürlich immer von Leuten, die nicht verstanden haben, worum es ging. Wohl sehr oft auch von Menschen, die gelangweilt zuhause rumhocken und ihr Niveau schon lang nicht mehr gesehen haben. Unterirdisch. Und trotzdem ist das wirklich sehr verletzend und zeigt, dass die Achtung vor Frauen resp. Müttern zum Teil sehr gering ist. Es ist erschreckend.
Leider stechen mir so oft genau diese Kommentare in die Augen. Die Müdigkeit macht mich verletzlicher im Moment, das ist wohl so.

Wirklich viele schreiben, dass Mütter, die an ihre Grenzen stossen momentan, hätten abtreiben sollen. Das ist ekelhaft. Und wenn ich mich auf dasselbe Niveau niederlassen würde, würde ich sagen, dass das wohl lieber deren Eltern hätten tun sollen, aber das würde ich nie tun.

Es gibt auch ganz viele andere Kommentare. Es geht vielen Müttern gleich. Viele andere Menschen – Frauen und Männer – verstehen das. Vielleicht geht es da ja auch gar nicht um Geld, um Bezahlung für diese Arbeit, sondern auch sehr, sehr stark um die Anerkennung dieser Leistung. Um das Wissen, dass Familien ganz schön viel mitgetragen und dazu beigetragen haben, diese Krise durchzustehen. Haben ja auch nicht alle verstanden….

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#unhatewomen

Ich bin vor kurzem per Zufall auf den Hashtag #unhatewomen gestossen und habe einiges darüber gelesen unterdessen. Weil gestern ja Weltfrauentag war, möchte ich heute darüber schreiben.

Unhate women heisst auf deutsch Hasse Frauen nicht.
Hasse Frauen nicht.
Hör auf, Frauen zu hassen.
Unhate women.

Wenn es euch interessierst, könnt ihr bei http://www.terredesfemmes.de mehr darüber lesen. Ich habe hier noch ein paar Bilder dieser Kampagne gepostet, schaut sie euch an.
Ich schreibe darüber nichts.
Aber es schockiert mich zutiefst, was Frauen sich offensichtlich anhören müssen bzw. z.B. auch in Songtexten zu hören bekommen.

Es ist abartig und krank.

Frauenrechte sind Menschenrechte. Auch diese Aussage habe ich auf der Website von Terre des femmes gelesen. Das ist doch klar, oder? Frauenrechte. Männerrechte. Menschenrechte. Leider ist es immer noch nicht so. Frauen haben nicht dieselben Rechte wie Männer, in vielen Bereichen des Lebens nicht. Es geht mir nicht darum, mich zu beklagen. Es geht mir nur darum, meine Meinung darüber zu schreiben und vielleicht euer Interesse zu wecken. Es geht hier jetzt um Frauen. Wenn ihr mich öfter liest wisst ihr aber, dass es mir sowieso ein Anliegen ist, dass Menschen gleichwertig behandelt werden. Fair behandelt werden. Und ihren Möglichkeiten entsprechend unterstützt und gefördert werden, ihren Möglichkeiten entsprechend Chancen haben. Egal ob Mann oder Frau, egal welche Hautfarbe und welche Herkunft, ob Kind, ob Mensch mit einer Behinderung oder wer auch immer.

Frauen sind auf dem Weg. Viele von ihnen. Sie wollen gleiche Chancen haben wie Männer und sie setzen sich dafür ein. Und es gibt keinen Grund, warum sie diese nicht bekommen sollten. Keinen Grund, warum sie weniger wert sein würden als Männer. Ohne die Männer geht das nicht. Ohne die Gesellschaft geht das nicht.

