Klarheit

Klarheit ist ein Zustand, den ich persönlich sehr schätze. Ich geh zum Beispiel lieber ins Wasser, wenn ich weiss, wo der Boden ist, auch wenn ich ihn nicht mehr erreichen kann mit meinen Füssen, und einigermassen sehe, was sich unter mir noch so befindet. Ich mag Nebel, aber zB keineswegs beim Autofahren. Ich mag es, wenn die Sicht klar ist und ich genau sehe, was in den nächsten Metern auf mich zukommt.
Und nicht nur im Wasser oder im Strassenverkehr, sondern auch in andern Situationen des Lebens schätze ich Klarheit. Es ist einfacher, heraus zu finden, wie vorzugehen ist, wenn man eine Situation möglichst genau kennt. Und es ist einfacher, sich mit etwas abzufinden, wenn man ganz genau weiss, was es ist. Alles, was konfus, schwammig und unklar ist, das ist verwirrend und kann verunsichernd auf uns wirken und Angst machen. Da reagiert ja dann jeder auch wieder unterschiedlich.

Leider liegt es manchmal in der Natur der Dinge, dass die Sache für eine Weile nicht durchschaubar oder ganz genau analysierbar ist. Den Hauptgrund dafür sehe ich darin, dass wir und alles um uns herum ständig in Bewegung ist. Dinge benötigen ihre Zeit und zwar beim Geschehen, sowie danach beim wieder beruhigen oder lösen.
So kann man zum Beispiel das Ausmass einer Katastrophe erst evaluieren, wenn der Sturm, die Überschwemmung oder der Brand vorbei ist. Oder auch bei einem Attentat, einem Überfall oder Unfall. Es passiert und erst am Ende sieht man den Schaden ganz genau. Genauso verhält es sich in einer persönlichen Krise. Wenn jemand zB an irgendetwas erkrankt, weiss man nicht gleich sofort, was genau los ist. Es braucht unter Umständen mehrere Untersuchungen. Und Zeit.
Das ist auch in jeder anderen Krise so, egal wie gross sie ist oder wieviele Menschen beteiligt sind oder was für ein Ausmass sie einnimmt. Ein Geschehnis nimmt sich seine Zeit. Manche bauen sich langsam auf, werden schlimmer, andere passieren ganz plötzlich, wie eine Explosion – was aber nicht heisst, dass sie tatsächlich unerwartet passiert sind, sondern vielleicht nur für uns unerwartet.

Von unseren Medien werden wir gerne laufend informiert. Das sind Momentaufnahmen, Zwischenberichte, aber bis ganz am Ende oder noch weit darüber hinaus nie objektive, klare Nachrichten. Ich finde diese Art von Journalismus fragwürdig, mein Ding ist es nicht. Journalismus ist für mich etwas anderes. Damals als ich als Typografin bei einer kleinen Zeitung gearbeitet habe… Aber wen interessiert das schon? Lange her… Alles unterliegt dem Wandel der Zeit, alles entwickelt sich in irgendeine Richtung. Und alles hat seine positiven sowie seine negativen Seiten. Seine Berechtigung.
Deswegen liegt es mir fern, hier irgendwas zu verurteilen, denn offensichtlich liefert diese Art von Journalismus durchaus das, was wir wollen. Es wird ja schliesslich ausgiebig konsumiert.
Dennoch ist es dann eigentlich immer für eine ganze Weile die Verbreitung von Unklarheiten, von Eventualitäten, Mutmassungen und Vermutungen und nicht selten auch von Unwahrheiten, weil alles andere ganz einfach viel mehr Zeit benötigen würde. Zeit, die wir offensichtlich nicht mehr haben oder zu haben gewillt sind.
Einfach mal abwarten und dann informieren…
Als ich ein Kind war, haben meine Eltern jeden Tag nach dem Mittag um 12.30 Uhr das Radio eingeschaltet, um die Nachrichten zu hören. Und abends um 19.30 Uhr lief im Fernsehen die Tagesschau. Dazu hatten sie eine Tageszeitung abonniert. Manchmal wünsche ich mir diese Zeit zurück. Nicht mehr den ganzen Tag berieselt werden von News…

Wenn ich nun wieder zur Klarheit zurück komme, muss ich sagen, dass ich diesmal ja nicht wirklich vom Thema abgekommen bin. Nur ein bisschen ausgeholt. Meiner Meinung nach ist Information etwas sehr wichtiges und um Verwirrung zu verhindern, wäre es von Vorteil, wenn diese von einer verlässlichen Quelle käme und alle dann dasselbe hören würden.
In der heutigen Zeit ist dies nicht der Fall. Wir hören und lesen viel und längst nicht alles ist wahr oder von Experten, die auch tatsächlich welche sind. Das sind die Tücken des Internet bzw. das ist eine der Tücken des Internet. Jeder kann sehr einfach irgendwas verbreiten und zwar unter Umständen mit einer sehr grossen Reichweite. Dafür muss er kein Experte sein oder wissen, wovon er redet. Wenn es dann im Internet ist, bei Facebook, Youtube oder Twitter, glauben es die Leute und verbreiten es weiter.
Und das stiftet Verwirrung und nicht selten auch Unmut.

Dazu habe ich eine wirklich süsse kleine Geschichte.
Als der Sohn meiner Freundin noch ganz klein war, war er ein totaler Fan von Spongebob. Welches Kind schon nicht? Jedenfalls hat mein Ex-Mann damals ein Foto, auf dem ich mit ihm Arm in Arm war, leicht abgeändert für dieses Kind. Auf dem Foto waren danach Spongobob und ich Arm in Arm zu sehen. Der kleine Junge war B.E.G.E.I.S.T.E.R.T. und absolut geflasht, dass ICH Spongebob Schwammkopf sooo gut kenne.
Es war dann danach auch tatsächlich gar nicht so einfach, ihm zu erklären, dass das eine Fotomontage war usw., denn er wollte das dann gar nicht glauben. Er hat das geglaubt, was er auf Papier gedruckt gesehen hat.
Schwarz auf weiss oder in Farbe. Was man sieht, das glaubt man. Das ist wahr. Und das was man sogar noch in einem Video sieht und hört, erst recht. Ich denke, das passiert auch heute immer noch oft, obwohl man ja eigentlich weiss, dass dem nicht immer so ist.


Um Klarheit zu vermitteln, braucht es neben einer seriösen Berichterstattung auch Einheit und Transparenz vom Vermittler dieser Nachricht. Eine klare Botschaft.
Wenn dies mehrere Personen sind, die sich eventuell nicht einig sind, wird das unter Umständen schwierig. Entweder entscheidet die Mehrheit oder ein Kompromiss wird gefunden. Was dann auch immer entschieden wird, muss oder müsste dann von allen mitgetragen werden. Als Einheit. Es wird gegen aussen nicht unbedingt kommuniziert, wer welche Meinung hatte oder wer mit was nicht einverstanden war, denn damit würde man dem eigenen Team in den Rücken fallen, den Entscheid schwächen und beim Zuhörer Unsicherheit auslösen. Und zur Unsicherheit können sich bekanntlicherweise noch allerlei andere Gefühle gesellen, wie zB die Angst, belogen zu werden. Vertrauen geht verloren.

Ich denke bei meinen Ausführungen zB an den Bundesrat, der momentan in dieser Situation ist. Es ist gerade in einer Krisensituation unglaublich wichtig, dass alle am gleichen Strick ziehen. Dass alle teamfähig und loyal sind. Zusammenhalt. Ansonsten schadet es der erwünschten Klarheit, was meiner Meinung nach momentan genau passiert.
Natürlich kommen noch andere Faktoren dazu. Zum Beispiel die, dass wir gerade in einer Situation stecken, die sich noch am entwickeln und verändern ist. Und trotzdem muss irgendwie laufend gehandelt werden. Das ist eine grosse Herausforderung.

Ich glaube sowieso, die absolute Klarheit ist etwas, was vermutlich überhaupt nicht erreicht werden kann. Das hat einen grossen Zusammenhang mit Wahrnehmung und auch mit unseren kognitiven Fähigkeiten, die ja bekanntlich von Mensch zu Mensch verschieden sind. So kann es recht unterschiedlich sein, wer was wahrnimmt und wer was wie versteht.

Und doch kann man davon ausgehen, dass die grosse Mehrheit der Menschen einigermassen dasselbe hören, sehen und schlussendlich verstehen wird. Hoffentlich.

Nur so ein paar Gedanken

Warum sind eigentlich all die Tausende Menschen, die sich so gut auskennen mit Viren und Krankheiten, nicht Ärzte oder Virologen geworden?

Warum nehmen eigentlich Angehörige, die finden, dass alte Menschen in Pflegeheimen furchtbar behandelt werden, weil zu ihrem Schutz momentan leider auf Besuche und allerlei andere Dinge verzichtet wird und weil sie ja alle zum Impfen gezwungen werden, ihre betagten Angehörigen nicht einfach nach Hause und machen es dort viel, viel besser?

Warum finden einige die vom Bund angeordneten Massnahmen unnötig? Ist es, weil es tatsächlich so ist? Ist es, weil sie genau wissen, welche andern Massnahmen mehr Nutzen bringen würden? Oder ist es, weil es unglücklicherweise SIE trifft und ihnen das natürlich nicht gefällt? Und wenn ja, macht das die Massnahmen tatsächlich sinnlos?

Warum sind eigentlich Weihnachtsbäume immer männlich? Nächstes Jahr werde ich mir jedenfalls eine schöne Tannenbäumin ins Wohnzimmer stellen. Es soll ja immer fair sein.

Warum stellen sich Corona-Skeptiker nachdem sie selbst ernsthaft erkrankt sind, in die Medien? Zeigt das nicht erst recht, dass es erst ernst genommen wird, wenn es sie selbst betrifft?

