Ich möchte euch Eleonore von Aquitanien vorstellen


Heute möchte ich euch Eleonore von Aquitanien vorstellen. Sie gilt als eine der aussergewöhnlichsten Frauen des Mittelalters – klug, selbstbewusst und ihrer Zeit weit voraus.

Eleonore wurde um 1122 im Herzogtum Aquitanien, im heutigen Südwesten Frankreichs, geboren. Ihr Vater war einer der mächtigsten Fürsten Europas. Als er starb, erbte die erst etwa 15jährige Eleonore ein riesiges Gebiet, das grösser war als die direkten Besitztümer des französischen Königs. Plötzlich war sie eine der begehrtesten Frauen Europas.

Schon kurz darauf heiratete sie den französischen König Ludwig VII. und wurde Königin von Frankreich. Doch die Ehe war schwierig. Die beiden waren sehr unterschiedlich: Ludwig war tief religiös und eher zurückhaltend, während Eleonore als lebensfroh, gebildet und unabhängig galt.

Gemeinsam nahmen sie am Zweiten Kreuzzug teil, ein aussergewöhnliches Ereignis, denn nur wenige Königinnen begleiteten ihre Männer auf einen solchen Feldzug. Die Reise war gefährlich und endete für das Heer in einer Katastrophe.
Das französische Heer zog über Land durch das heutige Deutschland, Ungarn und die Türkei in Richtung Jerusalem. Die Reise war unglaublich lang und beschwerlich. Doch der schlimmste Moment ereignete sich Anfang 1148 im Gebirge Kleinasiens, beim Überqueren des Berges Cadmus (heute in der Türkei).
Das Heer wurde auf einem schmalen Gebirgspfad auseinandergezogen. Die Vorhut marschierte zu weit voraus, während die Nachhut zurückblieb.
Die französischen Ritter waren schwer gepanzert und ihre Pferde erschöpft. Türkische Seldschuken (ein mächtiges, türkisches Reitervolk) nutzten die Gelegenheit und griffen aus den Bergen mit Pfeilen an. Viele Soldaten stürzten mitsamt ihren Pferden die steilen Hänge hinunter und wurden getötet. Gepäck, Vorräte und Waffen gingen verloren und das Heer geriet in völliges Chaos.
Ludiwig VII. selbst entkam nur knapp. Einer berühmten Überlieferung zufolge rettete er sich, indem er auf einen Felsen kletterte und sich dort mit seinem Schwert gegen die Angreifer verteidigte, bis diese abzogen.
Eleonore ritt auf diesem Feldzug tatsächlich mit und brachte viele Adligee aus Aquitanien mit. Dass eine Königin einen Kreuzzug begleitete, war aussergewöhnlich. Später wurde sie sogar von einigen Chronisten verantwortlich gemacht für das Unglück. Sie behaupteten, sie habe aufgrund ihres vielen Gepäcks und der vielen Hofdamen, die sie mitnahm, den Marsch verlangsamt. Historiker:innen halten das heute jedoch für übertrieben und wahrscheinlich unwahr.
Die wirklichen Ursachen waren vermutlich eine schlechte militärische Planung, mangelnde Ortskenntnis, schlechte Kommunikation, Erschöpfung und auch eine geschickte Taktik der Seldschuken.

Das französische Heer war danach stark geschwächt und der Kreuzzug scheiterte schliesslich vollständig. Die Beziehung zwischen Eleonore und Ludwig verschlechterte sich auf der Reise zunehmend und wurde wenige Jahre später annulliert.
Ein Ereignis, das die europäische Geschichte nachhaltig veränderte, weil Eleonore kurz darauf den späteren englischen König Heinrich II. heiratete.

Gemeinsam hatten sie acht Kinder. Zu ihnen gehörten die späteren englischen Könige Richard Löwenherz und John Lackland.
Doch auch diese Ehe verlief nicht glücklich. Heinrich hatte zahlreiche Affären und wollte seine Macht immer weiter ausbauen. Schliesslich unterstützte Eleonore ihre Söhne, als sie sich gegen ihren Vater erhoben.
Das hatte schwere Folgen.

Heinrich liess seine eigene Frau gefangen nehmen. Fast sechzehn Jahre verbrachte Eleonore unter Bewachung. Sie lebte zwar nicht in einem Kerker, war aber ihrer Freiheit beraubt und durfte das Land nicht verlassen.
Erst nach Heinrichs Tod wurde sie freigelassen.

Ihr Sohn Richard Löwenherz bestieg den Thron und schenkte seiner Mutter sofort das Vertrauen zurück. Obwohl sie bereits über sechzig Jahre alt war – ein hohes Alter für diese Zeit –, übernahm Eleonore erneut politische Aufgaben. Während Richard auf dem Dritten Kreuzzug kämpfte, regierte sie zeitweise England, vermittelte zwischen Herrschern und unternahm sogar weite Reisen durch Europa.

Sie starb im Jahr 1204 im Alter von etwa 82 Jahren – ein aussergewöhnlich langes Leben für das Mittelalter – und wurde in der Abtei Fontevraud in Frankreich beigesetzt.

Eleonore von Aquitanien beeindruckt mich. Ich mag solche Lebensgeschichten von aussergewöhnlichen Frauen.
Sie war nicht einfach die Ehefrau zweier Könige. Sie war selbst eine mächtige Herrscherin, geschickte Diplomatin und eine Frau, die sich auch in einer von Männern dominierten Welt nicht kleinmachen liess. Sie verlor ihre Freiheit, gewann sie zurück und prägte die Geschichte Europas über Jahrzehnte hinweg.

Ich glaube, Frauen hatten in der Vergangenheit allgemein wenig die Gelegenheit, ihr Leben oder auch die Geschichte eines Volkes mitzugestalten. Und doch gab es viele Frauen, die das taten. Von manchen hören wir noch heute, andere taten dies so sehr im Hintergrund, dass es niemals wirklich an die Öffentlichkeit geriet. Ich glaube, in die Geschichtsbücher haben es dann vor allem ihre Männer gebracht.

Deswegen schenken wir ihnen doch zwischendurch ein bisschen Raum und Zeit, um sie zu würdigen.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.