Es ist erlaubt, an seine Grenzen zu kommen

Kennst du die Situation, dass Menschen ganz genau wissen, was entweder für dich das Beste ist oder was du tun müsstest? Das faszinierende daran ist ja dann auch noch, dass sie das wissen, ohne deine Situation zu kennen. Und das nicht nur bei dir, sondern auch bei all den andern Leuten, über die sie so gerne hinter deren Rücken reden. Sie schaffen es, sich schnell eine Meinung über eine Situation oder über einen Menschen zu bilden, ohne viel Hintergrundwissen. Sozusagen Ferndiagnosen. Einfach schwupps, irgend ein Klischee übergestülpt und fertig ist das selbstgestrickte Bild.

Es gibt fast gar nichts, was mich wütender macht. Oder vielleicht doch nicht wütend? Vielleicht ist „hilflos“ der bessere Ausdruck. Jedenfalls, wenn es um mich geht. Wenn es um Drittpersonen geht, nehme ich meistens eine beschützende, verteidigende Rolle ein. Denn ich finde immer, dass man auf niemandem herumtrampelt, der es sowieso gerade schwer hat.

Erziehung ist ja z.B. so ein Thema. So ein Kind darf ja nie bocken oder Schwierigkeiten „machen“ oder man darf zumindest nicht darüber sprechen bzw. dazu stehen, dass man damit hin und wieder an seine Grenzen kommt. Und dass man an seine Grenzen kommt hat ja mit vielen andere Aspekten wohl auch noch zu tun, nicht nur mit einem trotzenden Kind, nehme ich mal an.
Also bitte gegen aussen immer schön so tun, als wäre alles bestens. Den Schein wahren. Als wäre man als berufstätige Mutter immer energiestrotzend und voller Lebensenergie und -freude. (Gilt für nicht-berufstätige Mütter genauso. Und eigentlich auch nicht nur für Mütter, sondern für alle.)
Denn wenn nicht, gibts immer wieder Personen, von denen dann Unverständnis und gut gemeinte Ratschläge kommen, die so gerne mit…
DU MUSST… beginnen.
Und wenn ich müde und genervt bin, dann verbessert sich das durch solche Kommentare nun nicht wirklich, um ehrlich zu sein. Eher im Gegenteil. Statt Stress- oder Druckabbau erzeugt das Stress- und Druckanstieg. Das Gefühl, vieles falsch zu machen usw. usw…

Natürlich sind das nur Phasen. Und natürlich sind das nur einzelne Leute. Aber ich frage ja immer auch nach dem Warum. Also, warum tun die das denn? Warum nicht fragen, was der Grund für die schwierige Situation könnte? Warum nicht fragen, ob sie Entlastung anbieten könnten? Warum nicht einfach sagen, dass das – wenn es zB. um die Kindererziehung geht – normal ist?

Warum nicht einfach nur zuhören? Oder auch ein bisschen emphatisch sein und sich an selbsterlebte Situationen erinnern, bei denen man an die eigenen Grenzen kam und sich überlegen, was dann geholfen hat. Fragen, ob ein Ratschlag erwünscht ist, wäre vielleicht auch noch eine Idee.
Und was ich besonders schön finde ist, wenn andere Menschen im Gespräch sagen, dass es ihnen manchmal genauso ergeht. Irgendwie hilft mir das fast am meisten. Zu wissen, dass das alles normal ist, dass andere Menschen diese Situation auch kennen und dass sie vorüber gehen wird.

Ich bin froh, dass sich mein Umfeld mehrheitlich aus den zuletzt genannten Menschen zusammensetzt.

2 Gedanken zu “Es ist erlaubt, an seine Grenzen zu kommen

  1. Jan Thomsen schreibt:

    Gerade bei der Kindererziehung gibt es stellenweise Momente wo ich mir denke „Entweder ich geh hier gleich total in die Luft, oder du machst deinen Scheiß jetzt alleine“

    Gilt sowohl für Gespräche mit dem Kind, als auch mit „erfahrenen Eltern“.

    Ich hätte zum Beispiel mal die Situation, dass ich total am abkotzen war über eine bestimmte Situation. Da wurde mir dann gesagt „das hättest du auch eher wissen müssen.“

    „Ja, das wusste ich auch vorher. Motzen will ich jetzt einfach mal trotzdem!“

    Nachdem ich so geantwortet hatte war es auch ok. Es konnte eingeordnet werden. Und vor allem wussten sie: Ich will keine Ratschläge 😁.

    Druckausgleich ist nicht nur öfter mal nötig, sondern auch sinnvoll. Irgendwo hin muss der nämlich. 😁

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