Gesundheit.

Gesundheit.
Vermutlich ist sie neben der Erde auf der wir wohnen, das höchste Gut, das wir besitzen. Und vermutlich ist sie ebenfalls neben der Erde, auf der wir wohnen, das was wir am meisten für selbstverständlich nehmen.
Bis wir es nicht mehr haben.

Das ist nicht abnormal. Es ist menschlich. Wir neigen dazu, das was wir haben, nicht mehr zu sehen bzw ganz schnell als selbstverständlich anzunehmen UND es dann nicht mehr zu sehen.

Um die Gesundheit dreht sich schon seit einer Weile irgendwie alles. Und irgendwie aber auch nicht. Denn die Gesundheit scheint mir da an zweiter oder dritter Stelle zu stehen, denn es geht um allerlei anderes. Vielleicht vor allen Dingen um Macht. Um Frustration. Um Gemeinschaft und Zusammenhalt. Um Freiheit. Um Geld. Manchmal um Leben und Tod. Und überhaupt.

Es geht ums Impfen oder ums Nicht-Impfen und um jeden selbst, aber auch um einander. Klar ist da jeder für sich selbst verantwortlich. Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten wissen ja, dass sie möglicherweise an Corona erkranken und nicht viel davon spüren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, an Corona zu erkranken und wenn es ganz schlimm kommt auf der Intensivstation behandelt werden zu müssen. Das wäre dann ein sogenannt schwerer Verlauf. Es besteht auch die Möglichkeit, selber einen leichten Verlauf zu haben, aber jemanden anzustecken, der dann leider schwer krank wird. Das ist das Risiko, das jeder selber trägt. Und ich hoffe, ich schreibe das hier neutral, denn ich habe nicht vor, da etwas zu werten. (Bei Geimpften minimiert sich dieses Risiko um ein Vielfaches, sie können aber auch erkranken.)
Wenn es vielen Menschen so ergeht, dass sie auf die Intensivstation müssen, besteht irgendwann die „Gefahr“, dass diesen nicht mehr genügend Kapazität (=Personal, Apparaturen, Räume, Betten) zur Verfügung stehen für alle Patient*innen, die diese benötigen würden. Das sind nicht nur Corona-Patienten, sondern zB Unfallopfer, Menschen, die medizinische Notfälle erleiden und auch nach Operationen kann es vorkommen, dass man auf die Intensiv muss zur Beobachtung oder für länger. Ich würde sagen, das ist dann auch der Grund, dass Operationen verschoben werden, denn bei Komplikationen würde das lebensgefährlich enden.

Meinem Bruder erging es ja vor vielen Jahren nach einem schweren Motorradunfall so. Er musste unter anderem am Gehirn operiert werden, um nicht zu sterben und lag danach für mehrere Wochen auf der Intensivstation im Inselspital Bern. Die Zeit vor der Operation war kritisch, die Operation war es ebenfalls und auch noch eine ganze Weile danach ging es noch um Leben und Tod. Er hat überlebt. Dank OP und der Versorgung auf der Intensivstation.
Als Angehörige habe ich es damals übrigens auch sehr geschätzt, dass das Personal dort nicht nur genügend Zeit für ihn, sondern auch für uns hatte, denn das war für uns alle eine aussergewöhnlich schreckliche Situation.

Ich glaube, wir Menschen blenden solche Sachen gerne aus. Wir denken, das könne einem selbst nicht passieren. Das passiert nur immer andern.
Die Möglichkeit, einen Autounfall zu haben und dabei schwer verletzt zu werden ist klein und doch passieren solche Unfälle jeden Tag und es trifft immer jemanden.
Die Möglichkeit, einen Hirnschlag zu haben, ist auch klein. Und doch passiert auch das täglich.
Die Möglichkeit, dass bei einer Operation Komplikationen entstehen, sind ebenfalls wohl eher klein und doch passiert es.
Es trifft immer jemanden, der wohl auch immer gedacht hat, ihm könne das nicht passieren.
In all diesen Fällen sind Menschen darauf angewiesen, dass ihnen schnell und professionell geholfen wird. Das bedeutet vieles, nicht nur dass ein leeres Spitalbett für ihn da ist. Ich glaube, es bedeutet ganz fest, dass das zuständige Personal zurechnungsfähig ist, nicht total übermüdet und dass es Zeit für ihn hat neben den andern Patienten, die auch versorgt werden müssen.

