Gesundheit.

Gesundheit.
Vermutlich ist sie neben der Erde auf der wir wohnen, das höchste Gut, das wir besitzen. Und vermutlich ist sie ebenfalls neben der Erde, auf der wir wohnen, das was wir am meisten für selbstverständlich nehmen.
Bis wir es nicht mehr haben.

Das ist nicht abnormal. Es ist menschlich. Wir neigen dazu, das was wir haben, nicht mehr zu sehen bzw ganz schnell als selbstverständlich anzunehmen UND es dann nicht mehr zu sehen.

Um die Gesundheit dreht sich schon seit einer Weile irgendwie alles. Und irgendwie aber auch nicht. Denn die Gesundheit scheint mir da an zweiter oder dritter Stelle zu stehen, denn es geht um allerlei anderes. Vielleicht vor allen Dingen um Macht. Um Frustration. Um Gemeinschaft und Zusammenhalt. Um Freiheit. Um Geld. Manchmal um Leben und Tod. Und überhaupt.

Es geht ums Impfen oder ums Nicht-Impfen und um jeden selbst, aber auch um einander. Klar ist da jeder für sich selbst verantwortlich. Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten wissen ja, dass sie möglicherweise an Corona erkranken und nicht viel davon spüren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, an Corona zu erkranken und wenn es ganz schlimm kommt auf der Intensivstation behandelt werden zu müssen. Das wäre dann ein sogenannt schwerer Verlauf. Es besteht auch die Möglichkeit, selber einen leichten Verlauf zu haben, aber jemanden anzustecken, der dann leider schwer krank wird. Das ist das Risiko, das jeder selber trägt. Und ich hoffe, ich schreibe das hier neutral, denn ich habe nicht vor, da etwas zu werten. (Bei Geimpften minimiert sich dieses Risiko um ein Vielfaches, sie können aber auch erkranken.)
Wenn es vielen Menschen so ergeht, dass sie auf die Intensivstation müssen, besteht irgendwann die „Gefahr“, dass diesen nicht mehr genügend Kapazität (=Personal, Apparaturen, Räume, Betten) zur Verfügung stehen für alle Patient*innen, die diese benötigen würden. Das sind nicht nur Corona-Patienten, sondern zB Unfallopfer, Menschen, die medizinische Notfälle erleiden und auch nach Operationen kann es vorkommen, dass man auf die Intensiv muss zur Beobachtung oder für länger. Ich würde sagen, das ist dann auch der Grund, dass Operationen verschoben werden, denn bei Komplikationen würde das lebensgefährlich enden.

Meinem Bruder erging es ja vor vielen Jahren nach einem schweren Motorradunfall so. Er musste unter anderem am Gehirn operiert werden, um nicht zu sterben und lag danach für mehrere Wochen auf der Intensivstation im Inselspital Bern. Die Zeit vor der Operation war kritisch, die Operation war es ebenfalls und auch noch eine ganze Weile danach ging es noch um Leben und Tod. Er hat überlebt. Dank OP und der Versorgung auf der Intensivstation.
Als Angehörige habe ich es damals übrigens auch sehr geschätzt, dass das Personal dort nicht nur genügend Zeit für ihn, sondern auch für uns hatte, denn das war für uns alle eine aussergewöhnlich schreckliche Situation.

Ich glaube, wir Menschen blenden solche Sachen gerne aus. Wir denken, das könne einem selbst nicht passieren. Das passiert nur immer andern.
Die Möglichkeit, einen Autounfall zu haben und dabei schwer verletzt zu werden ist klein und doch passieren solche Unfälle jeden Tag und es trifft immer jemanden.
Die Möglichkeit, einen Hirnschlag zu haben, ist auch klein. Und doch passiert auch das täglich.
Die Möglichkeit, dass bei einer Operation Komplikationen entstehen, sind ebenfalls wohl eher klein und doch passiert es.
Es trifft immer jemanden, der wohl auch immer gedacht hat, ihm könne das nicht passieren.
In all diesen Fällen sind Menschen darauf angewiesen, dass ihnen schnell und professionell geholfen wird. Das bedeutet vieles, nicht nur dass ein leeres Spitalbett für ihn da ist. Ich glaube, es bedeutet ganz fest, dass das zuständige Personal zurechnungsfähig ist, nicht total übermüdet und dass es Zeit für ihn hat neben den andern Patienten, die auch versorgt werden müssen.

Uns Menschen interessiert sowas mehrheitlich erst, wenn es UNS oder uns nahestehende Personen betrifft. Erst dann ist Krebs ein Arschloch. Erst dann ist es wahnsinnig, wie diese Raser fahren. Erst dann ist diese Kreuzung zu gefährlich. Erst dann braucht es einen Radweg. Erst dann wird darüber geredet, ob es einen Zebrastreifen braucht. Erst dann schätzen wir die Arbeit des Gesundheitspersonals. Erst dann.

Ich habe bis jetzt nur über die körperliche Gesundheit gesprochen. Es gibt auch noch die psychische. Genau wie wir jederzeit körperlich an etwas erkranken können oder uns in einem Unfall oder Unglück verletzen können, können wir jederzeit psychisch erkranken. Viele denken, dass es dafür äussere Einwirkungen bräuchte, zB ein schlimmes Ereignis, ein Trauma oder eine schwierige Situation, aber das stimmt nicht. So wie wir alle Knochen haben, die brechen können, ein Herz, das einen Infarkt erleiden kann oder ein Gehirn, das krank werden kann, haben wir auch eine Psyche, die einfach so krank werden kann.

Es ist ein Glück, körperlich gesund zu sein. Und es ist noch das viel grössere Glück, psychisch gesund zu sein.
Ich habe jahrelang mit Menschen gearbeitet, die mit einer psychischen Erkrankung leben lernen müssen. Das ist schwierig. Psychisch kranke Menschen werden in unserer Gesellschaft sehr stigmatisiert. Anders als bei vielen körperlichen Erkrankungen ist eine psychische nicht sichtbar. Nicht fassbar. Schwierig zu verstehen.
Für psychisch kranke Menschen ist es schwierig, in unserer Gesellschaft zu funktionieren. Sie nehmen Dinge anders wahr als wir, haben Ängste, Zwänge, sind zT weniger belastbar (unserem Wertesytstem entsprechend meine ich). Sie benehmen sich manchmal anders, manchmal irritierend, manchmal auffällig, viele aber eigentlich so unauffällig, dass sie verschwinden.

Hat bisher auch niemanden interessiert, wenn man ehrlich ist.

Jetzt aber, in der letzten Zeit, wird die psychische Gesundheit aber zum Thema und das ist ja gut so. Ich finde es auch sehr verständlich, dass die Pandemie an vielen nicht spurlos vorbei gegangen ist. Psychisch. Es gibt Menschen, denen die Einschränkungen seelisch auf den Magen schlagen. Auch begreiflich, denn es ist eine Krise. Eine Situation, die wir nicht so gut einschätzen können, auch wenn wir das möchten. Viele Nachrichten, viele Meinungen, Einschränkungen, offenbar sehr viel Misstrauen und in der Zwischenzeit auch viel Aggression und Frustration.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es aber auch sehr viele bereits psychisch kranke Menschen gibt. Schon vor der Pandemie gegeben hat. Das sind Menschen, die immer psychisch krank sind. Das ist nicht dasselbe wie wenn man eine Krise hat, denn diese geht vorüber.
Für viele von ihnen bedeutet die Bewältigung des Alltags bereits eine riesige Herausforderung, die Pandemie macht es noch schwieriger.

