Langsam wird es Zeit, das Jahr 2020 zu verabschieden und ich glaube ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass wohl die allermeisten Menschen dieser Welt unglaublich froh sind, dass dieses Jahr nun ENDLICH vorbei ist…

Aber was ist eigentlich dieses Jahr so passiert?
Eigentlich hatte ich vor, nun einen etwas anderen Jahresrückblick zu machen. Einen ganz ohne Corona und einen mit ausschliesslich schönen, positiven Ereignissen. Aber, das ist ganz schön schwierig. Ich bin schon beim Januar gescheitert…. Wald- und Buschbrände in Australien, in denen weissnichtwieviele Tiere ihr Leben oder ihren Lebensraum verloren haben, erste Meldungen über Corona in China, in Krefeld D ist das Affenhaus des örtlichen Zoos abgebrannt und mit ihm auch viele Tiere… Etwas Positives habe ich nicht gefunden.

Aber man hat ja Hoffnung, schauen wir mal im Februar…
Und siehe da! Bei uns in der Schweiz wurde die Diskriminierung gegen Homosexuelle und Rassismus gesetzlich verboten. Wenn das keine Schlagzeile wert ist!
Der erste Covid-Fall in der Schweiz. In Norditalien spitzt sich die Lage zu, mehrere Orte werden abgeriegelt. WC-Papier wird knapp. In Hanau D erschiesst ein Rechtsextremer mehrere Menschen.

Der März ist Corona-durchzogen. Lockdowns, Grenzen werden geschlossen, Einreise-Verbote ausgesprochen… Die Welt dreht sich vor allem um das eine.

April: dasselbe. „Abgesagt wegen Corona“-Plakate hängen überall. Wir hoffen auf den Sommer oder auf den Herbst, wissen noch nicht, dass da alles noch viel länger dauern wird.

Mai: Corona. Ende des Lockdowns.

Im Juni werden die Grenzen zu unsern Nachbarländern werden wieder geöffnet. Ich weiss jetzt auch nicht, ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht ist. Vermutlich eine gute, da es bedeutet, dass die Situation sich verbessert hat.
Ich habe Geburtstag. 🙂
Überschwemmungen… #blacklivesmatter…

Juli
Nichts anderes.
Die meisten verbringen die Sommerferien zuhause oder in ihren Ländern und entdecken, wie schön das auch sein kann.

August
Nichts anderes.

September
Nichts anderes.

Oktober
Nichts anderes.

November
Nichts anderes. Viele Kranke, viele Tote. Nicht mal die Abstimmungen kommen so heraus wie ich es mir gewünscht habe. Kann das Jahr schon weg?

Nein, jetzt kommt noch der Dezember und die Hoffnung stirbt zuletzt… Zuviele Kranke, zuviele Tote. Ein Corona-Impfstoff wird zugelassen und es werden bereits erste Menschen geimpft. Für einige wird das eine positive Nachricht sein, für andere nicht.

Hmmmm…..

2020…. das langweiligste Jahr ever? Corona hat sehr vieles verhindert und verunmöglicht, das ist einfach so. Ich persönliche finde dies schade, aber leider halt auch vernünftig. Natürlich gibt es da, wie überall, ganz verschiedene Sichtweisen und irgendwie sieht wohl jeder die Situation aus der eigenen Perspektive, aus der eigenen Situation heraus.
Obwohl ja sozusagen nichts los war dieses Jahr…. kulturell, sportlich, Urlaub, Freizeit, Konsum… war es irgendwie doch alles andere als langweilig, finde ich. Dieses allgegenwärtige Thema, ohne das dieses Jahr nichts ging, hat viel Energie verbraucht. Es war nicht nur das Thema, sondern die Auseinandersetzung damit. Es war wichtig, einen Umgang damit zu finden. Mit den hunderttausend Medienmitteilungen, Eventualitäten, Thesen und Theorien und Fakten. Es war und ist schwierig als Laie, all diese Dinge voneinander zu unterscheiden. Es war und ist schwierig, all diese Verschwörungstheorien zu lesen und zu hören, einige davon sehr, sehr strange und zu wissen, dass es Menschen gibt, die das glauben. Das hat nun nichts mit hinterfragen zu tun, ich spreche von QAnon und solchen Dingen.

Ich bin eigentlich dieses Jahr wenig zur Ruhe gekommen, obwohl gefühlt wenig los war. Ich empfand das Jahr als sehr anstrengend, zB bei der Arbeit, aber auch privat, vor allem während der Lockdown-Zeit. Ich glaube, ich habe mich von diesem Homeschooling-und-Arbeit-zur-gleichen-Zeit-und-der-Tag-hat-viel-zu-wenig-Stunden-Wahnsinn bis heute nicht richtig erholt. Mich hat selten ein Jahr so müde gemacht wie dieses.