Wie findet es wohl der Mond so, dass wir allerlei Leute immer gerne zu ihm rauf schiessen würden?

Warum gibt es eigentlich solche Packungen, die wir an den Füssen anwenden und dann nach ein paar Tagen schält sich all die unnötige Haut ab, nicht für Sorgen?

Warum melden sich Socken eigentlich nicht bei Parship an?

Wofür gibt es eigentlich Umfragen, wo Menschen befragt werden, die die thematisierte Situation gar nicht beurteilen können wie zB wie wirksam und sinnvoll die Corona-Massnahmen sind?

Warum haben Menschen Angst vor einer neuen Impfung, essen aber Fleisch aus irgendwo, das voller Antibiotika ist? Und wissen die ganz genau, was in andern Medikamenten ist, die sie zu sich nehmen, zB der Antibaby-Pille, Hustensaft, Blutdrucktabletten usw und hinterfragen dies genau so?

Warum geht eigentlich ein Teil der Menschheit zuerst ins Misstrauen statt ins Vertrauen?

Warum fühlen sich so viele durch Regeln eingeschränkt statt geschützt?

Warum sprechen wir so oft von offenen Ohren und meinen eigentlich offene Herzen?

Warum sind eigentlich Gedanken nachts viel lauter als tagsüber? Und warum sind negative so laut und positive so leise?

Warum begreifen wir so vieles nicht und vor allem nicht, dass wir nichts begreifen?

Warum beginnen Diäten eigentlich immer morgen?

Warum meinen wir so oft, es liege an andern oder anderem, ob wir glücklich oder unglücklich sind und merken nicht, dass es vor allem an uns liegt?

Warum gibt es Menschen, die nicht an Schicksal glauben und denken, es sei Zufall, obwohl das Wort ja schon sagt, dass es einem zufällt?

Warum denken wir, Trauer sei etwas schlechtes, wo es doch einfach Liebe ist, die nirgendwo mehr hin kann?

Warum gibt es so viele Menschen, die sich besser fühlen, wenn sie andere runter machen können? Und warum lehren diese Eltern dieses Verhalten auch ihre Kinder?

Warum streiten und kämpfen Menschen eigentlich, um Frieden zu erreichen?

Was ist mit dem Schicksal los? Warum schlägt das immer zu und streichelt nie?

Ist uns eigentlich bewusst, dass wir bei jedem Weg, den wir einschlagen, eigentlich auch Möglichkeiten ausschlagen?

Warum denkt man, wenn man wartet oder zögert mit einer Entscheidung, das sei keine?

Warum steht die Zuneigung eigentlich immer im Schatten der Liebe, obwohl sie so oft viel beständiger und ausdauernder als sie ist?

Warum üben wir uns so oft im Vergessen statt im Erinnern?

Ist eigentlich ein Penis manchmal auch ein Krisenstab?

Warum wird Schnee eigentlich sofort unangenehm, wenn er am Boden angekommen ist?

Warum lesen eigentlich viele Menschen zwischen den Zeilen Dinge, die da gar nicht stehen?

Warum finden einige, dass man keine lebensverlängernden Massnahmen machen sollte zB bei Covid19, finden aber Herzschrittmacher, Bluttransfusionen, Krebstherapien und all das okay?

Warum denken einige Menschen, in einer Krise gäbe es eine Abkürzung oder einen Notausgang, weil es ihnen nicht gefällt?

Warum heisst es, im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, wo das doch gar nicht stimmt?

Wie geht eigentlich das neue Jahr damit um, dass wir all unsere Hoffungen in es stecken?

Wie oft denkt wohl ein Hund „good boy“ oder „good girl“, wenn er ein Hunde-Guetzli vom Herrchen oder Frauchen bekommt?

Warum leben wir Menschen auf so engem Raum so nah zusammen, wo doch in allen Berührungspunkten immer wieder Schwierigkeiten auftauchen?

Warum definiert sich Zusammehalt so oft besonders stark, wenn man einen gemeinsamen Gegner hat?

Warum möchten wir kriminelle Ausländer abschieben, die kriminellen SchweizerInnen aber aus dem Ausland nicht zurück haben?

Warum gibt es Menschen, die Ananas mögen?

Warum betrachten wir unser Umfeld eigentlich nicht lieber wohlwollend und liebevoll, wo das doch für alle viel schöner wäre?











Ciao 2020. Auf Nimmerwiedersehen.


Langsam wird es Zeit, das Jahr 2020 zu verabschieden und ich glaube ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass wohl die allermeisten Menschen dieser Welt unglaublich froh sind, dass dieses Jahr nun ENDLICH vorbei ist…

Aber was ist eigentlich dieses Jahr so passiert?
Eigentlich hatte ich vor, nun einen etwas anderen Jahresrückblick zu machen. Einen ganz ohne Corona und einen mit ausschliesslich schönen, positiven Ereignissen. Aber, das ist ganz schön schwierig. Ich bin schon beim Januar gescheitert…. Wald- und Buschbrände in Australien, in denen weissnichtwieviele Tiere ihr Leben oder ihren Lebensraum verloren haben, erste Meldungen über Corona in China, in Krefeld D ist das Affenhaus des örtlichen Zoos abgebrannt und mit ihm auch viele Tiere… Etwas Positives habe ich nicht gefunden.

Aber man hat ja Hoffnung, schauen wir mal im Februar…
Und siehe da! Bei uns in der Schweiz wurde die Diskriminierung gegen Homosexuelle und Rassismus gesetzlich verboten. Wenn das keine Schlagzeile wert ist!
Der erste Covid-Fall in der Schweiz. In Norditalien spitzt sich die Lage zu, mehrere Orte werden abgeriegelt. WC-Papier wird knapp. In Hanau D erschiesst ein Rechtsextremer mehrere Menschen.

Der März ist Corona-durchzogen. Lockdowns, Grenzen werden geschlossen, Einreise-Verbote ausgesprochen… Die Welt dreht sich vor allem um das eine.

April: dasselbe. „Abgesagt wegen Corona“-Plakate hängen überall. Wir hoffen auf den Sommer oder auf den Herbst, wissen noch nicht, dass da alles noch viel länger dauern wird.

Mai: Corona. Ende des Lockdowns.

Im Juni werden die Grenzen zu unsern Nachbarländern werden wieder geöffnet. Ich weiss jetzt auch nicht, ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht ist. Vermutlich eine gute, da es bedeutet, dass die Situation sich verbessert hat.
Ich habe Geburtstag. 🙂
Überschwemmungen… #blacklivesmatter…

Juli
Nichts anderes.
Die meisten verbringen die Sommerferien zuhause oder in ihren Ländern und entdecken, wie schön das auch sein kann.

August
Nichts anderes.

September
Nichts anderes.

Oktober
Nichts anderes.

November
Nichts anderes. Viele Kranke, viele Tote. Nicht mal die Abstimmungen kommen so heraus wie ich es mir gewünscht habe. Kann das Jahr schon weg?

Nein, jetzt kommt noch der Dezember und die Hoffnung stirbt zuletzt… Zuviele Kranke, zuviele Tote. Ein Corona-Impfstoff wird zugelassen und es werden bereits erste Menschen geimpft. Für einige wird das eine positive Nachricht sein, für andere nicht.

Hmmmm…..

2020…. das langweiligste Jahr ever? Corona hat sehr vieles verhindert und verunmöglicht, das ist einfach so. Ich persönliche finde dies schade, aber leider halt auch vernünftig. Natürlich gibt es da, wie überall, ganz verschiedene Sichtweisen und irgendwie sieht wohl jeder die Situation aus der eigenen Perspektive, aus der eigenen Situation heraus.
Obwohl ja sozusagen nichts los war dieses Jahr…. kulturell, sportlich, Urlaub, Freizeit, Konsum… war es irgendwie doch alles andere als langweilig, finde ich. Dieses allgegenwärtige Thema, ohne das dieses Jahr nichts ging, hat viel Energie verbraucht. Es war nicht nur das Thema, sondern die Auseinandersetzung damit. Es war wichtig, einen Umgang damit zu finden. Mit den hunderttausend Medienmitteilungen, Eventualitäten, Thesen und Theorien und Fakten. Es war und ist schwierig als Laie, all diese Dinge voneinander zu unterscheiden. Es war und ist schwierig, all diese Verschwörungstheorien zu lesen und zu hören, einige davon sehr, sehr strange und zu wissen, dass es Menschen gibt, die das glauben. Das hat nun nichts mit hinterfragen zu tun, ich spreche von QAnon und solchen Dingen.

Ich bin eigentlich dieses Jahr wenig zur Ruhe gekommen, obwohl gefühlt wenig los war. Ich empfand das Jahr als sehr anstrengend, zB bei der Arbeit, aber auch privat, vor allem während der Lockdown-Zeit. Ich glaube, ich habe mich von diesem Homeschooling-und-Arbeit-zur-gleichen-Zeit-und-der-Tag-hat-viel-zu-wenig-Stunden-Wahnsinn bis heute nicht richtig erholt. Mich hat selten ein Jahr so müde gemacht wie dieses.

Natürlich erleben wir positive Dinge vor allem in der Freizeit. Sie passieren in sportlichen Ereignissen, in kulturellen usw. Ich bin jetzt nicht überrascht, dass ich nichts finde, denn es gab nichts. Und die, die es vielleicht doch gab, die gingen unter, da wir auf ein Thema fokussiert waren und sind. Wurde überhaupt über etwas anderes berichtet oder habe nur ich das alles verpasst?

