Ich möchte euch Angela Rosengart vorstellen


Heute möchte ich euch eine Frau vorstellen, die Menschen hier in der Umgebung Luzern vermutlich kennen bzw gekannt haben, wenn auch vielleicht nur ihren Namen: Angela Rosengart.

Es gibt bekannte Menschen, die hinterlassen grosse Bauwerke, andere schreiben Bücher oder verändern die Welt mit ihren Erfindungen. Angela Rosengart hinterliess etwas anderes: Sie schenkte den Menschen Kunst.

Angela Rosengart wurde am 28. Juni 1932 in Luzern geboren. Sie wuchs in einer Familie auf, in der Kunst zum Alltag gehörte. Ihr Vater, Siegfried Rosengart, war ein renommierter Kunsthändler. Schon als kleines Mädchen begegnete Angela Künstlern, Sammlern und Museumsdirektoren. Während andere Kinder vielleicht von Puppen oder Fahrrädern träumten, faszinierte sie schon früh die Welt der Gemälde.
Mit gerade einmal 16 Jahren begann sie im Kunsthandel ihres Vaters mitzuarbeiten. Sie lernte Bilder zu katalogisieren, Künstler kennenzulernen und vor allem eines: genau hinzusehen. Diese Fähigkeit sollte ihr ganzes Leben prägen.

1949 geschah etwas, das ihr Leben verändern sollte.
Ihr Vater nahm die damals 17jährige Angela nach Paris mit und stellte sie Pablo Picasso vor. Sie war so beeindruckt, dass sie kaum ein Wort herausbrachte. Picasso betrachtete sie einen Moment lang und sagte zu ihrem Vater: «Rosengart, Sie haben eine schöne Tochter.»
Aus dieser ersten Begegnung entstand eine jahrelange Freundschaft. Angela und ihr Vater besuchten Picasso regelmässig in seinem Atelier in Südfrankreich. Sie lernten nicht nur den weltberühmten Künstler kennen, sondern auch den Menschen hinter dem Genie.

1954 bat Picasso sie, für ein Porträt Modell zu sitzen. Angela war damals 22 Jahre alt und sagte sofort zu.
Später erzählte sie, dass diese Stunden unglaublich intensiv gewesen seien. Picasso habe sie mit einem Blick angesehen, als würde er direkt durch sie hindurchschauen. Sie sagte einmal, sie habe sich nach jeder Sitzung gefühlt, als wäre sie «geröntgt» worden. Es sei anstrengend gewesen – und gleichzeitig eines der grössten Erlebnisse ihres Lebens.

Zwischen 1954 und 1966 porträtierte Picasso Angela Rosengart insgesamt fünfmal. Diese Werke gehören heute zu den besonderen Schätzen der Sammlung Rosengart in Luzern.
Doch Angela Rosengart war nie einfach «Picassos Muse». Gemeinsam mit ihrem Vater baute sie über Jahrzehnte eine aussergewöhnliche Kunstsammlung auf.
Werke von Pablo Picasso, Paul Klee, Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miró, Claude Monet und vielen anderen fanden ihren Weg in ihre Sammlung.
Dabei folgte sie nie dem Gedanken, möglichst teure Kunst zu besitzen. Sie kaufte Bilder, die sie berührten. Kunst war für sie kein Statussymbol, sondern etwas Lebendiges.

1992 gründete sie die Stiftung Rosengart, damit die Sammlung dauerhaft erhalten bleibt. Zehn Jahre später, im Jahr 2002, erfüllte sich ein grosser Traum: In Luzern eröffnete die Sammlung Rosengart ihre Türen.
Heute beherbergt das Museum über 300 Werke des Impressionismus und der klassischen Moderne sowie eine der bedeutendsten privaten Picasso- und Paul-Klee-Sammlungen der Welt. Tausende Besucherinnen und Besucher reisen jedes Jahr nach Luzern, um diese Kunstwerke zu sehen.

Auch im hohen Alter blieb Angela Rosengart ihrer Sammlung eng verbunden. Sie führte Besucher:innen durch die Räume, erzählte Geschichten über die Künstler:innen, die sie persönlich gekannt hatte, und sprach mit einer Wärme und Begeisterung über die Bilder, als wären sie gute Freunde.
Sie war keine Frau, die das Rampenlicht suchte. Viel lieber liess sie die Kunst sprechen.

Am 30. Juni 2026, nur zwei Tage nach ihrem 94. Geburtstag, starb Angela Rosengart in Luzern.
Mit ihr ging eine Frau, die eine Brücke zwischen den grössten Künstlern des 20. Jahrhunderts und den Menschen von heute gebaut hat.
Wenn wir heute durch die Sammlung Rosengart gehen und vor einem Picasso stehen, sehen wir nicht nur ein weltberühmtes Gemälde. Wir sehen auch das Lebenswerk einer Luzernerin, die daran glaubte, dass Kunst nicht hinter verschlossenen Türen verschwinden darf.
Und das ist ihr grösstes Vermächtnis: Sie sammelte Kunst nicht nur für sich selbst, sondern auch für uns.

Angela Rosengart mit Pablo Picasso

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.