Was ist eigentlich Alexithymie?

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Vielleicht kennst du diese Situation: Jemand fragt dich, wie es dir geht oder was du gerade fühlst und eigentlich weisst du gar nicht, wie du das in Worte fassen könntest. Da ist etwas. Vielleicht ein Druck in der Brust, ein flaues Gefühl im Bauch, Unruhe, Anspannung. Vielleicht seid ihr plötzlich erschöpft oder gereizt. Aber ist das jetzt Angst? Traurigkeit? Wut? Enttäuschung? Überforderung?
Für manche Menschen ist es ausgesprochen schwierig, diese Frage zu beantworten. Und dafür gibt es einen Begriff: Alexithymie.

Das Wort stammt aus dem Griechischen. Das a- bedeutet „ohne“ oder „nicht“, lexis steht für „Wort“ und thymos lässt sich ungefähr mit Gefühl, Gemüt oder innerer Regung übersetzen.

Alexithymie bedeutet deshalb sinngemäss „Keine Worte für Gefühle.“ Darin liegt eigentlich schon die Erklärung.

Menschen mit Alexithymie haben selbstverständlich Gefühle. Das ist wichtig, denn genau hier entsteht schnell ein falsches Bild. Alexithymie bedeutet nicht, gefühllos zu sein. Ein Mensch kann sehr intensive Gefühle erleben und trotzdem grosse Schwierigkeiten damit haben, sie zu erkennen und zu benennen.

Er merkt vielleicht, dass irgendetwas ist, aber er kann nicht sagen, was genau. Gefühle zeigen sich oftmals auch in körperlichen Symptomen, zB Herzklopfen, Bauchschmerzen, innere Unruhe oder eine starke körperliche Anspannung. Menschen mit Alexithymie können diese Empfindungen nicht mit einem bestimmten Gefühl verbinden, so wie ich es zB kann.

Wo andere vielleicht sagen können: „Ich bin enttäuscht, weil ich mich zurückgewiesen fühle“, ist da bei einem Menschen mit ausgeprägter Alexithymie möglicherweise zunächst einfach nur dieses schwer einzuordnende Etwas und vielleicht Bauchschmerzen.

Alexithymie kann sich auch darin zeigen, dass es schwierig ist, verschiedene Gefühle voneinander zu unterscheiden. Angst und Aufregung beispielsweise können sich körperlich erstaunlich ähnlich anfühlen. Ebenso können hinter Gereiztheit Traurigkeit, Überforderung oder Unsicherheit stecken.

Wenn einem aber der innere Zugang zu diesen feinen Unterschieden fehlt, wird es schwierig, anderen zu erklären, was gerade in einem vorgeht.

Das kann auch in zwischenmenschlichen Beziehungen schwierig sein, wenn es darum geht, Gefühle gegenseitig auszudrücken, darüber zu sprechen, zu erklären und man es einfach nicht kann. Das kann für das Gegenüber schwer verständlich sein und als Desinteresse oder Abweisung interpretiert werden.

Alexithymie ist übrigens keine eigenständige psychische Erkrankung. Sie wird eher als Merkmal der emotionalen Verarbeitung verstanden und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche Menschen haben nur in bestimmten Situationen Mühe, ihre Gefühle zu erkennen, andere erleben diese Schwierigkeit sehr ausgeprägt.
Interessant finde ich auch den Zusammenhang mit Autismus. Alexithymie tritt bei autistischen Menschen häufig auf. Sie gehört aber nicht automatisch zum Autismus. Es kann sein, dass ein autistischer Mensch sehr gut benennen kann, was er fühlt und es kommt vor, dass neurotypische Menschen stark alexithym sind.

Diese Unterscheidung finde ich ausgesprochen wichtig, denn gerade autistischen Menschen wurde und wird manchmal unterstellt, sie hätten weniger Gefühle oder weniger Empathie. Dabei kann das eigentliche Problem etwas ganz anderes sein: Gefühle können durchaus vorhanden und sogar sehr intensiv sein – nur das Erkennen, Sortieren und sprachliche Ausdrücken kann schwierig sein.

Wenn man darüber nachdenkt, macht das einen gewaltigen Unterschied.
„Ich fühle nichts“ ist nicht dasselbe wie „Ich kann nicht erkennen und benennen, was ich fühle.“

Alexithymie ist für mich wieder so ein Begriff, bei dem ein einziges Wort plötzlich etwas beschreibt, das manche Menschen vielleicht ihr ganzes Leben lang erleben, ohne zu wissen, dass es dafür überhaupt einen Namen gibt. Ich glaube, dieses Wissen hilft manchmal schon dabei, einen Menschen etwas besser zu verstehen und nicht fehlzuinterpretieren.
Manchmal fehlen nur die Worte…

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● About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.