Nun interessieren sich ja Menschen für die psychische Gesundheit, denen das ganze Thema bis vor kurzem noch egal war. Und eigentlich sind die Gründe dafür ja egal, Hauptsache es wird zum Thema.
Aber ist es tatsächlich echtes Interesse, ehrliches Engagement? Oder sind es einfach Argumente gegen die Massnahmen? Parolen? Oder weil es sie nun plötzlich selber betrifft?
Ich weiss, dass die Massnahmen unschön sind. Wir möchten sie alle nicht haben und dennoch werden sie von einem Teil der Bevölkerung als möglichen Weg zum Ziel als sinnvoll angesehen. Andere fühlen sich eingeschränkt und es tut ihnen nicht so gut. Ich möchte aber dazu sagen, wenn es um psychische Gesundheit geht, höre ich von vielen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, dass die Massnahmen für sie zwar schwierig sind, aber dass sie ihnen auch Sicherheit vermitteln.
Es gibt also auch da immer beide Seiten und wer auch immer sich für etwas einsetzt, tut es immer nur aus eigener Sicht und oft aus eigenem Interesse.

Sich um die psychische Gesundheit zu kümmern ist ja Prävention und ich steh ja total auf Prävention, egal wo. Also Probleme wenn möglich gar nicht entstehen zu lassen, statt sie danach mühsam lösen zu müssen. Das ist oft möglich.

Also finde ich es gut, dass wir im Strassenverkehr gewisse Regeln einhalten müssen, denn das vermindert die Anzahl der Verkehrsunfälle.
Ich verstehe es, dass wir beim Motorrad- und Fahrradfahren oder auch beim Reiten und Skifahren einen Helm anziehen sollen. Das vermindert die Gefahr von schweren Kopfverletzungen bei allfälligen Unfällen.
Ich reibe mich im Sommer mit Sonnencreme ein, damit ich keinen Sonnenbrand bekomme. Das verhindert Schmerzen und die Gefahr einer Hauterkrankungen.
Ich finde es gut, Kinder und Jugendliche ausreichend aufzuklären, um Übergriffe, Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden.
Ich finde es auch gut, Jugendliche aufzuklären betreffend Drogen und Rauschmittel, in der Hoffnung sie würden es lassen.
Ich finde es total sinnvoll, mir Gutes zu tun, mich auszuruhen, Freude zu erhöhen und Stress möglichst zu vermindern, das fördert meine Gesundheit, physisch wie auch psychisch.
Ich weiss, dass ich nicht gut schlafe, wenn ich abends noch Kaffee trinke, deswegen mach ich es nicht.
Ich kontrolliere bei meinem Auto regelmässig den Ölstand und tanke, wenn das Lämpchen leuchtet, sofort, weil ich nicht scharf auf eine Panne bin.
Ich gehe nur Mammographie, obwohl ich gesund bin, um Brustkrebs früh zu erkennen, würde er denn auftreten.
Ich kaufe dem Kind Winterschuhe, bevor der erste Schnee fällt.
Ich gehe mit den Meerschweinchen zum Arzt, wenn eines krank ist, bevor es plötzlich tot im Gehege liegt.
Ich nehme im Winter Vitamin-D-Tropfen, weil ich weiss, dass ich sonst zu einem Mangel neige und mich dann ganz furchtbar fühle.
Ich habe das Kind und mich gegen einige Krankheiten impfen lassen, um nicht daran zu erkranken.
Ich schaue auf dem Fahrplan, wann der Bus fährt, wenn ich eine Reise machen möchte.
Ich rufe vorher an, wenn ich jemanden besuchen möchte, damit der auch tatsächlich Zeit hat.
Ich schreibe vor dem Einkaufen eine Liste, damit ich nichts vergesse.

Prävention ist für mich Vorausdenken und erspart mir oft viel Ärger und Situationen, auf die ich keine Lust und Nerven habe.

Sorge zu sich selbst und aber auch zu einander zu tragen ist für mich auch Prävention, denn grad eine gute psychische Gesundheit ist ein guter Boden für alles andere, was darauf wachsen soll.
Lohnt sich.

2020 – Jenseits der Komfortzone

2020
Ein Jahr, das uns aus unserer Komfortzone gezerrt, ja geradezu katapultiert hat… Dass so eine Situation hier bei uns mal eintreffen könnte, das haben bestimmt die wenigsten erwartet. Auch wenn in vergangenen Jahren immer mal wieder irgendwo auf der Welt Krankheiten gewütet und Todesopfer gefordert haben, der Kelch ging an uns vorbei. Und wir fühlten uns sicher.
Aber dieses Mal ist alles anders. Auch wir sind betroffen. Und ich habe das Gefühl, es gibt immer noch viele, die das nicht wahrhaben wollen. Viele, die sich noch immer sicher fühlen. Viele, die den Berichten der Fachpersonen nicht glauben mögen. Oder anders vorgehen würden. Viele, die von den vielen Nachrichten von Medien und selbsternannten Experten verwirrt und verunsichert sind. Viele, die sich aufhetzen lassen.

2020
Ein Jahr, das anders ist.
Ein Jahr, das uns zwingt, auch selbst anders zu leben, uns anders zu verhalten. Anders als gewohnt, anders als es uns beliebt. Aus unseren Gewohnheiten gerissen. Ausgang ungewiss.
Der Grund dafür ist ein Virus. Man sollte meinen, das sei einfach eine Krankheit und das Ziel sei es, dass nicht zuviele daran sterben. Aber das wäre zu einfach. Es geht nicht (oder nicht allen) um Menschenleben, sondern ums Geld oder andere Dinge.
Es geht vielleicht schlussendlich allen darum, möglichst wenig von dem, was wir besitzen zu verlieren, so scheint es mir.

Es scheint mir, als hätten momentan fast alle Angst, ihr Liebstes oder Wichtigstes zu verlieren. Und über diese Angst wird weder gesprochen, noch wird sie vermutlich vor sich selbst zugegeben.
Nie war es leichter, die Werte und Haltungen anderer zu erkennen. Sie werden von jedem sozusagen auf der Zunge getragen.

Für die einen ist das, worum sie Angst haben, ihre eigene Gesundheit, ihr Leben und das nahestehender Personen. Ich könnte mir vorstellen, diesen Menschen fällt es leichter, sich an die Sicherheits-Bestimmungen des Bundes zu halten. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist alles, was die zuständigen Experten empfehlen oder verordnen zu wenig oder sowieso das Falsche.
Andere haben Angst, ihre finanzielle Grundlage, ihr Einkommen oder ihre Existenz zu verlieren. In dieser Situation findet man sich wohl in einem Gewissenskonflikt wieder, könnte ich mir vorstellen. Entweder hält man das Virus für gefährlich und die Schutzmassnahmen für richtig und gefährdet mit dieser Meinung seine eigene Existenz oder man verniedlicht das alles, macht sich lustig, um diese Existenz halt zu retten.
Genau so kommt es mir vor, wenn ich zB Videos von einigen Clubbesitzern, irgendwelchen Veranstaltern oder Künstlern, die nicht auftreten können, sehe. Statements und Meinungen, die viele Menschen hören und auf die viele Menschen viel geben und ganz vergessen, dass der Typ, der da im Video spricht, keine Ahnung hat von alldem, denn er ist ein Komiker oder ein Kneipenbesitzer.

