Direkt hinter deinem Rücken…

Es gibt nicht immer einen konkreten Anlass, warum ich zu einem Thema etwas schreibe und meine Themen sind auch nicht sooo oft immer 1:1 mit meinem Leben in Verbindung zu setzen. Ich muss das von Zeit zu Zeit immer wieder mal schreiben, weil viele von euch auf meine Texte reagieren und halt denken, mir sei gerade in diesem Moment das, wovon ich schreibe, widerfahren. Dem ist aber nicht so, jedenfalls nicht immer. Ich habe schon einiges erlebt, wie ihr auch. Aber nicht alles. Und nicht alles, wovon ich schreibe. Oder zumindest nicht alles gerade jetzt.

Gedanken kann man sich ja trotzdem machen. Also ich mir. Eigentlich mache ich mir recht oft Gedanken darüber, zB wie Menschen so miteinander umgehen. Mir fällt das einfach auf. Ich glaube noch nicht mal, dass ich eine besonders nachdenkliche Person bin. Ich glaube, ich bin einfach aufmerksam und hinterfrage gewisse Dinge. Normalerweise findet das meistens in meinem Kopf statt und bleibt auch dort, ausser wenn ich hier davon schreibe.

Ich finde ja, dass die Welt kein schlechter Ort ist und der Mensch kein schlechtes Wesen. Grundsätzlich. Und doch werden wir manchmal eines besseren belehrt oder geraten in Situationen, in denen wir zweifeln. Am Guten. Ich glaube, das gehört dazu zum Leben.
So schlecht ist das Schlechte gar nicht.
Denn ohne das Schlechte wäre das Gute nicht gut, sondern nur normal.

Ich glaube, Menschen sind ganz, ganz selten schlecht. Aber manche ihrer Eigenschaften oder Verhaltensweisen sind es. Durchaus. Das entschuldigt ja noch gar nichts. Egal, was passiert ist oder gerade am passieren ist, nichts rechtfertigt es, andere Scheisse zu behandeln. Das finde ich zumindest. Ich bin in dieser Beziehung echt sehr intolerant, muss ich sagen. Ich finde es immer sehr mies, hinter dem Rücken einer Person irgendwas zu tun, was ihm schaden könnte.
Meist tun das ja sowieso Leute, die einem echt am Arsch vorbei gehen können mit ihrem charakterschwachen Verhalten. Und weil mich der Mensch und seine Psyche – und vor allem auch deren „Abgründe“ – besonders interessiert, interessiert mich in solchen Situationen dann auch das Warum. Es ist vermutlich nun etwas einseitig und schnell gesagt (aber ich betreibe hier ja keine begründete und bewiesene Studie, sondern nur einen kleinen Blog), aber ich denke, dass viele dies tun, um sich über jemanden zu stellen. Und dann bin ich überrascht, wie tief Menschen fallen können, dass sie sowas nötig zu haben scheinen. Denn wenn sich jemand besser zu machen versucht, indem er andere runter macht, das ist wirklich nur noch traurig.

Immer wieder sehe oder höre ich davon, dass Personen um eine andere Person herum über gewisse Dinge gut Bescheid wissen oder Bescheid zu wissen denken, ohne dass die betreffende Person informiert wird.
Warum kann man seine Meinung über jemanden oder seine Situation ihm nicht persönlich sagen und findet es besser, mit anderen darüber zu sprechen? Was für einen Sinn macht das? Und wie verletzend ist das überhaupt? Wie oft geschieht es z.B. dass irgendwas geschieht und alle im Umfeld wissen Bescheid, nur die Person, um die es geht, nicht? Warum passiert das?
Warum lässt man Kontakte einfach verflattern und lässt die eine Person im Unwissen hängen, mit anderen spricht man aber ausführlich darüber, warum dies so ist?

Anfang 20 hatte ich mal eine Beziehung, eine kurze nur, aber trotzdem. Dieser Mann war dann irgendwann einfach nicht mehr erreichbar für mich, beantwortete Anrufe nicht usw. Ich habe dann selber gemerkt, dass unsere Beziehung wohl zu Ende ist, doof bin ich ja auch nicht. Heute lache ich darüber und finde so ein Verhalten idiotisch. Damals hat es mich sehr verletzt und mir war es für eine sehr lange Zeit nicht möglich, diese Sache richtig abzuschliessen, weil es von seiner Seite her wie offen gelassen wurde. Er hat mich hängen gelassen, ohne Grund bzw ohne einen mir bekannten Grund.
Er hat es sich einfach gemacht, ne? Einfach weg, dann weint sie nicht, macht kein Drama usw. Ich interpretiere ja nur, schlussendlich weiss ich ja nicht, was los war. Naja, doch ich habe es dann irgendwann erfahren, dass eine andere von ihm schwanger war. Das war auch sehr geil. Ich gehe davon aus, dass er einfach zu feige war, mir das zu „gestehen“.
Ich finde das sooo schlimm! Nicht, dass mir das passiert ist. Meine Güte, es ist lange her und lange vorbei. Aber dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich davonschleichen, um der vielleicht unangenehmen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Aus Angst, jemanden zu verletzen. Und es dadurch umso mehr tun. Aus Angst vor der Reaktion. Aus Angst vor der Verantwortung, dass man „Schuld“ an diesen Gefühlen des anderen ist…
Ehrlich, das finde ich unterste Schublade. So richtig, richtig Scheisse. Feige und auch wahnsinnig respektlos.

Ich finde nicht, dass jeder wissen muss, was ich über ihn denke. Aber wenn man sich näher steht oder gestanden ist, dann hat das Gegenüber dies verdient. Ich finde, das ist Wertschätzung und Respekt und nichts ist schlimmer als unklare komische Situationen. Hängen lassen geht gar nicht. Jedenfalls für mich nicht und deswegen würde ich das nie tun. Andere können damit vielleicht anders umgehen. Häkchen dran und abgeschlossen. Gut, wenn man das kann.

 

 

Eine Antwort auf „Direkt hinter deinem Rücken…

  1. Der Umgang von Mischen miteinander …- es gibt nichts Komplexeres, nichts Komplizierteres.

    Ich versuche, nicht mehr zu urteilen. Auch weniger zu verurteilen. – Ich habe in meinem Leben mit so vielen Menschen zu tun gehabt, aus so vielen verschiedenen Ländern, aus allen Altersgruppen, verschiedensten Kulturen, unterschiedlichster Sozialisation. –

    Ja, es gibt immer wiederkehrende „Muster“. Aber was sich dahinter verbirgt, ist immer anders, ist so vielschichtig. Für jedes unangemessene, jemand anderen (potentziell) verletzende Verhalten gibt es die unterschiedlichsten Hintergründe. Mal beruht solches Verhalten auf Minderwertigkeitskomplexen, mal ist es eigentlich ein Hilfeschrei, mal steckt ein unverarbeitetes Trauma dahinter, mal ein deformierter Charakter, für dessen Eigenart wieder viele verschiedene Ursachen einschlägig sein können usw.

    Mit diesem Wissen im Hinterkopf gelingt es mir besser Verhaltensweisen zu verzeihen, auch mir gegenüber, weil ich nachvollziehen, bisweilen sogar verstehen kann, warum sich derjenige so verhält und, dass er es womöglich gar nicht so seiner selbst bewusst tut, wie es den Anschein hat. Auch dann, wenn ich diese Verhaltensweisen nicht akzeptieren kann, woran im Zweifel auch alles Hintergrundwissen nichts zu ändern vermag.

    Ich gebe allerdings zu: IMMER gelingt mir das wahrlich auch nicht.

    Liebe Grüße!

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