Uns Menschen interessiert sowas mehrheitlich erst, wenn es UNS oder uns nahestehende Personen betrifft. Erst dann ist Krebs ein Arschloch. Erst dann ist es wahnsinnig, wie diese Raser fahren. Erst dann ist diese Kreuzung zu gefährlich. Erst dann braucht es einen Radweg. Erst dann wird darüber geredet, ob es einen Zebrastreifen braucht. Erst dann schätzen wir die Arbeit des Gesundheitspersonals. Erst dann.

Ich habe bis jetzt nur über die körperliche Gesundheit gesprochen. Es gibt auch noch die psychische. Genau wie wir jederzeit körperlich an etwas erkranken können oder uns in einem Unfall oder Unglück verletzen können, können wir jederzeit psychisch erkranken. Viele denken, dass es dafür äussere Einwirkungen bräuchte, zB ein schlimmes Ereignis, ein Trauma oder eine schwierige Situation, aber das stimmt nicht. So wie wir alle Knochen haben, die brechen können, ein Herz, das einen Infarkt erleiden kann oder ein Gehirn, das krank werden kann, haben wir auch eine Psyche, die einfach so krank werden kann.

Es ist ein Glück, körperlich gesund zu sein. Und es ist noch das viel grössere Glück, psychisch gesund zu sein.
Ich habe jahrelang mit Menschen gearbeitet, die mit einer psychischen Erkrankung leben lernen müssen. Das ist schwierig. Psychisch kranke Menschen werden in unserer Gesellschaft sehr stigmatisiert. Anders als bei vielen körperlichen Erkrankungen ist eine psychische nicht sichtbar. Nicht fassbar. Schwierig zu verstehen.
Für psychisch kranke Menschen ist es schwierig, in unserer Gesellschaft zu funktionieren. Sie nehmen Dinge anders wahr als wir, haben Ängste, Zwänge, sind zT weniger belastbar (unserem Wertesytstem entsprechend meine ich). Sie benehmen sich manchmal anders, manchmal irritierend, manchmal auffällig, viele aber eigentlich so unauffällig, dass sie verschwinden.

Hat bisher auch niemanden interessiert, wenn man ehrlich ist.

Jetzt aber, in der letzten Zeit, wird die psychische Gesundheit aber zum Thema und das ist ja gut so. Ich finde es auch sehr verständlich, dass die Pandemie an vielen nicht spurlos vorbei gegangen ist. Psychisch. Es gibt Menschen, denen die Einschränkungen seelisch auf den Magen schlagen. Auch begreiflich, denn es ist eine Krise. Eine Situation, die wir nicht so gut einschätzen können, auch wenn wir das möchten. Viele Nachrichten, viele Meinungen, Einschränkungen, offenbar sehr viel Misstrauen und in der Zwischenzeit auch viel Aggression und Frustration.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es aber auch sehr viele bereits psychisch kranke Menschen gibt. Schon vor der Pandemie gegeben hat. Das sind Menschen, die immer psychisch krank sind. Das ist nicht dasselbe wie wenn man eine Krise hat, denn diese geht vorüber.
Für viele von ihnen bedeutet die Bewältigung des Alltags bereits eine riesige Herausforderung, die Pandemie macht es noch schwieriger.

