Von einem Virus, von Rücksicht, Vernunft und Überreaktionen

Viren sind winzig kleine infektiöse Partikel. Im Gegensatz zu Bakterien, Pflanzen und Tieren gehören sie nicht zu den Lebewesen, denn sie können keinen Stoffwechsel betreiben und sich nicht ohne die Hilfe einer fremden Zelle fortpflanzen. Dazu benötigen sie Zellen eines Lebewesens. Dieses wird von ihnen infiziert und sobald das geschehen ist, vervielfältigt es sich. Das ist dann auch die Hauptaufgabe eines Virions (das ist die selten gehörte Einzahl dieses Ausdruckes), sich zu vermehren.
Einmal von Viren befallen, können unsere Zellen nicht mehr ihren zugeteilten Aufgaben nachgehen, viele davon werden sogar zerstört und deswegen spüren wir Krankheitssymptome. Aber unter Umständen nicht gleich von Anfang an. Oft verbreiten sich die Viren im Körper, ohne dass man es merkt und man fühlt sich erst nach ein paar Tagen oder sogar Wochen krank. Man nennt dies Inkubationszeit.
Da sich die Viren natürlich nicht nur in uns, sondern auch in andern Menschen fortpflanzen wollen, sind sie ansteckend. Das heisst, wir scheiden sie aus, damit andere sie in ihrem Körper aufnehmen.

Viren, von denen wir alle schon gehört haben, sind vermutlich folgende:
Magen-Darm-Erkrankungen, Noroviren
Grippe, Influenzaviren
Warzen, Papillomviren
Masern, Paramysovieren
Hepatitis A, B und C, Hepatitisviren
Gelbfieber und Röteln, Togaviren
AIDS, HI-Virus
Pocken, Pockenviren
Windpocken, Herpesviren

Bei HIV gibt es unterdessen eine Anzahl von antiviralen Medikamenten. Soviel ich weiss (ich bin aber keine medizinische Fachperson) kann der Körper eine Viruserkrankung ansonsten selbst bekämpfen und man wird von selbst wieder gesund. Was man mit Medikamenten bekämpfen kann, sind die Symptome, also z.B. Fieber, Juckreiz oder Schmerzen, was dem Körper die Heilung bzw. uns das Aushalten erleichtert.

Das ist nun in Kürze das, was ich von Viren weiss. Das ist nicht besonders viel, hilft aber doch ein wenig, um die momentane Situation betreffend Corona-Virus / COVID-19 besser zu verstehen und damit vernünftig umzugehen.

Wie schon in meinem letzten Text (Live Ticker!!!! Sei live dabei!!!) geschrieben, möchte ich darauf hinweisen, dass es wohl klug ist, sich auf Informationsquellen zu beschränken, statt die Sensationspresse zu lesen. Jedem ist es selbst überlassen, wie er sich informieren möchte.

Ich möchte euch auch bitten, wenn ihr Berichte von irgendwelchen euch unbekannten Schreibern oder Quellen postet oder teilt, zuerst den Wahrheitsgehalt dieses Berichts zu überprüfen. Auch da ist natürlich der Umgang jedem selbst überlassen. Keine Verschwörungstheorien oder Unwahrheiten zu verbreiten, würde meiner Meinung nach aber mithelfen, die Angst verschiedener Menschen in einem normalen Mass zu halten.

Ich möchte behaupten, dass gewisse Medien in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Unsicherheit und Angst geschürt haben, auch da möchte ich wiederum auf meinen letzten Text (Link siehe oben) verweisen. Es war einfach zuviel und zu heftig, meiner Meinung nach zu ungefiltert. Dass dies dann zu Angst, gar Panik und Hamsterkäufen geführt hat bei einem Teil der Bevölkerung, kann ich durchaus nachvollziehen.
Ich sehe das auch, wenn ich einkaufen gehe. Da sind tatsächlich leere Regale zu sehen, vor allem bei den Konserven, beim Reis und beim Desinfektionsmittel. Es war zu lesen, dass in Spitälern und andern ähnlichen Institutionen sogar zu Diebstählen von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln gekommen ist. Das ist schlimm.

Ich finde jedoch, dass kein Mensch, der Angst hat, dafür ausgelacht oder verspottet werden soll. Ängste sind wieder ein Thema für sich. Meistens sind sie ja nicht rational, nicht erklärbar und nicht fassbar. Sie sind ja sehr oft unnötig und doch sind sie da. Der Mensch, der Angst hat, leidet. Also, da ist auslachen und verurteilen ein Scheiss-Verhalten. Jetzt in dieser Situation genau so wie wenn jemand Platzangst hat und in keine geschlossenen Räume will oder jemand Angst vor Spinnen hat.
Angst führt oft zu Überreaktionen oder vielleicht IST Angst sogar die Überreaktion.

