Gesundheit.

Gesundheit.
Vermutlich ist sie neben der Erde auf der wir wohnen, das höchste Gut, das wir besitzen. Und vermutlich ist sie ebenfalls neben der Erde, auf der wir wohnen, das was wir am meisten für selbstverständlich nehmen.
Bis wir es nicht mehr haben.

Das ist nicht abnormal. Es ist menschlich. Wir neigen dazu, das was wir haben, nicht mehr zu sehen bzw ganz schnell als selbstverständlich anzunehmen UND es dann nicht mehr zu sehen.

Um die Gesundheit dreht sich schon seit einer Weile irgendwie alles. Und irgendwie aber auch nicht. Denn die Gesundheit scheint mir da an zweiter oder dritter Stelle zu stehen, denn es geht um allerlei anderes. Vielleicht vor allen Dingen um Macht. Um Frustration. Um Gemeinschaft und Zusammenhalt. Um Freiheit. Um Geld. Manchmal um Leben und Tod. Und überhaupt.

Es geht ums Impfen oder ums Nicht-Impfen und um jeden selbst, aber auch um einander. Klar ist da jeder für sich selbst verantwortlich. Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten wissen ja, dass sie möglicherweise an Corona erkranken und nicht viel davon spüren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, an Corona zu erkranken und wenn es ganz schlimm kommt auf der Intensivstation behandelt werden zu müssen. Das wäre dann ein sogenannt schwerer Verlauf. Es besteht auch die Möglichkeit, selber einen leichten Verlauf zu haben, aber jemanden anzustecken, der dann leider schwer krank wird. Das ist das Risiko, das jeder selber trägt. Und ich hoffe, ich schreibe das hier neutral, denn ich habe nicht vor, da etwas zu werten. (Bei Geimpften minimiert sich dieses Risiko um ein Vielfaches, sie können aber auch erkranken.)
Wenn es vielen Menschen so ergeht, dass sie auf die Intensivstation müssen, besteht irgendwann die „Gefahr“, dass diesen nicht mehr genügend Kapazität (=Personal, Apparaturen, Räume, Betten) zur Verfügung stehen für alle Patient*innen, die diese benötigen würden. Das sind nicht nur Corona-Patienten, sondern zB Unfallopfer, Menschen, die medizinische Notfälle erleiden und auch nach Operationen kann es vorkommen, dass man auf die Intensiv muss zur Beobachtung oder für länger. Ich würde sagen, das ist dann auch der Grund, dass Operationen verschoben werden, denn bei Komplikationen würde das lebensgefährlich enden.

Meinem Bruder erging es ja vor vielen Jahren nach einem schweren Motorradunfall so. Er musste unter anderem am Gehirn operiert werden, um nicht zu sterben und lag danach für mehrere Wochen auf der Intensivstation im Inselspital Bern. Die Zeit vor der Operation war kritisch, die Operation war es ebenfalls und auch noch eine ganze Weile danach ging es noch um Leben und Tod. Er hat überlebt. Dank OP und der Versorgung auf der Intensivstation.
Als Angehörige habe ich es damals übrigens auch sehr geschätzt, dass das Personal dort nicht nur genügend Zeit für ihn, sondern auch für uns hatte, denn das war für uns alle eine aussergewöhnlich schreckliche Situation.

Ich glaube, wir Menschen blenden solche Sachen gerne aus. Wir denken, das könne einem selbst nicht passieren. Das passiert nur immer andern.
Die Möglichkeit, einen Autounfall zu haben und dabei schwer verletzt zu werden ist klein und doch passieren solche Unfälle jeden Tag und es trifft immer jemanden.
Die Möglichkeit, einen Hirnschlag zu haben, ist auch klein. Und doch passiert auch das täglich.
Die Möglichkeit, dass bei einer Operation Komplikationen entstehen, sind ebenfalls wohl eher klein und doch passiert es.
Es trifft immer jemanden, der wohl auch immer gedacht hat, ihm könne das nicht passieren.
In all diesen Fällen sind Menschen darauf angewiesen, dass ihnen schnell und professionell geholfen wird. Das bedeutet vieles, nicht nur dass ein leeres Spitalbett für ihn da ist. Ich glaube, es bedeutet ganz fest, dass das zuständige Personal zurechnungsfähig ist, nicht total übermüdet und dass es Zeit für ihn hat neben den andern Patienten, die auch versorgt werden müssen.

Uns Menschen interessiert sowas mehrheitlich erst, wenn es UNS oder uns nahestehende Personen betrifft. Erst dann ist Krebs ein Arschloch. Erst dann ist es wahnsinnig, wie diese Raser fahren. Erst dann ist diese Kreuzung zu gefährlich. Erst dann braucht es einen Radweg. Erst dann wird darüber geredet, ob es einen Zebrastreifen braucht. Erst dann schätzen wir die Arbeit des Gesundheitspersonals. Erst dann.

Ich habe bis jetzt nur über die körperliche Gesundheit gesprochen. Es gibt auch noch die psychische. Genau wie wir jederzeit körperlich an etwas erkranken können oder uns in einem Unfall oder Unglück verletzen können, können wir jederzeit psychisch erkranken. Viele denken, dass es dafür äussere Einwirkungen bräuchte, zB ein schlimmes Ereignis, ein Trauma oder eine schwierige Situation, aber das stimmt nicht. So wie wir alle Knochen haben, die brechen können, ein Herz, das einen Infarkt erleiden kann oder ein Gehirn, das krank werden kann, haben wir auch eine Psyche, die einfach so krank werden kann.

Es ist ein Glück, körperlich gesund zu sein. Und es ist noch das viel grössere Glück, psychisch gesund zu sein.
Ich habe jahrelang mit Menschen gearbeitet, die mit einer psychischen Erkrankung leben lernen müssen. Das ist schwierig. Psychisch kranke Menschen werden in unserer Gesellschaft sehr stigmatisiert. Anders als bei vielen körperlichen Erkrankungen ist eine psychische nicht sichtbar. Nicht fassbar. Schwierig zu verstehen.
Für psychisch kranke Menschen ist es schwierig, in unserer Gesellschaft zu funktionieren. Sie nehmen Dinge anders wahr als wir, haben Ängste, Zwänge, sind zT weniger belastbar (unserem Wertesytstem entsprechend meine ich). Sie benehmen sich manchmal anders, manchmal irritierend, manchmal auffällig, viele aber eigentlich so unauffällig, dass sie verschwinden.

Hat bisher auch niemanden interessiert, wenn man ehrlich ist.

Jetzt aber, in der letzten Zeit, wird die psychische Gesundheit aber zum Thema und das ist ja gut so. Ich finde es auch sehr verständlich, dass die Pandemie an vielen nicht spurlos vorbei gegangen ist. Psychisch. Es gibt Menschen, denen die Einschränkungen seelisch auf den Magen schlagen. Auch begreiflich, denn es ist eine Krise. Eine Situation, die wir nicht so gut einschätzen können, auch wenn wir das möchten. Viele Nachrichten, viele Meinungen, Einschränkungen, offenbar sehr viel Misstrauen und in der Zwischenzeit auch viel Aggression und Frustration.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es aber auch sehr viele bereits psychisch kranke Menschen gibt. Schon vor der Pandemie gegeben hat. Das sind Menschen, die immer psychisch krank sind. Das ist nicht dasselbe wie wenn man eine Krise hat, denn diese geht vorüber.
Für viele von ihnen bedeutet die Bewältigung des Alltags bereits eine riesige Herausforderung, die Pandemie macht es noch schwieriger.

Nun interessieren sich ja Menschen für die psychische Gesundheit, denen das ganze Thema bis vor kurzem noch egal war. Und eigentlich sind die Gründe dafür ja egal, Hauptsache es wird zum Thema.
Aber ist es tatsächlich echtes Interesse, ehrliches Engagement? Oder sind es einfach Argumente gegen die Massnahmen? Parolen? Oder weil es sie nun plötzlich selber betrifft?
Ich weiss, dass die Massnahmen unschön sind. Wir möchten sie alle nicht haben und dennoch werden sie von einem Teil der Bevölkerung als möglichen Weg zum Ziel als sinnvoll angesehen. Andere fühlen sich eingeschränkt und es tut ihnen nicht so gut. Ich möchte aber dazu sagen, wenn es um psychische Gesundheit geht, höre ich von vielen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, dass die Massnahmen für sie zwar schwierig sind, aber dass sie ihnen auch Sicherheit vermitteln.
Es gibt also auch da immer beide Seiten und wer auch immer sich für etwas einsetzt, tut es immer nur aus eigener Sicht und oft aus eigenem Interesse.

Sich um die psychische Gesundheit zu kümmern ist ja Prävention und ich steh ja total auf Prävention, egal wo. Also Probleme wenn möglich gar nicht entstehen zu lassen, statt sie danach mühsam lösen zu müssen. Das ist oft möglich.

Also finde ich es gut, dass wir im Strassenverkehr gewisse Regeln einhalten müssen, denn das vermindert die Anzahl der Verkehrsunfälle.
Ich verstehe es, dass wir beim Motorrad- und Fahrradfahren oder auch beim Reiten und Skifahren einen Helm anziehen sollen. Das vermindert die Gefahr von schweren Kopfverletzungen bei allfälligen Unfällen.
Ich reibe mich im Sommer mit Sonnencreme ein, damit ich keinen Sonnenbrand bekomme. Das verhindert Schmerzen und die Gefahr einer Hauterkrankungen.
Ich finde es gut, Kinder und Jugendliche ausreichend aufzuklären, um Übergriffe, Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden.
Ich finde es auch gut, Jugendliche aufzuklären betreffend Drogen und Rauschmittel, in der Hoffnung sie würden es lassen.
Ich finde es total sinnvoll, mir Gutes zu tun, mich auszuruhen, Freude zu erhöhen und Stress möglichst zu vermindern, das fördert meine Gesundheit, physisch wie auch psychisch.
Ich weiss, dass ich nicht gut schlafe, wenn ich abends noch Kaffee trinke, deswegen mach ich es nicht.
Ich kontrolliere bei meinem Auto regelmässig den Ölstand und tanke, wenn das Lämpchen leuchtet, sofort, weil ich nicht scharf auf eine Panne bin.
Ich gehe nur Mammographie, obwohl ich gesund bin, um Brustkrebs früh zu erkennen, würde er denn auftreten.
Ich kaufe dem Kind Winterschuhe, bevor der erste Schnee fällt.
Ich gehe mit den Meerschweinchen zum Arzt, wenn eines krank ist, bevor es plötzlich tot im Gehege liegt.
Ich nehme im Winter Vitamin-D-Tropfen, weil ich weiss, dass ich sonst zu einem Mangel neige und mich dann ganz furchtbar fühle.
Ich habe das Kind und mich gegen einige Krankheiten impfen lassen, um nicht daran zu erkranken.
Ich schaue auf dem Fahrplan, wann der Bus fährt, wenn ich eine Reise machen möchte.
Ich rufe vorher an, wenn ich jemanden besuchen möchte, damit der auch tatsächlich Zeit hat.
Ich schreibe vor dem Einkaufen eine Liste, damit ich nichts vergesse.

