Es ist das Herz.

Austauschbar sein, das ist irgendwie ein Thema, über das ich öfter mal nachdenke. Auf der einen Seite finde ich, dass ausnahmslos jeder austauschbar ist und auf der anderen Seite, dass besondere Menschen für immer fehlen können, wenn sie weg sind. Auch, wenn andere ihre Funktion, Rolle oder was auch immer einnehmen bzw. es versuchen.

Was macht es denn aus, dass für uns jemand unersetzbar wird? Ich weiss die Antwort bereits, ihr vermutlich auch.

Es ist das Herz. Immer.

Verbindet uns mit jemandem zum Beispiel eine Geschäftsbeziehung oder irgendetwas Oberflächlicheres, etwas ohne Herzblut, dann vermissen wir diese Person wohl eine gewisse Zeit lang oder in bestimmten Situationen und irgendwann nicht mehr. Sie sind halt einfach weg. Gerade bei der Arbeit sind wir uns ja Veränderungen gewohnt, Leute kündigen, gehen und neue kommen. Mit einigen haben wir uns vielleicht besonders gut verstanden, dann kann es sein dass wir weiterhin Kontakt halten. Die Rollen verändern sich. Von einer beruflichen zu einer persönlichen. Bei der Arbeit wird eine andere Person ihren Job übernehmen, ihn gut oder schlecht machen und irgendwie seinen Platz einnehmen.
Ich erinnere mich an meinen letzten Job. Da ist vor ein paar Jahren ganz unerwartet ein wirklich sehr beliebter Kollege am Wochenende beim Skifahren in den Bergen verstorben. Herzstillstand. Bäm! Aus dem Leben gerissen… Und ich habe ihn auch nach zwei Jahren noch irgendwie vermisst. Sein Büro blieb für mich immer „das Büro von Jost“, auch wenn dort längst jemand anders am Schreibtisch sass… Lustig, dass ich auch jetzt beim Schreiben an ihn denke, obwohl ich seit fast zwei Jahren nicht mal mehr dort arbeite. Ich mochte ihn einfach gut und er war ein kompetenter Kollege. Mehr hat uns nicht verbunden. Hat aber scheinbar gereicht, um Spuren zu hinterlassen.

Im „privaten Bereich“ ist es anders. Da verbindet uns etwas anderes. Wir lassen Menschen an unserem Leben mehr oder weniger teilhaben und wir an ihrem. Wir mögen oder lieben. Da werden Menschen nicht einfach so ersetzt im Normalfall. Ich kann ja nur immer von mir sprechen. Was weiss ich, wie andere damit umgehen. Es macht manchmal schon den Anschein, dass jemand geht und sofort ersetzt wird. Das fällt mir manchmal bei Trennungen auf, einer weg und schwupps in einer neuen Beziehung. Lücken füllen, damit sie nicht mehr schmerzen. So irgendwas vermutlich.
Ich glaube nicht, dass das mein Weg wäre oder ist. Ich will das aber nicht werten, denn ich weiss, dass jeder anders mit Dingen umgeht. Ich persönlich möchte niemanden, der mal wichtig war in meinem Leben ausradieren und jemand anderen an seine Stelle setzen. Ich würde das unfair finden. Denn die Person, die neu in mein Leben tritt – in welcher Rolle auch immer – hat einen besonderen Platz verdient. Einen eigenen.

Ich würde das auch nicht wollen. Ich würde nicht wollen, dass mich jemand als Ersatz für jemand anderen sieht. Dass es für jemanden nicht sooooo sehr drauf an kommt, ob ich hier bin oder jemand anders. Ich muss sagen, ich habe schon den Anspruch, exklusiv und etwas Besonderes zu sein. So wie das jeder ist. Etwas Besonderes und irgendwie halt doch nicht. Irgendwie sind wir ja alle gewöhnlich. Und trotzdem besonders.

Also, wenn da nun jemand weg geht. Jemand, der uns nahe steht. Wie auch immer und aus welchen Gründen auch immer er geht – will oder muss -, dann hinterlässt er eine Lücke. Je nach Situation eine kleinere oder grössere. Eine die schnell heilt oder eine, dessen Wunde immer wieder blutet. Eine, dessen Narbe auch nach Jahren noch schmerzt. Und niemand, aber auch wirklich gar niemand wird diese Lücke ausfüllen können. Einige von uns versuchen das (oder alle?), ich weiss es. Es wird nie erfolgreich sein, bis die Narbe wirklich gut verheilt ist. Das glaube ich zumindest.

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