Ich würde mich immer für die Schwächeren einsetzen.

Also. Ich bin mir natürlich bewusst, wenn ich hier öffentlich meine Meinung über irgendwelche Dinge schreibe, wird diese nicht von allen geteilt und das erwarte ich erstens nicht und zweitens bin ich mir bewusst, dass ich entweder diplomatischer schreiben oder damit umgehen muss. Manchmal kommen auch Rückmeldungen, die Interpretationen enthalten oder ich merke, dass nicht richtig verstanden wurde, was ich geschrieben habe oder ausdrücken wollte. Das ist das Risiko, das man immer eingeht, wenn man kommuniziert, das kennen wir alle. Ich habe mich entschieden, damit umzugehen. Als ich vor zweieinhalb Jahren angefangen habe, hier zu schreiben, hat mich ausser eine Handvoll Freunde und Bekannte ja noch keiner gelesen. Damals war es noch egal, was ich hier so hinkritzle, das störte niemanden. Unterdessen haben über 180 Menschen meinen Blog abonniert (was ja nicht bedeutet, dass die alle dann tatsächlich auch lesen und ich glaube, einige lesen auch, ohne irgendwo registriert zu sein). Je mehr Menschen lesen, je mehr verschiedene Meinungen kommen zusammen und je öffentlicher wird das Ganze.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass erwartet wird, dass ich in meinen Texten jeden Aspekt des behandelten Themas beachten müsste und dem widerspreche ich hiermit. Ich habe diesen Anspruch nicht. Ich habe nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, nicht den Anspruch auf Objektivität, nicht den Anspruch auf Perfektionismus. Dieser Blog ist keine Dissertation, keine Doktorarbeit. Es ist lediglich ein Blog. MEIN Blog. Wenn ich über ein Thema schreibe, worüber ich etwas erkläre, dann lese ich mich hinein und will es korrekt erklären. Es ist aber ganz bestimmt nie vollständig, denn diese Themen sind riesengross und es würde zu weit führen, wenn meine Texte alles beinhalten müssten. Auch meine Gedanken beinhalten nicht alles. Es sind einfach meine Gedankengänge, die wohl auch aufzeigen, was mir im Moment wichtig ist zu diesem betreffenden Thema. Jemand anders mag es anders anschauen. Ich schaue es aus meiner Sicht an, was aber nicht bedeutet, dass ich andere Sichtweisen nicht okay finden würde. Aber ich kann nicht aus der Sicht aller schreiben oder da irgendwie oberflächlich bleiben, das wäre mir nicht aussagekräftig genug.

Mein letzter Text ist bei einigen nicht besonders gut angekommen, hatte ich den Eindruck. Mir wurde zurückgemeldet, dass ich Menschen, die z.B. eben über Corona oder den Umgang mit den vom Bund verordneten Massnahmen eine andere Meinung als ich hätten, beschimpfen und verurteilen würde. Aber das stimmt nicht. Ich bitte euch, meinen Text nochmal genau durchzulesen und zu differenzieren. Ich kritisiere Verhalten, was nicht meiner Meinung entspricht, das stimmt. Und ich habe mich sehr deutlich und nicht besonders freundlich über diese Frau, von deren Unterhaltung bei FB ich erzählt habe, geäussert. Ich habe sie jedoch nie mit Namen erwähnt, denn sie bloss zu stellen war nicht mein Ziel. Schlussendlich ging es mir um ihre meiner Meinung nach menschenverachtenden Aussagen über die sogenannt Schwachen unserer Gesellschaft und dass sie z.B. gesagt hat, dass man sie ja nicht erschiessen dürfe sowie man es mit Tieren tut usw. DARUM ging es mir. Für mich war diese Unterhaltung ein Erlebnis, was mich sehr erschreckt hat und ich wollte darüber erzählen.

Über so etwas rege ich mich durchaus sehr auf und ich bleibe dabei nicht still, nein. Ich finde, wir sollten eingreifen, wenn es um so etwas gibt. Wir sollten uns wehren und füreinander einstehen! Akzeptieren wir nicht schon viel zu viel in unserer Gesellschaft? Wir leben zB in Ländern, in denen zT rechtsradikales Gedankengut wieder ziemlich akzeptiert zu sein scheint. Wir reden von Integration und gar von Inklusion von Behinderten, Asylanten und wem auch immer und drängen sie gleichzeitig doch an den Rand. Wo stehen in unserer Gesellschaft behinderte Menschen? Psychisch kranke Menschen? Alleinerziehende? Wir sind gegen Mobbing und lassen es geschehen. Wir hetzen über das und jenes. Über Feministinnen, Ausländer. Arbeitslose. Mütter, die arbeiten. Mütter, die nicht arbeiten. Veganer, Fleischesser, Umweltsünder. Und Umweltschützer. Über Autofahrer. Fussgänger, Fahrradfahrer.
Ich will das nicht.

Betreffend „Schwächere“ habe ich sowieso eine andere Meinung. Ich finde, dass wir nicht nach Schwächeren und Stärkeren kategorisieren sollten. Je nach Sichtweise oder Situation kann jeder mal der Schwächere sein und schlussendlich finde ich, es geht ums Miteinander. „Schwach“ ist wertend und beinhaltet auch Eigenschaften, die nicht wirklich schwach sind. Ich habe darüber schon geschrieben: Schwach sein ist stark

Ich finde es schlimm, wenn sich einige über andere stellen, nur weil sie jünger sind, weil sie hübscher sind oder klüger. Gesünder. Oder nicht behindert. Oder ein tolles Auto haben. Oder finanziell stärker.
Das sind nun aber ethische Fragen und jeder hat seine eigene Einstellung, seine eigenen ethischen Werte. Das ist auch in Ordnung, solange sie nicht irgendwo ins Extreme abdriften. Auch das ist meine persönliche Meinung, auch das kann man anders sehen. Ich finde zumindest, dass Extremismus nie gut ist, egal in welche Richtung es geht.

Und ich würde mich immer für die Schwächeren einsetzen. Jederzeit.
Das wollte ich nur nochmal gesagt haben.

 

Ich bedanke mich für eure Anregungen, für Kritik und Lob! Und auch, dass meine Texte hier offenbar mit Interesse gelesen werden. Mir bedeutet das wirklich viel.