Natürlich erleben wir positive Dinge vor allem in der Freizeit. Sie passieren in sportlichen Ereignissen, in kulturellen usw. Ich bin jetzt nicht überrascht, dass ich nichts finde, denn es gab nichts. Und die, die es vielleicht doch gab, die gingen unter, da wir auf ein Thema fokussiert waren und sind. Wurde überhaupt über etwas anderes berichtet oder habe nur ich das alles verpasst?

Macht nichts. Ich finde schon noch etwas. Ich finde ja, dass aus Katastrophen auch sehr oft etwas Schönes entsteht. Nicht immer. Und es bedeutet nicht, dass die Katastrophen selbst damit zu etwas Gutem werden. Aber wozu Menschen dadurch bewegt werden, das ist schon schön.
Ich habe zB die Buschbrände in Australien sehr schlimm empfunden. Die Vorstellung davon, wie gross diese waren, das hat mein Vorstellungsvermögen total überschritten und ich weiss, das das nun ein Scheiss-Satz ist, aber mir kommt kein anderes Wort für „Vorstellung“ in den Sinn und deswegen habe ich es jetzt sogar zum dritten Mal in einem einzigen Satz geschrieben… Aber egal. Habt ihr auch Videos gesehen von Rettungsaktionen? Wie Menschen Kängurus, Wombats und Koalas aus wirklich gefährlichen Situationen gerettet und sie verarztet und aufgepäppelt haben? Wie viel Geld gespendet wurde?

Oder die #metoo- oder #blacklivesmatter-Bewegungen. Traurige und unfassbare Ereignisse und Auslöser, ohne Zweifel. Sinnlose Dinge. Dinge, die nie hätten passieren dürfen. Und dann haben plötzlich Frauen (und auch Männer) angefangen, von ihren Übergriffen zu erzählen. Dinge, die sie vielleicht noch niemandem erzählt haben. Dinge, die Tabu gewesen sind. Dinge, von denen man wusste, dass sie passieren, aber nicht, in welchem Ausmass, in welcher Häufigkeit. Dinge, die aufhören müssen. Ähnliches geschah betr. Rassismus. Schreckliche, unsinnige Geschehnisse, Auslöser. Seit Jahren, Jahrzehnten. Wir Weissen fanden es nie erwähnenswert. Wir fanden es nie wichtig. Wir fanden, dass ein Mensch mit brauner Hautfarbe sich nicht durch Ausdrücke wie „Mohrenkopf“ diskriminiert zu fühlen hat. Die schlimmen Ereignisse in den USA haben dort und auch bei uns ein paar Diskussionen, eine grosse Solidarität und das Verlangen nach Veränderung, nach Verbesserung ausgelöst. Das finde ich gut. Endlich.

Ich finde aber ja sowieso, dass die richtig guten Dinge im Kleinen stattfinden. Und da kann sich jeder selbst einen Jahresrückblick der ganz persönlichen Highlights zusammenstellen. Das ist in einem Jahr wie diesem wichtiger denn je.

Ich möchte euch nicht mit meinem langweilen und um ehrlich (und wohl etwas zu direkt) zu sein, das geht euch sowieso einen feuchten an… Aber aus meiner ganz persönlichen Sicht war 2020 – abgesehen von Corona – ein wunderbares Jahr. Dem Kind und mir wurde von ein paar Menschen immer wieder ganz viel Glitzer und Sternenstaub auf unseren Weg gestreut und ich könnte nicht dankbarer dafür sein.

Ich hoffe, auch ihr erinnert euch an viele schöne Momente, Begegnungen (auch wenn diese dieses Jahr nicht immer persönlich stattfinden konnten, sondern per Telefon oder online) und Ereignisse und könnt daraus Kraft und Hoffnung schöpfen.
Damit wünsche ich euch einen guten Jahresabschluss, physische und psychische Gesundheit und dass ihr den Blick für das Schöne nie verliert, sei es auch noch so verborgen.

Ich weiss, dass ganz viele hier regelmässig, wenn nicht sogar jeden Text lesen. Ich freue mich, wenn ihr euch interessiert, auch wenn ich vielleicht nicht immer gleicher Meinung bin wie ihr. Mir ist immer bewusst, dass es verschiedene gibt und ich finde das auch immer gut so. Ich kann halt aber immer nur aus meiner eigenen Perspektive schreiben, alles andere würde ja den Rahmen sprengen.
Danke fürs Lesen und fürs Interesse, es bedeutet mir wirklich viel.

Ciao 2020.
Auf Nimmerwiedersehen.