Macht nichts. Ich finde schon noch etwas. Ich finde ja, dass aus Katastrophen auch sehr oft etwas Schönes entsteht. Nicht immer. Und es bedeutet nicht, dass die Katastrophen selbst damit zu etwas Gutem werden. Aber wozu Menschen dadurch bewegt werden, das ist schon schön.
Ich habe zB die Buschbrände in Australien sehr schlimm empfunden. Die Vorstellung davon, wie gross diese waren, das hat mein Vorstellungsvermögen total überschritten und ich weiss, das das nun ein Scheiss-Satz ist, aber mir kommt kein anderes Wort für „Vorstellung“ in den Sinn und deswegen habe ich es jetzt sogar zum dritten Mal in einem einzigen Satz geschrieben… Aber egal. Habt ihr auch Videos gesehen von Rettungsaktionen? Wie Menschen Kängurus, Wombats und Koalas aus wirklich gefährlichen Situationen gerettet und sie verarztet und aufgepäppelt haben? Wie viel Geld gespendet wurde?

Oder die #metoo- oder #blacklivesmatter-Bewegungen. Traurige und unfassbare Ereignisse und Auslöser, ohne Zweifel. Sinnlose Dinge. Dinge, die nie hätten passieren dürfen. Und dann haben plötzlich Frauen (und auch Männer) angefangen, von ihren Übergriffen zu erzählen. Dinge, die sie vielleicht noch niemandem erzählt haben. Dinge, die Tabu gewesen sind. Dinge, von denen man wusste, dass sie passieren, aber nicht, in welchem Ausmass, in welcher Häufigkeit. Dinge, die aufhören müssen. Ähnliches geschah betr. Rassismus. Schreckliche, unsinnige Geschehnisse, Auslöser. Seit Jahren, Jahrzehnten. Wir Weissen fanden es nie erwähnenswert. Wir fanden es nie wichtig. Wir fanden, dass ein Mensch mit brauner Hautfarbe sich nicht durch Ausdrücke wie „Mohrenkopf“ diskriminiert zu fühlen hat. Die schlimmen Ereignisse in den USA haben dort und auch bei uns ein paar Diskussionen, eine grosse Solidarität und das Verlangen nach Veränderung, nach Verbesserung ausgelöst. Das finde ich gut. Endlich.

Ich finde aber ja sowieso, dass die richtig guten Dinge im Kleinen stattfinden. Und da kann sich jeder selbst einen Jahresrückblick der ganz persönlichen Highlights zusammenstellen. Das ist in einem Jahr wie diesem wichtiger denn je.

Ich möchte euch nicht mit meinem langweilen und um ehrlich (und wohl etwas zu direkt) zu sein, das geht euch sowieso einen feuchten an… Aber aus meiner ganz persönlichen Sicht war 2020 – abgesehen von Corona – ein wunderbares Jahr. Dem Kind und mir wurde von ein paar Menschen immer wieder ganz viel Glitzer und Sternenstaub auf unseren Weg gestreut und ich könnte nicht dankbarer dafür sein.

Ich hoffe, auch ihr erinnert euch an viele schöne Momente, Begegnungen (auch wenn diese dieses Jahr nicht immer persönlich stattfinden konnten, sondern per Telefon oder online) und Ereignisse und könnt daraus Kraft und Hoffnung schöpfen.
Damit wünsche ich euch einen guten Jahresabschluss, physische und psychische Gesundheit und dass ihr den Blick für das Schöne nie verliert, sei es auch noch so verborgen.

Ich weiss, dass ganz viele hier regelmässig, wenn nicht sogar jeden Text lesen. Ich freue mich, wenn ihr euch interessiert, auch wenn ich vielleicht nicht immer gleicher Meinung bin wie ihr. Mir ist immer bewusst, dass es verschiedene gibt und ich finde das auch immer gut so. Ich kann halt aber immer nur aus meiner eigenen Perspektive schreiben, alles andere würde ja den Rahmen sprengen.
Danke fürs Lesen und fürs Interesse, es bedeutet mir wirklich viel.

Ciao 2020.
Auf Nimmerwiedersehen.







Zwischen den Jahren

Bald ist Weihnachten.
Und eine Woche später ist Silvester und Neujahr, also der Jahreswechsel.
Diese Zeit nennt man auch „zwischen den Jahren“. Bei uns in der Schweiz bzw. in der Gegend in der ich wohne, kennt man diesen Ausdruck zwar weniger, aber man hört in hin und wieder, zB im Fernsehen. Ich denke, in Deutschland wird diese Woche zwischen Weihnachten und Neujahr so genannt. Ich fand das immer schon ein bisschen komisch, habe mir aber nie Gedanken über die Herkunft oder den Grund für diese Bezeichnung gemacht.
Nun bin ich vor einiger Zeit mit den Rauhnächten in Kontakt gekommen und befasse mich dieses Jahr näher damit und ich habe das Gefühl, „zwischen den Jahren“ passt ganz gut mit den Rauhnächten zusammen bzw. ich denke, diese beiden Dinge könnten den selben Ursprung haben.

Es wird vermutet, dass die Rauhnächte ihren Ursprung im germanischen Mondkalender haben, in dem ein Jahr aus zwölf Mondmonaten und 354 Tagen bestand. Die zum heutigen Sonnenkalender fehlenden elf Tage und zwölf Nächte wurden als Tage ausserhalb der Zeit angesehen. Also ausserhalb der Jahre bzw zwischen den beiden Jahren. Dies ist nun aber nur meine Interpretation, ob das so ist, weiss ich nicht. Wir sprechen hier von der Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Mancherorts beginnen die Rauhnächte früher, wobei dann gewisse Tage dazwischen nicht dazu gezählt werden, damit man wieder auf die zwölf Nächte kommt.
Die zwölf Nächte stehen symbolisch für die zwölf Monate des neuen Jahres, also die erste Nacht für den Januar, die zweite für den Februar, die dritte für den März usw. Sie sagen jeweils die Ereignisse des entsprechenden Monats voraus, aus diesem Grund werden sie auch Losnächte (losen = voraussagen) genannt.

Der Begriff Rauhnächte kommt ursprünglich von rauh (wild), von Rauch und Räuchern (Rauchnächte) und von „ruch“, was aus dem mittelhochdeutschen kommt und haarig, pelzig bedeutet. Mit letzterem ist das Aussehen der Dämonen gemeint, die zu dieser Zeit ihr Unwesen treiben.

Laut altem Brauchtum wird geglaubt, dass in den Rauhnächten, den nicht-existenten Nächten, den Nächten zwischen den Jahren, die Gesetze der Natur ausser Kraft gesetzt sind und die Tore zur anderen Welt besonders weit offen stehen. Das ist also eine sehr mystische Zeit, in der die Geister unserer Ahnen und nicht nur die, in unsere Welt kommen.
In meiner Gegend gibt es die alte Sage von der „Sträggele“, einem hässlichen, alten, hexenartigen Wesen, das früher vor allem unartige Kinder mitgenommen hat und von denen man nie mehr etwas gesehen oder gehört hat danach. Ich kann mich daran erinnern, dass meine Grossmutter und auch meine Eltern manchmal solche Geschichten erzählt haben und auch die der „Sträggele“. Früher wurden ja sowieso viel mehr solche Geschichten erzählt und als Zuhörer wusste man nie so recht, was davon wahr war und was nicht. Von Geistern und Menschen, die ihren Tod verkünden (wenn zB genau zum Todeszeitpunkt des Grossonkels in der Küche seiner Tochter ein Bild zu Boden fiel oder die Wanduhr stehen blieb) oder von Toten, die herumgeisterten. Als Kind fanden wir diese Geschichten unheimlich, schaurig und auch sehr spannend. Ich habe es geliebt, sie zu hören und ich bin davon überzeugt, dass das nicht nur Geschichten waren.

Das mit der Sage der „Sträggele“ kam mir jetzt während des Schreibens in den Sinn und ich habe mich gefragt, ob diese eventuell einen Zusammenhang mit den Rauhnächten und deren unheimlichen Gestalten haben könnte. Ich musste ziemlich lange suchen, bis ich etwas genaues fand. In den meisten Berichten und Geschichten heisst es „in gewissen Nächten“ oder „in der Sträggelenacht“, aber siehe da, die Sträggelenacht ist drei Nächte vor Weihnachten, also in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, was also je nach Handhabung ganz genau in die Rauhnächte passt.

Um finstere Wesen fern zu halten und um sich zu schützen, wurde früher unter anderen Haus und Hof mit Weihrauch oder Heilkräutern geräuchert (Rauchnächte). Geräuchert wurde vor allem in den vier wichtigsten Rauhnächten: in der Thomas-Nacht vom 21. Dezember, Heiligabend, Silvester und in der Dreikönigs-Nacht und vor allem mit Beifuss, Wacholder, Johanniskraut und Salbei.

Man vermied in dieser Zeit das Wäsche waschen, denn man befürchtete, dass sich in der aufgehängten Wäsche böse Seelen verheddern könnten.
Es war nicht unüblich, vor den Stall- und Haustüren zu urinieren und Heilkräuter aufzuhängen, um bösen Geistern dein Einlass zu verwehren.
Die Menschen sorgten im und ums Haus herum vor den Rauhnächten für Ordnung, denn es hiess, dass Unordnung das Böse magisch anzieht. Dass vorher alles in Ordnung gebracht wurde bedeutete aber auch, dass man sich während den Rauhnächten nicht darum kümmern musste und man die Zeit bewusst für sich selbst nutzen konnte.
Es war weit verbreitet, Opfergaben für Naturgeister und Götter auf die Fensterbank zu legen, zB Nüsse, Äpfel und Gebäck.