Prävention ist für mich Vorausdenken und erspart mir oft viel Ärger und Situationen, auf die ich keine Lust und Nerven habe.

Sorge zu sich selbst und aber auch zu einander zu tragen ist für mich auch Prävention, denn grad eine gute psychische Gesundheit ist ein guter Boden für alles andere, was darauf wachsen soll.
Lohnt sich.

Das Leben geniessen

Einfach ist es momentan nicht. Das grosse C ist allgegenwärtig, schwebt wie ein grosser Brocken über uns allen, wirft seinen Schatten auf die Erde, auf das Leben und auf uns. Das Virus ist das eine, die vorgeschriebenen Schutzmassnahmen das andere. Es schränkt uns ein und es beeinflusst uns in unserem Denken und Handeln. Momentan ist vieles nicht möglich. Ach, was sage ich. „Momentan“… es geht ja schon eine ganze Weile so.

Wir gehen alle gemeinsam durch eine Krise, es gibt keinen einzigen, den es nicht betrifft. Das ist etwas, was wir noch nie zuvor erlebt haben. Es ist wie ein Tunnel. Das Licht am Ende ist nicht sichtbar, keine Ahnung, wie lang der Tunnel noch ist. Wir haben im Sommer gemeint, wir wären draussen, aber wir haben uns geirrt…
Der Tunnel macht uns krank und diese Krankheit ist unsichtbar und ansteckend. Um uns gegenseitig zu schützen halten wir einen gewissen Abstand und tragen Masken vor Mund und Nase. Das ist nicht schön, aber leider notwendig, um gesund zu bleiben. Zuviele Kranke könnten wir nicht mittragen und das möchten wir verhindern.

Einige von uns fühlen sich ganz okay, geil findet’s aber grad keiner. Andere fühlen sich psychisch nicht gut oder sogar richtig schlecht. Dafür gibts ja genügend Gründe Jeder hat sein Bündel auf dem Rücken und das Gehen ins Ungewisse verpufft ganz schön viel Energie. Und dennoch, wir helfen einander so gut es geht, denn wir müssen da alle durch.
Alle müssen auf so viel verzichten. Niemand wünscht es sich, in diesem Tunnel festzustecken für weiss nicht wie lange.
Es gibt auch Kranke. Immer mehr sind es, denn Infizierte stecken einander an. Und es gibt Tote. Anfangs waren es einzelne, aber es werden immer mehr.

Unterschiedliche Menschen gehen unterschiedlich mit Krisen um. Wie so oft im Leben gibt es kein Richtig oder Falsch, schlussendlich kennen alle den Weg nicht. Einige von uns sind erfahrene Höhlen- und Tunnelforscher, die machen das beruflich und sie sind dafür angestellt worden, um uns durch diese Krise zu führen.
Sie waren in ganz vielen Tunnels, in vielen Höhlen, haben darüber gelesen und jahrelang studiert und wissen ganz schön viel. Aber dieser Tunnel hier, der ist noch total unerforscht. Er ist neu. Er ist unberechenbar. Auch die Fachleute müssen laufend dazu lernen und die neuen Erkenntnisse mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung vergleichen, um neue Ergebnisse zu erhalten.
Die Zeit läuft weiter. Einige oder vermutlich viele von uns werden krank, einige davon schaffen es nicht, andere werden schnell wieder gesund. Es ist nicht bei jedem dasselbe.

Im Tunnel stossen wir immer wieder auf Abzweigungen, die verheissungsvoll aussehen. Es gibt viele Wege. Eine Tunnelkarte hat niemand. Manche von uns möchten abbiegen, sie wittern eine Abkürzung, eine Vereinfachung und ein schnelleres Ende dieser elenden Sache.
Langsam geht die Geduld zu Ende und auch das Durchhaltevermögen. Hier gibt es auch Höhlenforscher, die andere Theorien vertreten und die auch erfahren sind. Aber leider kennen auch sie diesen Tunnel nicht, auch wenn sie noch so überzeugt sind von ihrer Meinung.
Und einige sagen, sie seien Höhlenforscher, aber sie sind es gar nicht. Sie sehen aber vertrauenswürdig aus und können gut sprechen. Sie verbreiten ihre Meinung überall auf den sozialen Medien und einige schliessen sich ihnen an, weil sie ihnen glauben.

Möglicherweise gibt es mehrere Ausgänge oder verschiedene Wege, die dorthin führen. Man weiss es erst irgendwann später, wenn man retour blicken und die Sache auswerten kann. Jetzt weiss man das noch nicht. Auch die nicht, die es zu wissen meinen.

Möglicherweise denken ziemlich viele, dass ihre Meinung nicht einfach nur ihre Meinung ist, sondern DIE Wahrheit. Und die muss natürlich auch jedem verkündet werden.
Vermutlich denken auch ziemlich viele, dass das eigene Spüren der Situation ebenfalls das Wahre und auf alle andern übertragbar ist.
Ich glaube, wenn es einem bewusst ist, dass dem nicht so ist, merkt man auch, dass man nicht unbedingt ein Video mit seiner Meinung veröffentlichen muss.
Aber das ist ja auch jedem selber überlassen, wie immer.

Aber genug.
Der Titel dieses Textes heisst „Das Leben geniessen“. Schwierig irgendwie, wenn man in diesem Tunnel steckt.
Aber weisst du was? Wir stecken gar nicht wirklich in einem Tunnel. Wir stecken überhaupt nicht fest. Es ist eine schwierige Situation. Ungewiss. Und wenn man viel darüber nachdenkt, ist es durchaus sehr beunruhigend. Wir kennen den Ausgang dieser Sache nicht und wir wissen auch nicht, was bis dahin noch alles geschieht. Wir hören zuviel, wir lesen zuviel und auch die Stimmen derer, die im Tunnel in eine ganz andere Richtung gehen, die sind verwirrend. Was ist richtig? Das nicht zu wissen, ist belastend.

Auch die sogenannten Massnahmen sind belastend, auch wenn sie wohl notwendig sind. Einige wehren sich, glauben an eine Verschwörung oder zumindest daran, dass es entweder ohne Massnahmen auch oder sogar besser ginge oder dass diese uns mehr schaden als das Virus. Es gibt auch Menschen, die auf all das verzichten möchten und es okay finden, die Menschen, die sehr krank werden, hinter uns zu lassen. Menschen, die auch okay finden, wenn viele von uns daran sterben, weil der Tod ja zum Leben gehört.

Aktuell ist es ja so, dass wir in der Schweiz wirklich sehr, sehr viele Menschen haben, die an Covid19 erkrankt sind und auch viele, die täglich sterben. Nicht mehr nur einer oder zwei pro Tag. Jetzt sind es 30 oder mehr pro Tag.
Ich habe gelesen, dass es wohl bald los geht mit der Triage. Das bedeutet, dass die Ärzte entscheiden müssen, wer behandelt wird und wer nicht, weil die Ressourcen der Krankenhäuser ausgehen werden. Es wird also abgeschätzt, bei wem sich lebensrettende Massnahmen lohnen und bei wem nicht. Wahnsinn, dass es soweit kommen kann. In UNSEREM zivilisierten und wohlhabenden Land. Ich fasse es nicht…. wirklich.

Ich habe auch gelesen, dass offenbar viele betagte Menschen sich nicht behandeln lassen möchten und sterben oder sterben werden. Auch das ist Triage, vom Patienten selbst entschieden. Ich denke nicht, dass diese Menschen alle tatsächlich sterben möchten bzw dass es ihnen egal ist, an Corona zu sterben. Ich bin mir ganz sicher, dass viele von ihnen noch ein paar schöne Jahre vor sich hätten. Wohlverdiente Jahre.
Aber wie ist es wohl, wenn man von überall her hört und liest, dass die Alten nicht geschützt werden sollen, weil sie ja eh bald sterben? Dass die Alten eine Last sind? Dass sie wertvolle Krankenhausplätze besetzen?
Ich denke mal, solche Aussagen hinterlassen ihre Spuren und vielleicht denkt so der eine oder die andere, dass ihr oder ihm kein Recht auf Krankenhauspflege bzw. kein Recht auf Gesundung zusteht.
Wie schlimm ist das denn, bitte?


Schon wieder vom Thema abgekommen und das zeigt die Problematik auch grad recht gut. Es ist gar nicht einfach, auf andere Gedanken zu kommen, Covid19 wirft seine Schatten irgendwie überall hin.
Umso wichtiger, dass wir uns Auszeiten schaffen. Dass wir es schaffen, auch mal abzuschalten, runter zu fahren und uns zu entspannen und zu erholen. Mal nicht an all das zu denken.
Jede und jeder auf seine bzw ihre Art und Weise.

Ich finde das schwierig, sogar fast unmöglich. Ich habe damit nicht erst seit Corona Schwierigkeiten, sondern eigentlich seit der Trennung von meinem Ex-Mann. Seitdem ich allein bin mit dem Kind und die Verantwortung für ganz vieles allein trage, fällt es mir sehr schwer, diese auch mal loszulassen. Im Spannungsfeld zwischen Arbeit und allein für eine Familie zu sorgen.
Ich bin es am Lernen. Die Corona-Situation macht es nicht einfacher.

Wenn die Welt rund um mich herum verrückt spielt, dann lebe ich umso mehr in meiner kleinen Welt mit meiner Tochter und da ist alles in Ordnung. Das ist mein warmer, sicherer Kokon.
Ich sehe all die kleinen, schönen Dinge. Ich liebe meine Wohnung, in der ich mich geborgen und wohl fühle. Ich mache es uns hier gemütlich mit einer schönen Atmosphäre, zufriedenen Meerschweinchen, einem glücklichen Kind. Das ist meine Oase.
Ich sehe gerne die schönen Dinge, die mir überall wo ich hingehe, begegnen. Die wunderschöne Tasse mit dem guten Kaffee, die „meine“ Lieblings-Coiffeuse mir hinstellt. Die zwei Stunden Auszeit, die ich dort letzte Woche in friedlicher Atmosphäre genossen habe.
Schöne Begegnungen sind auch mit Distanz, mit Maske, per Telefon oder Social Media möglich. Natürlich sind sie ohne Abstand und ohne Maske viel schöner, aber was bringt es nun, mich darüber zu ärgern und das was ich nicht habe, in den Mittelpunkt zu stellen? Ich finde es viel aufbauender zu sehen, was ich kann und was ich habe.

Ich gehe gern spazieren und fotografiere viel. Gerade momentan finde ich, dass es draussen manchmal atemberaubend schön aussieht. Wenn die Sonne durch den Nebel scheint oder wenn es dünne Nebelschwaden über dem Boden hat und oben blauen Himmel. Die Bäume und Wälder, deren Blätter sich verfärben und dann zu Boden fallen.
Die Wärme der Sonne, wenn sie strahlt ist noch immer beachtlich und tut richtig gut.
Tief durchatmen, die frische Luft in der Lunge und auf der Haut spüren, das lädt alle inneren Akkus auf. Das tut richtig gut. Immer. Und besonders jetzt.
Ich finde auch, dass die Herbstabende ihren ganz besonderen Reiz haben. Sich einkuscheln in der warmen Stube, eine Kerze anzünden, einen heissen Tee trinken und die Welt und ihre Themen einfach draussen lassen.