Für viele ist das, was sie zu verlieren fürchten, ihre ganz persönliche Freiheit und darunter kann man sehr vieles verstehen. Die Freiheit, überall hin zu reisen oder fahren, wo man gerade hin möchte. Die Freiheit, in der Freizeit zu unternehmen, worauf man grad Bock hat… Konzerte, Sportanlässe, Kino, Parties, Clubs…. Die Freiheit, sich von niemandem etwas sagen lassen zu müssen. Die Freiheit, sich mit Menschen zu treffen, sich näher zu kommen, Körperkontakt. Die Freiheit, shoppen zu gehen, zu konsumieren. Die Freiheit, grenzenlos zu sein.
Die Freiheit, sich die Hände nicht dauernd zu waschen und die Freiheit, ohne Maske im Gesicht irgendwo hin zu gehen. Und schlussendlich wohl auch die Freiheit, selbst darüber entscheiden zu können, sein eigenes Leben und das anderer zu gefährden.
Das mit den Freiheitseinbussen betrifft schlussendlich ja alle. Nur können die einen die Gründe bzw. den Zweck davon verstehen und andere weniger, einige können besser damit umgehen als andere.

Ich empfinde Menschen seit Corona sehr zweigeteilt. Vermutlich ist es normal und immer so, in der momentanen Situation ist es einfach so deutlich sichtbar. Manchmal kommt es mir vor, als seien es verschiedene Fronten. Ohne gemeinsames Ziel.

Ich überlege mir schon, warum das so ist. Ich überlege mir auch, warum man so Angst hat, unterdrückt oder manipuliert zu werden. Warum man so Angst hat, dass einem jemand etwas Böses will. Warum man so Angst hat, den Fachleuten zu vertrauen. Oder sind diese Ängste eine Kompensation für etwas ganz anderes? Vielleicht damit, dass man Angst hat, sich mit der tatsächlichen Situation auseinander zu setzen?

Ich bin schon ein Schaf genannt worden, das ohne zu hinterfragen der Schar hinterher läuft. Aber das stimmt nicht. Ich hinterfrage sehr vieles. Myself included. Aber ich muss auch sagen, ich habe keine Zeit dafür, mir Gedanken darüber zu machen, wie und warum der Bund oder sonst irgendeine höhere Macht dem Volk und mir persönlich schaden möchte. Ich sehe auch keinen Grund darin. Ich bin mir einfach ganz sicher, dass dem nicht so ist. Ich bin mir sicher, dass die bestmöglichen Lösungen gefunden werden, um möglichst wenige Leben zu verlieren, was wohl an zweiter Stelle steht, und möglichst unserer Wirtschaft nicht zu sehr zu schaden. Wobei dies wohl unumgänglich ist. Ich habe das Gefühl, viele denken da nur in eine Richtung oder nicht weit genug. Es ist nicht damit gemacht, keine Lokale zu schliessen oder den Konsum der Menschen nicht einzuschränken, denn wenn irgendwann (bald) dann sehr, sehr viele Menschen krank sind, werden diese so oder so schliessen müssen, weil viel Personal krank ist und nicht arbeiten kann und die Kunden ebenfalls krank sind und nicht konsumieren können. Meiner Meinung nach gilt es, genau dies zu verhindern.
Ich glaube, die Regierung versucht momentan genau dies zu erreichen mit einem Mittelweg zwischen Menschenleben retten, Gesundheitssystem nicht zu überlasten und die Wirtschaft zu retten. Und dabei sind die Verantwortlichen sehr unter Druck. Und sie sind die Arschlöcher für einige, egal was sie entscheiden.

Es wäre einfach, wenn man das mit Geld regeln könnte, wie wir es mit so vielen tun. Aber das geht nicht. Und immer dann, wenn wir Menschen etwas leisten müssen, wird es uns sehr schnell zuviel und wir verniedlichen das Problem, machen uns darüber lustig und suchen einen Schuldigen. Das beobachte ich nicht nur bei Corona, sondern zB auch beim Umweltschutz bzw. dem Klimawandel und in der Flüchtlingskrise.

Ich glaube, das Klima zwischen den Menschen wird kälter, es entstehen Fronten und Aggressionen. Eine andere Meinung zu haben, das ist schwierig… Es wird schnell emotional und persönlich. Wir sind empfindlich. Ich auch. Ich merke sogar, dass ich Angst habe, dass jemand sich angegriffen fühlen könnte, wenn ich hier über dieses Thema schreibe und mir fünfmal überlege, ob ich das veröffentlichen kann, weil ich niemanden verärgern oder verlieren will.
Viele kommen an ihre Grenzen oder bereits darüber hinaus. Psychisch. Das ist begreiflich. Und statt bei sich zu schauen, ist es immer einfacher, andere anzufeinden. Menschen, Methoden.

Und manchmal habe ich Angst, dass die Konflikte die daraus entstehen, viel schlimmer sein werden als Covid19.




Der Tag, an dem meine Mutter starb.

Mein Grossvater ist gestorben, als ich sechs war. Ich kann mich daran erinnern, dass er zuhause im Bett lag und sehr krank war und meine Patentante mit mir ins Zimmer ging, damit ich mich von ihm verabschieden sollte. Ich wollte nicht, auch daran erinnere ich mich, musste aber.
Das war der Vater meines Vaters. Der andere Grossvater ist vor meiner Geburt gestorben. Ich glaube, er war so um die 50 und hatte einen Herzinfarkt. Das war ein paar Tage vor der geplanten Hochzeit meiner Eltern und so kam es, dass an diesem Tag statt eine Hochzeit eine Beerdigung stattfand.
Meine Grossmütter wurden beide sehr alt und obwohl ich sie sehr geliebt habe und natürlich traurig war, war ihr Tod irgendwie okay für mich. Das klingt jetzt bestimmt falsch. Ich will damit sagen, dass wenn jemand über 90 ist, der Tod halt nicht mehr so unerwartet und plötzlich kommt wie dann, wenn jemand jünger ist. Wir kennen die Lebenserwartung des Menschen in ungefähr und müssen damit leben, dass keiner 150 oder 200 wird. Traurig ist das natürlich trotzdem, man versteht es aber vielleicht einfach besser.
In vielen meiner Kindheitserinnerungen kommen meine Grossmütter vor, besonders die eine, und ich denke auch Jahre nach ihrem Tod noch viel an sie. Nicht mehr so vermissend, aber liebevoll und dankbar. Das sind einfach super Erinnerungen.

Eine ganz andere Erfahrung machte ich mit dem Tod, als er sich meine Mama holte. Sie war seit etwa einem Jahr krebsfrei. Ich glaube, wir gewöhnten uns langsam daran, uns keine Sorgen mehr zu machen und entspannter zu sein, als sie starke Rückenschmerzen unbekannter Herkunft bekam. Die gingen nicht mehr weg. Als es immer schlimmer wurde, half ich ihr viel im Haushalt, nahm ihr Arbeiten wie z.B. das Einkaufen und die Wäsche ab.
Ich glaube, ich hatte damals das Thema Krebs total ausgeblendet, was mir jetzt sehr schräg vorkommt. Es war doch irgendwie offensichtlich, dass er zurück war… Aber ich wusste es nicht oder wollte es nicht wissen. Oder vielleicht erinnere ich mich total falsch an all das, ich weiss es nicht. Leider kann ich niemanden mehr fragen, der das wüsste.
Irgendwann musste sie dann ins Krankenhaus, war etwa zwei Wochen dort und verliess es nicht mehr lebend. So schnell ging das. Dort erfuhr ich, dass sie wieder Krebs hat und zwar jetzt einfach überall, es war zu spät für alles. Es war ein Schock. Und alles ging viel zu schnell.