In den Rauhnächten standen alle Räder still, so zB die Spinnräder oder das Mühlerad. Alle Räder wurden in dieser Zeit abgestellt, weil sich in dieser Zeit das Schicksalsrad drehte.
Kinder, die an einem Samstag oder Sonntag während der Rauhnächte geboren wurden, sagte man magische Fähigkeiten zu, zB Hellsichtigkeit oder das Verbreiten von besonderem Glück.
In den Rauhnächten war es verboten, mit Karten oder um Geld zu spielen und es existieren viele grausige Geschichten von Menschen, die dieses Spielverbot missachtet und daraufhin ganz furchtbare Begegnungen mit Geisterwesen hatten.
Wer in diesen zwölf Nächten die Türe zuknallt, wird im neuen Jahr mit Blitz und Unfrieden zu rechnen haben.
Haare und Nägel schneiden in dieser Zeit bringt ebenfalls Unglück und Krankheit über den Menschen.
Geliehenes soll vor den Rauhnächten wieder an ihrem Ort sein, ansonsten muss man im neuen Jahr mit Krankheit und Energieverlust rechnen.
Fehlende Knöpfe deuten auf einen kommenden Geldverlust hin, falls sie nicht vor der ersten Rauhnacht ersetzt werden.
Stirbt jemand in den Rauhnächten, wird es im folgenden Jahr weitere Todesfälle im engeren Umkreis geben.
Bellt ein Hund um Mitternacht, so wird jemand sterben.
Wenn Dinge in dieser Zeit hinunter fallen, bringt dies grosses Pech im neuen Jahr. Man kann dieses jedoch abwenden, indem man am 28.12. und am 5.1. besondere Speisen und Milch vor die Türe stellt, um die Naturgestalten friedlich zu stimmen.

Die Träume, die man in dieser Zeit hat, gehen in Erfüllung, sofern sie vor Mitternacht geträumt werden. Sie erfüllen sich in der ersten Monatshälfte des jeweiligen Monats. (1. Nacht = Januar, 2. Nacht = Februar, 3. Nacht = März usw).
Genau so vehält es sich mit Wünschen, die man sich im voraus aufschreiben und pro Nacht dann je einen verbrennen kann. Auch heute noch sind diese ganz besonderen Wunsch-Rituale in den Rauhnächten weit verbreitet.

Früher wurden Besen gerne in den Rauhnächten gebunden, denn mit ihnen wurden besonders wirksam Krankheitsdämonen und böse Geister aus dem Haus gefegt.
Und da sehe ich wieder einen Zusammenhang mit der oben erwähnten „Sträggele“ und andern ähnlichen Wesen. Bei uns sieht man diese oft an Fasnachts-Umzügen und ich glaube, ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass diese wirklich immer eine Art Besen mit sich tragen, zB in Form von Tannästen und halben Bäumen.

Auch dem Wetter während der Rauhnächte und -tage kam eine besondere Bedeutung zu. Viel Wind kündigte ein unruhiges Jahr an. Viel Nebel stand für alte Dinge, die man bereinigen sollte und ein nasses Jahr war zu erwarten. Helles und klares Wetter bedeutete warme und gute Zeiten.

Es geht in den Rauhnächten ganz fest ums neue Jahr und darum, Böses abzuwenden, sich zu schützen und aber auch darum, Gutes anzuziehen.

Diese Bräuche wurden bis etwa vor hundert Jahren in verschiedenen Gegenden unterschiedlich durchgeführt. Ich würde gerne meine Grossmutter dazu befragen, denn ich bin mir ganz sicher, dass sie den einen oder andern Brauch kannte oder gar anwendete. Das würde mich sehr interessieren. Leider lebt sie nicht mehr.

Ich glaube, die Rauhnächte sind auch heute noch ganz genau dieselbe sensible und mystische Zeit wie vor hundert oder zweihundert Jahren, nur haben wir in unserer hektischen und lauten Welt aufgehört, solche Dinge wahrzunehmen und dementsprechend auch aufgehört, daran zu glauben, denn was wir nicht sehen, das existiert nicht…

Ich werde dieses Jahr an einem Rauhnächte-Online-Kurs teilnehmen, um mehr darüber zu erfahren und mir jeden Tag ein paar Minuten ganz bewusst Zeit für mich und meine Wünsche zu nehmen. Ich freue mich sehr darauf und bin gespannt…
Mögen sie in Erfüllung gehen, so wie eure auch.



Versprechen hält man. Oder nicht.

Ein Versprechen ist etwas sehr ehrenhaftes, finde ich. Es ist eine verbindliche Erklärung, eine Zusicherung, etwas Bestimmtes zu tun. Oder nicht zu tun. Auf ein Versprechen kann man sich 100% verlassen, das wird eingehalten.
Also…. sollte eingehalten werden… ähmmm…. wird vielleicht eingehalten. Wenn es geht. Wenn nichts dazwischen kommt. Ja…. vielleicht….

Eigentlich finde ich Versprechen etwas ganz Blödes. Wie oft werden sie leichtsinnig ausgesprochen, ohne dass man ihrer Bedeutung, ihrer Konsequenzen bewusst ist. Dann, wenn es uns richtig super-gut geht, wenn wir nicht glücklicher sein könnten und meinen, hoffen, glauben, es sei für immer. Dann, wenn es uns richtig schlecht geht und alles tun würden, damit es wieder besser wird. Oder dann, wenn wir uns aus irgendwelchen Gründen unter Druck fühlen, etwas versprechen zu müssen.

Ein paar Beispiele?
Ich persönlich finde das Versprechen, das man sich beim Heiraten gibt, etwas ganz besonderes bzw. fand.
Aber die Dinge ändern sich. Menschen ändern sich. Und dann ist vielleicht das „für immer“ schon vor der Ewigkeit zu Ende und das „bis dass der Tod euch scheidet“ ist dann, wenn der eine sich in jemand anderes verliebt oder halt dann, wenn die Lebensumstände einen scheidet. Das kann passieren.
Heute hat man die Möglichkeit, eine unglückliche Beziehung zu beenden und das finde ich richtig so. Dieses „für immer“ wünscht man sich am Anfang einer Ehe, einer Liebe ja sehr, aber vielleicht sollte man es sich nicht mehr versprechen oder das Versprechen abwandeln. Viel schöner fände ich persönlich es, wenn man sich versprechen würde, zusammen Lösungen zu suchen, sollten Schwierigkeiten auftauchen. Oder dass man sich bemühen wird um einander, dass man nicht kampflos aufgeben wird, dass man die Beziehung nicht zu Tode schweigen wird, sondern die Kommunikation am Leben hält, auch wenn es manchmal schwer ist. Dass man es nicht zulassen wird, dass die Ehefrau oder der Ehemann einem langweilig wird, anödet und sich nach etwas Neuem umschaut, bevor man sich bemüht hat. Dass man nicht fremd geht und das ganze Umfeld davon weiss, der Ehepartner zuhause aber als einziger nicht. Einfach, dass man fair und wertschätzend bleibt, in der Beziehung und falls das eintreffen sollte, auch am Ende dieser.
„Für immer und ewig, bis dass der Tod euch scheidet“, das wäre zwar schön romantisch, aber ich finde, dass soll niemand versprechen müssen.

Meine Tante und ihr Mann, das war ein wunderbares Paar. Ich schreibe war, weil er vor ein paar Tagen verstorben ist.
Ich habe vor einem Monat bereits von den beiden geschrieben, im Text „Und nebenbei läuft das Leben weiter“. Irgendwie klappt es mit verlinken nicht, aber ihr findet ihn bestimmt, wenn ihr wollt.

Ich weiss nicht, wieviele Jahre sie verheiratet waren, aber es müssten wohl so um die 50 sein.
Das Umfeld wusste natürlich von seiner Demenz und es wurde ihnen reichlich Hilfe und Entlastung angeboten. Aber es ist ja oft so, dass man nur einen Teil einer Situation sieht. Einen kleinen Teil. Erst, als mein Onkel gestürzt und sich den Oberarm gebrochen hat und deswegen nach dem Krankenhaus in einem Pflegeheim untergebracht wurde, begann meine Tante zu erzählen. Sie konnte vorher ja nicht, denn er war natürlich immer mit in der Wohnung und sie wollte ihn nicht verletzen, indem sie über ihn erzählt. Also schwieg sie immer. Jetzt wurde klar, wie weit fortgeschritten die Demenz meines Onkels war und wieviel meine Tante in ihrem hohen Alter geleistet hatte. Wirklich weit über ihre Grenzen hinaus.

Meine Tante ist eine vernünftige, tolle Frau. Eine starke! Sie wusste seit langem, dass es so nicht mehr weiter geht und dass sie die Betreuung ihres Mannes eigentlich schon lange nicht mehr übernehmen kann. Aber seinen Mann nach so vielen Jahrzehnten in eine Pflege-Einrichtung zu geben, sozusagen gegen seinen Willen, das ist wirklich eine schwere Entscheidung. Dann kommt ja noch dazu, dass er die ganze Misere ja auch gar nicht mehr so richtig realisiert hat. Er hatte noch klare Momente, in denen er sich bei ihr bedankt hat dafür, was sie alles tut. Und er hat sie immer wieder gebeten und angefleht, zuhause bei ihr bleiben zu dürfe.
Die beiden haben einander versprochen, für einander zu sorgen, falls es einem von beiden eines Tages nicht mehr gut ginge.
Wer bringt es dann übers Herz, auf seine eigenen Grenzen und auf die Vernunft zu achten und schlussendlich auch gegen sein eigenes Herz zu entscheiden? Ein solch grosses Versprechen nicht einhalten zu können? Das stelle ich mir furchtbar vor…

Ich finde das sehr, sehr rührend und auch schön. Aber bitte, verspricht einander nicht so etwas, denn das kann unter Umständen nicht eingehalten werden und ich bin der Meinung, es sollte auch gar nicht eingehalten werden. Auf einander aufpassen und sich kümmern, das bedeutet für mich nicht, dass man sich aufopfern und selbst kaputt machen soll oder muss. Ich finde, das bedeutet, dass man Verantwortung übernimmt und nach möglichst guten Lösungen sucht.