Nun interessieren sich ja Menschen für die psychische Gesundheit, denen das ganze Thema bis vor kurzem noch egal war. Und eigentlich sind die Gründe dafür ja egal, Hauptsache es wird zum Thema.
Aber ist es tatsächlich echtes Interesse, ehrliches Engagement? Oder sind es einfach Argumente gegen die Massnahmen? Parolen? Oder weil es sie nun plötzlich selber betrifft?
Ich weiss, dass die Massnahmen unschön sind. Wir möchten sie alle nicht haben und dennoch werden sie von einem Teil der Bevölkerung als möglichen Weg zum Ziel als sinnvoll angesehen. Andere fühlen sich eingeschränkt und es tut ihnen nicht so gut. Ich möchte aber dazu sagen, wenn es um psychische Gesundheit geht, höre ich von vielen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, dass die Massnahmen für sie zwar schwierig sind, aber dass sie ihnen auch Sicherheit vermitteln.
Es gibt also auch da immer beide Seiten und wer auch immer sich für etwas einsetzt, tut es immer nur aus eigener Sicht und oft aus eigenem Interesse.

Sich um die psychische Gesundheit zu kümmern ist ja Prävention und ich steh ja total auf Prävention, egal wo. Also Probleme wenn möglich gar nicht entstehen zu lassen, statt sie danach mühsam lösen zu müssen. Das ist oft möglich.

Also finde ich es gut, dass wir im Strassenverkehr gewisse Regeln einhalten müssen, denn das vermindert die Anzahl der Verkehrsunfälle.
Ich verstehe es, dass wir beim Motorrad- und Fahrradfahren oder auch beim Reiten und Skifahren einen Helm anziehen sollen. Das vermindert die Gefahr von schweren Kopfverletzungen bei allfälligen Unfällen.
Ich reibe mich im Sommer mit Sonnencreme ein, damit ich keinen Sonnenbrand bekomme. Das verhindert Schmerzen und die Gefahr einer Hauterkrankungen.
Ich finde es gut, Kinder und Jugendliche ausreichend aufzuklären, um Übergriffe, Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden.
Ich finde es auch gut, Jugendliche aufzuklären betreffend Drogen und Rauschmittel, in der Hoffnung sie würden es lassen.
Ich finde es total sinnvoll, mir Gutes zu tun, mich auszuruhen, Freude zu erhöhen und Stress möglichst zu vermindern, das fördert meine Gesundheit, physisch wie auch psychisch.
Ich weiss, dass ich nicht gut schlafe, wenn ich abends noch Kaffee trinke, deswegen mach ich es nicht.
Ich kontrolliere bei meinem Auto regelmässig den Ölstand und tanke, wenn das Lämpchen leuchtet, sofort, weil ich nicht scharf auf eine Panne bin.
Ich gehe nur Mammographie, obwohl ich gesund bin, um Brustkrebs früh zu erkennen, würde er denn auftreten.
Ich kaufe dem Kind Winterschuhe, bevor der erste Schnee fällt.
Ich gehe mit den Meerschweinchen zum Arzt, wenn eines krank ist, bevor es plötzlich tot im Gehege liegt.
Ich nehme im Winter Vitamin-D-Tropfen, weil ich weiss, dass ich sonst zu einem Mangel neige und mich dann ganz furchtbar fühle.
Ich habe das Kind und mich gegen einige Krankheiten impfen lassen, um nicht daran zu erkranken.
Ich schaue auf dem Fahrplan, wann der Bus fährt, wenn ich eine Reise machen möchte.
Ich rufe vorher an, wenn ich jemanden besuchen möchte, damit der auch tatsächlich Zeit hat.
Ich schreibe vor dem Einkaufen eine Liste, damit ich nichts vergesse.

Prävention ist für mich Vorausdenken und erspart mir oft viel Ärger und Situationen, auf die ich keine Lust und Nerven habe.

Sorge zu sich selbst und aber auch zu einander zu tragen ist für mich auch Prävention, denn grad eine gute psychische Gesundheit ist ein guter Boden für alles andere, was darauf wachsen soll.
Lohnt sich.