Das soll jetzt hier kein Feminismus-Referat werden. Irgendwie wäre das noch viel ein grösseres Thema und da trau ich mich noch nicht so richtig ran. Lustigerweise (nein, lustig ist es eigentlich nicht) macht man sich bei vielen Menschen ja sehr angreifbar und unbeliebt, wenn man irgendwas von Feminismus redet.
Feminismus wird in direkten Zusammenhang gebracht mit Extremismus, was meiner Meinung nach total am Thema vorbei ist.
Ich finde auch keinesfalls, dass Männer Angst haben sollen vor dieser Entwicklung. Ganz im Gegenteil. Natürlich wird das auch das Leben der Männer zum Teil verändern, wenn Frauen z.B. beruflich mehr Möglichkeiten haben. Aber bestimmt nicht zum Negativen. Ausserdem steht es jedem Paar frei, sein Leben so zu gestalten, wie es gerne möchte. Die Veränderung ist aber, dass so fast alles möglich sein wird, was es jetzt eher noch nicht ist.
Für mich geht es auch darum, die sogenannt weiblichen Eigenschaften (was verallgemeinernd ist, ich weiss) anzuerkennen und zu sehen, dass sie ebenso wichtig und unentbehrlich sind wie die sogenannt männlichen. Zu erkennen, dass Perfektion eine Mischung von beidem ist. Togetherness. Auch hier wieder.

Vielleicht schreibe ich mal ein paar Erfahrungen auf, die ich so gemacht habe oder auch Dinge, von denen ich gehört habe. Zum Thema Frauen. Feminismus. Gleichberechtigung. Unhate women.

Ich habe eine Freundin, die mir vor kurzem erzählt hat, wie sie als Teenager vom Vater ihrer Freundin nach Hause gefahren wurde bzw. statt nach Hause ist er in den Wald gefahren, hat angehalten und versucht, sie zu berühren, zu küssen. Sie hatte totale Panik und Angst, er würde sie vergewaltigen, sie hat sich gewehrt und konnte entkommen. Sie hat sich stundenlang im Wald versteckt, weil sie Angst hatte, er lauere ihr irgendwo auf. Als sie dann sehr spät abends nach Hause gekommen ist, verheult und in einem offensichtlich desolaten Zustand, hat sie es ihrer Mutter erzählt. Und ihre Mutter hat gesagt, es ist ja nichts passiert, hör auf und mach kein Drama…
Meine Freundin ist unterdessen 60 und hat dieses Erlebnis nicht vergessen. Es hat ihren Selbstwert und ihr Vertrauen zu Männern bis heute sehr geprägt…

Eine andere Frau, die ich kenne, war schon als Kind wunderhübsch. Sie wurde damals sozusagen vorgeführt. Wenn Besuch da war, wurde sie gerufen und wurde vorgezeigt, für ihre Schönheit gelobt und konnte dann wieder gehen. Sie hat bis heute das Gefühl, dass sich nie jemand für etwas anderes als ihr Aussehen interessiert hat.

Damals in der Phase der Trennung hatte mein Mann schon nach sehr kurzer Zeit eine Freundin, was für mich sehr schlimm war. Ich habe dies weinend jemandem erzählt und sie hat gesagt „ist sie schlank?“
Ich: Ja
Sie: Tja, dann…
Da fühlt man sich wertlos und zwar so richtig. Es ist fast zwei Jahre her, ich kann diese Worte und den Gedanken, hässlich zu sein, nicht vergessen.

Ich hatte eine Bekannte, vielleicht sogar eine Freundin, mit der ich regelmässig über vieles gesprochen und diskutiert habe. Eines Tages vor etwa einem Jahr kamen wir aufs  Thema Feminismus und alleinerziehend sein. Ich zeigte ihr einen Blog, den ich sehr gut fand, von einer Mutter, die von ihrem Leben aus dem Blickwinkel des Feminismus schreibt (nicht alleinerziehend). Meine Bekannte fand das alles total daneben und hat sich gefragt, wo diese Frau vor ihrer Ehe gelebt hat, wenn sie das alles jetzt so erlebt. Total naiv und dumm. Sie hat auch gesagt, dass wenn eine Frau Kinder will und bekommt, das Zurückstecken und alleinige Übernehmen der Verantwortung halt der Preis ist, den sie dafür bezahlt.
Ich habe in dieser Situation bestimmt zu heftig reagiert und ihr gesagt, dass sie das vielleicht nicht verstehen kann, weil sie nicht in dieser Situation ist. Ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört und hatte ehrlich gesagt auch nicht, die Energie mich wieder zu melden.

Ihr habt bestimmt auch solche Beispiele. Und ich möchte euch sagen, egal wer oder was ihr seid, geht einfach anständig miteinander um. Damit wären 99% der Probleme dieser Welt gelöst.