Es gibt mega viel Schönes. Manchmal kleine Dinge, aber sie wahrzunehmen ist ermutigend. Es ist nicht alles nur Corona, es gibt auch ganz viel anderes. Um ehrlich zu sein, wenn man sich nicht einredet, eingeschränkt und seiner Freiheit beraubt zu sein, kann man sogar ziemlich normal leben. Und Normalität hilft, sich besser zu fühlen.

Natürlich weiss ich, dass es gerade jungen Menschen fehlt, abends wegzugehen und einander zu sehen. Das verstehe ich sooo, denn es ging mir vor xxxxx Jahren ja nicht anders. Ein Samstagabend zuhause war undenkbar. Aber ich glaube, die Jungen sind ja auch klug und die verstehen das Warum.
Ausgenommen von meinen Aussagen sind auch Menschen, die durch die Corona-Situation ihre Arbeit verloren haben oder verlieren werden, die grosse Existenznöte haben, ihre Arbeit nicht ausüben können usw. Das ist natürlich wieder ganz etwas anderes.

Das Leben geniessen. Das ist auch jetzt möglich und vielleicht war es noch nie zuvor so wichtig wie genau jetzt.






2020 – Jenseits der Komfortzone

2020
Ein Jahr, das uns aus unserer Komfortzone gezerrt, ja geradezu katapultiert hat… Dass so eine Situation hier bei uns mal eintreffen könnte, das haben bestimmt die wenigsten erwartet. Auch wenn in vergangenen Jahren immer mal wieder irgendwo auf der Welt Krankheiten gewütet und Todesopfer gefordert haben, der Kelch ging an uns vorbei. Und wir fühlten uns sicher.
Aber dieses Mal ist alles anders. Auch wir sind betroffen. Und ich habe das Gefühl, es gibt immer noch viele, die das nicht wahrhaben wollen. Viele, die sich noch immer sicher fühlen. Viele, die den Berichten der Fachpersonen nicht glauben mögen. Oder anders vorgehen würden. Viele, die von den vielen Nachrichten von Medien und selbsternannten Experten verwirrt und verunsichert sind. Viele, die sich aufhetzen lassen.

2020
Ein Jahr, das anders ist.
Ein Jahr, das uns zwingt, auch selbst anders zu leben, uns anders zu verhalten. Anders als gewohnt, anders als es uns beliebt. Aus unseren Gewohnheiten gerissen. Ausgang ungewiss.
Der Grund dafür ist ein Virus. Man sollte meinen, das sei einfach eine Krankheit und das Ziel sei es, dass nicht zuviele daran sterben. Aber das wäre zu einfach. Es geht nicht (oder nicht allen) um Menschenleben, sondern ums Geld oder andere Dinge.
Es geht vielleicht schlussendlich allen darum, möglichst wenig von dem, was wir besitzen zu verlieren, so scheint es mir.

Es scheint mir, als hätten momentan fast alle Angst, ihr Liebstes oder Wichtigstes zu verlieren. Und über diese Angst wird weder gesprochen, noch wird sie vermutlich vor sich selbst zugegeben.
Nie war es leichter, die Werte und Haltungen anderer zu erkennen. Sie werden von jedem sozusagen auf der Zunge getragen.

Für die einen ist das, worum sie Angst haben, ihre eigene Gesundheit, ihr Leben und das nahestehender Personen. Ich könnte mir vorstellen, diesen Menschen fällt es leichter, sich an die Sicherheits-Bestimmungen des Bundes zu halten. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist alles, was die zuständigen Experten empfehlen oder verordnen zu wenig oder sowieso das Falsche.
Andere haben Angst, ihre finanzielle Grundlage, ihr Einkommen oder ihre Existenz zu verlieren. In dieser Situation findet man sich wohl in einem Gewissenskonflikt wieder, könnte ich mir vorstellen. Entweder hält man das Virus für gefährlich und die Schutzmassnahmen für richtig und gefährdet mit dieser Meinung seine eigene Existenz oder man verniedlicht das alles, macht sich lustig, um diese Existenz halt zu retten.
Genau so kommt es mir vor, wenn ich zB Videos von einigen Clubbesitzern, irgendwelchen Veranstaltern oder Künstlern, die nicht auftreten können, sehe. Statements und Meinungen, die viele Menschen hören und auf die viele Menschen viel geben und ganz vergessen, dass der Typ, der da im Video spricht, keine Ahnung hat von alldem, denn er ist ein Komiker oder ein Kneipenbesitzer.

Für viele ist das, was sie zu verlieren fürchten, ihre ganz persönliche Freiheit und darunter kann man sehr vieles verstehen. Die Freiheit, überall hin zu reisen oder fahren, wo man gerade hin möchte. Die Freiheit, in der Freizeit zu unternehmen, worauf man grad Bock hat… Konzerte, Sportanlässe, Kino, Parties, Clubs…. Die Freiheit, sich von niemandem etwas sagen lassen zu müssen. Die Freiheit, sich mit Menschen zu treffen, sich näher zu kommen, Körperkontakt. Die Freiheit, shoppen zu gehen, zu konsumieren. Die Freiheit, grenzenlos zu sein.
Die Freiheit, sich die Hände nicht dauernd zu waschen und die Freiheit, ohne Maske im Gesicht irgendwo hin zu gehen. Und schlussendlich wohl auch die Freiheit, selbst darüber entscheiden zu können, sein eigenes Leben und das anderer zu gefährden.
Das mit den Freiheitseinbussen betrifft schlussendlich ja alle. Nur können die einen die Gründe bzw. den Zweck davon verstehen und andere weniger, einige können besser damit umgehen als andere.

Ich empfinde Menschen seit Corona sehr zweigeteilt. Vermutlich ist es normal und immer so, in der momentanen Situation ist es einfach so deutlich sichtbar. Manchmal kommt es mir vor, als seien es verschiedene Fronten. Ohne gemeinsames Ziel.

Ich überlege mir schon, warum das so ist. Ich überlege mir auch, warum man so Angst hat, unterdrückt oder manipuliert zu werden. Warum man so Angst hat, dass einem jemand etwas Böses will. Warum man so Angst hat, den Fachleuten zu vertrauen. Oder sind diese Ängste eine Kompensation für etwas ganz anderes? Vielleicht damit, dass man Angst hat, sich mit der tatsächlichen Situation auseinander zu setzen?

Ich bin schon ein Schaf genannt worden, das ohne zu hinterfragen der Schar hinterher läuft. Aber das stimmt nicht. Ich hinterfrage sehr vieles. Myself included. Aber ich muss auch sagen, ich habe keine Zeit dafür, mir Gedanken darüber zu machen, wie und warum der Bund oder sonst irgendeine höhere Macht dem Volk und mir persönlich schaden möchte. Ich sehe auch keinen Grund darin. Ich bin mir einfach ganz sicher, dass dem nicht so ist. Ich bin mir sicher, dass die bestmöglichen Lösungen gefunden werden, um möglichst wenige Leben zu verlieren, was wohl an zweiter Stelle steht, und möglichst unserer Wirtschaft nicht zu sehr zu schaden. Wobei dies wohl unumgänglich ist. Ich habe das Gefühl, viele denken da nur in eine Richtung oder nicht weit genug. Es ist nicht damit gemacht, keine Lokale zu schliessen oder den Konsum der Menschen nicht einzuschränken, denn wenn irgendwann (bald) dann sehr, sehr viele Menschen krank sind, werden diese so oder so schliessen müssen, weil viel Personal krank ist und nicht arbeiten kann und die Kunden ebenfalls krank sind und nicht konsumieren können. Meiner Meinung nach gilt es, genau dies zu verhindern.
Ich glaube, die Regierung versucht momentan genau dies zu erreichen mit einem Mittelweg zwischen Menschenleben retten, Gesundheitssystem nicht zu überlasten und die Wirtschaft zu retten. Und dabei sind die Verantwortlichen sehr unter Druck. Und sie sind die Arschlöcher für einige, egal was sie entscheiden.

Es wäre einfach, wenn man das mit Geld regeln könnte, wie wir es mit so vielen tun. Aber das geht nicht. Und immer dann, wenn wir Menschen etwas leisten müssen, wird es uns sehr schnell zuviel und wir verniedlichen das Problem, machen uns darüber lustig und suchen einen Schuldigen. Das beobachte ich nicht nur bei Corona, sondern zB auch beim Umweltschutz bzw. dem Klimawandel und in der Flüchtlingskrise.

Ich glaube, das Klima zwischen den Menschen wird kälter, es entstehen Fronten und Aggressionen. Eine andere Meinung zu haben, das ist schwierig… Es wird schnell emotional und persönlich. Wir sind empfindlich. Ich auch. Ich merke sogar, dass ich Angst habe, dass jemand sich angegriffen fühlen könnte, wenn ich hier über dieses Thema schreibe und mir fünfmal überlege, ob ich das veröffentlichen kann, weil ich niemanden verärgern oder verlieren will.
Viele kommen an ihre Grenzen oder bereits darüber hinaus. Psychisch. Das ist begreiflich. Und statt bei sich zu schauen, ist es immer einfacher, andere anzufeinden. Menschen, Methoden.

Und manchmal habe ich Angst, dass die Konflikte die daraus entstehen, viel schlimmer sein werden als Covid19.




Same procedure again…

Vielleicht gibt es nichts interessanteres als ein Menschenleben, denn wo Menschen leben passiert ganz schön vieles. Viel Alltägliches, viel Routine, viel Schönes, Neues und Wunderbares. Viel Trauriges, Schreckliches und grosse Schicksale.

Für jeden ist wohl das eigene (Er-)Leben der Massstab, an dem andere gemessen werden. Manchmal finden wir, dass unser Erlebtes das Tollste ist und manchmal das Schlimmste von allen. Manchmal denken wir, wir müssten am meisten tragen, am meisten erdulden und erleiden. Wir wünschen uns irgendwas (eine Freundin, ein Kind, ein Auto, heiraten, einen neuen Job, ein Erlebnis, Ferien, einen Hund….), erreichen (bekommen, kaufen…) es…
Und dann dauert es nicht lange und es wird zur Routine. Wir haben uns dran gewöhnt, kennen es in- und auswendig, sooooo interessant ist es gar nicht mehr, wir langweilen uns damit ein bisschen…
Wir wünschen uns, aus der Routine ausbrechen zu können, möchten etwas Neues, Anderes erleben, finden unseren Alltag öde und zu unspektakulär. Immer dieselben Abläufe, derselbe Trott…

Manche brechen dann tatsächlich aus, erleben Neues und Spannendes und fühlen sich damit auch selbst wieder begehrenswerter und interessanter… und auch das Neue wird irgendwann Alltag. Same procedure again…

Bei andern ist es andersrum. Sie werden aus dem Alltag rausgerissen, weil irgendwas passiert. Etwas, was unsere ganze Aufmerksamkeit fordert, unsere ganze Energie und uns in sich aufsaugt. Zum Beispiel, wenn man der Partner einer solchen Person ist, die etwas Neues erleben will bzw es tut. Oder halt andere Sorgen, es gibt davon ja genügend und für jeden seine ganz persönlichen kleineren oder grösseren Katastrophen.