Die letzten drei Tage lag sie auf der Intensivstation. Am Abend bevor sie starb waren mein Vater, mein Bruder und ich noch bei ihr. Sie stand unter Morphium und war aber noch bei Bewusstsein. Sie sagte, dass sie noch nicht sterben will.
Am nächsten Morgen hätte ich eigentlich Schule gehabt. Ich hatte dieses komische, unruhige und ungute Gefühl schon beim Aufwachen, diese Vorahnung… und statt in die Schule fuhr ich früh morgens schon ins Krankenhaus. Dort wurde ich von einer Ärztin empfangen und in ein Zimmer geführt, wo sie mir erklärte, dass sich der Zustand meiner Mutter sehr verschlechtert habe und ich nun entscheiden müsse, ob man sie künstlich beatmen soll oder nicht. Sie empfahl es nicht, denn eine Chance aufs gesund werden gäbe es nicht und der Beatmungsschlauch könnte zusätzliche Infektionen hervor rufen.

Aber gestern Abend hat meine Mama ja noch gesagt, sie wolle nicht sterben….

Ich wollte zu ihr.
Sie war noch bei Bewusstsein, konnte aber nicht mehr sprechen. Ich fragte sie, ob die Ärzte es ihr erklärt hätten und sie nickte. Und dann fragte ich sie, ob sie einverstanden sei und sie nickte wieder…. Ich bin auch nach 22 Jahren noch wahnsinnig dankbar dafür, dass sie noch zustimmen konnte.
Ich rief meinen Vater an, der bei der Arbeit war und gleich los fuhr. Und dann fuhr ich nach Hause zu meinem Bruder, um ihm alles zu erklären und ihn abzuholen. Er hatte drei Jahre zuvor einen ganz schlimmen Motorradunfall mit bleibenden Schäden erlitten und war zu dieser Zeit noch in Rehabilitation.
Als wir im Krankenhaus ankamen, war meine Mutter nicht mehr bei Bewusstsein.

Ich hatte mal gelesen, dass Menschen manchmal ganz lange nicht sterben bzw. loslassen können, weil sie denken, es ginge nicht ohne sie. Meine Mutter hat wahnsinnig gelitten, als mein Bruder den Unfall hatte und an den Folgen fast gestorben war. Es war eine unerträglich schlimme Zeit für die ganze Familie und ganz besonders für meine Mutter.
Er hatte sich unterdessen einigermassen erholt, war aber noch in Rehabilitation. Viele Therapien usw. Und sie begleitete und unterstützte ihn bei allem, denn er konnte alleine nirgends hin und war noch sehr eingeschränkt in seinen Bewegungen und auch sonst. Ich wusste, dass sie sich grosse Sorgen um ihn machte.
Ich fragte meinen Bruder, ob ich ein paar Minuten allein mit ihr sein dürfe und sagte ihr in dieser Zeit, dass Papa und ich auf meinen Bruder aufpassen werden, dass sie sich keine Sorgen machen solle und dass sie gehen darf.
Danach dauerte es nur noch ein paar Minuten bis das Gerät, an dem sie hing, anfing zu piepen und den Herzstillstand anzeigte.
So tapfer wie das alles klingen mag, ich war nicht tapfer. Nur vernünftig und ich wollte sie nicht mehr leiden sehen, ich hielt das nicht aus. Ich wollte nicht, dass sie stirbt. Ich wollte, dass alles wieder gut wird, dass sie gesund wird und alles einfach vorbei ist. Aber ich wusste, das wird nicht geschehen, also sollte sie loslassen und in Frieden sterben können.

Mein Vater kam erst kurz nach ihrem Tod an und das war gut so. Ich glaube, meine Mutter hat gewusst, dass er das nur schlecht hätte ertragen können.

Nun war sie also tot, meine Mutter. Viel zu früh.
Irgendwie war das immer mein Alptraum und etwas, was ich mir nie vorstellen konnte. Ein Elternteil zu verlieren. Ich wurde mit dieser Situation relativ früh in meinem Leben konfrontiert und ich muss sagen, ich war nicht bereit dafür. Es hat wirklich sehr lange gedauert, bis ich da einigermassen drüber hinweg gekommen bin.

Ostern 1995 war der Unfall meines Bruders und im September 1998 ist meine Mutter gestorben. Mich hat das beides durchgeschüttelt und ich glaube, ich hatte nach dem ersten Ereignis gar nicht genug Zeit, wieder richtig Boden unter den Füssen zu bekommen, als er mir erneut weg gezogen wurde. Ich wusste es damals nicht, aber jetzt denke ich, dass ich traumatisiert war. Ich hatte Angstzustände. Verlustängste. ich erinnere mich gut daran, wie ich jedesmal Panik hatte, wenn ich die Sirene der Ambulanz durchfahren hörte. Diese Angst, es sei meinem Bruder oder meinem Vater etwas passiert und die ging erst weg, wenn ich anrief und fragte, ob alles okay ist. Natürlich war immer alles okay, nur ich nicht, ich war gestört. (Mit der Zeit ging das dann aber wieder weg, unterdessen bin ich wieder ziemlich normal.) Ich hatte auch jahrelang Schuldgefühle, weil ich sie damals nicht aufgefordert habe, zu kämpfen, zu überleben und nicht aufzugeben… Sehr, sehr lange. Unterdessen nicht mehr. Es war alles richtig, so wie es war.
Mein Bruder konnte damit viel besser umgehen als mein Vater und ich, ich glaube, das hat mit seiner Hirnverletzung zu tun. Papa hat nicht viel darüber geredet, aber ich weiss, dass er es schwierig fand.

Neun Jahre später starb er ja dann auch an Krebs. Von dieser Begegnung mit dem Tod erzähle ich ein anderes Mal, es ist genug für heute. Als ich kurz nach seinem Tod die Wohnung räumte, waren all die Anziehsachen usw. von meiner Mama immer noch im Kleiderschrank und das tat mir damals so Leid. Ich glaube, er fand das alles viel schwieriger als ich wusste und ich hätte mehr für ihn da sein sollen, habe es aber nicht gemerkt und nicht gekonnt zu dieser Zeit.

Das alles ist 22 Jahre her und mir geht es sehr gut. Ich vermisse meine Mutter an manchen Tagen oder in manchen Situation noch, aber nicht mehr so oft und nicht mehr so schmerzlich wie am Anfang. Aber seit ich selber Mutter bin und halt seitdem ich alleinerziehend bin. Ich hätte es meinem Kind so gegönnt, Grosseltern zu haben und meinen Eltern, mein Kind zu kennen, weil es so ein tolles ist.
Aber im grossen und ganzen habe ich mich längst daran gewöhnt, dass sie nicht mehr da sind. Ich muss ehrlich gestehen, dass die Erinnerungen an meine Mutter langsam verblassen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie sie jetzt wäre, 22 Jahre älter…

Und so heilt die Zeit vielleicht doch ein wenig die Wunden, wenn wir sie nur lassen…







Von einem Virus, von Rücksicht, Vernunft und Überreaktionen

Viren sind winzig kleine infektiöse Partikel. Im Gegensatz zu Bakterien, Pflanzen und Tieren gehören sie nicht zu den Lebewesen, denn sie können keinen Stoffwechsel betreiben und sich nicht ohne die Hilfe einer fremden Zelle fortpflanzen. Dazu benötigen sie Zellen eines Lebewesens. Dieses wird von ihnen infiziert und sobald das geschehen ist, vervielfältigt es sich. Das ist dann auch die Hauptaufgabe eines Virions (das ist die selten gehörte Einzahl dieses Ausdruckes), sich zu vermehren.
Einmal von Viren befallen, können unsere Zellen nicht mehr ihren zugeteilten Aufgaben nachgehen, viele davon werden sogar zerstört und deswegen spüren wir Krankheitssymptome. Aber unter Umständen nicht gleich von Anfang an. Oft verbreiten sich die Viren im Körper, ohne dass man es merkt und man fühlt sich erst nach ein paar Tagen oder sogar Wochen krank. Man nennt dies Inkubationszeit.
Da sich die Viren natürlich nicht nur in uns, sondern auch in andern Menschen fortpflanzen wollen, sind sie ansteckend. Das heisst, wir scheiden sie aus, damit andere sie in ihrem Körper aufnehmen.

