Wenn mir etwas Schlimmes passiert, hilft es mir, zu wissen, dass ich nicht allein und auch nicht die einzige bin, der sowas passiert. Deswegen finde ich es wichtig, einander davon zu erzählen. Ich würde behaupten, dass in 99% der Fälle der Erzähler vom Zuhörer nichts anderes erwartet, als dass er zuhört. Im besten Fall äussert er vielleicht sein Verständnis, sagt etwas Liebes, umarmt den Erzähler oder nickt, irgendwie sowas. Je nachdem in welcher Beziehung die beiden zueinander stehen. Und in 99% aller Fälle erwartet der Erzähler vom Zuhörer nicht das, worüber sich dieser tausend Gedanken macht und was ihn so sehr überfordert, nämlich dass er die Situation des Erzählers besser machen, sein Problem lösen soll.

Wenn mir etwas Schlimmes passiert, hilft es mir zu wissen, dass genau das zu meinem Leben gehört und dass ich es überstehen und im besten Fall daran reifen werde. Es hilft mir auch zu wissen, dass auch so mancher Kelch mit noch viel schlimmerem Inhalt an mir vorbei gegangen ist.
Ich sehe Menschen, die solche Kelche in den Händen halten oder gehalten haben und ich empfinde immer wieder sehr viel Mitgefühl und auch Respekt davor, dass und wie sie das meistern.

Wenn mir etwas Schlimmes passiert, hilft es mir zu wissen, dass mir viel mehr Gutes als Schlimmes passiert.