Homeschooling (from hell)

So. Diesen Text schreibe ich mit erhöhtem Blutdruck und Puls bis oben hinaus, er ist also vermutlich nicht sehr objektiv.

Homeschooling. Seit Wochen.
Als die Schulen ja ziemlich plötzlich (und doch erwartet) geschlossen wurden, konnten wir ein paar Tage später in der Schule Aufgaben abholen, die für eine Woche reichten. Eine Woche später bekamen wir dann einen riesigen Stapel Aufgaben, die dann gleich bis zu den Osterferien reichten. Es war wirklich sehr viel und die Eltern mussten das alles selber einteilen und strukturieren. Ich muss sagen, wir haben da wirklich immer sehr fleissig und gewissenhaft dran gearbeitet und zwar mehr als 2 Stunden am Tag, denn sonst hätten wir diese vielen Aufgaben nie im Leben geschafft. Nach den Osterfeiern gabs dann nochmal Aufgaben für zwei Wochen. Die waren in Wochenaufgaben unterteilt und es war wiederum wirklich sehr viel. Letzte Woche haben wir alle obligatorischen Aufgaben geschafft. Knapp. Und mir wirklich grossen Zeitaufwand und Disziplin.
Und diese Woche…. ich weiss es nicht…

Irgendwie ist die Luft raus. Bei mir und beim Kind. Die letzten Wochen waren anstrengend. Ich habe wie immer gearbeitet – naja, eigentlich war ich die Hälfte der Zeit krank, ich hatte eine Nierenbeckenentzündung. Beim ersten Kranksein durfte ich nicht zum Arzt, mir wurden 10 Tage Isolation verschrieben. Danach habe ich eine Woche gearbeitet, obwohl ich mich immer noch nicht soooo gut gefühlt habe. Danach waren die Schmerzen im unteren Rücken unerträglich und ich bestand darauf, in die Praxis zu dürfen. Und dann war das eben eine Nierenbeckenentzündung. Antibiotika 1 schlug nicht an, also drei Tage später Antibiotika 2. Das half dann.
Während der ganzen Zeit habe ich jeden Morgen zwei bis drei Stunden Homeschooling gemacht mit dem Kind, obwohl ich mich hundeelend gefühlt habe. Und während den Arbeitswochen natürlich auch. Das sind morgens zwei bis drei Stunden bzw. eher mehr plus Haushalt und kochen und dann nachmittags arbeiten gehen. Wenn das Kind bei seinem Vater war, habe ich gearbeitet. Ich hatte also jetzt zwei Monate nie eine Minute für mich oder zum Ausruhen.

Ich bin unterdessen wieder gesund. Noch müde von diesen Medikamenten und meine Verdauung ist ganz durcheinander vom Antibiotika.

Wir sollten jetzt gerade an den Aufgaben für die Schule sitzen. Das Kind bockt seit mehr als einer Stunde. Der Morgen war gut, ich habe gearbeitet und sie war gut gelaunt. Der Mittag war auch gut. Und als es dann losgehen sollte mit der Schule, ging es los mit Theater. Total quer gestanden. Das ganze Programm.
Wir hatten in den vergangenen Wochen auch zwischendurch ähnliche Phasen, im grossen und ganzen ging es aber gut. Ich empfand das ganze Homeschooling aber als wahnsinnig viel Druck. Ich will, dass das gut klappt und dass mein Kind nach diesen Lockdown-Wochen kein Defizit hat, nur weil es eine alleinerziehende Mutter hat, die arbeitet und deswegen weniger Zeit für all das hat als eine Mutter, die zuhause ist oder sogar einen Mann zuhause hat, der mithilft, mit dem sie austauschen kann, der mal entlastet usw. Ich weiss, dass man sich als Alleinerziehende immer besonders beweisen muss. Da wird schnell mit dem Finger drauf gezeigt und was bei andern normal ist, ist bei Alleinerziehenden ganz schnell „sie hat es nicht im Griff“.

Also heute läuft jetzt also nichts mehr. Ich bin heute nicht ruhig und ausgeglichen geblieben, ich habe das Kind lauthals zusammengeschissen, ja tatsächlich. Hilfreich ist sowas ja nicht, ich weiss. Das hat vermutlich den Trotzanfall des Kindes jetzt verdoppelt…
Ich fühle mich deswegen nicht besonders gut, muss ich sagen. Aber ich bin auch nur ein Mensch.

Eigentlich bin ich echt ganz nah dran, das ganze Homeschooling aufzugeben. Ich kann echt nicht mehr….

Wie läuft das wohl bei andern Familien so?