Same procedure again…

Vielleicht gibt es nichts interessanteres als ein Menschenleben, denn wo Menschen leben passiert ganz schön vieles. Viel Alltägliches, viel Routine, viel Schönes, Neues und Wunderbares. Viel Trauriges, Schreckliches und grosse Schicksale.

Für jeden ist wohl das eigene (Er-)Leben der Massstab, an dem andere gemessen werden. Manchmal finden wir, dass unser Erlebtes das Tollste ist und manchmal das Schlimmste von allen. Manchmal denken wir, wir müssten am meisten tragen, am meisten erdulden und erleiden. Wir wünschen uns irgendwas (eine Freundin, ein Kind, ein Auto, heiraten, einen neuen Job, ein Erlebnis, Ferien, einen Hund….), erreichen (bekommen, kaufen…) es…
Und dann dauert es nicht lange und es wird zur Routine. Wir haben uns dran gewöhnt, kennen es in- und auswendig, sooooo interessant ist es gar nicht mehr, wir langweilen uns damit ein bisschen…
Wir wünschen uns, aus der Routine ausbrechen zu können, möchten etwas Neues, Anderes erleben, finden unseren Alltag öde und zu unspektakulär. Immer dieselben Abläufe, derselbe Trott…

Manche brechen dann tatsächlich aus, erleben Neues und Spannendes und fühlen sich damit auch selbst wieder begehrenswerter und interessanter… und auch das Neue wird irgendwann Alltag. Same procedure again…

Bei andern ist es andersrum. Sie werden aus dem Alltag rausgerissen, weil irgendwas passiert. Etwas, was unsere ganze Aufmerksamkeit fordert, unsere ganze Energie und uns in sich aufsaugt. Zum Beispiel, wenn man der Partner einer solchen Person ist, die etwas Neues erleben will bzw es tut. Oder halt andere Sorgen, es gibt davon ja genügend und für jeden seine ganz persönlichen kleineren oder grösseren Katastrophen.

2020 ist ja so ein Jahr. Das hat es wirklich in sich.
Es ist mein zweites Jahr seit der Trennung. Man sagt, das erste sei das schwierigste und das war es auch, in vielerlei Hinsicht bzw vermutlich vor allem, weil die persönliche Befindlichkeit noch krisenhaft und ansonsten alles neu und ungewohnt war.
Jedenfalls erinnere ich mich sehr gut an Ende 2019. Ich habe mich auf 2020 gefreut. Auf ein Jahr, das besser werden sollte und noch ein bisschen einfacher vielleicht. Wieder ruhiger werden, vielleicht sogar wieder ein bisschen glücklich manchmal… Nicht, dass ich das 2019 nie war, aber da war bzw ist noch viel Luft nach oben.

Und dann kam Corona mit all seinen Konsequenzen. Das wäre eigentlich schon genug, noch mehr Schwierigkeiten braucht echt keiner. Aber wir wissen es ja. Da wo ein Hund hin pisst, pissen dann all die andern auch hin.
(Ich hab gedacht, ich erfinde mal ein neues Sprichwort. 🙂 )

Ich kann sagen, Corona selbst hatte auf mich keine allzu grossen Auswirkungen. Während des Lockdowns natürlich schon, wie in verschiedenen Texten beschrieben. Ich fand das furchtbare zwei Monate und hätten die noch länger gedauert, ich hätte es nicht mehr geschafft, alles unter einen Hut zu bringen. Während einige die Ruhe und das Nichtstun sooo sehr genossen haben und dies sogar in Langeweile überschwappte, waren für mich bei Homeschooling und Arbeit 24 Stunden pro Tag zu wenig. Und ich sehr unentspannt. Gut, dass es dann mal vorbei war bzw. der Lockdown und ein paar Massnahmen gelockert wurden.
Seitdem fühle ich mich eigentlich nicht eingeschränkt, mein Leben verläuft ziemlich normal. Ausser dass ich mich auf Abstand achte und wirklich viel weniger soziale Kontakte habe, ist alles normal. Und wir sind gesund geblieben bisher, das ist gut.
Ich rege mich nicht darüber auf, dass ich weder auf Konzerte noch auf Parties kann, denn das tu ich aus andern Gründen sowieso schon länger nicht mehr. Also gehts mir eigentlich ganz gut, trotz den Massnahmen, die wir einhalten, um Corona möglichst nicht weiterzuverbreiten.

