Auf der Weggabelung

Das Leben besteht unumstritten aus unzählig vielen Dingen und für jeden wieder anders. Eines davon ist das Gehen. Das Weitergehen. Es ist unumgänglich. Ich denke schon, dass es möglich ist, für eine Weile mal stehen zu bleiben, aber früher oder später wird das Leben, die Umstände, das Umfeld uns weiterziehen. Es geht ja gar nicht anders und es ist gut so, denn es bedeutet Entwicklung.
Auf gute Zeiten folgen schlechte und auf schlechte folgen bessere. Das ist es auch, was uns schlussendlich alle verbindet.

Das einzig Konstante im Leben
ist die Veränderung.
Heraklit

Und das stimmt.

Veränderung ist ja eigentlich sehr oft etwas Gutes und trotzdem stehen wir ihr manchmal etwas zögerlich gegenüber. Manchmal müssen Entscheidungen getroffen werden, manchmal entscheidet das Leben oder das Schicksal – Glück, Pech, was auch immer – für uns.
Veränderungen bedeuten, neue Wege einzuschlagen und zu beschreiten. Altes, Vertrautes hinter sich zu lassen und aufzubrechen, sozusagen ins Ungewisse. Es ist ganz oft so, denn wer weiss schon, was die Zukunft bringt? Und das ist nicht nur einfach. Man sieht wirklich oft Menschen in sehr unglücklichen Situationen, die aber doch lieber daran festhalten statt etwas Neues zu wagen. Weil das Bekannte uns Menschen Sicherheit gibt. Zufrieden sein reicht ja, wer ist schon glücklich?
Ich verstehe das nur zu gut.

Also bedeutet Vorwärtsgehen auch ein gewisses an Loslassen. Denn wer festhält kommt nicht weiter oder halt etwas langsamer. Loslassen kann befreiend sein und Platz für anderes schaffen. Loslassen kann aber auch schmerzlich sein und eine Lücke hinterlassen. So bedeutet Loslassen auch mutig sein, glaube ich, denn man begibt sich ohne Kompass und Navi auf unbekanntes Terrain.
Mit Loslassen ist es dann aber noch nicht gemacht bzw. das ist wohl erst der erste Schritt. Denn wenn man etwas hinter sich lässt, dann ist da auf jeden Fall eine Lücke. Etwas fehlt. Egal, ob es uns weh tut oder befreit. Und so ist dann irgendwie und irgendwann der nächste Schritt das Weitergehen und das eventuelle Füllen dieser Lücke. Ich finde, auch das kann unter Umständen ganz viel Mut erfordern. Denn das ist schon wieder eine Richtungsänderung, wer weiss wohin.
Ein besonders grosser Schritt ist es, wenn diese Veränderung eines unserer Standbeine betrifft. Die Familie, die Partnerschaft, die Gesundheit, der Beruf oder die Freunde.

Ich bin ja der Meinung, dass alles immer gut kommt bzw dass es genau so kommt wie es kommen muss und je älter ich werde, desto entspannter gehe ich diesen Weg. Es bringt nichts, sich über eventuelle zukünftige Begebenheiten Sorgen zu machen. Es bringt nichts, sich an Vergangenem festzuhalten, obwohl es vorbei ist. Und es bringt nichts, das Leben rückwärts zu gehen, um den Blick auf Neues zu verhindern, weil es Angst machen könnte.
Und doch ist das manchmal auch leichter gesagt als getan, denn wir sind ein Produkt unserer Vergangenheit, unserer Erfahrungen und es gibt ganz bestimmt in jedem Leben Dinge, die man nicht nochmal erleben möchte oder Vorstellungen, die man sich erhofft. Dinge die einem Angst machen oder die man sich herbei sehnt. Und diese Gedanken im Hinterkopf bestimmen, wie entscheidungsfreudig, offen oder ängstlich wir sind.

So können neue Wege spannend und lehrreich, voller neuer Erlebnisse sein. Sie können aber auch anstrengend und beängstigend sein, weil man nicht weiss was hinter der nächsten Kurve lauert oder kauert, wie weit es noch bergauf geht oder wohin er überhaupt schlussendlich führt, dieser Weg.

Egal welchen Weg ich in meinem Leben gegangen bin, der Weg selbst war dabei vermutlich nur das zweitwichtigste. Das Wichtigste dabei war für mich immer, wer dabei war. Wer mich begleitete.
So war es auch für mich immer das Schwierigste bei einer Richtungsänderung, zu wissen, dass nicht alle die ich gern habe, mitkommen werden. Das ist ja nicht unbedingt etwas schlechtes. Wege trennen sich. Nicht jede oder jeder geht den selben Weg wie ich. Sie haben ihre eigenen Hürden, ihre eigenen Abgründe und ihre eigenen Ziele.

Ich habe es erlebt dass es Menschen gibt, die mich auf einer Strecke begleitet haben, wir haben gelacht, gefeiert und uns gefreut, und sobald es steiniger wurde, sind sie abgebogen. Ich habe das immer wieder verurteilt weil ich verletzt war. Aber irgendwie verstehe ich es nun besser. Nicht jeder ist für jeden Weg gemacht, nicht jeder kann jede Situation aushalten.
Ich habe es aber auch erlebt, dass es Menschen gibt, die mich vor allem in schwierigen Zeiten begleitet haben, mir nah und eine Stütze waren und dann wenn der Sturm vorüber war, wieder etwas in den Hintergrund rückten.
Ich habe es aber auch erlebt, dass Menschen immer da sind, egal was passiert. Auf ihrem eigenen Weg, der aber ganz nah bei meinem ist. Freundinnen und Freunde.
Umgekehrt ist es ja dasselbe. Ich gehe nicht mit jedem jeden Weg. Manche würde ich in jeder Situation und mit letzter Kraft stützen, andere beobachte ich interessiert und nehme aus einer gewissen Distanz Anteil und andere interessieren mich einfach wirklich weniger oder gar nicht. Das ist einfach nur ehrlich. Auch ich bin nicht für jeden Weg geeignet.

Man sagt ja manchmal, dass man in Krisen sieht, wer ein wirklicher Freund bzw eine richtige Freundin ist, denn die werden bleiben, auch wenn es oder man mal etwas anstrengender ist.
Ich habe es immer so erlebt, dass ich zwar Menschen hinter mir gelassen habe, wenn ich mich verändert habe, aber auch immer wieder neue dazugewonnen habe. Schlussendlich war das immer eine Bereicherung. ZB beim Jobwechsel, bei einer Trennung, beim Umziehen in eine neue Wohnung usw.
Und dennoch finde ich diesen Prozess des Loslassens oft schwer, wenn es um Menschen geht. Ich mach das nicht gern. Oftmals ergibt es sich ja einfach, Kontakte verlaufen im Sand und so ist das ja schmerzfrei und vermutlich für beide okay. Aber jemanden wirklich ganz bewusst hinter sich zu lassen, obwohl er oder sie das ganz anders möchte, das mache ich fast nie, glaube ich. Ich gehe Beziehungen, egal welcher Art, wirklich sehr bewusst ein und bin dann sehr treu, wenn man das so sagen kann. So empfinde ich es auch jedesmal als sehr verletzend, wenn andere das anders handhaben und halt mit andern Werten Freundschaften oder Bekanntschaften eingehen und auch enge Kontakte einfach so abgebrochen werden.
Es ist ja jeder anders. Ich bin nun halt einfach so.

So finde ich das Schwierigste am Einbiegen auf einen neuen Weg, nicht zu wissen wer mit mir kommen wird.
Aber ich mach das nun trotzdem.

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