Viren, von denen wir alle schon gehört haben, sind vermutlich folgende:
Magen-Darm-Erkrankungen, Noroviren
Grippe, Influenzaviren
Warzen, Papillomviren
Masern, Paramysovieren
Hepatitis A, B und C, Hepatitisviren
Gelbfieber und Röteln, Togaviren
AIDS, HI-Virus
Pocken, Pockenviren
Windpocken, Herpesviren

Bei HIV gibt es unterdessen eine Anzahl von antiviralen Medikamenten. Soviel ich weiss (ich bin aber keine medizinische Fachperson) kann der Körper eine Viruserkrankung ansonsten selbst bekämpfen und man wird von selbst wieder gesund. Was man mit Medikamenten bekämpfen kann, sind die Symptome, also z.B. Fieber, Juckreiz oder Schmerzen, was dem Körper die Heilung bzw. uns das Aushalten erleichtert.

Das ist nun in Kürze das, was ich von Viren weiss. Das ist nicht besonders viel, hilft aber doch ein wenig, um die momentane Situation betreffend Corona-Virus / COVID-19 besser zu verstehen und damit vernünftig umzugehen.

Wie schon in meinem letzten Text (Live Ticker!!!! Sei live dabei!!!) geschrieben, möchte ich darauf hinweisen, dass es wohl klug ist, sich auf Informationsquellen zu beschränken, statt die Sensationspresse zu lesen. Jedem ist es selbst überlassen, wie er sich informieren möchte.

Ich möchte euch auch bitten, wenn ihr Berichte von irgendwelchen euch unbekannten Schreibern oder Quellen postet oder teilt, zuerst den Wahrheitsgehalt dieses Berichts zu überprüfen. Auch da ist natürlich der Umgang jedem selbst überlassen. Keine Verschwörungstheorien oder Unwahrheiten zu verbreiten, würde meiner Meinung nach aber mithelfen, die Angst verschiedener Menschen in einem normalen Mass zu halten.

Ich möchte behaupten, dass gewisse Medien in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Unsicherheit und Angst geschürt haben, auch da möchte ich wiederum auf meinen letzten Text (Link siehe oben) verweisen. Es war einfach zuviel und zu heftig, meiner Meinung nach zu ungefiltert. Dass dies dann zu Angst, gar Panik und Hamsterkäufen geführt hat bei einem Teil der Bevölkerung, kann ich durchaus nachvollziehen.
Ich sehe das auch, wenn ich einkaufen gehe. Da sind tatsächlich leere Regale zu sehen, vor allem bei den Konserven, beim Reis und beim Desinfektionsmittel. Es war zu lesen, dass in Spitälern und andern ähnlichen Institutionen sogar zu Diebstählen von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln gekommen ist. Das ist schlimm.

Ich finde jedoch, dass kein Mensch, der Angst hat, dafür ausgelacht oder verspottet werden soll. Ängste sind wieder ein Thema für sich. Meistens sind sie ja nicht rational, nicht erklärbar und nicht fassbar. Sie sind ja sehr oft unnötig und doch sind sie da. Der Mensch, der Angst hat, leidet. Also, da ist auslachen und verurteilen ein Scheiss-Verhalten. Jetzt in dieser Situation genau so wie wenn jemand Platzangst hat und in keine geschlossenen Räume will oder jemand Angst vor Spinnen hat.
Angst führt oft zu Überreaktionen oder vielleicht IST Angst sogar die Überreaktion.

Ich finde aber auch, dass die Anti-Ängstlichen auch überreagieren. Oder muss ich vielleicht unterreagieren sagen? Ich sehe mich da etwa in der Mitte. Ich bin nicht unbesorgt, das würde ich wirklich nicht behaupten. Ich habe Respekt vor dem, was da noch kommen könnte und ich weiss, dass ICH keine Angst haben muss, dass mich dieser Virus umbringen wird. Ich werde maximal krank und dann wieder gesund. Die Chancen auf einen schweren Verlauf der Erkrankung sind sehr klein. Ebenso bei meinem Kind. Das ist wichtig zu wissen.
Ich denke, der Mehrheit der Menschen in der Schweiz oder in Deutschland geht es so. Sie brauchen eigentlich keine Angst zu haben. Wenn sie es haben, hat das andere, tiefere Gründe, würde ich behaupten.

Wenn wir also nicht in Gefahr sind, kann das alles also ins Lächerliche gezogen werden. So ein Bild mit einem Vergleich zwischen Corona-Toten und Hungersnot-Toten wird jetzt ja zB überall herumgezeigt und ehrlich, ich finde dies sehr heuchlerisch. All die Leute, die dieses Bild nun posten, interessieren sich natürlich ja nicht nur jetzt für dieses Thema um zu provozieren, sondern das ganze Jahr… Schon klar.
Natürlich ist wohl die Botschaft dieses Bildes sehr war und es ist richtig schlimm, darüber muss man gar nicht diskutieren. Ich habe ja mal gelesen, dass die fünf reichsten Leute dieser Welt die Hungersnot beenden könnten. Tun sie aber nicht, denn auch daran verdienen eine Menge Menschen eine Menge Geld. Das schreibe ich hier jetzt nicht, weil ich das toll finde. Aber es ist nun mal so. Und es ist ein komplett anderes Thema.
Und ja, es sterben sehr, sehr viele Menschen in Afrika an Hunger. Oder an andern Krankheiten. Und es sterben auch hier jährlich viele Menschen an normalen Grippeviren. Das ist so. Aber macht das denn den Tod weniger schlimm? Kommt es auf ein paar mehr oder weniger jetzt nicht drauf an? Tatsächlich? Ich kann diese Gedanken nicht nachvollziehen und die, die es können, können es bestimmt auch nur, so lange diese Toten abstrakte Zahlen sind. Und wenn es dann die eigene Oma oder Mama ist, der Nachbar, der herzkrank ist? Die Nichte, die mitten in der Chemo-Therapie steckt? Ist es dann weniger schlimm als wenn es die Oma einer fremden Person ist oder der Vater eines Mädchens in einer fremden Stadt weit weg?

Denn es gibt tatsächlich auch viele Menschen, bei denen eine Infektion sehr gefährlich sein kann. Das sind Menschen, die an einer anderen schwereren Krankheit leiden oder immunschwach sind. Bei denen kann eine Infektion unter Umständen einen sehr schweren Verlauf nehmen oder tödlich enden.
Wären das dann diese Toten, wo es nicht soooo drauf an kommt, weil es in Afrika ja immer noch viel mehr Hunger-Tote gibt? Oder wie ist das genau? Was ist denn das überhaupt für eine Einstellung?

Momentan werden wir in unserer Freiheit etwas eingeschränkt. Nicht schlimm, wie ich finde. In der Schweiz sind zum Beispiel zur Zeit Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen nicht erlaubt. Wir waschen uns die Hände etwas öfter als normal. Wir niesen und husten in ein Taschentuch und werfen es in den Müll und wir schütteln uns nicht die Hand zum Hallo sagen.
Und die halbe Schweiz regt sich offenbar tierisch darüber auf und findet es nicht nötig. Ob es notwendig ist oder nicht, weiss ich nicht. Kann ich nicht beurteilen. Ich verstehe aber das Interesse daran, die Verbreitung von diesem Corona-Virus weitmöglichst zu verhindern oder möglichst gering zu halten. Nicht wegen mir. Sondern wegen Menschen, für die eine Ansteckung gefährlich wäre.

