
Ich mag Gärten und Pärke, Blumen, alte Bäume, verwunschene Wege und Pflanzen, deren Namen ich meistens schon fünf Minuten später wieder vergessen habe…
Aber es gibt einen Garten in England, bei dem man besser nicht auf die Idee kommt, an einer besonders hübschen Blüte zu riechen.

Hinter einem grossen schwarzen Eisentor mit Totenkopf und der Aufschrift „These Plants Can Kill“ liegt der Poison Garden von Alnwick – ein Garten voller Pflanzen, die giftig, berauschend oder auf andere Weise gefährlich sind.
Dieser Garten gehört zu The Alnwick Garden in Northumberland im Norden Englands und liegt ganz in der Nähe von Alnwick Castle. Das Schloss dürfte einigen bekannt vorkommen: Es diente unter anderem in den ersten beiden Harry-Potter-Filmen als Kulisse für Hogwarts.
Der Poison Garden selbst wurde 2005 eröffnet. Die Idee dazu hatte Jane Percy, Duchess of Northumberland. Als sie begann, die Gärten von Alnwick neu gestalten zu lassen, wollte sie nicht einfach noch einen klassischen Kräutergarten mit Heilpflanzen. Sie wollte genau das Gegenteil. Einen Garten mit Pflanzen, die Menschen töten können und irgendwie muss ich sagen, das ist schon auch interessant.
Heute wachsen dort rund 100 verschiedene giftige, berauschende und gefährliche Pflanzen. Besucher dürfen den Garten nur im Rahmen einer Führung betreten. Anfassen ist verboten, pflücken sowieso. Auch das Riechen an den Pflanzen sollte man tunlichst unterlassen.
Zu sehen gibt es dort beispielsweise Tollkirsche, Eisenhut, Rizinus, Goldregen, Schlafmohn und Riesen-Bärenklau. Manche davon sehen vollkommen harmlos aus.
Der Eisenhut zum Beispiel trägt wunderschöne violett-blaue Blüten und gehört zu den giftigsten Pflanzen Europas. Schon kleine Mengen können schwere Vergiftungen verursachen.
Aus den Samen des Rizinus wiederum lässt sich Ricin gewinnen, eines der stärksten bekannten Pflanzengifte.
Die Tollkirsche trägt glänzende dunkle Beeren, die beinahe einladend aussehen. Ihr botanischer Name Atropa belladonna erzählt gleich zwei Geschichten: Atropos war in der griechischen Mythologie jene Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden eines Menschen durchschnitt. „Belladonna“ bedeutet dagegen „schöne Frau“. Früher sollen Frauen den Pflanzensaft verwendet haben, um ihre Pupillen zu erweitern, weil grosse dunkle Pupillen als besonders schön galten… Schönheit und Tod in ein und derselben Pflanze.
Im Poison Garden wachsen aber nicht nur klassische Giftpflanzen. Auch Pflanzen, aus denen Drogen gewonnen werden können, gehören zum Konzept. Schlafmohn und Cannabis sind deshalb ebenfalls Teil der Sammlung.
Einige besonders gefährliche Exemplare werden zusätzlich gesichert.
Im Internet liest man immer wieder, jede einzelne Pflanze in diesem Garten sei tödlich, manche könnten einen Menschen bereits durch eine Berührung töten und regelmässig würden Besucher:innen ohnmächtig, weil sie giftigen Blütenstaub eingeatmet hätten.
Ganz so dramatisch ist es aber offenbar in der Realität nicht. Nicht jede Pflanze dort bringt einen Menschen bei einer kurzen Berührung um. „Giftig“ bedeutet ausserdem nicht automatisch „tödlich“. Entscheidend sind Pflanze, Giftstoff, Dosis und die Art, wie man damit in Kontakt kommt.
Interessant ist allerdings, dass im Poison Garden tatsächlich immer wieder Besucher:innen während der Führungen ohnmächtig werden. Der Garten selbst hat sogar von mehr als hundert Fällen pro Jahr gesprochen. Nach heutiger Darstellung liegt das jedoch vor allem daran, dass während der Führungen ziemlich anschaulich erzählt wird, was bestimmte Gifte mit dem menschlichen Körper anstellen können.
Manche Menschen kippen offenbar schon beim Zuhören um.
Was ich an diesem Garten besonders spannend finde, ist aber etwas anderes. Wir verbinden Pflanzen automatisch mit etwas Gutem. Mit Natur. Gesundheit. Heilung. Kräutertees und Blumensträussen, dabei hat die Natur überhaupt keine Verpflichtung, freundlich zu uns zu sein. Eine Pflanze produziert ihre Stoffe nicht für oder gegen uns. Manche dieser Stoffe können heilen, andere berauschen, wieder andere lähmen oder töten. Und manchmal entscheidet nur die Dosis darüber, welches davon geschieht.
So ist ein Garten voller Giftpflanzen mindestens genauso lehrreich wie ein Heilkräutergarten. Mich würde das jedenfalls sehr interessieren. allerdings würde ich vermutlich mit beiden Händen ganz brav in den Jackentaschen herumlaufen…
https://www.alnwickgarden.com/the-garden/our-history-and-awards/



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