2020 ist ja so ein Jahr. Das hat es wirklich in sich.
Es ist mein zweites Jahr seit der Trennung. Man sagt, das erste sei das schwierigste und das war es auch, in vielerlei Hinsicht bzw vermutlich vor allem, weil die persönliche Befindlichkeit noch krisenhaft und ansonsten alles neu und ungewohnt war.
Jedenfalls erinnere ich mich sehr gut an Ende 2019. Ich habe mich auf 2020 gefreut. Auf ein Jahr, das besser werden sollte und noch ein bisschen einfacher vielleicht. Wieder ruhiger werden, vielleicht sogar wieder ein bisschen glücklich manchmal… Nicht, dass ich das 2019 nie war, aber da war bzw ist noch viel Luft nach oben.

Und dann kam Corona mit all seinen Konsequenzen. Das wäre eigentlich schon genug, noch mehr Schwierigkeiten braucht echt keiner. Aber wir wissen es ja. Da wo ein Hund hin pisst, pissen dann all die andern auch hin.
(Ich hab gedacht, ich erfinde mal ein neues Sprichwort. 🙂 )

Ich kann sagen, Corona selbst hatte auf mich keine allzu grossen Auswirkungen. Während des Lockdowns natürlich schon, wie in verschiedenen Texten beschrieben. Ich fand das furchtbare zwei Monate und hätten die noch länger gedauert, ich hätte es nicht mehr geschafft, alles unter einen Hut zu bringen. Während einige die Ruhe und das Nichtstun sooo sehr genossen haben und dies sogar in Langeweile überschwappte, waren für mich bei Homeschooling und Arbeit 24 Stunden pro Tag zu wenig. Und ich sehr unentspannt. Gut, dass es dann mal vorbei war bzw. der Lockdown und ein paar Massnahmen gelockert wurden.
Seitdem fühle ich mich eigentlich nicht eingeschränkt, mein Leben verläuft ziemlich normal. Ausser dass ich mich auf Abstand achte und wirklich viel weniger soziale Kontakte habe, ist alles normal. Und wir sind gesund geblieben bisher, das ist gut.
Ich rege mich nicht darüber auf, dass ich weder auf Konzerte noch auf Parties kann, denn das tu ich aus andern Gründen sowieso schon länger nicht mehr. Also gehts mir eigentlich ganz gut, trotz den Massnahmen, die wir einhalten, um Corona möglichst nicht weiterzuverbreiten.

Aber es ist echt viel anderes dieses Jahr. Ich löse eine schwierige Situation und schwupps, die nächste ist schon da. Es ist tatsächlich momentan ziemlich energieraubend, sich die meiste Zeit über irgendwas grosse Sorgen zu machen. Und es ist schwierig, dies zu machen, ohne dass das Kind etwas davon mitbekommt. Ich versuche es, aber es ist nicht mehr immer möglich zur Zeit.

Natürlich schaffe ich es. Ich schaffe alles. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Es gibt keine Alternative. Es sind immer Dinge, die ich im Moment zwar als dramatisch erlebe, wohl weil meine Energie schwindet, die aber lösbar sind.
Ich schaue in die Welt hinaus und sehe ganz andere Probleme. Die richtig grossen. Andere Menschen, die mit Situationen zu kämpfen haben, in denen es ihnen nicht möglich ist, selbst eine Lösung zu finden. Zum Beispiel all die Menschen, die aus ihrem Zuhause geflüchtet sind, in Moria eingepfercht waren und jetzt irgendwo sind. Viele wohlhabende Länder, viele wohlhabende Menschen rundherum wollen davon nichts wissen.
Rassismus nimmt zu. Rechtsradikales Denken. Und es wird geduldet, ja sogar unterstützt. In der Schweiz, in Deutschland, in den USA.
Menschen haben Angst. Die einen, dass sie eingeschränkt werden. Ihrer Rechte beraubt. Sie schreien es raus, sie wollen keine Diktatur, keine Massnahmen gegen Corona. Flüchtlinge sollen dort bleiben wo sie sind oder gleich zurück in ihr Land gebracht werden. Die SVP nennt die Flucht „eine Reise ins Traumland“. Es wird nicht weit gedacht, nicht in die Weite geschaut. Die Angst ums eigene Portemonnaie verhindert so manches, egal in welchem Bereich… Umweltschutz, Flüchtlingswesen, Corona und Gesundheitswesen…
Es geht ums Geld. Einige Musiker oder Künstler stellen sich gegen die Corona-Massnahmen, hetzen und motivieren auch andere sich aufzulehnen. Aber ist dieses Engagement ehrlich oder gehts da einfach nur um die eigenen Interessen? Natürlich verstehe ich, dass sie schon eine Weile wenig oder gar kein Geld verdienen können und das ist schlimm. Aber vielleicht sollte man da sein Beweggründe doch ein wenig mehr hinterfragen?

Jeder von uns hat ein einziges Leben, das er leben muss oder im besten Fall darf. Jeder hat ein Recht auf ein schönes Leben. Ich finde es nicht in Ordnung, dass zu meinen Gunsten andere leiden müssen oder der Planet kaputt gemacht wird. Ich bin fürs Miteinander und fürs Einander helfen, auch wenn sich das nicht immer so einfach gestaltet. Ich würde mich immer für die Schwächeren einsetzen. Leider ist es so, dass dies sehr oft auf der finanziellen Ebene statt findet und genau da sind mir momentan recht die Hände gebunden. Aber irgendwann wird dies anders aussehen. Und das Finanzielle ist nur ein Teil der Unterstützung, es gibt noch andere.
Typischerweise schweife ich wieder mal ziemlich ab…

Also. Zurück zum 2020.
Ich hatte mir für dieses Jahr ja vorgenommen, mich wieder mehr am sozialen Leben zu beteiligen. Mich wieder öfter mit andern treffen. Freundschaften pflegen. Vielleicht sogar im Leben neuer Menschen aufzutauchen bzw. sie bei mir. 2020 macht es mir nicht einfach, muss ich sagen. Aber es ist, wie es ist. Als alleinstehende Frau mit Kind fühle ich mich aber tatsächlich ziemlich isoliert manchmal. Ich habe voll Bock drauf, Menschen zu begegnen, hinter deren Fassade zu gucken und Lebensgeschichten zu hören. Ist dies nicht irgendwie das Salz in der Suppe des Lebens?
Mir ist in der letzten Zeit aufgefallen, dass es mir fehlt, meine Gedanken oder halt auch meine Sorgen mit jemandem besprechen zu können. Es ist nie jemand da, der zuhört, wenn ich krank vor Sorge bin oder mich in etwas hineinsteigere. Niemand, der sich wirklich interessiert. Niemand, der mit mir am gleichen Strick zieht. Mir fehlt kein Partner, ich wünsche mir auch keinen. Aber trotzdem vermisse ich diesen Teil. Ich kann das nicht alles in mir drin behalten, denn das macht mich krank. Aber teilen kann ich es auch nicht bzw ein paar Dinge erzähle ich schon, ich bin da ja eher offen. Aber das ist längst nicht alles und genau das, was man nicht erzählt, plagt einem doch irgendwie tief drinnen ganz besonders stark.
Das ist wohl der nächste Punkt, an dem ich arbeiten werde und dann kommt dann wieder ein neues Thema. Wir kennen es….

Das Reifen und Entwickeln hört nie auf und irgendwie ist es wohl gut so.
Und ich wünsche mir ein kleines bisschen mehr Routine und Alltag und gleichzeitig auch ein kleines bisschen mehr Abwechslung, spannende Menschen, mehr Kommunikation.

Sie wären ja sowieso gestorben…

Zwei Monate Corona und es fällt schwer, weiterhin durchzuhalten. Es geht uns allen so, ich weiss. Ich tu’s trotzdem. Durchhalten. Ich bin froh, dass die Zahlen der Neuinfizierten momentan nicht mehr hoch sind und mir wäre es recht, wenn sie nicht nochmal drastisch ansteigen würden. Ich vermisse vieles, denn ich bin ein Mensch, der nicht soooo einfach auf soziale Kontakte verzichten will. Mach ich aber. Natürlich. Für alleinstehende bzw alleinlebende Menschen bedeutet dies, dass man jetzt seit mehr als 8 Wochen keinen so gut wie keinen direkten Kontakt zu andern erwachsenen Menschen hatte. Mir fehlt das sehr. Die Aktivitäten, auf die wir momentan ebenfalls alle verzichten, fehlen mir nicht.

Mich ärgern am ganzen Corona-Zeugs momentan eigentlich die Reaktionen bzw Aussagen von einigen, die ich null nachvollziehen kann. Und ich bin tatsächlich ein Mensch, der vieles versteht und vieles nachvollziehbar findet, auch wenn’s nicht meine Meinung ist.

Heute habe ich zB gelesen „Ich glaube nicht an Corona“. Also was? Was bedeutet das? Ich glaube nicht an Corona? Glaubt man da auch nicht an Ohrenschmerzen oder den Noro-Virus? Denkt man, Dinge an die man nicht glaubt, existieren nicht? Wie praktisch! Wenn man also nicht an Krebs glaubt, ist man safe. An all die psychischen Krankheiten muss man auch nicht zwangsläufig glauben, denn sie sind eh nicht immer klar ersichtlich.

Oder meinte diese Person, Corona werde nur vorgetäuscht? Da gibt es ja dann so einige zum Teil sehr interessante (bescheuerte, durchgedrehte, psychotische, gestörte, extrem fantasievolle) Geschichten und ich möchte behaupten, jemand mit einem gesunden Menschenverstand und ohne Wahnvorstellungen weiss, dass das alles Kacke ist.

Nach wie vor ist auch die Meinung, Corona sei nicht so schlimm und es würden daran viel weniger Menschen sterben als an einer Grippe, weit verbreitet.

Heute hat mir eine Frau in einer dieses Thema betreffende Facebook-Diskussion geschrieben, dass diese Menschen ja sowieso gestorben wären. Diese Aussage finde ich noch dümmer als andere. Und sehr pietätlos. Ich habe darauf geantwortet, dass man das dann ja auch bei Krebs- oder Unfalltoten sagen kann. Oder bei Suiziden, bei Totgeburten und eigentlich grad immer, wenn jemand stirbt. Denn jeder wird sterben. Irgendwann… Haupsache, es sterben andere. Fremde. Dann kann uns das getrost egal sein? Sie bejahte diese Aussage.

