Nocturnas Geschichte

Ich kannte mal jemanden, der jemanden kannte, der mit einer verwandt war, die mit einer Frau befreundet war, die den Mond sehr mochte. Nicht nur den Mond, nein, die Nacht an sich. Während die meisten sich tagsüber an der Sonne und ihrer strahlenden Wärme labten, zog es sie nachts nach draussen.

Viele Menschen empfinden die Dunkelheit als bedrohlich. In der Dunkelheit lauert das Böse und auch die Monster verstecken sich nur nachts unter dem Bett. Was wir nicht sehen, macht uns manchmal Angst. So ist das. Was tagsüber ganz okay ist, kann nachts eine total andere Wirkung in uns erzeugen. Wir können uns weniger auf einen unserer wichtigsten Sinne verlassen. Das Sehen. In der Dunkelheit versagen unsere Augen, dafür hören wir intensiver. Geräusche, die wir tags nur am Rand oder nicht wahrnehmen, wirken unter Umständen plötzlich verstörend und fremd.

Aber kommen wir zu Nocturna zurück, denn so hiess sie. Sie konnte am Dunkeln nichts beängstigendes finden. Nachts zog es sie nach draussen. Sie mochte es, wie nach einem hektischen Tag langsam überall Ruhe einkehrte und es still wurde. In der Nachbarschaft erloschen die Lichter, Fenster um Fenster, die Stimmen verstummten.
Und die frische, saubere Luft. Kühler und irgendwie reiner als am Tag. Da zu stehen, tief durchzuatmen und den Tag und all seine Geschehnisse hinter sich zu lassen. Den Kopf ausschalten, runterfahren und genau so wie die Welt um sie herum, wurde sie in diesen Momentan ganz ruhig.

Nocturna spürte eine spezielle Faszination für den Mond. Wenn sie zu ihm hinauf schaute, spürte sie jedesmal seine Wirkung. Es gab Momente, in denen unterhielt sie sich mit ihm, erzählte ihm von ihrem Tag, ihren Sorgen und hörte ihm zu, was er dazu zu sagen hatte. Immer wieder zeigte er ihr auf, dass mit ein bisschen Abstand vieles nicht mehr so bedrohlich und nicht mehr so wichtig ist. Und immer wieder empfand sie seine Anwesenheit als tröstend und beruhigend, auch wenn sie oft einfach nur still da sassen. Er schaute runter und sie zu ihm rauf.

Und wenn es manchmal ganz dunkel in ihr wurde, schickte der Mond ihr einen leuchtenden Stern.
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn aufzufangen und legte ihn in ihr Herz.

(* Bild aus dem Internet)