Und es ist ja nicht nur das. Ich denke, obwohl diese Virus-Grippe für uns problemlos verlaufen würde, ist sie dennoch sehr ansteckend und auch dies kann zu Komplikationen führen. Wenn das halbe Land krank ist, können gewisse Dinge nicht mehr gewährleistet werden. Wer verarztet und betreut dann in den Krankenhäusern und Arztpraxen die Patienten? Wer betreut Menschen, die in sozialen Einrichtungen auf Betreuung und Pflege angewiesen sind? Wer fährt die öffentlichen Verkehrsmittel? Hat die Polizei und die Feuerwehr dann noch genügend gesundes Personal? Wer arbeitet in den Geschäften? All dies könnte zu einer sehr schwierigen und unter Umständen nicht zu bewältigenden Situation für die noch Gesunden sowie für die Pflegebedürftigen führen und dies gilt es zu verhindern.

Nun gilt es also einfach, ein wenig Rücksicht zu nehmen und vorsichtig zu sein und damit scheinen relativ viele Menschen total überfordert zu sein.
Schade eigentlich.

 

 

 

 

Live Ticker!!!! Sei live dabei!!!

Ich bin wirklich kein Fan von Live Ticker.
Egal, was wo auf der Welt passiert, die Medien halten uns per Live Ticker gerne auf dem Laufenden. Und sei es auch in der hintersten Ecke auf dieser Weltkugel, wir erfahren davon. Attentate, Flüchtlingsansturm, Naturkatastrophen. Wir erfahren nicht nur davon, wir sind sozusagen mittendrin.

Wenn ich mich zurück erinnere, war vermutlich 9/11 das erste Ereignis, das ich live mitgeschaut habe am TV. Es wurde stundenlang live gezeigt, was abläuft und ich sass bis in alle Nacht hinein vor dem TV-Gerät. Schockiert, verängstigt. Und doch konnte ich nicht ins Bett, denn zu sehen was passiert gab mir irgendwie das Gefühl, dass ich alles unter Kontrolle habe. Zu wissen, dass ich da, wo ich bin, sicher bin.
Vielleicht war das der Beginn einer neuen Ära der Berichterstattung, vielleicht war es aber auch schon vorher so und ich erinnere mich einfach nicht.

Heute haben wir uns daran gewöhnt. Wir öffnen eine News-App und sind über sämtliche Geschehnisse in der ganzen Welt informiert. Da wird stündlich oder gar minütlich berichtet. Und zwar nicht nur Wahrheiten und fundierte Fakten, sondern einfach was gerade so passiert, relativ ungefiltert, wie es mir erscheint. Wir lesen von Eventualitäten, von Hypothesen und Theorien, die vielleicht irgendwann relativiert oder korrigiert werden, vielleicht aber auch nicht. Eine grosse Informationsflut prasselt auf uns ein. Der Journalismus lebt davon, Themen aufzubauschen und aufzublasen. Warum z.B. müssen wir ganz genau über jeden einzelnen Verdachtsfall informiert werden? 
Mir wäre es lieber, gezielt informiert zu werden. Vielleicht zwei- oder dreimal am Tag und dann über die relevanten Dinge. Fakten. Wahrheiten. Damit könnte ganz viel Panik und Angst vermieden werden, denn mit dieser Menge an Information umzugehen und selbst herauszufiltern was wichtig ist und was nicht, sind viele überfordert. Und dann entsteht Angst.
Mir wäre es auch lieber, wenn weniger defizitorientiert berichtet würde. Natürlich sind Fakten in solchen Fällen nicht sehr aufmunternd, die müssen aber sein. Fakten. Und nicht Mutmassungen und Was-wäre-wenn. Ich ziehe eine Berichterstattung vor, die sich auf bestätigte Fakten bezieht, die klar und objektiv informiert und es nicht zum Ziel hat, möglichst hohe Wellen zu schlagen.
Mir wäre es lieber, wenn nicht nur Negativ-Schlagzeilen gemacht würden, sondern auch Fortschritte oder gute Neuigkeiten Platz bekämen. Wieviele Menschen haben den Virus bereits überstanden, sind wieder gesund? Wie ist ein normaler Krankheitsverlauf? Wir hören ja dann meistens von den schlimmen Fällen, von den Risikogruppen, aber die meisten von uns gehören da nicht dazu. 
Gute Berichterstattung ginge anders, meiner Meinung nach. 

Dazu kommt ja noch, dass jeder seine Meinung ins Internet schreiben kann und bestimmt längst nicht jeder von denen ein Experte ist. Und doch gibt es Menschen, die glauben das alles. Alles war irgendwo geschrieben steht, ist auch wahr. 
Hilfreich ist es nicht. 
Irgendwie ist es ja total aus der Mode gekommen, sich zu erlauben, bei irgendwas nicht so genau Bescheid zu wissen und auch dazu zu stehen. Ich muss sagen, mich interessieren viele Dinge, aber auch wirklich längst nicht alles. Und ich habe nicht den Anspruch, dass ich überall mitreden muss. Reicht doch, wenn ich das dort mache, wo ich etwas davon verstehe.

Wie ich es sehe, gibt es momentan nicht soooo viel zwischen Panik und Verniedlichung. Und ich finde beides nicht gut. Das sind für mich die zwei Extreme und meiner Erfahrung nach liegt die Wahrheit immer irgendwo dazwischen. Angst oder gar Panik zu haben, hat noch nie ein Problem gelöst oder etwas einfacher gemacht. Im Gegenteil. Verharmlosen und sich darüber lustig machen, eine Situation ignorieren aber auch nicht. 
Darüber sprechen ist noch längst keine Panikmache. Man darf Fragen haben und man darf sich damit auseinander setzen, denn es ist ein aktuelles Thema. Das darf einen auch beschäftigen, denn es kann schlussendlich jeden betreffen.
Man darf vorbereitet sein und vielleicht ist das sogar klug. Schlussendlich leben wir in Ländern, in denen wir darauf vertrauen können, dass Kanton, Bund und Gesundheitsinstitutionen ganz genau wissen, wie vorgegangen wird und wir werden Schritt für Schritt informiert. Immer so viel wie notwendig.

Ich finde, wie immer, wichtig, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Sich zu informieren, aber auch Ruhe zu bewahren. Jedem ist es selbst überlassen, wie und wo er sich informieren möchte und wieviel. Das ist nicht nur jedem selbst überlassen, das ist sogar Eigenverantwortung.
Ich würde empfehlen, sich bei Quellen wie zum Beispiel der Webseite vom Kanton Luzern (www.lu.ch) zu informieren. Die andern Kanton haben auch eine. Und im Deutschland und andern Ländern gibts das auch. Vielleicht momentan mit dem Lesen der Sensations-Presse eher zurückhaltend sein, da diese doch eher die Unruhe fördern und nicht sehr hilfreich sind.
Ich fand auch gestern Abend die Sendung 10vor10 im Schweizer Fernsehen SRF1 wirklich interessant, informativ und obwohl nichts beschönigt wurde, beruhigend.

Also, bleibt auf dem Boden und hoffentlich gesund.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alleinerziehend

Es wünscht sich wohl niemand oder fast niemand, alleinerziehend zu werden, denn wenn man sich entscheidet, ein Kind zu bekommen, ist man meistens in einer festen Beziehung. Meistens. Und alle wünschen es sich wohl, dass diese hält. Am besten für immer.