Ich finde auch, wenn jemand 95 ist, dann wird er vermutlich nicht noch weitere zehn Jahre leben. Und dennoch hat er ein Recht auf seine restliche Lebenszeit, es ist nicht egal, wenn er morgen an Corona stirbt. Es ist nie egal. Eigentlich war ich immer der Meinung, dass ein Menschenleben so ziemlich das wertvollste sei, das es gibt, oder? Mir hat jetzt eben noch eine geschrieben, dass dass die „natürliche Selektion“ sei. Die Schwachen nimmts. (Siehe Bild unten)

Da frage ich mich, in welcher Phase der moralischen Entwicklung solche Menschen stecken geblieben sind… Da gehört wohl dann auch die Meinung mit hinein, dass zB behinderte Menschen, die ja irgendwie zu unseren Schwächsten gehören, auch keine Berechtigung zum Leben haben? Und wir ist es mit Aborten? Und Kranken? Ist ja egal, wenn die jetzt an Corona erkranken und evtl sterben, natürliche Selektion. HAUPTSACHE, ES TRIFFT NICHT MICH. Gehts noch dümmer und taktloser? Was ist da falsch gelaufen in der Erziehung? In der Vermittlung von Werten? So ziemlich alles, oder?

Leute, ganz ehrlich. Personen mit einem solchen Menschenbild machen diese Welt zu einer schlechten. Das ist meine Meinung. Genau so ein Mensch hat vor 90 Jahren mal Deutschland angeführt. Ein menschenhassendes Arschloch, dem Menschenleben nichts wert waren. So einer regiert momentan die USA. Ich würde nicht sagen, dass er menschenhassend ist, aber ganz bestimmt ist er gleichgültig ihnen gegenüber. IHM gehts ja gut.

Diese Gleichgültigkeit und diese Abwertung von Menschen… Ich finde das nicht nur unschön, sondern auch erschreckend. Und dann wundert man sich, warum die Welt ist, wie sie ist!

In Clubs gehen, ausgehen, sich seiner Freiheiten nicht berauben lassen wollen, auf Kosten der „Schwächsten“… Ich rege mich über so etwas wirklich sehr auf. Vielleicht weil ich weiss, wie Verluste sich anfühlen, vielleicht aber auch einfach, weil ich kein Misanthrop bin.

  • Diese Facebook-Unterhaltung von heute… Ich habe betr. „natürliche Selektion“ dieser Dame geantwortet, dass also ihrer Meinung nach zB behinderte Menschen auch keine Daseins-Berechtigung hätten usw. Ihre Antwort, siehe Foto (ich werde es unten übersetzen). Danach habe ich nicht mehr zurück geschrieben…:
  • Übersetzung: Klar ist ein Menschenleben wertvoll, aber wenn eine Krankheit kursiert, nimmts halt immer zuerst die Schwachen. 🤷🏼‍♀️ Und nur, weil jemand behindert ist, heisst es nicht, dass er zu den Schwachen gehört oder zu denen, die sterben müssen, aber mit unserem Gesundheitssystem, wo die Leute immer älter werden, braucht es irgendwie auch einen natürlichen „Feind“, der die Population in Zaun (sie meint Zaum) hält… weil erschiessen wie bei den Tieren darf man sie ja nicht und auch wenn man dürfte, würde ich zuerst die Dummen holen. (Also sich selbst…)

    Ich weiss auch nicht, was ich da noch sagen soll… Aber mit dieser Einstellung wird das nichts mit einer besseren Welt und ich hoffe von Herzen, dass diese Frau zu einer winzig kleinen Minderheit gehört.

    Die (fehlende) Wertschätzung von Care-Arbeit und Erziehung

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    Dasselbe Volk, das auf dem Balkon fürs Gesundheitspersonal applaudiert, zieht über Eltern bzw. vor allem wohl über Mütter her, denen die letzten zwei Monate alles zuviel wurde… Und dieselben Menschen merken nicht, dass sie sich da selbst widersprechen, denn es geht um Wertschätzung und um die Aufwertung der Arbeit, die „früher“ und auch oft heute noch vor allem von Frauen, aber nicht nur, z.B. in Familien übernommen wurde und wird. Es geht um die Pflege, um die Erziehung, die Arbeit in der Familie und im Haushalt. Um unbezahlte oder schlecht bezahlte Arbeit, wenn wir ehrlich sind.
    Die Angst vor dem Corona und die Angst davor, vielleicht auf Gesundheitspersonal angewiesen zu sein, falls man erkrankt, hat ein bisschen wach gerüttelt. Aber nur ein bisschen und eigentlich auch nur, um den eigenen Arsch zu retten, wenn ihr mich fragt. Geht’s dabei tatsächlich darum, sich für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung für das Personal in diesem Sektor oder ging es einfach darum, sie alle schön bei Laune zu halten? Sie zu ermuntern, sich weiterhin den Arsch aufzureissen und nicht aufzugeben, denn wir alle sind potenzielle Patienten und wir alle möchten gerettet werden, falls es hart auf hart kommt.

    Und was ist mit dem Personal in Alters- und Pflegeheimen, die wohl seit Jahren knapp sind an Mitarbeitenden und alles ihnen mögliche tun, um den betagten Menschen einen angenehmen und glücklichen Lebensabend zu bieten. Diese Arbeit ist weitaus mehr als „nur“ Pflege, worauf sich aber viele Institutionen wohl reduzieren mussten. Dabei ist es doch ebenso wichtig, Zeit zu haben für diese alten Menschen. Ein Schwätzchen zu halten zwischendurch. Zuzuhören, denn ich könnte mir vorstellen, dass sie zum Teil echt viel zu erzählen haben, zu verarbeiten haben. Spazieren zu gehen, einfach Zeit zu haben, ohne von Klient zu Klient zu hetzen.
    Vielleicht sehe ich das ganz falsch, keine Ahnung. Ich habe keinen Einblick in solche Institutionen, meine Worte sind einfach meinem Vorstellungsvermögen entsprungen und vom Gefühle her würde ich sagen, total unrealistisch sind sie nicht.

    Dasselbe tut das Personal in Institutionen, zB für behinderte Menschen. Tagein, tagaus, egal was passiert. Betreuungsarbeit ist soooo viel mehr als nur Arbeit.
    Und da spreche ich jetzt in Wir-Form, denn in diesem Bereich arbeite ich. Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich mit Jugendlichen gearbeitet (Dissozialität und später mit Jugendlichen mit psychischen Problemen oder Lernschwierigkeiten). Danach zog es mich in ein Kleinkinderheim, wo Kinder wohnten, die aus irgendwelchen Gründen nicht zuhause wohnen konnten oder durften. Später betreute ich psychisch kranke Erwachsene und danach nochmal Jugendliche und seit ein paar Jahren nun erwachsene Männer und Frauen mit einer geistigen Behinderung. Wie es typisch ist im sozialpädagogischen Bereich, habe ich immer im stationären Bereich gearbeitet. Die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, haben also dort gewohnt, manchmal für immer, manchmal für eine längere Phase oder einfach für eine Weile.

    In meiner Arbeitszeit begleite ich also Menschen, die mit mir sozusagen ihre Freizeit verbringen. Ich arbeite in ihrem Zuhause. Und ich bin eine sehr wichtige Bezugsperson, für einige sogar die wichtigste, die sie momentan haben. Das ist eine grosse Verantwortung, die soll mit Sorgfalt getragen werden wie alles andere in diesem Beruf ebenfalls

    Ich bin noch in Kontakt mit zwei, drei Jugendlichen, die ich damals einen Teil auf ihrem etwas holprigen Weg begleitet habe. Unterdessen sind sie natürlich erwachsen und eigentlich gar nicht so viel jünger als ich es bin. Es hat einige dabei, die als Kind fast ausschliesslich in Heimen gelebt und unter den Beziehungsabbrüchen zu ihren Bezugspersonen sehr gelitten haben. Denn wenn eine Betreuerin kündigt, verliert der betreute Mensch unter Umständen eine ihr sehr nahestehende Person. Eine, die ihm zugehört hat, die ihm geholfen hat einige seiner Ziele zu erreichen, eine die konstant immer wieder da war, eine auf die er sich verlassen konnte, eine die ihn in seinen Schwierigkeiten unterstützte und in seinen Fähigkeiten bestätigte und förderte. Und halt einfach Zeit mit ihm verbrachte und zwar in seinem Wohnbereich, was ja etwas sehr privates ist. Es gibt auch Bereiche in unserer Arbeit, wo man dem Klientel körperlich sehr nah kommen muss, z.B. wenn man ihnen beim waschen helfen muss oder sowas. Ich muss das nicht und mir wäre das auch gar nicht gegeben. Ich habe mir mein berufliches Umfeld immer so ausgesucht, dass Pflege da nicht dazu gehört.
    (Bei all diesen oft privaten Themen und unserem Aufhalten im Privat- und manchmal sogar im Intimbereich dieser Menschen ist eine professionelle Beziehung und Vorgehensweise neben Fachkenntnissen natürlich sehr wichtig.)

    Ich finde es sehr wichtig, dass mit all diesen Menschen gut ausgebildete Fachkräfte arbeiten. Jeder Mensch hat ein Recht darauf und auch ganz bestimmt vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich. Und genau da wird am ersten gespart, wenn gespart werden muss. Seit Jahren. Oder seit immer?
    Wie wäre es, wenn es im Coiffeurgeschäft zu wenig Angestellte hätte und die Coiffeuse kaum richtig Zeit für euch hätte und deswegen allen die selbe Frisur und Farbe auf den Kopf knallen würde? Oder wie wäre es, wenn der IT-Mann, der gerade arbeitslos ist, beim Bäcker als unausgebildete (Billig-)Arbeitskraft arbeitet und dort Brötchen backt? Sie wären günstig und es gäbe viele, aber sie wären trocken und hart wie Stein. Oder wie wäre es, wenn der Gärtner nicht mehr soooo Bock auf seinen Beruf hat und statt Hecken nun lieber Zehennägel schneidet, davon aber keine Ahnung hat? Oder wie wäre es, wenn die Bundesregierung sparen müsste und überall schlecht qualifizierte Präsidenten die Staaten regieren würden? Wäre das auch in Ordnung?

    Den Berufen im Gesundheits- und Sozialbereich wird keine grosse Wichtigkeit, kein grosser Stellenwert zugeschrieben. Noch immer. Obwohl das Dienstleistungen sind, die die meisten von uns irgendmal in unserem Leben in Anspruch nehmen werden müssen.
    An der Haltung der breiten Bevölkerung hat auch Corona nichts geändert, das sind Meinungen und Haltungen, die wir Menschen in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten, Jahrhunderten in uns verankert haben. Wertvorstellungen, die wir übernehmen, Generation für Generation. Da wird ein bisschen applaudiert und das war durchaus nett, versteht mich nicht falsch. Aber bringts jemandem etwas? Nein. Es würde all diesen Berufsleuten und den betreuten Personen weitaus mehr helfen, wenn ihr sie auch wertschätzt, wenn ihr gesund seid. Und vor allem, wenn ihr bei Wahlen und Abstimmungen an die Institutionen im Gesundheits- und Betreuungswesen denkt und Parteien wählt, die sich für soziale Anliegen einsetzen.