Das ist keine Kritik an meiner Tante oder an andern, die solch grosse Versprechen machen und sich dann damit schwer tun, wenn es einfach nicht mehr möglich ist, diese einzuhalten, denn ich verstehe das ziemlich gut. Ich glaube auch, dass diese Versprechen zum Teil (es gibt ja auch die andern, die einfach so dahingeplappert und nicht ernst gemeint sind) wirklich sehr ernst gemeint sind und ihre „Absender“ ehren, weil eine total liebe Absicht und Verantwortungsbewusstsein dahinter stecken.

So etwas ähnliches habe ich selber auch mal erlebt. Als meine Mutter im Sterben lag, war der Motorrad-Unfall meines Bruders gerade mal drei Jahre her und er noch mitten in der Rehabilitation. Mir hatte mal jemand gesagt, dass sich Menschen mit Sterben manchmal sehr schwer tun, wenn sie nicht loslassen können, weil sie hier noch Dinge haben, für die sie sich verantwortlich fühlen. Ich wollte es meiner Mutter nicht noch schwerer machen, wollte sie entlasten und ich habe ihr in einem Moment, in dem wir allein waren gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen soll, denn Papa und ich werden uns um meinen Bruder kümmern. Wenige Minuten später ist sie gestorben.

Ich musste für ein paar Jahre dieses Versprechen nicht gross einlösen, denn mein Vater tat das, nur schon durch die Tatsache, dass mein Bruder noch zuhause wohnte.
Als mein Vater dann neun Jahre später auch gestorben ist, sah die Sache dann etwas anders aus. Als einzige Hinterbliebene hatte ich natürlich die Verantwortung für alles. Auch für meinen Bruder. Einige wirklich schwierige Entscheidungen mussten getroffen werden. Für sein Leben. Natürlich mit ihm zusammen. Leider war es aber nicht möglich, dass er sein Leben genau so leben wird, wie er es sich vorgestellt und gewünscht hat. Das war schwierig und belastete auch unsere Beziehung sehr. Seine Kopfverletzungen verunmöglich(t)en es ihm, sich und die Situation realistisch einzuschätzen.
Mich hat diese Verantwortung jahrelang sehr belastet. Als mein Vater gestorben ist, war ich seit einem halben Jahr verheiratet und eigentlich war geplant, ein Kind zu bekommen. In dieser Zeit hatte ich aber das Gefühl, dass ich nicht noch mehr Verantwortung übernehmen kann, der Kinderwunsch wurde zurück gestellt.

Trotz Widerstand meines Bruders und ziemlich vielen Auseinandersetzungen gelangt es, ihm ein Netz auf die Beine zu stellen, das einigermassen für ihn okay ist und das mich entlastet. Es gibt immer wieder Momente, in denen es schwierig ist und in denen ich etwas entscheiden muss, das ihm nicht passt. So war das vor ein paar Jahren der Fall, dass er zwei, drei Jahre sauer auf mich war und mit mir nichts mehr zu tun haben wollte.
Das war zum einen gut, denn mir ist es gelungen, mich abzugrenzen und mich nicht dauernd immer um ihn zu sorgen, was bis heute angehalten hat. Zum andern fand ich es sehr belastend, weil mir nichts anderes übrig bleibt, halt diese Rolle wenn nötig einzunehmen. Und das ist halt immer der Fall, wenn Schwierigkeiten auftauchen. In guten Zeiten brauchts das nicht.
Und dann kam natürlich dazu, dass ich unserer Mutter versprochen habe, auf meinen Bruder aufzupassen und für ihn zu sorgen. Aber ich kann dieses Verspreche nicht einhalten, denn er lässt mich nicht.
Schwierig… Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit diesem Umstand umgehen konnte. Jetzt geht das ziemlich gut, einfach mit dem Wissen, immer wenn etwas ist, werde ich natürlich automatisch beigezogen.
Für jemanden zu sorgen bedeutet, da zu sein, wenn man gebraucht wird und das bin ich. Er ist nicht bevormundet oder entmündigt, also ist das okay so wie es ist. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

Es ist ja irgendwie schräg, wenn ich hier Ratschläge gebe, einfach so ins Leere hinaus und dazu noch von euch nicht gewollt. Aber ich glaube, heute mache ich das trotzdem mal.
Ich bitte euch, mit Versprechen vorsichtig und gewissenhaft umzugehen. Vor allem mit grossen Versprechen. Nicht unter Druck oder wenn man sehr emotional ist, etwas versprechen, sowie man ja auch nicht unbedingt Entscheidungen treffen sollte, wenn man emotional zu sehr involviert ist. Einfach zuerst gut überlegen und dafür dann das Versprechen auch einhalten.

Ich verspreche euch aber, dass hier bald wieder ein neuer Text von mir kommt. Ziemlich sicher…. vielleicht…



Das Leben geniessen

Einfach ist es momentan nicht. Das grosse C ist allgegenwärtig, schwebt wie ein grosser Brocken über uns allen, wirft seinen Schatten auf die Erde, auf das Leben und auf uns. Das Virus ist das eine, die vorgeschriebenen Schutzmassnahmen das andere. Es schränkt uns ein und es beeinflusst uns in unserem Denken und Handeln. Momentan ist vieles nicht möglich. Ach, was sage ich. „Momentan“… es geht ja schon eine ganze Weile so.

Wir gehen alle gemeinsam durch eine Krise, es gibt keinen einzigen, den es nicht betrifft. Das ist etwas, was wir noch nie zuvor erlebt haben. Es ist wie ein Tunnel. Das Licht am Ende ist nicht sichtbar, keine Ahnung, wie lang der Tunnel noch ist. Wir haben im Sommer gemeint, wir wären draussen, aber wir haben uns geirrt…
Der Tunnel macht uns krank und diese Krankheit ist unsichtbar und ansteckend. Um uns gegenseitig zu schützen halten wir einen gewissen Abstand und tragen Masken vor Mund und Nase. Das ist nicht schön, aber leider notwendig, um gesund zu bleiben. Zuviele Kranke könnten wir nicht mittragen und das möchten wir verhindern.

Einige von uns fühlen sich ganz okay, geil findet’s aber grad keiner. Andere fühlen sich psychisch nicht gut oder sogar richtig schlecht. Dafür gibts ja genügend Gründe Jeder hat sein Bündel auf dem Rücken und das Gehen ins Ungewisse verpufft ganz schön viel Energie. Und dennoch, wir helfen einander so gut es geht, denn wir müssen da alle durch.
Alle müssen auf so viel verzichten. Niemand wünscht es sich, in diesem Tunnel festzustecken für weiss nicht wie lange.
Es gibt auch Kranke. Immer mehr sind es, denn Infizierte stecken einander an. Und es gibt Tote. Anfangs waren es einzelne, aber es werden immer mehr.

Unterschiedliche Menschen gehen unterschiedlich mit Krisen um. Wie so oft im Leben gibt es kein Richtig oder Falsch, schlussendlich kennen alle den Weg nicht. Einige von uns sind erfahrene Höhlen- und Tunnelforscher, die machen das beruflich und sie sind dafür angestellt worden, um uns durch diese Krise zu führen.
Sie waren in ganz vielen Tunnels, in vielen Höhlen, haben darüber gelesen und jahrelang studiert und wissen ganz schön viel. Aber dieser Tunnel hier, der ist noch total unerforscht. Er ist neu. Er ist unberechenbar. Auch die Fachleute müssen laufend dazu lernen und die neuen Erkenntnisse mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung vergleichen, um neue Ergebnisse zu erhalten.
Die Zeit läuft weiter. Einige oder vermutlich viele von uns werden krank, einige davon schaffen es nicht, andere werden schnell wieder gesund. Es ist nicht bei jedem dasselbe.

Im Tunnel stossen wir immer wieder auf Abzweigungen, die verheissungsvoll aussehen. Es gibt viele Wege. Eine Tunnelkarte hat niemand. Manche von uns möchten abbiegen, sie wittern eine Abkürzung, eine Vereinfachung und ein schnelleres Ende dieser elenden Sache.
Langsam geht die Geduld zu Ende und auch das Durchhaltevermögen. Hier gibt es auch Höhlenforscher, die andere Theorien vertreten und die auch erfahren sind. Aber leider kennen auch sie diesen Tunnel nicht, auch wenn sie noch so überzeugt sind von ihrer Meinung.
Und einige sagen, sie seien Höhlenforscher, aber sie sind es gar nicht. Sie sehen aber vertrauenswürdig aus und können gut sprechen. Sie verbreiten ihre Meinung überall auf den sozialen Medien und einige schliessen sich ihnen an, weil sie ihnen glauben.

Möglicherweise gibt es mehrere Ausgänge oder verschiedene Wege, die dorthin führen. Man weiss es erst irgendwann später, wenn man retour blicken und die Sache auswerten kann. Jetzt weiss man das noch nicht. Auch die nicht, die es zu wissen meinen.

Möglicherweise denken ziemlich viele, dass ihre Meinung nicht einfach nur ihre Meinung ist, sondern DIE Wahrheit. Und die muss natürlich auch jedem verkündet werden.
Vermutlich denken auch ziemlich viele, dass das eigene Spüren der Situation ebenfalls das Wahre und auf alle andern übertragbar ist.
Ich glaube, wenn es einem bewusst ist, dass dem nicht so ist, merkt man auch, dass man nicht unbedingt ein Video mit seiner Meinung veröffentlichen muss.
Aber das ist ja auch jedem selber überlassen, wie immer.

