
Stellt euch vor, wir könnten eine Zeitmaschine besteigen und ungefähr 10.000 Jahre zurückreisen. Unser Ziel wäre die Sahara.
Wir würden beim Aussteigen vermutlich sehr viel Sand erwarten. Endlose Dünen, flirrende Hitze, trockene Ebenen und eine Landschaft, in der Wasser etwas unglaublich Kostbares und Rares ist.
Doch ich sage dir, wenn wir aus unserer Zeitmaschine steigen würden, könnten wir unseren Augen kaum trauen. Es wäre grün! Zwar nicht überall ein dichter tropischer Dschungel, wie manchmal im Internet behauptet wird. Aber grosse Teile der heutigen Wüste waren von Graslandschaften und Savannen bedeckt. Es gab Seen, Flüsse und Feuchtgebiete. Wo heute eine der trockensten Landschaften der Erde liegt, gab es damals erstaunlich viel Wasser.
Diese Zeit wird als Afrikanische Feuchtperiode bezeichnet. Sie begann vor ungefähr 14.500 Jahren und endete, je nach Region, vor etwa 5000 Jahren.
In dieser grünen Sahara lebten Tiere, die wir heute an diesem Ort kaum erwarten würden. Elefanten und Giraffen zogen durch die Landschaft. In Seen und Flüssen lebten Fische, Krokodile und sogar Flusspferde. Antilopen und andere Tiere fanden in den weiten Graslandschaften Nahrung.
Und natürlich lebten hier auch Menschen. Sie jagten, sammelten Pflanzen und fischten an den Seen. Später hielten Menschen auch Rinder, Schafe und Ziegen. Bis heute finden sich mitten in der Sahara Spuren dieses längst verschwundenen Lebens.
Felszeichnungen und Felsmalereien zeigen Menschen beim Jagen und Schwimmen, Rinderherden, Giraffen und andere Tiere. Bilder aus einer Welt, die mit der Sahara, wie wir sie heute kennen, kaum etwas gemeinsam zu haben scheint.

Aber wohin verschwand denn all das Wasser?
Die Erde bewegt sich nicht vollkommen gleichförmig durchs All. Über Jahrtausende verändern sich unter anderem die Ausrichtung ihrer Achse und ihre Bahn um die Sonne geringfügig.
Vor Tausenden von Jahren führte das dazu, dass die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel während des Sommers stärker war als heute. Dadurch verstärkte sich der afrikanische Monsun und brachte seine Regenfälle wesentlich weiter nach Norden. Die Sahara wurde grün.
Doch die astronomischen Bedingungen veränderten sich langsam wieder. Der Monsun wurde schwächer und verlagerte sich nach Süden. Es regnete immer weniger. Seen schrumpften, Pflanzen verschwanden und Böden trockneten aus.
Über viele Generationen verwandelte sich die Landschaft. Aus Grün wurde Braun und aus Seen wurden trockene Senken, aus Savannen wurde Wüste. Die Menschen mussten sich anpassen oder weiterziehen. Viele Bevölkerungsgruppen zogen in Regionen, in denen weiterhin zuverlässig Wasser vorhanden war – unter anderem Richtung Nil. Und so entstand nach und nach jene Sahara, die wir heute kennen.
Das vielleicht Erstaunlichste daran ist, dass die grüne Sahara kein einmaliges Ereignis war. Solche feuchteren Phasen hat es in Nordafrika im Laufe der Erdgeschichte wiederholt gegeben. Veränderungen der Erdbahn und Erdachse folgen langfristigen Zyklen, die immer wieder Einfluss auf die Stärke des Monsuns haben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass wir einfach einen Termin im Kalender markieren können, an dem die Sahara wieder zur Savanne wird. Das heutige Klimasystem wird zusätzlich stark vom menschengemachten Klimawandel beeinflusst, wodurch die zukünftige Entwicklung komplizierter ist.
Aber die Vergangenheit zeigt etwas, das ich mega faszinierend finde: Landschaften, die für uns unveränderlich wirken, sind es überhaupt nicht.
Wenn wir heute mitten in der Sahara stehen, sehen wir eine gewaltige Wüste und denken vermutlich, sie sei schon immer dort gewesen. Dabei wären wir am gleichen Ort vor 10.000 Jahren vielleicht am Ufer eines Sees gestanden. Wir hätten Menschen gesehen, die fischen, weidende Rinder und vielleicht eine Giraffe oder im Wasser ein Flusspferd. Eine komplett andere Landschaft.
Unter dem Sand der Sahara liegt die Geschichte einer grünen Welt und manchmal braucht es „nur“ ein paar Tausend Jahre, damit ein Ort auf unserer Erde sein Gesicht vollkommen verändert…


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