
Es war eine dieser Nächte, in denen der Himmel ganz besonders war. Tiefblau, fast schwarz, voll mit Sternen. Und der Mond hing ruhig darüber, als würde er alles beobachten.
Arja sass am Eingang ihres Häuschens und schaute nach oben.
Tina rückte ihr Krönchen zurecht. Jimmy kaute noch schnell den letzten Rest Karotte.
„Heute ist etwas anders“ bemerkte Arja leise.
Jimmy schaute hoch. „Meinst du?“
In genau diesem Moment zog ein leuchtender Streifen über den Himmel. War es ein Stern? Oder vielleicht eine Sternschnuppe, ein Wunsch? Er glühte kurz auf und verschwand irgendwo.
Und dann spürten sie es. Ein ganz leichtes Kribbeln. Erst in den Pfoten und dann im ganzen Körper.
„Was ist das?! Was geschieht da???“ rief Jimmy.
Tina machte einen kleinen Hüpfer und landete nicht, sondern blieb in der Luft. Huch!! Ihre Augen wurden gross.
„Ich glaube, ich fliege?!“
Jimmy sprang hinterher und plötzlich war auch er in der Luft. Sein kleiner Superheldenumhang flatterte hinter ihm.
Arja zögerte einen Moment, dann sprang sie auch. Und wurde von der warmen Nachtluft getragen.
Die drei sahen einander an und mussten mega lachen. Was war hier bloss los? Sie waren doch keine Vögel!
Sie flogen über ihr Gehege, über das Gras, über den Zaun hinaus in den Garten.
Der Wind war warm und weich, die Nacht ganz still.
Alles sah anders aus von oben. Viel kleiner und weiter weg. Irgendwie leise und ganz friedlich.
„Schaut mal!“ rief Jimmy und drehte eine kleine Runde.
Tina flog vorsichtig neben ihm, ihr Krönchen glitzerte im Mondlicht. „Das ist wunderschön…“
Arja war etwas höher und folgte ihnen.
Sie schaute auf alles hinunter – auf ihr Zuhause, den Garten, die Wege, die sie jeden Tag gingen.
„Von hier oben wirkt alles weniger kompliziert.“ sagte sie leise.
Sie flogen weiter.
Über die Bäume.
Über die dunklen Ecken des Gartens.
Über Orte, die sie sonst nie sehen konnten.
Und über das Haus der Menschen-Mama und des Menschen-Mädchens. Sie sahen von oben die Lichter in den Fenstern und die im Garten, wie Glüchwürmchen leuchteten sie zu ihnen hinauf.
Es sah einfach soooo schön aus! Und für einen Moment fühlte es sich an, als wäre alles möglich. Als gäbe es keine Grenzen.
Kein „zu klein“. Kein „zu schwierig“. Nur sie und die Nacht. Und das Fliegen.
Langsam wurde der Himmel heller. Ganz zart.
„Ich glaube, es hört gleich auf“ sagte Tina leise. Jimmy spürte es auch. Sie flogen zurück zu ihrem Gehege und landeten sanft im weichen Gras. Das Kribbeln verschwand und alles war wieder normal.
Sie sahen einander an, ohne etwas zu sagen. Sie wussten nun, wie sich fliegen anfühlt und sie fanden es wunderbar. Und dennoch waren alle drei doch froh, wieder sicheren Boden unter den Pfötchen zu spüren.
Tina schaute noch einmal zum Himmel. „Vielleicht können wir nicht immer fliegen“ sagte sie, „aber wir können uns erinnern.“
Ein letzter Stern glühte auf und es wurde Morgen.
Die drei kleinen Superhelden sassen nebeneinander im Gras –
mit einem Gefühl im Herzen, das sie nie ganz verlieren würden…
ENDE.


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