Schöne Worte — Ylur


Ein kleines Wort aus Island. Es klingt leise und weich, fast so, als würde es selbst schon ein bisschen Wärme in sich tragen. Ylur bedeutet nämlich genau das: Wärme. Es beschreibt diese besondere, wohlige Wärme, die nicht nur den Körper erreicht, sondern auch ganz innen ankommt.

In einer Sprache, die aus Wind, Eis und langen Wintern entstanden ist, bekommt Wärme eine ganz andere Bedeutung. Sie ist nicht selbstverständlich, sondern sehr geschätztt und kostbar. Vielleicht ist genau deshalb ein eigenes Wort dafür gewachsen. Und zwar eines, das mehr meint als nur Temperatur.

Ylur ist die Wärme einer Tasse Tee in kalten Händen.
Die Wärme einer Decke, wenn draussen der Regen gegen die Scheiben schlägt.
Die Wärme eines Blicks, der ohne Worte „du bist mir wichtig“ sagt.

Ich glaube, genau diese Art von Wärme suchen wir alle, oft ohne es zu merken und ich glaube auch, dass es ohne sie sehr, sehr schwer zu leben ist.

Wir leben in einer Welt, die manchmal laut ist, schnell, kühl. Viel funktioniert, vieles läuft – aber längst nicht alles fühlt sich warm an. Dann gibt es diese kleinen Momente, die plötzlich alles verändern. Ein Gespräch, das bleibt. Ein Lächeln, das einfach ehrlich gemeint ist. Ein Abend, an dem man sich einfach wohl fühlen darf, ohne etwas leisten zu müssen.

Ylur ist, falls ich es richtig verstanden habe, genau das:
Wie so oft im Leben nicht das grosse Feuerwerk, Liebesbekundungen und Überschwänglichkeit, sondern ganz kleine, eigentlich alltägliche Gesten und Worte.

Etwas, das nicht auffällt, aber trägt. Unscheinbar auf den ersten Blick. Etwas, das ganz fest wärmt und uns stark macht, auch wenn draussen der Wind stärker wird.

Es ist ja gar nicht so kompliziert.
Ylur beginnt genau dort, wo wir ein bisschen langsamer werden. Wo wir uns erlauben, diese kleinen warmen Momente wahrzunehmen und sie nicht einfach fast nicht wahrgenommen vorbeiziehen lassen.
Oder noch mehr: In den Momenten, in denen wir selbst zu einem kleinen Stück Ylur werden.
Für jemanden.
Oder für uns selbst. 🩷

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.