Aber genug.
Der Titel dieses Textes heisst „Das Leben geniessen“. Schwierig irgendwie, wenn man in diesem Tunnel steckt.
Aber weisst du was? Wir stecken gar nicht wirklich in einem Tunnel. Wir stecken überhaupt nicht fest. Es ist eine schwierige Situation. Ungewiss. Und wenn man viel darüber nachdenkt, ist es durchaus sehr beunruhigend. Wir kennen den Ausgang dieser Sache nicht und wir wissen auch nicht, was bis dahin noch alles geschieht. Wir hören zuviel, wir lesen zuviel und auch die Stimmen derer, die im Tunnel in eine ganz andere Richtung gehen, die sind verwirrend. Was ist richtig? Das nicht zu wissen, ist belastend.

Auch die sogenannten Massnahmen sind belastend, auch wenn sie wohl notwendig sind. Einige wehren sich, glauben an eine Verschwörung oder zumindest daran, dass es entweder ohne Massnahmen auch oder sogar besser ginge oder dass diese uns mehr schaden als das Virus. Es gibt auch Menschen, die auf all das verzichten möchten und es okay finden, die Menschen, die sehr krank werden, hinter uns zu lassen. Menschen, die auch okay finden, wenn viele von uns daran sterben, weil der Tod ja zum Leben gehört.

Aktuell ist es ja so, dass wir in der Schweiz wirklich sehr, sehr viele Menschen haben, die an Covid19 erkrankt sind und auch viele, die täglich sterben. Nicht mehr nur einer oder zwei pro Tag. Jetzt sind es 30 oder mehr pro Tag.
Ich habe gelesen, dass es wohl bald los geht mit der Triage. Das bedeutet, dass die Ärzte entscheiden müssen, wer behandelt wird und wer nicht, weil die Ressourcen der Krankenhäuser ausgehen werden. Es wird also abgeschätzt, bei wem sich lebensrettende Massnahmen lohnen und bei wem nicht. Wahnsinn, dass es soweit kommen kann. In UNSEREM zivilisierten und wohlhabenden Land. Ich fasse es nicht…. wirklich.

Ich habe auch gelesen, dass offenbar viele betagte Menschen sich nicht behandeln lassen möchten und sterben oder sterben werden. Auch das ist Triage, vom Patienten selbst entschieden. Ich denke nicht, dass diese Menschen alle tatsächlich sterben möchten bzw dass es ihnen egal ist, an Corona zu sterben. Ich bin mir ganz sicher, dass viele von ihnen noch ein paar schöne Jahre vor sich hätten. Wohlverdiente Jahre.
Aber wie ist es wohl, wenn man von überall her hört und liest, dass die Alten nicht geschützt werden sollen, weil sie ja eh bald sterben? Dass die Alten eine Last sind? Dass sie wertvolle Krankenhausplätze besetzen?
Ich denke mal, solche Aussagen hinterlassen ihre Spuren und vielleicht denkt so der eine oder die andere, dass ihr oder ihm kein Recht auf Krankenhauspflege bzw. kein Recht auf Gesundung zusteht.
Wie schlimm ist das denn, bitte?


Schon wieder vom Thema abgekommen und das zeigt die Problematik auch grad recht gut. Es ist gar nicht einfach, auf andere Gedanken zu kommen, Covid19 wirft seine Schatten irgendwie überall hin.
Umso wichtiger, dass wir uns Auszeiten schaffen. Dass wir es schaffen, auch mal abzuschalten, runter zu fahren und uns zu entspannen und zu erholen. Mal nicht an all das zu denken.
Jede und jeder auf seine bzw ihre Art und Weise.

Ich finde das schwierig, sogar fast unmöglich. Ich habe damit nicht erst seit Corona Schwierigkeiten, sondern eigentlich seit der Trennung von meinem Ex-Mann. Seitdem ich allein bin mit dem Kind und die Verantwortung für ganz vieles allein trage, fällt es mir sehr schwer, diese auch mal loszulassen. Im Spannungsfeld zwischen Arbeit und allein für eine Familie zu sorgen.
Ich bin es am Lernen. Die Corona-Situation macht es nicht einfacher.

Wenn die Welt rund um mich herum verrückt spielt, dann lebe ich umso mehr in meiner kleinen Welt mit meiner Tochter und da ist alles in Ordnung. Das ist mein warmer, sicherer Kokon.
Ich sehe all die kleinen, schönen Dinge. Ich liebe meine Wohnung, in der ich mich geborgen und wohl fühle. Ich mache es uns hier gemütlich mit einer schönen Atmosphäre, zufriedenen Meerschweinchen, einem glücklichen Kind. Das ist meine Oase.
Ich sehe gerne die schönen Dinge, die mir überall wo ich hingehe, begegnen. Die wunderschöne Tasse mit dem guten Kaffee, die „meine“ Lieblings-Coiffeuse mir hinstellt. Die zwei Stunden Auszeit, die ich dort letzte Woche in friedlicher Atmosphäre genossen habe.
Schöne Begegnungen sind auch mit Distanz, mit Maske, per Telefon oder Social Media möglich. Natürlich sind sie ohne Abstand und ohne Maske viel schöner, aber was bringt es nun, mich darüber zu ärgern und das was ich nicht habe, in den Mittelpunkt zu stellen? Ich finde es viel aufbauender zu sehen, was ich kann und was ich habe.

Ich gehe gern spazieren und fotografiere viel. Gerade momentan finde ich, dass es draussen manchmal atemberaubend schön aussieht. Wenn die Sonne durch den Nebel scheint oder wenn es dünne Nebelschwaden über dem Boden hat und oben blauen Himmel. Die Bäume und Wälder, deren Blätter sich verfärben und dann zu Boden fallen.
Die Wärme der Sonne, wenn sie strahlt ist noch immer beachtlich und tut richtig gut.
Tief durchatmen, die frische Luft in der Lunge und auf der Haut spüren, das lädt alle inneren Akkus auf. Das tut richtig gut. Immer. Und besonders jetzt.
Ich finde auch, dass die Herbstabende ihren ganz besonderen Reiz haben. Sich einkuscheln in der warmen Stube, eine Kerze anzünden, einen heissen Tee trinken und die Welt und ihre Themen einfach draussen lassen.

Es gibt mega viel Schönes. Manchmal kleine Dinge, aber sie wahrzunehmen ist ermutigend. Es ist nicht alles nur Corona, es gibt auch ganz viel anderes. Um ehrlich zu sein, wenn man sich nicht einredet, eingeschränkt und seiner Freiheit beraubt zu sein, kann man sogar ziemlich normal leben. Und Normalität hilft, sich besser zu fühlen.

Natürlich weiss ich, dass es gerade jungen Menschen fehlt, abends wegzugehen und einander zu sehen. Das verstehe ich sooo, denn es ging mir vor xxxxx Jahren ja nicht anders. Ein Samstagabend zuhause war undenkbar. Aber ich glaube, die Jungen sind ja auch klug und die verstehen das Warum.
Ausgenommen von meinen Aussagen sind auch Menschen, die durch die Corona-Situation ihre Arbeit verloren haben oder verlieren werden, die grosse Existenznöte haben, ihre Arbeit nicht ausüben können usw. Das ist natürlich wieder ganz etwas anderes.

Das Leben geniessen. Das ist auch jetzt möglich und vielleicht war es noch nie zuvor so wichtig wie genau jetzt.






2020 – Jenseits der Komfortzone

2020
Ein Jahr, das uns aus unserer Komfortzone gezerrt, ja geradezu katapultiert hat… Dass so eine Situation hier bei uns mal eintreffen könnte, das haben bestimmt die wenigsten erwartet. Auch wenn in vergangenen Jahren immer mal wieder irgendwo auf der Welt Krankheiten gewütet und Todesopfer gefordert haben, der Kelch ging an uns vorbei. Und wir fühlten uns sicher.
Aber dieses Mal ist alles anders. Auch wir sind betroffen. Und ich habe das Gefühl, es gibt immer noch viele, die das nicht wahrhaben wollen. Viele, die sich noch immer sicher fühlen. Viele, die den Berichten der Fachpersonen nicht glauben mögen. Oder anders vorgehen würden. Viele, die von den vielen Nachrichten von Medien und selbsternannten Experten verwirrt und verunsichert sind. Viele, die sich aufhetzen lassen.

2020
Ein Jahr, das anders ist.
Ein Jahr, das uns zwingt, auch selbst anders zu leben, uns anders zu verhalten. Anders als gewohnt, anders als es uns beliebt. Aus unseren Gewohnheiten gerissen. Ausgang ungewiss.
Der Grund dafür ist ein Virus. Man sollte meinen, das sei einfach eine Krankheit und das Ziel sei es, dass nicht zuviele daran sterben. Aber das wäre zu einfach. Es geht nicht (oder nicht allen) um Menschenleben, sondern ums Geld oder andere Dinge.
Es geht vielleicht schlussendlich allen darum, möglichst wenig von dem, was wir besitzen zu verlieren, so scheint es mir.

Es scheint mir, als hätten momentan fast alle Angst, ihr Liebstes oder Wichtigstes zu verlieren. Und über diese Angst wird weder gesprochen, noch wird sie vermutlich vor sich selbst zugegeben.
Nie war es leichter, die Werte und Haltungen anderer zu erkennen. Sie werden von jedem sozusagen auf der Zunge getragen.

