Drei kleine Superhelden – Die langsamste Reise der Welt


Es war ein stiller Morgen im Garten. Die Luft roch nach feuchter Erde, die Vögel zwitscherten in den Bäumen. Arja sass ganz vorne am Gehegezaun und beobachtete die Welt, wie sie es so oft tat. Tina knabberte an einem Stück Gurke, während Jimmy mit kleinen, schnellen Bewegungen durchs Gras lief und sich über den schönen Morgen freute.

„Kommt mal“ sagte Arja leise.
Ihre Stimme war ruhig, fast ein Flüstern.
Die beiden anderen kamen näher.
Dort, direkt vor dem Gehege, bewegte sich etwas. Ganz langsam. Soooo langsam, dass man es fast übersehen könnte.

Eine kleine Schnecke.

Ihr Haus schimmerte leicht im Morgenlicht und ihr weicher Körper schob sich Millimeter für Millimeter über die Erde.
Jimmy legte den Kopf schief. „Bewegt die sich überhaupt?“
Tina blinzelte und war sich nicht sicher.
Arja lächelte. „Nein. Sie reist.“
„Reist?“ Jimmy musste lachen. „Das ist dann aber die langsamste Reise der Welt!“

Die Schnecke kroch weiter. Ganz ruhig und ohne Eile. Niemand wusste, wohin sie eigentlich wollte…

Die drei setzten sich hin und beobachteten sie. Eine ganze Weile lang passierte fast nichts. Und dann, ganz langsam, merkten sie doch etwas: Die Schnecke war ein kleines Stück weitergekommen.

„Das ist ja unglaublich“ murmelte Tina. „So langsam… und trotzdem kommt sie ganz gut voran.“
Jimmy wurde still und das kam wahrlich nicht oft vor. „Meinst du, sie kommt irgendwann dort an, wo sie hin will?“

Arja schaute der Schnecke nach. „Ja, natürlich“ sagte sie. „Auf ihre Weise.“

Die Sonne schob sich ein kleines Stück höher, wärmte den Boden, das Gras und ihre kleinen Pfötchen. Und die Schnecke kroch unermüdlich weiter. Immer in ihrem eigenen Tempo.

Jimmy legte sich ins Gras. „Ich glaube, ich bin manchmal zu schnell und zu ungeduldig.“
Tina nickte. „Ich auch. Ich will immer sofort wissen, wie alles ausgeht.“
Arja sagte nichts. Sie schaute nur. Und dann sagte sie leise: „Vielleicht ist das gar nicht so wichtig.“

Die beiden andern sahen sie an. „Was meinst du?“
Arja lächelte. „Vielleicht geht es gar nicht darum, wie schnell man irgendwo ankommt.“

Ein leichter Wind ging durch den Garten. Die Schnecke bewegte sich weiter, als wäre sie ganz allein auf der Welt und gleichzeitig genau richtig darin.

„Ich glaube,“ sagte Arja, „es geht es einfach darum, seinen eigenen Weg zu gehen. Ganz ruhig und im eigenen Tempo.“

Die drei kleinen Superhelden blieben noch lange dort sitzen und schauten der langsamsten Reise der Welt zu…

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.