Hast du eigentlich schon mal einen Ameisenbären gesehen?


(Bild aus dem Internet)

Ich meine nicht unbedingt in echt, sondern vielleicht im Zoo, in einer Tierdokumentation, Internet oder so. Wenn man sich einen Ameisenbären einmal etwas genauer anschaut, muss man doch zugeben: Dieses Tier sieht aus, als hätte die Natur beim Zusammenbauen einen ausgesprochen kreativen Tag gehabt.
Diese unglaublich lange Schnauze, ganz kleine Augen, eine riesige, buschige Rute. Die kräftigen Beine und dazu dieser etwas eigenartige Gang. Irgendwie sieht ein Ameisenbär gleichzeitig gemütlich, ein bisschen zerzaust und vollkommen aussergewöhnlich aus.
Und ich finde ihn toll!!

Der bekannteste seiner Art ist der Grosse Ameisenbär, der in Mittel- und Südamerika lebt. Er kann mit Schwanz über zwei Meter lang werden, wobei allein seine riesige buschige Rute einen beträchtlichen Teil davon ausmacht. Sein Kopf dagegen wirkt fast ein wenig zu klein für den restlichen Körper und vorne läuft er in eine extrem lange, schmale Schnauze aus.
Und jetzt kommt das eigentlich Verrückte: Ein Ameisenbär hat keine Zähne. Er braucht auch gar keine, denn für seine Lieblingsspeise hat die Natur ihm etwas viel Praktischeres mitgegeben: eine Zunge, die beim Grossen Ameisenbären ungefähr 60 Zentimeter lang werden kann.
Man stelle sich DAS mal vor… Sie ist schmal und ganz klebrig und kann in unglaublicher Geschwindigkeit hinein- und herausbewegt werden. Bis zu etwa 150x pro Minute. Damit fährt der Ameisenbär in Ameisen- und Termitenbauten und sammelt seine Mahlzeit ein.
Dabei zerstört er einen Bau meistens nicht vollständig. Er bleibt nur kurze Zeit an einer Stelle und zieht dann weiter. Das hat auch einen praktischen Grund: Ameisen und Termiten sind schliesslich nicht völlig wehrlos und beginnen irgendwann, ihren Bau zu verteidigen.

Ein Ameisenbär kann an einem einzigen Tag zehntausende Ameisen und Termiten fressen. Sein Name ist also tatsächlich ziemlich passend.

Was ich ebenfalls nicht wusste: Der Ameisenbär hat einen aussergewöhnlich guten Geruchssinn. Der ist für ihn viel wichtiger als seine Augen, denn besonders gut sehen kann er nicht. Mit seiner Nase findet er dafür zuverlässig die nächste Mahlzeit.

Und dann wären da noch seine Krallen. Wer jetzt denkt, dieses etwas gemütlich aussehende Tier sei völlig harmlos, täuscht sich nämlich gewaltig. An den Vorderpfoten besitzt der Grosse Ameisenbär mächtige Krallen, mit denen er Termitenhügel und Ameisennester aufbrechen kann.
Weil diese Krallen so gross sind, kann er beim normalen Gehen nicht einfach darauf auftreten. Er klappt sie gewissermassen nach innen und läuft auf den Aussenseiten seiner Vorderpfoten beziehungsweise auf den Knöcheln. Deshalb hat er diesen wunderbar merkwürdigen Gang.

Wenn er sich allerdings bedroht fühlt, können diese Krallen zu ernsthaften Waffen werden. Ein Ameisenbär kann sich auf die Hinterbeine stellen und sich mit seinen Vorderbeinen und Krallen verteidigen. Das Tier, das eben noch ein bisschen aussah wie ein überdimensionales Stofftier mit zu langer Nase, möchte man dann vermutlich doch lieber nur aus sicherer Entfernung betrachten.

Auch seine riesige Rute ist übrigens nicht einfach nur Dekoration. Wenn der Ameisenbär schläft, rollt er sich zusammen und legt seinen buschigen Schwanz über den Körper, fast wie eine Decke. Spätestens bei dieser Vorstellung finde ich ihn wieder unglaublich sympathisch und auf eine unkonventionelle Art süss.

Ameisenbären gehören übrigens nicht zu den Bären, nicht einmal annähernd. Ihre nächsten Verwandten sind unter anderem die Faultiere. Gemeinsam gehören sie zu einer sehr alten Gruppe südamerikanischer Säugetiere.
Es gibt auch nicht nur den Ameisenbären. Neben dem Grossen Ameisenbären gibt es beispielsweise Tamanduas und den winzigen Zwergameisenbären, der einen grossen Teil seines Lebens in Bäumen verbringt. Aber der Grosse Ameisenbär ist für mich eindeutig derjenige mit dem grössten Wiedererkennungswert, wohl gerade deshalb, weil an ihm irgendwie nichts so richtig zusammenzupassen scheint.

Ein Körper wie ein grosses zotteliges Tier. Eine Schnauze wie ein langgezogenes Rohr. Eine Zunge von ungefähr 60 Zentimetern. Keine Zähne. Riesige Krallen. Ein Schwanz wie ein Staubwedel. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – funktioniert dieses Tier seit Millionen von Jahren ganz wunderbar.
Manchmal denke ich sowieso, dass gerade die Tiere, die auf den ersten Blick ein bisschen aussehen, als hätte die Evolution etwas sehr Seltsames ausprobiert, zu den faszinierendsten gehören.

Da gehört der Ameisenbär für mich definitiv dazu. Cooles Tier.

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.