Ich finde aber auch, dass die Anti-Ängstlichen auch überreagieren. Oder muss ich vielleicht unterreagieren sagen? Ich sehe mich da etwa in der Mitte. Ich bin nicht unbesorgt, das würde ich wirklich nicht behaupten. Ich habe Respekt vor dem, was da noch kommen könnte und ich weiss, dass ICH keine Angst haben muss, dass mich dieser Virus umbringen wird. Ich werde maximal krank und dann wieder gesund. Die Chancen auf einen schweren Verlauf der Erkrankung sind sehr klein. Ebenso bei meinem Kind. Das ist wichtig zu wissen.
Ich denke, der Mehrheit der Menschen in der Schweiz oder in Deutschland geht es so. Sie brauchen eigentlich keine Angst zu haben. Wenn sie es haben, hat das andere, tiefere Gründe, würde ich behaupten.

Wenn wir also nicht in Gefahr sind, kann das alles also ins Lächerliche gezogen werden. So ein Bild mit einem Vergleich zwischen Corona-Toten und Hungersnot-Toten wird jetzt ja zB überall herumgezeigt und ehrlich, ich finde dies sehr heuchlerisch. All die Leute, die dieses Bild nun posten, interessieren sich natürlich ja nicht nur jetzt für dieses Thema um zu provozieren, sondern das ganze Jahr… Schon klar.
Natürlich ist wohl die Botschaft dieses Bildes sehr war und es ist richtig schlimm, darüber muss man gar nicht diskutieren. Ich habe ja mal gelesen, dass die fünf reichsten Leute dieser Welt die Hungersnot beenden könnten. Tun sie aber nicht, denn auch daran verdienen eine Menge Menschen eine Menge Geld. Das schreibe ich hier jetzt nicht, weil ich das toll finde. Aber es ist nun mal so. Und es ist ein komplett anderes Thema.
Und ja, es sterben sehr, sehr viele Menschen in Afrika an Hunger. Oder an andern Krankheiten. Und es sterben auch hier jährlich viele Menschen an normalen Grippeviren. Das ist so. Aber macht das denn den Tod weniger schlimm? Kommt es auf ein paar mehr oder weniger jetzt nicht drauf an? Tatsächlich? Ich kann diese Gedanken nicht nachvollziehen und die, die es können, können es bestimmt auch nur, so lange diese Toten abstrakte Zahlen sind. Und wenn es dann die eigene Oma oder Mama ist, der Nachbar, der herzkrank ist? Die Nichte, die mitten in der Chemo-Therapie steckt? Ist es dann weniger schlimm als wenn es die Oma einer fremden Person ist oder der Vater eines Mädchens in einer fremden Stadt weit weg?

Denn es gibt tatsächlich auch viele Menschen, bei denen eine Infektion sehr gefährlich sein kann. Das sind Menschen, die an einer anderen schwereren Krankheit leiden oder immunschwach sind. Bei denen kann eine Infektion unter Umständen einen sehr schweren Verlauf nehmen oder tödlich enden.
Wären das dann diese Toten, wo es nicht soooo drauf an kommt, weil es in Afrika ja immer noch viel mehr Hunger-Tote gibt? Oder wie ist das genau? Was ist denn das überhaupt für eine Einstellung?

Momentan werden wir in unserer Freiheit etwas eingeschränkt. Nicht schlimm, wie ich finde. In der Schweiz sind zum Beispiel zur Zeit Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen nicht erlaubt. Wir waschen uns die Hände etwas öfter als normal. Wir niesen und husten in ein Taschentuch und werfen es in den Müll und wir schütteln uns nicht die Hand zum Hallo sagen.
Und die halbe Schweiz regt sich offenbar tierisch darüber auf und findet es nicht nötig. Ob es notwendig ist oder nicht, weiss ich nicht. Kann ich nicht beurteilen. Ich verstehe aber das Interesse daran, die Verbreitung von diesem Corona-Virus weitmöglichst zu verhindern oder möglichst gering zu halten. Nicht wegen mir. Sondern wegen Menschen, für die eine Ansteckung gefährlich wäre.

Und es ist ja nicht nur das. Ich denke, obwohl diese Virus-Grippe für uns problemlos verlaufen würde, ist sie dennoch sehr ansteckend und auch dies kann zu Komplikationen führen. Wenn das halbe Land krank ist, können gewisse Dinge nicht mehr gewährleistet werden. Wer verarztet und betreut dann in den Krankenhäusern und Arztpraxen die Patienten? Wer betreut Menschen, die in sozialen Einrichtungen auf Betreuung und Pflege angewiesen sind? Wer fährt die öffentlichen Verkehrsmittel? Hat die Polizei und die Feuerwehr dann noch genügend gesundes Personal? Wer arbeitet in den Geschäften? All dies könnte zu einer sehr schwierigen und unter Umständen nicht zu bewältigenden Situation für die noch Gesunden sowie für die Pflegebedürftigen führen und dies gilt es zu verhindern.

Nun gilt es also einfach, ein wenig Rücksicht zu nehmen und vorsichtig zu sein und damit scheinen relativ viele Menschen total überfordert zu sein.
Schade eigentlich.