Tu mir gut oder geh weg

Egal, was das Leben uns vor die Füsse wirft, ich finde, wir sollten nie vergessen, wer wir sind. Und egal, wer uns verletzt oder was auch immer geschieht, wir sollten das auch dann nie, NIE vergessen.
Oft hat nicht mal alles, was geschieht, direkt mit uns einen Zusammenhang und trotzdem stehen wir im Auge des Hurrikans.

Und wann ist es wichtiger, gut auf den eigenen Füssen zu stehen, als dann, wenn der Sturm rundherum tobt?
Und genau dann tut man das ja meistens nicht. Man strauchelt, stolpert, sieht nicht mehr klar. Die Beine werden schwächer, die Gedanken kreisen. Und ich finde, dass wir in dieser Situation sehr darauf angewiesen sind, dass andere Menschen uns helfen. Uns stützen. Vielleicht kann konkret geholfen werden, vielleicht aber auch gar nicht. Abnehmen kann uns unsere Situation keiner. Aber ich finde, dass sich normal verhalten schon eine grosse Hilfe ist. Nichts ist für mich schlimmer als ausweichen. Egal aus welchem Grund dies geschieht, ich sehe dies als Desinteresse. Da braucht es halt mal etwas Mut, auf jemanden zuzugehen und zu fragen, wie es geht. Könnte ja sein, dass sie weint. Könnte ja sein, dass sie etwas schlimmes erzählt, womit man dann umgehen muss. Tja, dann tut man das halt, finde ich.
Natürlich soll das nicht jeder bei jedem tun. Aber jeder Mensch sollte Menschen haben, die für ihn da sind. Freunde. Und jeder Mensch sollte auch so ein Freund sein.

Dieses Stützen oder Helfen hat sooo viele Facetten. Zwischendurch mal anrufen oder schreiben. Zusammen einen Kaffee trinken gehen und über etwas total anderes sprechen als das eigentliche Problem. Nicht überfordert sein, wenn jemand weint. Auch mal zuhören, trösten oder aufmuntern. Etwas Schönes zusammen unternehmen. Konkrete Hilfe anbieten, z.B. eine Arbeit abnehmen, finanziell oder was auch immer. Ich glaube das wichtigste ist, dass sich keiner allein fühlt.

Ich glaube auch, Helfen bedeutet, sich selbst zu sein und genau damit jemand anderem in Not gut zu tun.

Es gibt auch Menschen, die hat man  total lieb, aber in dieser Situation tun sie einem einfach weh. Sagen Dinge, die man momentan einfach nicht hören will oder kann. Dinge, die womöglich wahr sind, die aber in einem für uns unpassenden Augenblick ausgesprochen werden und sich in eine offene Wunde bohren.
Ich weiss nicht, warum das so ist. Ich habe es mir in den letzten Wochen oft überlegt. Ist es mangelnde Empathie oder Desinteresse oder einfach eine andere Haltung als die eigene? Keine Ahnung. Ich glaube, aber, dass es besser ist, Abstand zu nehmen von Menschen, die einem in einer Krise nicht gut tun. Nicht für immer. Nur für den Moment. Denn sie tun ja nur jetzt nicht gut. Nur in dieser Situation. Und ich glaube auch, dass man versuchen sollte, diese Aussagen, die man nicht verstehen kann, nicht so sehr zu werten. Man ist verletzt und empfindlich. Vermutlich zu empfindlich. Das sucht man sich aber nicht aus und ändern kann man es auch nicht.

Ich denke, dass es Situationen im Leben gibt, die von aussen nicht soooo schlimm aussehen und für die betroffenen Menschen dennoch sehr bedrohlich sind. Da geht es ums Überleben.
Und da gilt: Tu mir gut oder geh weg.
Das ist längst nicht so egoistisch, wie das nun hier klingt. Ich glaube, es bedeutet einfach, Sorge zu sich selbst zu tragen und das muss jeder tun.