Aber es ist echt viel anderes dieses Jahr. Ich löse eine schwierige Situation und schwupps, die nächste ist schon da. Es ist tatsächlich momentan ziemlich energieraubend, sich die meiste Zeit über irgendwas grosse Sorgen zu machen. Und es ist schwierig, dies zu machen, ohne dass das Kind etwas davon mitbekommt. Ich versuche es, aber es ist nicht mehr immer möglich zur Zeit.

Natürlich schaffe ich es. Ich schaffe alles. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Es gibt keine Alternative. Es sind immer Dinge, die ich im Moment zwar als dramatisch erlebe, wohl weil meine Energie schwindet, die aber lösbar sind.
Ich schaue in die Welt hinaus und sehe ganz andere Probleme. Die richtig grossen. Andere Menschen, die mit Situationen zu kämpfen haben, in denen es ihnen nicht möglich ist, selbst eine Lösung zu finden. Zum Beispiel all die Menschen, die aus ihrem Zuhause geflüchtet sind, in Moria eingepfercht waren und jetzt irgendwo sind. Viele wohlhabende Länder, viele wohlhabende Menschen rundherum wollen davon nichts wissen.
Rassismus nimmt zu. Rechtsradikales Denken. Und es wird geduldet, ja sogar unterstützt. In der Schweiz, in Deutschland, in den USA.
Menschen haben Angst. Die einen, dass sie eingeschränkt werden. Ihrer Rechte beraubt. Sie schreien es raus, sie wollen keine Diktatur, keine Massnahmen gegen Corona. Flüchtlinge sollen dort bleiben wo sie sind oder gleich zurück in ihr Land gebracht werden. Die SVP nennt die Flucht „eine Reise ins Traumland“. Es wird nicht weit gedacht, nicht in die Weite geschaut. Die Angst ums eigene Portemonnaie verhindert so manches, egal in welchem Bereich… Umweltschutz, Flüchtlingswesen, Corona und Gesundheitswesen…
Es geht ums Geld. Einige Musiker oder Künstler stellen sich gegen die Corona-Massnahmen, hetzen und motivieren auch andere sich aufzulehnen. Aber ist dieses Engagement ehrlich oder gehts da einfach nur um die eigenen Interessen? Natürlich verstehe ich, dass sie schon eine Weile wenig oder gar kein Geld verdienen können und das ist schlimm. Aber vielleicht sollte man da sein Beweggründe doch ein wenig mehr hinterfragen?

Jeder von uns hat ein einziges Leben, das er leben muss oder im besten Fall darf. Jeder hat ein Recht auf ein schönes Leben. Ich finde es nicht in Ordnung, dass zu meinen Gunsten andere leiden müssen oder der Planet kaputt gemacht wird. Ich bin fürs Miteinander und fürs Einander helfen, auch wenn sich das nicht immer so einfach gestaltet. Ich würde mich immer für die Schwächeren einsetzen. Leider ist es so, dass dies sehr oft auf der finanziellen Ebene statt findet und genau da sind mir momentan recht die Hände gebunden. Aber irgendwann wird dies anders aussehen. Und das Finanzielle ist nur ein Teil der Unterstützung, es gibt noch andere.
Typischerweise schweife ich wieder mal ziemlich ab…