Aber es können verschiedene Dinge passieren, dass man dann doch plötzlich alleinerziehend ist. Und es hilft nichts, damit zu hadern oder es nicht zu wollen, denn daran ändert sich deswegen nichts. Und es hilft auch nichts, im Negativ-Sumpf zu versinken, auch wenn man das möchte. Auch wenn es weniger Energie brauchen würde, sich einfach sinken zu lassen. Auch wenn man allen Grund zum Jammern hätte. Es hilft niemandem weiter. Und je tiefer wir uns in den Sumpf sinken gelassen haben, desto mehr Kraft benötigen wir, um uns wieder raus zu befördern.

Also ist es klug, sich aufzufangen und positiv zu denken, die Situation zu akzeptieren.

Es ist nicht immer einfach. Man trägt plötzlich die alleinige Verantwortung für die Familie. Man arbeitet hart, um genügend Geld zu verdienen und trotzdem ist es knapp. Mir gefällt meine Arbeit. Sehr sogar. Es läuft gut. Und doch merke ich, dass ich meistens am Limit laufe. Ich bin müde. Wenn ich arbeite, habe ich keine oder zumindest zuwenig Zeit für das Kind und für soziale Kontakte. Mir fehlt die Zeit, mit ihr Schwimmkurse zu besuchen. Fahrrad fahren zu üben, Soziale Kontakte zu pflegen. Ich mache alles, so gut ich kann und doch ist es von allem zu wenig. Ich habe Angst, dass das Kind darunter leidet. Und das tut es. Das bringt Druck mit sich. Druck, an dem ich manchmal fast kaputt gehe. Druck, mit dem ich allein bin. Genau so, wie mit den Sorgen und Gedanken, die ich mir mache.

Das finde ich das Schwierigste am alleinerziehend sein. Und ein bisschen noch „die soziale Isolation“. Mir fehlt eine Verwandtschaft. Freunde habe ich, das hilft sehr. Und dennoch ist es etwas anderes als Familie. Tage, an denen andere über too much Familie klagen, wie Weihnachten oder Ostern, verbringen wir allein.

Es ist das erste Jahr. Alles findet zum ersten Mal in der neuen Konstellation statt. Ich weiss, dass es normal ist, dass wir uns daran gewöhnen müssen. Und werden. Neue Traditionen werden entstehen.

Es braucht Zeit… Aber ich weiss nicht, ob ich es jemals toll finden werde… Und doch versuche ich es. Jeden Tag. Ich hebe alles Positive hervor und orientiere mich daran, verstärke es und gehe weiter. Negative Gedanken lasse ich zu, aber nicht oft. Mit der Traurigkeit mache ich es genauso.

Es braucht ziemlich viel Kraft, aber es wird schon. Es ist mein Leben und nicht nur meins. Auch das meines Kindes. Und es soll ein wundervolles sein, weil sie es verdient. Und ich auch.

Zurückschauen

Zurückschauen soll man nicht, das hört man ja manchmal. Weil wir uns auf das Weitergehen konzentrieren müssen. Auf das, was noch kommt. Und weil das, was hinter uns liegt, manchmal zu sehr weh tut. Weil es uns beim Zurückschauen nochmal durchschütteln und traurig machen könnte. Kann man so machen, ja. Ich finde, jeder soll das handhaben, wie es für ihn am besten ist. Wie es für ihn geht.
Ich schaue zurück. Immer wieder mal. Und manchmal tut das weh, das stimmt. Ich finde das nicht schlimm. Ich merke nur, dass ich nicht alles immer gleich gut ertrage. An gewisse Ereignisse zu denken, geht sehr tief. Bestimmt tiefer als ich es zulassen möchte. Aber das mit den Gefühlen kann man ja immer so schlecht steuern. Was man aber steuern kann ist die Dosis bzw. die Dauer, wieviel man daran denkt. Wenn die Gedanken zuviel werden kann ich mich auch gut dann wieder ablenken und der Alltag trägt das seinige dazu bei. Das mit dem Ablenken klappt aber erst nach einer Weile. Wenn man schon eine gewisse Distanz aufgebaut hat, wenn man schon ein bisschen über alles hinweg ist.

Eigentlich finde ich, dass ich so leben möchte, dass ich zurückschauen kann. Und auch möchte. Ohne schlechte Gefühle.
Soweit ich das halt selbst steuern kann. Das heisst, ich versuche mich so zu verhalten, dass ich dazu stehen kann. Gegenüber meinem Umfeld und auch gegenüber mir.
Was das Leben oder halt auch mein Umfeld dazu beiträgt, ist dann etwas anderes, das ich nicht oder wenn, dann nur eingeschränkt beeinflussen kann. Und dann kommt es darauf an, was ich daraus mache. Es gibt ja Situationen, da möchte man am liebsten den Kopf in den Boden stecken. Unter die Bettdecke schlüpfen und zwar für immer. Aber das ändert dann ja auch nichts. Also… dann muss man halt durch, mit allem was dazugehört. Trauern, Angst haben, verzweifeln, Wut… und dann halt vorwärts schauen, Lösungen suchen, planen, weitergehen. Und das aller wichtigste, so finde ich, VERARBEITEN.

Ich weiss, es gibt auch andere Wege. Vielleicht sind sie einfacher, ich weiss es nicht. Ich glaube nicht, dass man sie vergleichen kann. Wie man so einen Weg geht kommt ja auch sehr auf die Ausrüstung an, die man dabei hat. Und auf die Situation. Und auf den Weg. Wie soll man sich oder den Weg dann mit dem anderer vergleichen? Wir tun es ja trotzdem. Oder andere tun es für uns. Obwohl es total unnötig ist, wenn nicht sogar kontraproduktiv.

Ich denke manchmal, dass ich so leben oder verarbeiten will, dass ich zurückschauen kann, ohne dort Steine liegen zu sehen, über die ich dann beim Weitergehen wieder stolpere. Ich will Schritt für Schritt Berge abbauen und weitergehen. Dafür vielleicht ein bisschen langsamer, aber das macht nichts, dafür geht das Weitergehen dann besser. Und die Gedanken werden auf Dauer so auch leichter.

Wer ohne Angst zurückschauen kann, kann unbelasteter weitergehen. Das glaube ich zumindest.

Und dann kann man weiterschauen… voraus. Voller Spannung und Vorfreude und auch mit ein bisschen Angst vor der Ungewissheit vielleicht. Aber weiter…

Vielfalt… überfordert oder bereichert sie?

Vielfalt…

Apfel ist nicht gleich Apfel, es gibt viele verschiedene Sorten, die sich in Grösse, Farbe und Geschmack unterscheiden.

Genau so verhält es sich doch überall im Leben. So sehen wir es zB bei den Bäumen, viele verschiedene Arten. Manche sehen total unterschiedlich aus, andere gleichen sich sehr. Und doch sind sie nicht identisch.

Und bei den Blumen. Es gibt so viele und jede davon ist schön. Und doch gefällt nicht jede jedem.

Und bei den Tieren. Tausende verschiedene Arten und Rassen. Grosse und kleine, wilde und zahme, fliegende, schwimmende, schleichende, laufende, tagaktive und nachtaktive. Und alle sie gehören dazu, jedes davon erfüllt seinen Nutzen, jedes hat seine Berechtigung.

Und im Leben allgemein. Jeder Mensch und jedes Lebewesen hat eines. Nur ein einziges. Es dauert von der Geburt bis zum Tod, es ist unterteilt in Tage, Wochen und Jahre. Jedes. Und doch ist keines gleich wie das andere.

