2189 — Ein Blick in die Zukunft


Lass uns ein Blick in die Zukunft wagen…
Im Jahr 2189 hat die Menschheit viele ihrer alten Probleme gelöst.

Es gab kaum noch Hunger auf der Welt.
Krankheiten konnten früh erkannt und oft geheilt werden, noch bevor ein Mensch überhaupt Beschwerden spürte.
Häuser erzeugten ihre eigene Energie, Städte waren voller Pflanzen und über den ehemaligen Autobahnen zogen sich lange Gärten durch die Luft wie grüne Flüsse.

Die Menschen arbeiteten weniger. Viele Dinge erledigten intelligente Systeme beinahe lautlos im Hintergrund. Niemand musste mehr sein ganzes Leben nur damit verbringen, irgendwie zu überleben.

Und trotzdem hatte sich etwas verändert.
Früher glaubte man, die Zukunft würde kalt und gefühllos werden. Voller Metall und Bildschirme. Aber genau das Gegenteil war passiert.

Eine Zeitlang ging es tatsächlich eher in diese Richtung. Je weiter die Technik sich aber entwickelte, desto mehr begannen die Menschen sich wieder nach Echtheit zu sehnen.
Nach Händen, die etwas erschaffen konnten.
Nach echten Gesprächen ohne Filter, ohne Bildschirm dazwischen.
Nach Erde unter den Fingernägeln, frischer Luft im Haar und in den Lungen.
Nach Regen, Sonne, Wind.
Nach Tieren.
Nach Momenten, die nicht aufgezeichnet, sondern gelebt wurden.

Vielleicht war das der grösste Irrtum der Vergangenheit gewesen: zu glauben, Fortschritt würde das Menschliche ersetzen.
Dabei machte er nur sichtbarer, wie wertvoll es tatsächlich war.

In den Städten gab es inzwischen sogenannte Stille-Orte. Kleine Häuser aus Holz und Stein zwischen den hohen Gebäuden, ohne Projektionen, ohne digitale Wände, ohne künstliche Geräuschkulissen. Menschen gingen dorthin, um einfach nur zu sitzen. Zu lesen. Zu malen. Oder miteinander Kaffee oder Tee zu trinken.

Und erstaunlicherweise fanden genau diese Orte Jahr für Jahr mehr Anklang und waren zuweilen voller als die modernsten Unterhaltungszentren.
Kinder lernten wieder Sternbilder am echten Himmel kennen, obwohl man sie längst perfekt simulieren konnte. Manche Schulen hielten kleine Tiere, damit die Kinder verstanden, dass Leben nicht nur aus Daten bestand.

Die Natur, die zuvor zu einem grossen Teil zerstört worden war, wurde in den letzten Jahrzehnten wieder hergestellt. Die Erde war wieder viel grüner und bot auch wieder viel mehr Platz für Wildtiere, Vögel und auch Insekten. Sie bot auch wieder mehr Ruhe.

Die Menschen hatten gelernt, dass Technologie nicht automatisch bedeutet, sich weiter von der Natur zu entfernen. Sondern vielleicht sogar näher zu ihr zurückzufinden.

Viele Arbeiten nahmen nur noch wenige Stunden pro Woche in Anspruch. Den Rest der Zeit verbrachten manche Menschen mit Kunst, Musik oder Gemeinschaftsprojekten. Andere pflegten Dachgärten oder reisten langsam durch die Welt, nicht mehr um möglichst viel zu sehen, sondern um etwas wirklich zu erleben.

Natürlich war nicht alles perfekt. Menschen blieben Menschen. Es gab immer noch Einsamkeit. Verlust. Streit. Sehnsucht.
Aber vielleicht war genau das wichtig, denn irgendwann hatte man verstanden, dass ein vollkommen schmerzfreies Leben nicht automatisch ein erfülltes Leben war.

Und so wurde die Zukunft nicht zu einer Welt ohne Gefühle, sondern zu einer Welt, die endlich wieder Platz für sie machte…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.