Also. Zurück zum 2020.
Ich hatte mir für dieses Jahr ja vorgenommen, mich wieder mehr am sozialen Leben zu beteiligen. Mich wieder öfter mit andern treffen. Freundschaften pflegen. Vielleicht sogar im Leben neuer Menschen aufzutauchen bzw. sie bei mir. 2020 macht es mir nicht einfach, muss ich sagen. Aber es ist, wie es ist. Als alleinstehende Frau mit Kind fühle ich mich aber tatsächlich ziemlich isoliert manchmal. Ich habe voll Bock drauf, Menschen zu begegnen, hinter deren Fassade zu gucken und Lebensgeschichten zu hören. Ist dies nicht irgendwie das Salz in der Suppe des Lebens?
Mir ist in der letzten Zeit aufgefallen, dass es mir fehlt, meine Gedanken oder halt auch meine Sorgen mit jemandem besprechen zu können. Es ist nie jemand da, der zuhört, wenn ich krank vor Sorge bin oder mich in etwas hineinsteigere. Niemand, der sich wirklich interessiert. Niemand, der mit mir am gleichen Strick zieht. Mir fehlt kein Partner, ich wünsche mir auch keinen. Aber trotzdem vermisse ich diesen Teil. Ich kann das nicht alles in mir drin behalten, denn das macht mich krank. Aber teilen kann ich es auch nicht bzw ein paar Dinge erzähle ich schon, ich bin da ja eher offen. Aber das ist längst nicht alles und genau das, was man nicht erzählt, plagt einem doch irgendwie tief drinnen ganz besonders stark.
Das ist wohl der nächste Punkt, an dem ich arbeiten werde und dann kommt dann wieder ein neues Thema. Wir kennen es….

Das Reifen und Entwickeln hört nie auf und irgendwie ist es wohl gut so.
Und ich wünsche mir ein kleines bisschen mehr Routine und Alltag und gleichzeitig auch ein kleines bisschen mehr Abwechslung, spannende Menschen, mehr Kommunikation.

Tu mir gut oder geh weg

Egal, was das Leben uns vor die Füsse wirft, ich finde, wir sollten nie vergessen, wer wir sind. Und egal, wer uns verletzt oder was auch immer geschieht, wir sollten das auch dann nie, NIE vergessen.
Oft hat nicht mal alles, was geschieht, direkt mit uns einen Zusammenhang und trotzdem stehen wir im Auge des Hurrikans.

Und wann ist es wichtiger, gut auf den eigenen Füssen zu stehen, als dann, wenn der Sturm rundherum tobt?
Und genau dann tut man das ja meistens nicht. Man strauchelt, stolpert, sieht nicht mehr klar. Die Beine werden schwächer, die Gedanken kreisen. Und ich finde, dass wir in dieser Situation sehr darauf angewiesen sind, dass andere Menschen uns helfen. Uns stützen. Vielleicht kann konkret geholfen werden, vielleicht aber auch gar nicht. Abnehmen kann uns unsere Situation keiner. Aber ich finde, dass sich normal verhalten schon eine grosse Hilfe ist. Nichts ist für mich schlimmer als ausweichen. Egal aus welchem Grund dies geschieht, ich sehe dies als Desinteresse. Da braucht es halt mal etwas Mut, auf jemanden zuzugehen und zu fragen, wie es geht. Könnte ja sein, dass sie weint. Könnte ja sein, dass sie etwas schlimmes erzählt, womit man dann umgehen muss. Tja, dann tut man das halt, finde ich.
Natürlich soll das nicht jeder bei jedem tun. Aber jeder Mensch sollte Menschen haben, die für ihn da sind. Freunde. Und jeder Mensch sollte auch so ein Freund sein.

Dieses Stützen oder Helfen hat sooo viele Facetten. Zwischendurch mal anrufen oder schreiben. Zusammen einen Kaffee trinken gehen und über etwas total anderes sprechen als das eigentliche Problem. Nicht überfordert sein, wenn jemand weint. Auch mal zuhören, trösten oder aufmuntern. Etwas Schönes zusammen unternehmen. Konkrete Hilfe anbieten, z.B. eine Arbeit abnehmen, finanziell oder was auch immer. Ich glaube das wichtigste ist, dass sich keiner allein fühlt.