    Wir denken ja, dass wir in einer aufgeklärten Gesellschaft leben. Offen und modern. Und schon recht emanzipiert. Aber das stimmt nicht. Und die vergangenen acht Wochen haben dies sehr deutlich gezeigt, finde ich.
    Die Schulen wurden geschlossen und das war bestimmt eine gute Entscheidung. Und da ist man wohl davon ausgegangen, dass eine Familie aus einem Vater, einer Mutter und einem, zwei oder drei Kindern besteht. Ein Elternteil arbeitet, im traditionellen Rollenverständnis wohl der Vater, und die Mutter ist Hausfrau und ist dementsprechend zuhause. Deswegen ist es gut machbar, die Kinder zuhause erstens zu betreuen und zweitens sie beim sogenannten Homeschooling zu begleiten. Mehrere Stunden am Tag.

    In dieser Planung wurden ganz viele vergessen und meiner Meinung nach auch ziemlich verheizt. Nämlich die berufstätigen Mütter und auch die alleinerziehenden Mütter, die ja meistens auch berufstätig sind, denn sie müssen Geld verdienen, um eine Familie zu ernähren. Der Arbeitgeber erwartet 100prozentigen Einsatz und in einer Krisenzeit vermutlich noch mehr als das. Zu Recht, denn er ist ja auf diese Fachkraft angewiesen und bezahlt ihr am Ende des Monats ihren Lohn.
    Es war ganz selbstverständlich, dass Mütter das alles irgendwie auf die Reihe kriegen. Ich finde, da wurden sie wirklich überhaupt nicht ernst genommen erstens in ihrer beruflichen Tätigkeit und zweitens auch als Mutter. Es war z.B. selbstverständlich, dass eine Frau Homeschooling machen kann mit den Kindern, während sie gleichzeitig Homeoffice machte. Aber Homeoffice bedeutet eigentlich, dass zuhause gearbeitet wird und zwar genau so viele Stunden wie normalerweise am Arbeitsort. Ja, wirklich. Aber wie soll denn das gehen, wenn die Kinder zuhause sind man neben dem eigentlichen Job auch noch Lehrerin sein soll? Andere müssen am Arbeitsort arbeiten, währenddem sie gleichzeitig zuhause die Kinder betreuen sollten. Da entsteht viel Druck, viel Stress, zeitlich und energiemässig, denn alles will gut gemacht werden bzw. alles will gemacht werden.

    Ich habe jeden Morgen ab 8 Uhr mit dem Kind Schulsachen gemacht. Den ganzen Morgen. Das Kind hat nicht immer gleich gut gearbeitet. Zuhause ist die Ablenkung grösser und die Mama ist irgendwie auch anders als die Lehrerin. Da kann man auch mal bocken und trödeln und frech sein und überhaupt. Wir waren bis Ostern auf uns selbst gestellt, wir haben einen grossen (riesig) Stapel Broschüren und Bücher bekommen mit einer Liste, was die nächsten drei Wochen abgearbeitet werden muss. Danach haben wir nichts mehr von der Schule gehört, wir mussten auch nichts abgeben zum korrigieren oder so. Nach Ostern dasselbe noch einmal, dieses Mal war aufgelistet, welche Aufgaben wir in der ersten und welche in der zweiten Woche erledigen sollten. Es war viel zu viel, wenn ihr mich fragt. Zwei Bastelarbeiten waren dabei, die haben dem Kind Spass gemacht und wir durften der Lehrerin Fotos davon schicken. Leider kam darauf keine Reaktion, was ich traurig fand und auch irgendwie unfreundlich, wenn ich ehrlich bin.

    Ich habe immer versucht, während diesen gut drei oder vier Homeschooling-Stunden zwischendurch etwas im Haushalt zu machen, eher so semi-erfolgreich.
    Dann gekocht und auch währenddessen von Küche zum Kind am Esstisch hin und her und her und hin, bis es dann alles versorgen durfte und wir assen. Danach ein bisschen spielen und aufs Sofa liegen (ich), durchatmen und dann das Kind bei seinem Vater abliefern und zur Arbeit gehen bis abends um 20 /21 Uhr. Wenn ich dann abends müde nach Hause kam, hatte er das Kind in meiner Wohnung zu Bett gebracht und wartete bis ich kam, um dann selbst in die Nachtschicht zu gehen. Meistens war das Kind noch wach und ich erledigte noch ein paar Sachen (Meerschweinchen überprüfen und eventuell Heu nachfüllen, Wäsche aufhängen, Geschirrspüler leeren oder füllen usw.), bis ich dann erschöpft neben dem Kind lag, ihm den Rücken krabbelte, bis es einschlief. Ich schlief auch ein, obwohl ich noch sooo gerne geduscht hätte. Ich mach das am Morgen… denn um 06.15 klingelt wieder der Wecker.
    So war das MI, DO und SA immer. Montags hatten wir am Nachmittag beide frei und Zeit, spazieren oder Radfahren zu gehen. Dienstags arbeitete ich morgens und wir mussten den ganzen Nachmittag für die Schule arbeiten. Freitags hatten wir am Nachmittag auch frei, meistens habe ich da aber dann etwas im Haushalt gemacht, damit ich nicht alles sonntags machen musste.

    Also. Wenn eine Mutter sowas dann erzählt, geht das ja sehr schnell unter jammern. Aber es ist nur erzählt. Ich muss sagen, ich bin weit über meine Grenzen hinaus gekommen und ich könnte das nicht noch einmal durchstehen. Ich fand es schön, das Kind zuhause zu haben. Bei mir. Aber durch den ganzen Druck und den ganzen Stress hatten wir zwei zeitweise auch viel Stress, die Nerven lagen zwischendurch recht blank. Es ist ja bitter, dass man sich dann rechtfertigen muss für so etwas oder dass man dann als nicht belastbar angeschaut wird. Aber ist man tatsächlich weniger belastbar als andere, wenn man das alles ganz allein macht und noch viel mehr oder ist man dann vielleicht nicht sogar super-belastbar, aber es ist einfach nicht mehr so richtig im Bereich des möglichen?
    Ja, aber dafür müsste man ja die Sichtweise ändern und das können nicht alle. Ich glaube aber, das zeigt ganz klar, dass unsere Länder auch heute noch auf diesem traditionellen Rollenbild funktionieren bzw. versuchen zu funktionieren, obwohl das längst so nicht mehr stimmt. Das geht auf die Kosten der Frauen, ganz ehrlich. Denn ich würde jetzt behaupten, die meisten Mütter machen einen riesigen Spagat und reissen sich den Arsch bis zur extremen Erschöpfung auf, weil die Kinder nicht unter der Situation leiden sollen.

    Ich habe in den letzten Tagen viel gelesen, wie andere Mütter in der Schweiz und in Deutschland diese Lockdown-Wochen erlebt haben, mit Fokus auf die Schulschliessung und die Doppelbelastung, der viele dann ausgesetzt waren bzw. Dreifachbelastung. Es gab Mütter, die haben ausgerechnet, wieviel Geld der Bund ihnen für die von ihnen wahrgenommene Betreuung schuldet oder schulden würde. Ich persönlich finde das nun schon auch überzogen, auf solche Gedanken wäre ich jetzt nicht gekommen. Aber es ist egal. Es hat z.B. bei Twitter etliche Erfahrungsberichte. Ich denke nicht, dass es dabei ausschliesslich um den finanziellen Aspekt geht, sondern über ganz viel Müdigkeit und Überbelastung und halt nicht zuletzt auch um die unbeachtete Arbeit, die Mehrbelastung, die Mütter leisten. (Wenn ich von Müttern schreibe, betrifft das natürlich all die Väter, die das ebenfalls tun, auch.)
    Sehr, sehr krass sind aber dann zum Teil die Kommentare, die auf diese Eltern reagieren. Ich schreibe euch mal einige auf, sie sind unter dem Hashtag CoronaElternRechnenAb und #CoronaEltern zu finden. (Rechtschreib- und Grammatikfehler übernehme ich, wegen zitieren und so):

    Euch sollte man die Kinder wegnehmen was stimmt nicht mit euch?????
    @EffzehEngel

    Ich schreibe übrigens keine Rechnung für meine Arbeit zuhause mit Kindern, Schulaufgaben und Haushalt.
    Ich glaube, wenn man Kinder bekommt, gehört es zum Lebensrisiko, dass man sich um sie kümmern muss.
    @Parns1

    Das italienische Restaurant um die Ecke wird Augen machen, wenn ich ihm in Rechnung stelle, dass ich acht Wochen lang selbst Pasta machen musste.
    @DandeloGale

    Beim Sex zu blöd für die Verhütung und dann dem Staat die Rechnung für die eigenen Konsequenzen präsentieren. Genau mein Humor.
    @AlterSack10

    Stell dir vor, du musst während einer weltweiten Pandemie auf DEIN Kind aufpassen! Verrückt oder? Wer will denn bitteschön auf sein eigenes Kind aufpassen?
    @Pulkz_

    #CoronaElternRechnenAb oder auch:
    Ich hatte Sex, will mich aber nicht mit den Konsequenzen konfrontieren und irgendwie sind die Bratzen, trotz des Ratgebers, echt anstrengend, also ab, weg damit, bis ich sie mit 18 vor die Tür setzen kann.
    @blckmtlbrbie

    Man bekommt mittlerweile den Eindruck, dass das Leben zu Hause zwischen Eltern und Kind einer Kriegsgefangenschaft gleicht. Warum setzt ihr Kinder in die Welt, wenn ihr diese ausschliesslich in der Kita abgeben wollt und nur „Zeit für euch“ benötigt?
    @blume_grun

    Ich würd ja eher die Kinder dafür bezahlen, das die sich mit ihren scheiss Eltern rumschlagen müssen. Ich will gar nicht wissen, wie die sich fühlen wenn ihre Eltern solche Drecksmesnchen sind.
    @itsamehmika

    Bevor ihr also in eine derart missliche Lage kommt, kneift die Nudel ab, presst die Knie zusammen. Eure ungeborene Brut wird es Euch danken. Bussi aufs Arschi, ihr Kackbeutel…!
    @MannOhneGeduld

    #CoronaElternRechnenAb sorry, aber ich kotze gleich im Strahl. Mimimimi ich hab Kinder, mimimi ich muss alles machen. Na und? Mein Mann und ich sind beide Krankenschwester/Pfleger im 3 Schichtsystem. Unser Kind lebt noch. Kommt mal klar. Ihr habt den Schlag nicht gehört.
    @Kerstin33001384

    Sehr viele Unterstellungen… Ach, und ganz vieles, das tief, tief unter der Gürtellinie ist, das ist mir sogar zu krass, um es zu zitieren. Sowas schreib ich in meinem Blog nicht. Mütter werden so zB Weicheierfotzen genannt und anderes, weil sie erzählen, wie sie es wochenlang schaffen oder fast nicht schaffen, Arbeit, Schule, Erziehung und Haushalt unter ihren Hut zu bringen. Es wird auch ganz deutlich gesagt, dass sie schlechte Mütter sind. Natürlich immer von Leuten, die nicht verstanden haben, worum es ging. Wohl sehr oft auch von Menschen, die gelangweilt zuhause rumhocken und ihr Niveau schon lang nicht mehr gesehen haben. Unterirdisch. Und trotzdem ist das wirklich sehr verletzend und zeigt, dass die Achtung vor Frauen resp. Müttern zum Teil sehr gering ist. Es ist erschreckend.
    Leider stechen mir so oft genau diese Kommentare in die Augen. Die Müdigkeit macht mich verletzlicher im Moment, das ist wohl so.

