When the power of love…


Wir sehen täglich unendlich viele Bilder überall. Manche, die schauen wir uns nur kurz an, ohne dass sie unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Es gibt aber auch Bilder, die sich uns einprägen und die uns nicht mehr loslassen.

So geht es mir zB mit dem Foto von einem jungen Paar auf der Spitze des Empire State Buildings in New York. Sie sind nicht auf der Aussichtsplattform oder hinter einer Glasscheibe, sondern ganz oben auf der schmalen Antennenspitze – über 440 Meter über dem Boden. Ohne sichtbare Sicherung. Unvorstellbar.

Die beiden heissen Angela Nikolau und Ivan Kuznetsov. Sie stammen aus Russland und sind dafür bekannt, auf Hochhäuser und Baukräne zu klettern. Viele kennen sie aus der Netflix-Dokumentation Skywalkers: A Love Story. Diesmal erklommen sie das Empire State Building – etwas, das als praktisch unmöglich gilt. Wie sie überhaupt dorthin gelangt sind, ist nicht vollständig geklärt. Als sie wieder unten waren, wurden sie festgenommen.  

Ob ich so etwas mutig finde?
Nein.
Also… Doch. Eigentlich finde ich das sehr mutig, obwohl es vermutlich für sie nichts oder nur wenig mit Mut zu tun hat, sondern nur für mich, die Angst hätte vor dieser unglaublichen Höhe.
Ehrlich gesagt finde ich es lebensgefährlich. Ich hatte schon beim Anschauen der Bilder weiche Knie. Für einen kurzen Moment Aufmerksamkeit das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, ist für mich keine Romantik. Kein Mensch ist unersetzlich und unser Leben ist wertvoll – und gerade deshalb sollte niemand sein Leben leichtfertig riskieren.

Und trotzdem…
Trotzdem hat mich etwas an diesem Bild mega berührt.
Nicht die Kletterei. Die hat mich beeindruckt, aber nicht berührt.
Auch nicht der Nervenkitzel oder der Heiratsantrag, der er ihr offenbar dort oben machte.
Nein, es war das schwarze Banner, das sie oben aufhängten, so dass es im Wind flatterte und seine Botschaft allen zeigte:

When the power of love
beats the love of power,
the world knows peace.

Wenn die Kraft der Liebe
die Liebe zur Macht besiegt,
kennt die Welt Frieden.“


Über diesen Satz habe ich lange nachgedacht, denn für mich beschreibt er eines der grössten Probleme der Menschheit. (Oder ein Teil der Lösung)

Wie viele Kriege wurden geführt, weil Menschen mehr Macht wollten? Mehr Land, mehr Einfluss, mehr Ruhm, mehr Reichtum, mehr Kontrolle…
Wie oft leiden am Ende genau diejenigen darunter, die nie nach Macht gefragt haben – Kinder, Familien, all die ganz normalen Menschen, die einfach nur leben möchten.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Tragik unserer Geschichte. Dass Liebe fast immer leiser ist als Macht.
Macht schreit. Macht droht. Macht befiehlt. Macht macht andern Angst, will sie schwach machen, so dass sie sich unterordnen. So dass ein einziger oder wenige Menschen sich auf sie drauf stellen und so viel, viel grösser aussehen können, als sie es eigentlich sind…

Liebe ist viel leiser.
Liebe hört zu.
Liebe fragt.
Liebe verbindet und macht Menschen stark und vieles möglich.
Liebe ist viel, viel stärker, aber die Mächtigen dieser Welt haben wirksame, manipulative Methoden, um sie möglichst klein zu halten.

Ein Satz auf einem Banner verändert die Welt nicht, ich weiss. Kriege hören nicht auf, weil zwei Menschen auf ein Hochhaus klettern.
So einfach ist unsere Welt leider nicht.

Und trotzdem brauchen wir unbedingt solche Sätze, um uns daran zu erinnern, woran wir uns eigentlich orientieren möchten und wie wichtig es ist, den Frieden in unserer eigenen kleinen (Um)welt herzustellen oder zu wahren.
Man stelle sich vor, wenn das auf der ganzen Welt immer mehr Menschen so machen würden und sich weniger von machtgierigen Menschen manipulieren und instrumentalisieren lassen würden….

Übrigens wird dieses Zitat
When the power of love
beats the love of power,
the world knows peace.

oft Jimi Hendrix zugeschrieben. Einen eindeutigen Beleg dafür gibt es allerdings nicht. Eine sehr ähnliche Formulierung stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert vom britischen Premierminister William Ewart Gladstone. Der Gedanke ist also viel älter als viele glauben.  

Ich weiss nicht, ob Angela und Ivan mit ihrer Aktion irgendetwas verändert haben. Aber sie haben erreicht, dass Millionen Menschen für einen Moment nicht auf nur die Höhe geschaut haben, sondern auch vor allem auf ihre Botschaft.

Ich glaube, das ist ein Anfang.
Und es ist wunderbar, denn ich wünsche mir tatsächlich eine Welt, in der Wertschätzung, Zugewandtheit und Wohlwollen wichtiger sind als Überlegenheit und Millionen auf den Konten einzelner Menschen.
Eine Welt, in der Menschen lieber Brücken bauen als Mauern.
Eine Welt, in der wir nicht fragen: Wie viel Macht habe ich und um welchen Preis (den andere bezahlen müssen), bekomme ich noch mehr?
Sondern: Wie und was kann ICH dazu beitragen, dass die Macht der Liebe viel, viel grösser wird auf der Welt, als die Liebe zur Macht?

Eine Antwort zu „When the power of love…“

  1. Tatsächlich wäre das der Beginn einer neuen Zeit. Aber solange sich Menschen an Geld und Macht mehr erfreuen als an Nähe und Vertrauen wird sich nichts ändern. Leider.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.