Für die einen ist das, worum sie Angst haben, ihre eigene Gesundheit, ihr Leben und das nahestehender Personen. Ich könnte mir vorstellen, diesen Menschen fällt es leichter, sich an die Sicherheits-Bestimmungen des Bundes zu halten. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist alles, was die zuständigen Experten empfehlen oder verordnen zu wenig oder sowieso das Falsche.
Andere haben Angst, ihre finanzielle Grundlage, ihr Einkommen oder ihre Existenz zu verlieren. In dieser Situation findet man sich wohl in einem Gewissenskonflikt wieder, könnte ich mir vorstellen. Entweder hält man das Virus für gefährlich und die Schutzmassnahmen für richtig und gefährdet mit dieser Meinung seine eigene Existenz oder man verniedlicht das alles, macht sich lustig, um diese Existenz halt zu retten.
Genau so kommt es mir vor, wenn ich zB Videos von einigen Clubbesitzern, irgendwelchen Veranstaltern oder Künstlern, die nicht auftreten können, sehe. Statements und Meinungen, die viele Menschen hören und auf die viele Menschen viel geben und ganz vergessen, dass der Typ, der da im Video spricht, keine Ahnung hat von alldem, denn er ist ein Komiker oder ein Kneipenbesitzer.

Für viele ist das, was sie zu verlieren fürchten, ihre ganz persönliche Freiheit und darunter kann man sehr vieles verstehen. Die Freiheit, überall hin zu reisen oder fahren, wo man gerade hin möchte. Die Freiheit, in der Freizeit zu unternehmen, worauf man grad Bock hat… Konzerte, Sportanlässe, Kino, Parties, Clubs…. Die Freiheit, sich von niemandem etwas sagen lassen zu müssen. Die Freiheit, sich mit Menschen zu treffen, sich näher zu kommen, Körperkontakt. Die Freiheit, shoppen zu gehen, zu konsumieren. Die Freiheit, grenzenlos zu sein.
Die Freiheit, sich die Hände nicht dauernd zu waschen und die Freiheit, ohne Maske im Gesicht irgendwo hin zu gehen. Und schlussendlich wohl auch die Freiheit, selbst darüber entscheiden zu können, sein eigenes Leben und das anderer zu gefährden.
Das mit den Freiheitseinbussen betrifft schlussendlich ja alle. Nur können die einen die Gründe bzw. den Zweck davon verstehen und andere weniger, einige können besser damit umgehen als andere.

Ich empfinde Menschen seit Corona sehr zweigeteilt. Vermutlich ist es normal und immer so, in der momentanen Situation ist es einfach so deutlich sichtbar. Manchmal kommt es mir vor, als seien es verschiedene Fronten. Ohne gemeinsames Ziel.

Ich überlege mir schon, warum das so ist. Ich überlege mir auch, warum man so Angst hat, unterdrückt oder manipuliert zu werden. Warum man so Angst hat, dass einem jemand etwas Böses will. Warum man so Angst hat, den Fachleuten zu vertrauen. Oder sind diese Ängste eine Kompensation für etwas ganz anderes? Vielleicht damit, dass man Angst hat, sich mit der tatsächlichen Situation auseinander zu setzen?

Ich bin schon ein Schaf genannt worden, das ohne zu hinterfragen der Schar hinterher läuft. Aber das stimmt nicht. Ich hinterfrage sehr vieles. Myself included. Aber ich muss auch sagen, ich habe keine Zeit dafür, mir Gedanken darüber zu machen, wie und warum der Bund oder sonst irgendeine höhere Macht dem Volk und mir persönlich schaden möchte. Ich sehe auch keinen Grund darin. Ich bin mir einfach ganz sicher, dass dem nicht so ist. Ich bin mir sicher, dass die bestmöglichen Lösungen gefunden werden, um möglichst wenige Leben zu verlieren, was wohl an zweiter Stelle steht, und möglichst unserer Wirtschaft nicht zu sehr zu schaden. Wobei dies wohl unumgänglich ist. Ich habe das Gefühl, viele denken da nur in eine Richtung oder nicht weit genug. Es ist nicht damit gemacht, keine Lokale zu schliessen oder den Konsum der Menschen nicht einzuschränken, denn wenn irgendwann (bald) dann sehr, sehr viele Menschen krank sind, werden diese so oder so schliessen müssen, weil viel Personal krank ist und nicht arbeiten kann und die Kunden ebenfalls krank sind und nicht konsumieren können. Meiner Meinung nach gilt es, genau dies zu verhindern.
Ich glaube, die Regierung versucht momentan genau dies zu erreichen mit einem Mittelweg zwischen Menschenleben retten, Gesundheitssystem nicht zu überlasten und die Wirtschaft zu retten. Und dabei sind die Verantwortlichen sehr unter Druck. Und sie sind die Arschlöcher für einige, egal was sie entscheiden.

Es wäre einfach, wenn man das mit Geld regeln könnte, wie wir es mit so vielen tun. Aber das geht nicht. Und immer dann, wenn wir Menschen etwas leisten müssen, wird es uns sehr schnell zuviel und wir verniedlichen das Problem, machen uns darüber lustig und suchen einen Schuldigen. Das beobachte ich nicht nur bei Corona, sondern zB auch beim Umweltschutz bzw. dem Klimawandel und in der Flüchtlingskrise.

Ich glaube, das Klima zwischen den Menschen wird kälter, es entstehen Fronten und Aggressionen. Eine andere Meinung zu haben, das ist schwierig… Es wird schnell emotional und persönlich. Wir sind empfindlich. Ich auch. Ich merke sogar, dass ich Angst habe, dass jemand sich angegriffen fühlen könnte, wenn ich hier über dieses Thema schreibe und mir fünfmal überlege, ob ich das veröffentlichen kann, weil ich niemanden verärgern oder verlieren will.
Viele kommen an ihre Grenzen oder bereits darüber hinaus. Psychisch. Das ist begreiflich. Und statt bei sich zu schauen, ist es immer einfacher, andere anzufeinden. Menschen, Methoden.

Und manchmal habe ich Angst, dass die Konflikte die daraus entstehen, viel schlimmer sein werden als Covid19.




Same procedure again…

Vielleicht gibt es nichts interessanteres als ein Menschenleben, denn wo Menschen leben passiert ganz schön vieles. Viel Alltägliches, viel Routine, viel Schönes, Neues und Wunderbares. Viel Trauriges, Schreckliches und grosse Schicksale.

Für jeden ist wohl das eigene (Er-)Leben der Massstab, an dem andere gemessen werden. Manchmal finden wir, dass unser Erlebtes das Tollste ist und manchmal das Schlimmste von allen. Manchmal denken wir, wir müssten am meisten tragen, am meisten erdulden und erleiden. Wir wünschen uns irgendwas (eine Freundin, ein Kind, ein Auto, heiraten, einen neuen Job, ein Erlebnis, Ferien, einen Hund….), erreichen (bekommen, kaufen…) es…
Und dann dauert es nicht lange und es wird zur Routine. Wir haben uns dran gewöhnt, kennen es in- und auswendig, sooooo interessant ist es gar nicht mehr, wir langweilen uns damit ein bisschen…
Wir wünschen uns, aus der Routine ausbrechen zu können, möchten etwas Neues, Anderes erleben, finden unseren Alltag öde und zu unspektakulär. Immer dieselben Abläufe, derselbe Trott…

Manche brechen dann tatsächlich aus, erleben Neues und Spannendes und fühlen sich damit auch selbst wieder begehrenswerter und interessanter… und auch das Neue wird irgendwann Alltag. Same procedure again…

Bei andern ist es andersrum. Sie werden aus dem Alltag rausgerissen, weil irgendwas passiert. Etwas, was unsere ganze Aufmerksamkeit fordert, unsere ganze Energie und uns in sich aufsaugt. Zum Beispiel, wenn man der Partner einer solchen Person ist, die etwas Neues erleben will bzw es tut. Oder halt andere Sorgen, es gibt davon ja genügend und für jeden seine ganz persönlichen kleineren oder grösseren Katastrophen.

2020 ist ja so ein Jahr. Das hat es wirklich in sich.
Es ist mein zweites Jahr seit der Trennung. Man sagt, das erste sei das schwierigste und das war es auch, in vielerlei Hinsicht bzw vermutlich vor allem, weil die persönliche Befindlichkeit noch krisenhaft und ansonsten alles neu und ungewohnt war.
Jedenfalls erinnere ich mich sehr gut an Ende 2019. Ich habe mich auf 2020 gefreut. Auf ein Jahr, das besser werden sollte und noch ein bisschen einfacher vielleicht. Wieder ruhiger werden, vielleicht sogar wieder ein bisschen glücklich manchmal… Nicht, dass ich das 2019 nie war, aber da war bzw ist noch viel Luft nach oben.

Und dann kam Corona mit all seinen Konsequenzen. Das wäre eigentlich schon genug, noch mehr Schwierigkeiten braucht echt keiner. Aber wir wissen es ja. Da wo ein Hund hin pisst, pissen dann all die andern auch hin.
(Ich hab gedacht, ich erfinde mal ein neues Sprichwort. 🙂 )

Ich kann sagen, Corona selbst hatte auf mich keine allzu grossen Auswirkungen. Während des Lockdowns natürlich schon, wie in verschiedenen Texten beschrieben. Ich fand das furchtbare zwei Monate und hätten die noch länger gedauert, ich hätte es nicht mehr geschafft, alles unter einen Hut zu bringen. Während einige die Ruhe und das Nichtstun sooo sehr genossen haben und dies sogar in Langeweile überschwappte, waren für mich bei Homeschooling und Arbeit 24 Stunden pro Tag zu wenig. Und ich sehr unentspannt. Gut, dass es dann mal vorbei war bzw. der Lockdown und ein paar Massnahmen gelockert wurden.
Seitdem fühle ich mich eigentlich nicht eingeschränkt, mein Leben verläuft ziemlich normal. Ausser dass ich mich auf Abstand achte und wirklich viel weniger soziale Kontakte habe, ist alles normal. Und wir sind gesund geblieben bisher, das ist gut.
Ich rege mich nicht darüber auf, dass ich weder auf Konzerte noch auf Parties kann, denn das tu ich aus andern Gründen sowieso schon länger nicht mehr. Also gehts mir eigentlich ganz gut, trotz den Massnahmen, die wir einhalten, um Corona möglichst nicht weiterzuverbreiten.