    Wirklich viele schreiben, dass Mütter, die an ihre Grenzen stossen momentan, hätten abtreiben sollen. Das ist ekelhaft. Und wenn ich mich auf dasselbe Niveau niederlassen würde, würde ich sagen, dass das wohl lieber deren Eltern hätten tun sollen, aber das würde ich nie tun.

    Es gibt auch ganz viele andere Kommentare. Es geht vielen Müttern gleich. Viele andere Menschen – Frauen und Männer – verstehen das. Vielleicht geht es da ja auch gar nicht um Geld, um Bezahlung für diese Arbeit, sondern auch sehr, sehr stark um die Anerkennung dieser Leistung. Um das Wissen, dass Familien ganz schön viel mitgetragen und dazu beigetragen haben, diese Krise durchzustehen. Haben ja auch nicht alle verstanden….

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    Homeschooling (from hell)

    So. Diesen Text schreibe ich mit erhöhtem Blutdruck und Puls bis oben hinaus, er ist also vermutlich nicht sehr objektiv.

    Homeschooling. Seit Wochen.
    Als die Schulen ja ziemlich plötzlich (und doch erwartet) geschlossen wurden, konnten wir ein paar Tage später in der Schule Aufgaben abholen, die für eine Woche reichten. Eine Woche später bekamen wir dann einen riesigen Stapel Aufgaben, die dann gleich bis zu den Osterferien reichten. Es war wirklich sehr viel und die Eltern mussten das alles selber einteilen und strukturieren. Ich muss sagen, wir haben da wirklich immer sehr fleissig und gewissenhaft dran gearbeitet und zwar mehr als 2 Stunden am Tag, denn sonst hätten wir diese vielen Aufgaben nie im Leben geschafft. Nach den Osterfeiern gabs dann nochmal Aufgaben für zwei Wochen. Die waren in Wochenaufgaben unterteilt und es war wiederum wirklich sehr viel. Letzte Woche haben wir alle obligatorischen Aufgaben geschafft. Knapp. Und mir wirklich grossen Zeitaufwand und Disziplin.
    Und diese Woche…. ich weiss es nicht…

    Irgendwie ist die Luft raus. Bei mir und beim Kind. Die letzten Wochen waren anstrengend. Ich habe wie immer gearbeitet – naja, eigentlich war ich die Hälfte der Zeit krank, ich hatte eine Nierenbeckenentzündung. Beim ersten Kranksein durfte ich nicht zum Arzt, mir wurden 10 Tage Isolation verschrieben. Danach habe ich eine Woche gearbeitet, obwohl ich mich immer noch nicht soooo gut gefühlt habe. Danach waren die Schmerzen im unteren Rücken unerträglich und ich bestand darauf, in die Praxis zu dürfen. Und dann war das eben eine Nierenbeckenentzündung. Antibiotika 1 schlug nicht an, also drei Tage später Antibiotika 2. Das half dann.
    Während der ganzen Zeit habe ich jeden Morgen zwei bis drei Stunden Homeschooling gemacht mit dem Kind, obwohl ich mich hundeelend gefühlt habe. Und während den Arbeitswochen natürlich auch. Das sind morgens zwei bis drei Stunden bzw. eher mehr plus Haushalt und kochen und dann nachmittags arbeiten gehen. Wenn das Kind bei seinem Vater war, habe ich gearbeitet. Ich hatte also jetzt zwei Monate nie eine Minute für mich oder zum Ausruhen.

    Ich bin unterdessen wieder gesund. Noch müde von diesen Medikamenten und meine Verdauung ist ganz durcheinander vom Antibiotika.

    Wir sollten jetzt gerade an den Aufgaben für die Schule sitzen. Das Kind bockt seit mehr als einer Stunde. Der Morgen war gut, ich habe gearbeitet und sie war gut gelaunt. Der Mittag war auch gut. Und als es dann losgehen sollte mit der Schule, ging es los mit Theater. Total quer gestanden. Das ganze Programm.
    Wir hatten in den vergangenen Wochen auch zwischendurch ähnliche Phasen, im grossen und ganzen ging es aber gut. Ich empfand das ganze Homeschooling aber als wahnsinnig viel Druck. Ich will, dass das gut klappt und dass mein Kind nach diesen Lockdown-Wochen kein Defizit hat, nur weil es eine alleinerziehende Mutter hat, die arbeitet und deswegen weniger Zeit für all das hat als eine Mutter, die zuhause ist oder sogar einen Mann zuhause hat, der mithilft, mit dem sie austauschen kann, der mal entlastet usw. Ich weiss, dass man sich als Alleinerziehende immer besonders beweisen muss. Da wird schnell mit dem Finger drauf gezeigt und was bei andern normal ist, ist bei Alleinerziehenden ganz schnell „sie hat es nicht im Griff“.

    Also heute läuft jetzt also nichts mehr. Ich bin heute nicht ruhig und ausgeglichen geblieben, ich habe das Kind lauthals zusammengeschissen, ja tatsächlich. Hilfreich ist sowas ja nicht, ich weiss. Das hat vermutlich den Trotzanfall des Kindes jetzt verdoppelt…
    Ich fühle mich deswegen nicht besonders gut, muss ich sagen. Aber ich bin auch nur ein Mensch.

    Eigentlich bin ich echt ganz nah dran, das ganze Homeschooling aufzugeben. Ich kann echt nicht mehr….

    Wie läuft das wohl bei andern Familien so?

    Von einem Virus, von Rücksicht, Vernunft und Überreaktionen

    Viren sind winzig kleine infektiöse Partikel. Im Gegensatz zu Bakterien, Pflanzen und Tieren gehören sie nicht zu den Lebewesen, denn sie können keinen Stoffwechsel betreiben und sich nicht ohne die Hilfe einer fremden Zelle fortpflanzen. Dazu benötigen sie Zellen eines Lebewesens. Dieses wird von ihnen infiziert und sobald das geschehen ist, vervielfältigt es sich. Das ist dann auch die Hauptaufgabe eines Virions (das ist die selten gehörte Einzahl dieses Ausdruckes), sich zu vermehren.
    Einmal von Viren befallen, können unsere Zellen nicht mehr ihren zugeteilten Aufgaben nachgehen, viele davon werden sogar zerstört und deswegen spüren wir Krankheitssymptome. Aber unter Umständen nicht gleich von Anfang an. Oft verbreiten sich die Viren im Körper, ohne dass man es merkt und man fühlt sich erst nach ein paar Tagen oder sogar Wochen krank. Man nennt dies Inkubationszeit.
    Da sich die Viren natürlich nicht nur in uns, sondern auch in andern Menschen fortpflanzen wollen, sind sie ansteckend. Das heisst, wir scheiden sie aus, damit andere sie in ihrem Körper aufnehmen.

    Viren, von denen wir alle schon gehört haben, sind vermutlich folgende:
    Magen-Darm-Erkrankungen, Noroviren
    Grippe, Influenzaviren
    Warzen, Papillomviren
    Masern, Paramysovieren
    Hepatitis A, B und C, Hepatitisviren
    Gelbfieber und Röteln, Togaviren
    AIDS, HI-Virus
    Pocken, Pockenviren
    Windpocken, Herpesviren

    Bei HIV gibt es unterdessen eine Anzahl von antiviralen Medikamenten. Soviel ich weiss (ich bin aber keine medizinische Fachperson) kann der Körper eine Viruserkrankung ansonsten selbst bekämpfen und man wird von selbst wieder gesund. Was man mit Medikamenten bekämpfen kann, sind die Symptome, also z.B. Fieber, Juckreiz oder Schmerzen, was dem Körper die Heilung bzw. uns das Aushalten erleichtert.

    Das ist nun in Kürze das, was ich von Viren weiss. Das ist nicht besonders viel, hilft aber doch ein wenig, um die momentane Situation betreffend Corona-Virus / COVID-19 besser zu verstehen und damit vernünftig umzugehen.

    Wie schon in meinem letzten Text (Live Ticker!!!! Sei live dabei!!!) geschrieben, möchte ich darauf hinweisen, dass es wohl klug ist, sich auf Informationsquellen zu beschränken, statt die Sensationspresse zu lesen. Jedem ist es selbst überlassen, wie er sich informieren möchte.

    Ich möchte euch auch bitten, wenn ihr Berichte von irgendwelchen euch unbekannten Schreibern oder Quellen postet oder teilt, zuerst den Wahrheitsgehalt dieses Berichts zu überprüfen. Auch da ist natürlich der Umgang jedem selbst überlassen. Keine Verschwörungstheorien oder Unwahrheiten zu verbreiten, würde meiner Meinung nach aber mithelfen, die Angst verschiedener Menschen in einem normalen Mass zu halten.

    Ich möchte behaupten, dass gewisse Medien in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Unsicherheit und Angst geschürt haben, auch da möchte ich wiederum auf meinen letzten Text (Link siehe oben) verweisen. Es war einfach zuviel und zu heftig, meiner Meinung nach zu ungefiltert. Dass dies dann zu Angst, gar Panik und Hamsterkäufen geführt hat bei einem Teil der Bevölkerung, kann ich durchaus nachvollziehen.
    Ich sehe das auch, wenn ich einkaufen gehe. Da sind tatsächlich leere Regale zu sehen, vor allem bei den Konserven, beim Reis und beim Desinfektionsmittel. Es war zu lesen, dass in Spitälern und andern ähnlichen Institutionen sogar zu Diebstählen von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln gekommen ist. Das ist schlimm.

    Ich finde jedoch, dass kein Mensch, der Angst hat, dafür ausgelacht oder verspottet werden soll. Ängste sind wieder ein Thema für sich. Meistens sind sie ja nicht rational, nicht erklärbar und nicht fassbar. Sie sind ja sehr oft unnötig und doch sind sie da. Der Mensch, der Angst hat, leidet. Also, da ist auslachen und verurteilen ein Scheiss-Verhalten. Jetzt in dieser Situation genau so wie wenn jemand Platzangst hat und in keine geschlossenen Räume will oder jemand Angst vor Spinnen hat.
    Angst führt oft zu Überreaktionen oder vielleicht IST Angst sogar die Überreaktion.