Ich glaube auch, Helfen bedeutet, sich selbst zu sein und genau damit jemand anderem in Not gut zu tun.

Es gibt auch Menschen, die hat man  total lieb, aber in dieser Situation tun sie einem einfach weh. Sagen Dinge, die man momentan einfach nicht hören will oder kann. Dinge, die womöglich wahr sind, die aber in einem für uns unpassenden Augenblick ausgesprochen werden und sich in eine offene Wunde bohren.
Ich weiss nicht, warum das so ist. Ich habe es mir in den letzten Wochen oft überlegt. Ist es mangelnde Empathie oder Desinteresse oder einfach eine andere Haltung als die eigene? Keine Ahnung. Ich glaube, aber, dass es besser ist, Abstand zu nehmen von Menschen, die einem in einer Krise nicht gut tun. Nicht für immer. Nur für den Moment. Denn sie tun ja nur jetzt nicht gut. Nur in dieser Situation. Und ich glaube auch, dass man versuchen sollte, diese Aussagen, die man nicht verstehen kann, nicht so sehr zu werten. Man ist verletzt und empfindlich. Vermutlich zu empfindlich. Das sucht man sich aber nicht aus und ändern kann man es auch nicht.

Ich denke, dass es Situationen im Leben gibt, die von aussen nicht soooo schlimm aussehen und für die betroffenen Menschen dennoch sehr bedrohlich sind. Da geht es ums Überleben.
Und da gilt: Tu mir gut oder geh weg.
Das ist längst nicht so egoistisch, wie das nun hier klingt. Ich glaube, es bedeutet einfach, Sorge zu sich selbst zu tragen und das muss jeder tun.

Wir ernähren uns vom Interesse anderer

Interesse kommt vom Lateinischen und bedeutet „dazwischen sein“, „dabei sein“.
Als Interessen bezeichnen wir Dinge, die wir gerne tun, die uns gefallen, so wie zum Beispiel Hobbies.
Unser Interesse ist jedoch nicht nur auf „Dinge“ beschränkt, sondern vor allem auch auf Personen. Also Anteil nehmen am Leben eines anderen Menschen, ihn sympathisch finden, Dinge über ihn erfahren wollen, wissen wollen wie es ihm geht, was er so macht und eventuell Sachen mit ihm unternehmen, teilen. Interesse bedeutet immer auch, einer Person oder Sache eine gewisse Zuwendung zu schenken und auch Zeit. Und damit finde ich, ist Interesse etwas vom Wertvollsten, was man jemandem entgegen bringen kann.

Ich denke nicht, dass wir steuern können, wer oder was uns interessiert und was nicht. Bei Menschen hat das wohl viel mit der „Chemie“ zu tun, mit Sympathie. Bei Dingen mit Vorlieben.
So glaube ich auch nicht, dass ich es einem Menschen übel nehmen kann, wenn er sich nicht oder nicht mehr für mich interessiert. Kommt ja doch öfters vor. Das übel nehmen meine ich. Weil es halt nicht einfach ist, wenn von zwei Personen sich nur eine für den andern interessiert und der andere sich nicht.

Ich finde ja, dass der Mensch sich vom Interesse anderer ernährt.
Seelisch.
Ohne diese Zuwendung, ohne dass sich jemand für uns, unser Wohlbefinden, unsere Sorgen, Freuden und unser Tun interessiert, fehlt uns wohl auch der tiefere Austausch mit Mitmenschen und wir gehen daran langsam zugrunde. Werden unglücklich, einsam, krank…

Schön, dass ich nicht wirklich weiss, wovon ich gerade spreche. Oder jedenfalls nur in der Theorie.
Ich interessiere mich für sehr viele Dinge, will noch viel erfahren und lernen. Ich interessiere mich auch für Menschen. Für die, die in meinem Leben sind und immer wieder auch für andere, neue.

Ich finde ja, es gibt gar nichts Interessanteres als Menschen.