An solchen Dingen stören sich wohl die wenigstens. Deswegen verstehe ich es nicht, warum es so viele Menschen gibt, die sich an der Verschiedenheit der Menschen stören, ja sich zum Teil sogar angegriffen oder bedroht fühlen und sich aus diesem Grund gezwungen fühlen, sich wehren zu müssen. Und es gibt auch diejenigen, die sich aus unerklärlichen Gründen über andere stellen und sich aus diesem Grund gezwungen fühlen, ihr Revier zu verteidigen.

Warum bloss? Warum fühlt sich jemand bedroht, weil ein anderer dunklere Haut als er hat? Weil jemand einem anderen Glauben angehört? Anders aussieht? Eine andere Sprache spricht? Warum findet jemand, er sei ein wertvollerer Mensch als andere?

All diese „fremden“ Dinge sind uns doch nicht vollkommen fremd. Und wenn doch, ist es relativ einfach, sich zu informieren, um Unsicherheiten abzubauen. Wir schreiben das Jahr 2018. Es gibt Bücher, es gibt das Internet… niemand muss Angst haben, weil er etwas nicht kennt.

Das sollte man zumindest meinen. Und doch ist es so. Zum Teil jedenfalls. Was weiss ich, welche Aspekte da noch mitspielen. Ich verstehe es nicht. Ich will’s nicht mal verstehen.

Vielfalt ist bereichernd, kann aber auch überfordern. Und vielleicht sollten wir Menschen einfach als Menschen sehen.

Hier werden Sie geholfen. Nicht.

Es kann jedem passieren, in eine Notsituation zu kommen, was auch immer wir darunter verstehen. Dieses Risiko bringt das Leben so mit sich, sozusagen als Nebenwirkung. Es gibt Notsituationen, die gehen schnell vorbei, die können wir selbst oder mit Hilfe unseres Umfeldes meistern. Und dann gibts Momente im Leben, da findet man etwas so schwierig – und dafür gibt es verschiedene Gründe – dass man mehr Zeit und / oder externe Unterstützung benötigt. Und diese gibts bekanntlich in verschiedenen Formen, an verschiedenen Orten. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welches Angebot er in Anspruch nehmen möchte, welches ihm helfen könnte.

Egal wohin eine hilfesuchende Person sich wendet, ich finde es wichtig, dass sie dort freundlich empfangen wird. Freundlich, wertschätzend, verständnisvoll und respektvoll. Nie wertend, gar abwertend. Ich finde auch, dass eine unterstützende Haltung Voraussetzung ist. Das Problem soll seinen Raum einnehmen dürfen, darin stecken zu bleiben hilft jedoch niemandem weiter. Nein, es müssen Schritte gemacht werden, Ressourcen gefunden und Perspektive geschaffen. Ich finde es ermunternder, wenn das Problem zwar angehört und ernst genommen wird, wenn dann aber die Lösung und auch das, was schon gut läuft im Fokus stehen. So gehe ich Situationen an, in meiner Arbeit und auch in meinem Privatleben.

In meiner Erfahrung als unterstützungssuchende Person hatte ich nicht nur positive Erlebnisse. Zum Teil war (bin) ich schockiert, wie ausgebildetes (Beratungs-)personal mit mir umgegangen ist.

Und ich möchte dazu sagen, meine Krise ist eine vorübergehende. Ich bin ein physisch und psychisch gesunder Mensch. Man kann bzw könnte ganz normal mit mir sprechen, ich verstehe alles, bin normal-intelligent. Was nicht heisst, dass man mit Menschen, die nicht gesund sind oder die eine Behinderung oder Krankheit haben, nicht normal reden könnte. Man muss! Das finde ich.

Ich habe mich an eine Beratungsstelle gewendet, hatte viele Fragen, machte mir viele Sorgen. Mir wurden keine Fragen so beantwortet, dass ich damit etwas anfangen konnte. Da wurden Aussagen gemacht, die mich total verunsicherten im Moment, die sich dann aber als falsch herausgestellt haben. Mir hat das mehr geschadet als geholfen.

An einem Ort, bei der ich um Rat bzw Unterstützung für mich und meine Tochter anfragte, weil diese Krisensituation sich auch auf das Kind auswirkt, stiess ich statt auf Verständnis und eine unterstützende Haltung auf eine Wand, die meine Anfrage total missverstanden und meine Situation total missinterpretierte. Statt mit Rat und Tat wurde ich mit Druck und eigentlich recht wenig Anstand konfrontiert. Ich finde das sehr, sehr schlimm.

Ich bin aber auch bei Menschen gelandet, die mich, wie auch mein Kind durch diesen Umbruch hindurch begleiten. Menschen, die tolle Jobs machen. Menschen, die uns sehr helfen.

So macht man seine Erfahrungen. Die einen sind gut und andere weniger. Ich mache mit denen, die sich positiv auf uns auswirken gerne weiter. Und lasse die andern soweit wie möglich weg.

Was ich an den geschilderten Erfahrungen wirklich besonders schlimm finde ist, dass da draussen zum Teil sehr inkompetente Leute in sozialen Berufen arbeiten. Ich bin dort so behandelt worden, wie ich NIE mit Menschen umgehen würde. Weder im Beruf noch privat. Und schon gar nicht mit jemandem, der sich in einer Notsituation an mich wendet.

Ich werde diese Rückmeldung dort nächstens noch plazieren.

Von Verlusten und Erkenntnissen

Wir können vieles verlieren… Unsere Schlüssel, das Portemonnaie, die Stimme, die Unschuld, das Vertrauen. Ein Spiel, den Kontakt, die Hoffnung und den Verstand. Am Ende sogar unser Leben.

Einiges davon finden wir irgendwann wieder, anderes ist für immer weg.

Manche Verluste sind zwar im Moment ärgerlich, sind jedoch nicht weiter wichtig. Andere reissen uns in tiefe Krisen, sind bedrohlich und lebensverändernd. So zB der Verlust der Gesundheit, des Jobs und auch vor allem der Verlust eines geliebten Menschen. Dies muss nicht unbedingt nur durch den Tod geschehen, sondern sehr oft durch eine Veränderung der Beziehung, der Rolle, die man füreinander eingenommen hat. Also zB wenn eine Freundin irgendwann keine mehr ist oder wenn ein Ehepartner sich dafür entscheidet, andere Wege zu gehen.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass all unsere Ängste mit Verlusten zu tun haben bzw mit der Angst davor.

Solch grosse Verluste stürzen uns unter Umständen in tiefe Krisen, aus denen man manchmal lange nicht mehr rauskommt. Sie verändern unser Leben. Und das ist nun weder positiv, noch negativ zu werten. Wenn man irgendwann etwas Positives darin sehen kann, ist das wohl der bestmögliche Fall. Ich glaube aber schon auch, dass viele von uns traumatisiert wurden durch grosse Verluste und ihre Umstände.

Für mich haben Verluste auch mit Erkenntnissen zu tun, bzw ziehen solche mit sich. Und Erkenntnisse sind etwas Gutes. Immer. Manchmal zwar im Moment ernüchternd und schmerzhaft, aber dennoch klärend und wegweisend. (Ich möchte aber betonen, dass ich damit nie den Verlust durch den Tod meine, wirklich nie.)

Zum Beispiel die Erkenntnis, dass man etwas verloren hat, das schon lange nicht mehr funktioniert hat. Die Erkenntnis, nun noch die Chance zu haben, glücklich zu sein. Die Chance auf einen Neuanfang. Die Erkenntnis, dass überall so viel Schönes passiert und tolle Menschen um einen herum sind. Die Erkenntnis, dass es weh tut, aber richtig ist, was passiert. Und die Erkenntnis, dass alles gut wird.