Vorfreude ist die schönste Freude…

Ich verstehe die Massnahmen, die wir seit ein paar Wochen einhalten müssen. Ich verstehe die nicht nur, ich finde sie auch sinnvoll und gut. Soweit ich das beurteilen kann. Ich vertraue da den Fachleuten, die dies bestimmen. Und es ist mir klar, dass es keine Erfahrungswerte gibt (denn das ist eine ganz neue Situation) und auch, dass es nicht möglich ist einen 100%igen Lockdown zu vollziehen. Ich glaube ja, die die dies fordern oder die getroffenen Massnahmen kritisieren, wären die ersten, die reagieren, wenn man gar nichts mehr einkaufen oder gar nicht mehr raus dürfte. Dazu habe ich etwas passendes gelesen:

Aber das nur am Rande…

In der Freizeit ist jetzt alles ruhiger, stiller. Man kann ausser spazieren oder radfahren nicht viel unternehmen. Das empfinde ich zwar als angenehm. Mir fehlt das alles nicht sehr, da ich auch im Normalfall neben den zu erfüllenden Pflichten nicht viel Zeit für sowas habe. Und auch, weil ich auch im Normalfall die Ruhe geniesse.

Aber es gibt schon Dinge, die mir fehlen. Im grossen und ganzen fehlt mir einfach das normale Leben. Das, was wir doch so oft als langweilig und auch ein bisschen eintönig empfinden. Genau das. Das will ich zurück.

Ich vermisse vor allem den direkten Kontakt zu den Menschen, die ich lieb habe. Mal einen Kaffee zusammen trinken und reden, das wäre schön. In einen netten Café sitzen und einfach den Moment geniessen… Spontan eine Freundin besuchen, Ausflüge machen oder Besuch empfangen, all das halt.

Eine meiner Freundinnen hat eine schwierige Zeit im Moment. Ich kann nicht zu ihr, um ihr zu zeigen, dass ich da bin. Ich kann nicht persönlich mit ihr sprechen, kann sie nicht in die Arme nehmen, nichts. Das fehlt mir.

Ich gehe nicht mehr gern einkaufen. Einkaufen ist momentan unentspannt und ein unangenehmes Übel, das einfach gemacht werden muss. Ich plane momentan Einkäufe sehr gut, damit einmal pro Woche ausreicht. Ich vermisse es, unbeschwert einkaufen zu gehen. Oder wenn ich etwas vergessen habe, einfach noch schnell in ein Geschäft zu gehen, um es zu holen.

Seitdem ich alleinerziehend bin, gehe ich viel seltener zum Friseur als vorher. Einfach, weil es teuer ist und ich es mir nicht mehr alle zwei Monate leisten kann oder will. Ich war jetzt seit vier oder fünf Monaten nicht mehr dort. Meine Haare sind wirklich lang geworden und meine grauen? dunkelblonden? Ansätze sind nicht mehr zu übersehen. Ich freue mich auf meinen nächsten Friseur-Besuch. Nicht nur wegen der ausgezeichneten Arbeit, die meine Friseurin leistet um mich zu verschönern, sondern weil die zwei Stunden bei ihr Wellness für mich sind.

Ich vermisse es, Zeit für mich zu haben. Es muss nicht viel sein, nur ab und zu vielleicht ein, zwei Stunden. Das fehlt momentan total, weil das Kind keine Schule hat. Und wenn es beim Papa ist, arbeite ich fast immer.

Ich vermisse auch die Wochentage. Ich will Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag zurück! Und das Wochenende! Zur Zeit fühlt sich jeder Tag an wie der andere. Heute ist zB der vierte Montag dieser Woche.

Ich vermisse meine Freiheit. Obwohl wir ja noch ganz viel tun dürfen (und ich will mich nicht beklagen), können wir auch ganz viel nicht tun.

All das vermisse ich und noch viel mehr. Und auf all diese Dinge freue ich mich! Schritt für Schritt wird alles wieder möglich sein und ich glaube, viele von uns werden dann den ganz normalen Alltag wieder schätzen. Solche Dinge, von denen wie noch vor weniger als einem halben Jahr nie gedacht hätten, dass wir sie nicht mehr tun dürfen.

Vorfreude ist die schönste Freude, wie man sagt… Stimmt!