Gedanken zum Muttertag

Heute ist Muttertag.

Das ist einer dieser Tage im Jahr, an dem alle mit ihren Familien zusammen sind. Das finde ich schön für alle, ganz ehrlich. Und doch wird mir an solchen Tagen bewusster, dass mir das fehlt. Es ist nun halt einfach so, das ist unveränderbar.

Ich bin eine Mutter. Eine Mama. Ich habe mein Kind. Sie und ich sind eine Familie. Meine Familie, ihre Familie, unsere Familie. Das Allerwichtigste.

Bin ich noch eine Tochter, wenn keine Eltern mehr da sind? Ich glaube nicht. Ich war also mal eine Tochter, aber jetzt bin ich’s schon lange nicht nicht mehr.

Ich bin eine Ex-Frau. Die Mutter seines Kindes. Die Ex.

Bin ich noch die Schwägerin, die Tante und die Schwiegertochter der Familie meines Ex-Mannes? Ich glaube leider nicht, obwohl ich mich noch so fühle. Diese Rolle gehört nun aber meiner Nachfolgerin.

Ich bin eine Schwester, eine Nichte und eine Cousine. Jedenfalls theoretisch. Realistisch gesehen bin ich nichts von alldem, denn solche Rollen brauchen zwei, die dazu gehören. Zwei, die sich verbunden fühlen. Das habe ich nicht. Das Ende meines Familienbandes liegt irgendwo in der Schweiz brach, weil niemand seines daran knüpft. Trotzdem bin ich all das, jedoch ist es eine unausgefüllte Rolle.

Ich bin eine Freundin und eine mehr oder weniger innige Bekannte, all diese Verbindungen sind mir super-wichtig, jede auf ihre Art. Was würde ich ohne diese Menschen tun? Ich weiss es nicht.

Ich bin eine Arbeitskollegin und eine Bezugsperson für die Menschen, die ich betreue. Letzteres ist eine Dienstleistung, es ist mein Beruf und diese Verbindung beruht nicht auf Gegenseitigkeit, obwohl ich weiss, dass ich für diese Menschen eine wichtige Person bin. Ich mag sie auch und ich kenne sie gut und unsere Beziehung ist professionell. Meine Arbeitskollegen hingegen sind für mich auch Freunde geworden, die habe ich mega lieb.

Ich muss zugeben, ich hätte gerne jemanden, die für mich eine Schwester oder der für mich ein Bruder ist. Jemanden, der meine Familie ist. Mir fehlt das. In der letzten Zeit mehr. Ich habe das Gefühl, es wäre einfacher. Alles. Denn alles andere ist schlussendlich recht vergänglich. Freundschaften sind mal näher, mal weniger und man nimmt sich zurück, wenn man ganz besonders jemanden bräuchte, um nicht zuviel zu sein, um nicht zu belasten oder halt einfach, um nicht zu stören. Ich glaube, das ist ganz normal.

Ich habe Menschen in meinem Leben, die für mich wie eine Familie sind. Wie eine Familie, sie sind mir wichtig. Ich bin das für sie aber nicht, dessen bin ich mir sehr bewusst, denn sie haben ja eine Familie. Geschwister, vielleicht noch Eltern, Schwägerinnen und Schwager, Nichten und Neffen usw. Sie brauchen mich nicht als Familie. Das ist auch vollkommen okay so, ich bin froh für jeden, der das hat. Und eine Freundin zu sein, ist auch toll. Ich hoffe, ich bin eine gute. Ich hab da nicht schlechte Gefühle oder so und da macht auch niemand etwas falsch. Es ist einfach eine Realität.

Blut ist stärker als Wasser und ich glaube, dass das oft stimmt, obwohl nicht in jeder Familie alles okay ist. Freundschaften gehen auch mal auseinander, wenn man etwas Falsches sagt oder tut – schwupps Funkstille. Und dann ist man meine Freundinnen mehr. Ja, ich weiss, richtige Freunde gehen nicht einfach weg, denn sonst waren sie’s wohl gar nicht wirklich. Dann hat man sich etwas vorgemacht. Aber machts das besser? Nein. Umso enttäuschender.

Schwestern zB ist man immer noch, auch wenn man mal streitet oder die Distanz gross ist und irgendwann wirds einen wieder zueinander ziehen. Weil man tief verbunden ist.

So stelle ich es mir jedenfalls vor. So hätte ich es gerne.

Ich wünsche euch einen schönen Muttertag, egal ob ihr eine Mutter seid oder nicht.