Aber es ist echt viel anderes dieses Jahr. Ich löse eine schwierige Situation und schwupps, die nächste ist schon da. Es ist tatsächlich momentan ziemlich energieraubend, sich die meiste Zeit über irgendwas grosse Sorgen zu machen. Und es ist schwierig, dies zu machen, ohne dass das Kind etwas davon mitbekommt. Ich versuche es, aber es ist nicht mehr immer möglich zur Zeit.

Natürlich schaffe ich es. Ich schaffe alles. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Es gibt keine Alternative. Es sind immer Dinge, die ich im Moment zwar als dramatisch erlebe, wohl weil meine Energie schwindet, die aber lösbar sind.
Ich schaue in die Welt hinaus und sehe ganz andere Probleme. Die richtig grossen. Andere Menschen, die mit Situationen zu kämpfen haben, in denen es ihnen nicht möglich ist, selbst eine Lösung zu finden. Zum Beispiel all die Menschen, die aus ihrem Zuhause geflüchtet sind, in Moria eingepfercht waren und jetzt irgendwo sind. Viele wohlhabende Länder, viele wohlhabende Menschen rundherum wollen davon nichts wissen.
Rassismus nimmt zu. Rechtsradikales Denken. Und es wird geduldet, ja sogar unterstützt. In der Schweiz, in Deutschland, in den USA.
Menschen haben Angst. Die einen, dass sie eingeschränkt werden. Ihrer Rechte beraubt. Sie schreien es raus, sie wollen keine Diktatur, keine Massnahmen gegen Corona. Flüchtlinge sollen dort bleiben wo sie sind oder gleich zurück in ihr Land gebracht werden. Die SVP nennt die Flucht „eine Reise ins Traumland“. Es wird nicht weit gedacht, nicht in die Weite geschaut. Die Angst ums eigene Portemonnaie verhindert so manches, egal in welchem Bereich… Umweltschutz, Flüchtlingswesen, Corona und Gesundheitswesen…
Es geht ums Geld. Einige Musiker oder Künstler stellen sich gegen die Corona-Massnahmen, hetzen und motivieren auch andere sich aufzulehnen. Aber ist dieses Engagement ehrlich oder gehts da einfach nur um die eigenen Interessen? Natürlich verstehe ich, dass sie schon eine Weile wenig oder gar kein Geld verdienen können und das ist schlimm. Aber vielleicht sollte man da sein Beweggründe doch ein wenig mehr hinterfragen?

Jeder von uns hat ein einziges Leben, das er leben muss oder im besten Fall darf. Jeder hat ein Recht auf ein schönes Leben. Ich finde es nicht in Ordnung, dass zu meinen Gunsten andere leiden müssen oder der Planet kaputt gemacht wird. Ich bin fürs Miteinander und fürs Einander helfen, auch wenn sich das nicht immer so einfach gestaltet. Ich würde mich immer für die Schwächeren einsetzen. Leider ist es so, dass dies sehr oft auf der finanziellen Ebene statt findet und genau da sind mir momentan recht die Hände gebunden. Aber irgendwann wird dies anders aussehen. Und das Finanzielle ist nur ein Teil der Unterstützung, es gibt noch andere.
Typischerweise schweife ich wieder mal ziemlich ab…

Also. Zurück zum 2020.
Ich hatte mir für dieses Jahr ja vorgenommen, mich wieder mehr am sozialen Leben zu beteiligen. Mich wieder öfter mit andern treffen. Freundschaften pflegen. Vielleicht sogar im Leben neuer Menschen aufzutauchen bzw. sie bei mir. 2020 macht es mir nicht einfach, muss ich sagen. Aber es ist, wie es ist. Als alleinstehende Frau mit Kind fühle ich mich aber tatsächlich ziemlich isoliert manchmal. Ich habe voll Bock drauf, Menschen zu begegnen, hinter deren Fassade zu gucken und Lebensgeschichten zu hören. Ist dies nicht irgendwie das Salz in der Suppe des Lebens?
Mir ist in der letzten Zeit aufgefallen, dass es mir fehlt, meine Gedanken oder halt auch meine Sorgen mit jemandem besprechen zu können. Es ist nie jemand da, der zuhört, wenn ich krank vor Sorge bin oder mich in etwas hineinsteigere. Niemand, der sich wirklich interessiert. Niemand, der mit mir am gleichen Strick zieht. Mir fehlt kein Partner, ich wünsche mir auch keinen. Aber trotzdem vermisse ich diesen Teil. Ich kann das nicht alles in mir drin behalten, denn das macht mich krank. Aber teilen kann ich es auch nicht bzw ein paar Dinge erzähle ich schon, ich bin da ja eher offen. Aber das ist längst nicht alles und genau das, was man nicht erzählt, plagt einem doch irgendwie tief drinnen ganz besonders stark.
Das ist wohl der nächste Punkt, an dem ich arbeiten werde und dann kommt dann wieder ein neues Thema. Wir kennen es….

Das Reifen und Entwickeln hört nie auf und irgendwie ist es wohl gut so.
Und ich wünsche mir ein kleines bisschen mehr Routine und Alltag und gleichzeitig auch ein kleines bisschen mehr Abwechslung, spannende Menschen, mehr Kommunikation.

Ende.

Dinge gehen zu Ende, es ist unweigerlich so. Immer. Unendlichkeit existiert in einem menschlichen Leben nicht und wenn doch, dann nur in unseren Wünschen und Träumen.

Enden sind manchmal ganz okay und manchmal überhaupt nicht.

Was bin ich jedes Mal traurig, wenn ich ein gutes Buch (eigentlich viel zu schnell) zu Ende gelesen habe und es irgendwie nicht genügend genossen habe? Verschlungen, Sätze überlesen, um möglichst schnell alles in mir aufzusaugen. Und am Ende bleibt immer ein kleines Bisschen Leere und es dauert eine kleine Weile, bis ein nächstes Buch diese wieder auszufüllen vermag.

Wir freuen uns auf einen besonderen Augenblick oder einen Tag, auf Weihnachten, Urlaub und Geburtstage und wenn wir ehrlich sind, ist vielleicht die Vorfreude viel ergiebiger als der Moment selbst, denn sie dauert unter Umständen viel länger und lässt uns erschaudern, glücklich sein und uns alles in den schönsten Farben ausmalen. Wenn der besondere Moment dann da ist, ist er auch schon wieder vorbei und was bleibt, sind Erinnerungen.

Gerade gestern habe ich darüber geschrieben, wie es ist wenn ein Leben endet. Ein Ende und ein Abschied für immer und auch für ewig, obwohl ich gerade eben geschrieben habe, dass es die Unendlichkeit gar nicht gibt. Und doch scheint es sie zu geben, nämlich im Tod. Im Nichts. Oder auch nicht. Niemand weiss es, einige glauben irgendetwas.

Freundschaften enden, Menschen leben sich auseinander, finden neue, interessantere Menschen, mit denen sie sich verbinden und Zeit verbringen möchten. Das ist der Lauf der Zeit. Normal. Und doch ist auch das manchmal mit loslassen verbunden und loslassen ist vielleicht mit losreissen verbunden und vielleicht tut das dann einem von beiden mehr weh als dem andern.
Und manchmal ist längst nicht alles ein Ende, was wie ein Ende aussieht. Manchmal ist es nur ein Warten, ein Zwischenraum und die Angst vor dem Ende, die uns etwas zusammenphantasieren lässt.

Ich glaube, wir füllen so manche innere Leere mit einem Menschen. Einem, der ganz genau das ist, was wir brauchen. Ganz genau das, was uns glauben macht, wir wären nicht leer, nicht zerbrochen. Es ist schön, dass es das gibt. Und aber auch unschön, wenn dieser Mensch dann nicht mehr da ist, denn dann werden wir auf unser inneres Leer-Sein zurück geworfen und das ist vielleicht das allerschlimmste Gefühl von allen.
Leere ist schwer auszuhalten. Für mich jedenfalls.
Und dennoch tu ich es, wenn sie mal da ist. Muss.

Ich glaube, wenn wir vermögen, alle diese leeren Stellen in unseren Herzen selbst auszufüllen und wir mit uns selbst zufrieden und glücklich sind, dann sind wir bereit für die Liebe. Denn dann brauchen wir nicht mehr, kompensieren wir nicht mehr, sind wir nicht mehr abhängig, sondern sind wirklich frei für jemanden.

die Liebe

Ich finde, es geht im Leben immer darum, etwas Gutes aus dem zu machen, das man hat oder bekommt. Oder das Bestmögliche. Dinge umzudrehen, um zu schauen, wie es auf der andern Seite aussieht. Fünf Schritte retour gehen, um es von dort aus zu betrachten oder ganz nah ran zu gehen, um etwas wirklich ganz genau sehen zu können.

Es geht darum,
in Tumult und Lärm die Ruhe zu finden.
In der Dunkelheit das Licht und
in einem Haufen Dreck den Schatz.

In Berg- und Talfahrten die Balance.
In Streit und Krieg den Frieden und
in der Krise die Chance.

Im Dickicht und Gestrüpp den Weg.
Im Chaos und Wirrwar die Ordnung und
in der Kälte die Wärme.

In der Trauer den Trost.
In Verzweiflung und Angst die Hoffnung und
in der Angst die Hand, die uns hält.

Im Bösen das Gute.
Im Hässlichen das Schöne und
in allem die Liebe.