    Ich finde aber auch, dass die Anti-Ängstlichen auch überreagieren. Oder muss ich vielleicht unterreagieren sagen? Ich sehe mich da etwa in der Mitte. Ich bin nicht unbesorgt, das würde ich wirklich nicht behaupten. Ich habe Respekt vor dem, was da noch kommen könnte und ich weiss, dass ICH keine Angst haben muss, dass mich dieser Virus umbringen wird. Ich werde maximal krank und dann wieder gesund. Die Chancen auf einen schweren Verlauf der Erkrankung sind sehr klein. Ebenso bei meinem Kind. Das ist wichtig zu wissen.
    Ich denke, der Mehrheit der Menschen in der Schweiz oder in Deutschland geht es so. Sie brauchen eigentlich keine Angst zu haben. Wenn sie es haben, hat das andere, tiefere Gründe, würde ich behaupten.

    Wenn wir also nicht in Gefahr sind, kann das alles also ins Lächerliche gezogen werden. So ein Bild mit einem Vergleich zwischen Corona-Toten und Hungersnot-Toten wird jetzt ja zB überall herumgezeigt und ehrlich, ich finde dies sehr heuchlerisch. All die Leute, die dieses Bild nun posten, interessieren sich natürlich ja nicht nur jetzt für dieses Thema um zu provozieren, sondern das ganze Jahr… Schon klar.
    Natürlich ist wohl die Botschaft dieses Bildes sehr war und es ist richtig schlimm, darüber muss man gar nicht diskutieren. Ich habe ja mal gelesen, dass die fünf reichsten Leute dieser Welt die Hungersnot beenden könnten. Tun sie aber nicht, denn auch daran verdienen eine Menge Menschen eine Menge Geld. Das schreibe ich hier jetzt nicht, weil ich das toll finde. Aber es ist nun mal so. Und es ist ein komplett anderes Thema.
    Und ja, es sterben sehr, sehr viele Menschen in Afrika an Hunger. Oder an andern Krankheiten. Und es sterben auch hier jährlich viele Menschen an normalen Grippeviren. Das ist so. Aber macht das denn den Tod weniger schlimm? Kommt es auf ein paar mehr oder weniger jetzt nicht drauf an? Tatsächlich? Ich kann diese Gedanken nicht nachvollziehen und die, die es können, können es bestimmt auch nur, so lange diese Toten abstrakte Zahlen sind. Und wenn es dann die eigene Oma oder Mama ist, der Nachbar, der herzkrank ist? Die Nichte, die mitten in der Chemo-Therapie steckt? Ist es dann weniger schlimm als wenn es die Oma einer fremden Person ist oder der Vater eines Mädchens in einer fremden Stadt weit weg?

    Denn es gibt tatsächlich auch viele Menschen, bei denen eine Infektion sehr gefährlich sein kann. Das sind Menschen, die an einer anderen schwereren Krankheit leiden oder immunschwach sind. Bei denen kann eine Infektion unter Umständen einen sehr schweren Verlauf nehmen oder tödlich enden.
    Wären das dann diese Toten, wo es nicht soooo drauf an kommt, weil es in Afrika ja immer noch viel mehr Hunger-Tote gibt? Oder wie ist das genau? Was ist denn das überhaupt für eine Einstellung?

    Momentan werden wir in unserer Freiheit etwas eingeschränkt. Nicht schlimm, wie ich finde. In der Schweiz sind zum Beispiel zur Zeit Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen nicht erlaubt. Wir waschen uns die Hände etwas öfter als normal. Wir niesen und husten in ein Taschentuch und werfen es in den Müll und wir schütteln uns nicht die Hand zum Hallo sagen.
    Und die halbe Schweiz regt sich offenbar tierisch darüber auf und findet es nicht nötig. Ob es notwendig ist oder nicht, weiss ich nicht. Kann ich nicht beurteilen. Ich verstehe aber das Interesse daran, die Verbreitung von diesem Corona-Virus weitmöglichst zu verhindern oder möglichst gering zu halten. Nicht wegen mir. Sondern wegen Menschen, für die eine Ansteckung gefährlich wäre.

    Und es ist ja nicht nur das. Ich denke, obwohl diese Virus-Grippe für uns problemlos verlaufen würde, ist sie dennoch sehr ansteckend und auch dies kann zu Komplikationen führen. Wenn das halbe Land krank ist, können gewisse Dinge nicht mehr gewährleistet werden. Wer verarztet und betreut dann in den Krankenhäusern und Arztpraxen die Patienten? Wer betreut Menschen, die in sozialen Einrichtungen auf Betreuung und Pflege angewiesen sind? Wer fährt die öffentlichen Verkehrsmittel? Hat die Polizei und die Feuerwehr dann noch genügend gesundes Personal? Wer arbeitet in den Geschäften? All dies könnte zu einer sehr schwierigen und unter Umständen nicht zu bewältigenden Situation für die noch Gesunden sowie für die Pflegebedürftigen führen und dies gilt es zu verhindern.

    Nun gilt es also einfach, ein wenig Rücksicht zu nehmen und vorsichtig zu sein und damit scheinen relativ viele Menschen total überfordert zu sein.
    Schade eigentlich.

     

     

     

     

    Live Ticker!!!! Sei live dabei!!!

    Ich bin wirklich kein Fan von Live Ticker.
    Egal, was wo auf der Welt passiert, die Medien halten uns per Live Ticker gerne auf dem Laufenden. Und sei es auch in der hintersten Ecke auf dieser Weltkugel, wir erfahren davon. Attentate, Flüchtlingsansturm, Naturkatastrophen. Wir erfahren nicht nur davon, wir sind sozusagen mittendrin.

    Wenn ich mich zurück erinnere, war vermutlich 9/11 das erste Ereignis, das ich live mitgeschaut habe am TV. Es wurde stundenlang live gezeigt, was abläuft und ich sass bis in alle Nacht hinein vor dem TV-Gerät. Schockiert, verängstigt. Und doch konnte ich nicht ins Bett, denn zu sehen was passiert gab mir irgendwie das Gefühl, dass ich alles unter Kontrolle habe. Zu wissen, dass ich da, wo ich bin, sicher bin.
    Vielleicht war das der Beginn einer neuen Ära der Berichterstattung, vielleicht war es aber auch schon vorher so und ich erinnere mich einfach nicht.

    Heute haben wir uns daran gewöhnt. Wir öffnen eine News-App und sind über sämtliche Geschehnisse in der ganzen Welt informiert. Da wird stündlich oder gar minütlich berichtet. Und zwar nicht nur Wahrheiten und fundierte Fakten, sondern einfach was gerade so passiert, relativ ungefiltert, wie es mir erscheint. Wir lesen von Eventualitäten, von Hypothesen und Theorien, die vielleicht irgendwann relativiert oder korrigiert werden, vielleicht aber auch nicht. Eine grosse Informationsflut prasselt auf uns ein. Der Journalismus lebt davon, Themen aufzubauschen und aufzublasen. Warum z.B. müssen wir ganz genau über jeden einzelnen Verdachtsfall informiert werden? 
    Mir wäre es lieber, gezielt informiert zu werden. Vielleicht zwei- oder dreimal am Tag und dann über die relevanten Dinge. Fakten. Wahrheiten. Damit könnte ganz viel Panik und Angst vermieden werden, denn mit dieser Menge an Information umzugehen und selbst herauszufiltern was wichtig ist und was nicht, sind viele überfordert. Und dann entsteht Angst.
    Mir wäre es auch lieber, wenn weniger defizitorientiert berichtet würde. Natürlich sind Fakten in solchen Fällen nicht sehr aufmunternd, die müssen aber sein. Fakten. Und nicht Mutmassungen und Was-wäre-wenn. Ich ziehe eine Berichterstattung vor, die sich auf bestätigte Fakten bezieht, die klar und objektiv informiert und es nicht zum Ziel hat, möglichst hohe Wellen zu schlagen.
    Mir wäre es lieber, wenn nicht nur Negativ-Schlagzeilen gemacht würden, sondern auch Fortschritte oder gute Neuigkeiten Platz bekämen. Wieviele Menschen haben den Virus bereits überstanden, sind wieder gesund? Wie ist ein normaler Krankheitsverlauf? Wir hören ja dann meistens von den schlimmen Fällen, von den Risikogruppen, aber die meisten von uns gehören da nicht dazu. 
    Gute Berichterstattung ginge anders, meiner Meinung nach. 

    Dazu kommt ja noch, dass jeder seine Meinung ins Internet schreiben kann und bestimmt längst nicht jeder von denen ein Experte ist. Und doch gibt es Menschen, die glauben das alles. Alles war irgendwo geschrieben steht, ist auch wahr. 
    Hilfreich ist es nicht. 
    Irgendwie ist es ja total aus der Mode gekommen, sich zu erlauben, bei irgendwas nicht so genau Bescheid zu wissen und auch dazu zu stehen. Ich muss sagen, mich interessieren viele Dinge, aber auch wirklich längst nicht alles. Und ich habe nicht den Anspruch, dass ich überall mitreden muss. Reicht doch, wenn ich das dort mache, wo ich etwas davon verstehe.

    Wie ich es sehe, gibt es momentan nicht soooo viel zwischen Panik und Verniedlichung. Und ich finde beides nicht gut. Das sind für mich die zwei Extreme und meiner Erfahrung nach liegt die Wahrheit immer irgendwo dazwischen. Angst oder gar Panik zu haben, hat noch nie ein Problem gelöst oder etwas einfacher gemacht. Im Gegenteil. Verharmlosen und sich darüber lustig machen, eine Situation ignorieren aber auch nicht. 
    Darüber sprechen ist noch längst keine Panikmache. Man darf Fragen haben und man darf sich damit auseinander setzen, denn es ist ein aktuelles Thema. Das darf einen auch beschäftigen, denn es kann schlussendlich jeden betreffen.
    Man darf vorbereitet sein und vielleicht ist das sogar klug. Schlussendlich leben wir in Ländern, in denen wir darauf vertrauen können, dass Kanton, Bund und Gesundheitsinstitutionen ganz genau wissen, wie vorgegangen wird und wir werden Schritt für Schritt informiert. Immer so viel wie notwendig.

    Ich finde, wie immer, wichtig, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Sich zu informieren, aber auch Ruhe zu bewahren. Jedem ist es selbst überlassen, wie und wo er sich informieren möchte und wieviel. Das ist nicht nur jedem selbst überlassen, das ist sogar Eigenverantwortung.
    Ich würde empfehlen, sich bei Quellen wie zum Beispiel der Webseite vom Kanton Luzern (www.lu.ch) zu informieren. Die andern Kanton haben auch eine. Und im Deutschland und andern Ländern gibts das auch. Vielleicht momentan mit dem Lesen der Sensations-Presse eher zurückhaltend sein, da diese doch eher die Unruhe fördern und nicht sehr hilfreich sind.
    Ich fand auch gestern Abend die Sendung 10vor10 im Schweizer Fernsehen SRF1 wirklich interessant, informativ und obwohl nichts beschönigt wurde, beruhigend.

    Also, bleibt auf dem Boden und hoffentlich gesund.