Warum glauben Menschen an Verschwörungs-Theorien?

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Ich habe mich in letzter Zeit immer wieder mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Mit Chemtrails, angeblich gefälschten Mondlandungen und geheimen Mächten, die angeblich im Hintergrund unser Leben bestimmen.

Und dabei habe ich mich oft gefragt: Warum glauben Menschen eigentlich an solche Geschichten? Warum sind manche Menschen felsenfest davon überzeugt, dass uns die Regierung belügt, Wissenschaftler gemeinsame Sache mit irgendwelchen geheimen Organisationen machen oder die Medien absichtlich die Wahrheit verschweigen? Und weshalb lassen sie sich manchmal nicht einmal dann von ihrer Überzeugung abbringen, wenn man ihnen eindeutige Beweise vorlegt?

Ich finde diese Fragen mega spannend, denn hinter dem Glauben an Verschwörungstheorien steckt viel mehr, als man zunächst vermuten würde.
Wir Menschen möchten verstehen, was um uns herum geschieht. Wenn etwas passiert, suchen wir nach einer Erklärung. Das ist ganz normal und eigentlich auch sinnvoll. Aber manchmal gibt es keine einfache Erklärung.
Nehmen wir beispielsweise eine Pandemie. Plötzlich breitet sich eine Krankheit auf der ganzen Welt aus. Menschen sterben, fast die ganze Welt ist im Lockdown, Schulen werden geschlossen, unser Alltag verändert sich und niemand weiss genau, wie es weitergeht. Das macht Angst und Angst ist ein Gefühl, das wir Menschen nicht besonders mögen.

Eine Verschwörungstheorie kann in einer solchen Situation etwas anbieten, das zunächst beruhigend wirkt: eine Erklärung. Da ist plötzlich jemand, der alles geplant hat. Eine Regierung, ein Pharmakonzern oder eine geheime Organisation.
So absurd es auch klingen mag, für manche Menschen ist die Vorstellung, dass jemand absichtlich etwas Schlimmes verursacht hat, leichter auszuhalten als die Tatsache, dass schlimme Dinge manchmal einfach geschehen. Denn wenn jemand dahintersteckt, scheint die Welt wenigstens erklärbar zu sein. Zu denken, man hätte Klarheit ist einfacher auszuhalten, als eine unklare, ungewisse Situation.
Ich glaube, dass auch das Gefühl, etwas Besonderes zu wissen, eine wichtige Rolle spielen kann.

Stellen wir uns vor, jemand ist überzeugt, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat, während Millionen Menschen glauben, dass Neil Armstrong tatsächlich auf dem Mond war, ist diese Person überzeugt, etwas zu wissen, das die anderen nicht wissen. Sie gehört gewissermassen zu einem kleinen Kreis von Eingeweihten. Zu den Menschen, die durchschaut haben, was wirklich läuft.

Das kann einem das Gefühl geben, besonders aufmerksam, kritisch oder sogar überlegen zu sein. Man ist nicht einer von denen, die einfach alles glauben. Man gehört zu denen, die hinter die Kulissen schauen. Dieses Gefühl kann ziemlich verlockend sein.
Dazu kommt etwas, das wir Menschen alle kennen: Wir möchten recht haben. Wenn wir einmal von etwas überzeugt sind, suchen wir häufig nach Informationen, die unsere Meinung bestätigen. In der Psychologie nennt man das Confirmation Bias, also Bestätigungsfehler. Darüber habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag geschrieben. Was ist eigentlich der Confirmation Bias?

Wer beispielsweise glaubt, dass Kondensstreifen von Flugzeugen in Wirklichkeit Chemtrails sind, wird im Internet unzählige Videos und Beiträge finden, die genau diese Behauptung unterstützen. Was sind eigentlich Chemtrails?
Wissenschaftliche Erklärungen werden dagegen vielleicht gar nicht erst gelesen oder sie werden als Teil der angeblichen Vertuschung betrachtet. Genau hier wird es schwierig, denn wenn sogar Gegenbeweise als Beweis für eine Verschwörung angesehen werden, kann eine solche Überzeugung praktisch nicht mehr widerlegt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir möchten dazugehören, verstanden werden und Menschen um uns haben, die ähnlich denken wie wir.
Gerade in sozialen Netzwerken finden sich schnell Gruppen, in denen Menschen dieselben Überzeugungen teilen. Dort werden Beiträge ausgetauscht, Videos weitergeleitet und gegenseitig Vermutungen bestätigt.
Wer neu dazukommt, findet vielleicht etwas, das ihm vorher gefehlt hat: eine Gemeinschaft. Je stärker man sich mit dieser Gemeinschaft verbunden fühlt, desto schwieriger kann es werden, die gemeinsamen Überzeugungen infrage zu stellen. Denn dann geht es plötzlich nicht mehr nur darum, ob eine Behauptung stimmt. Es geht auch um Freundschaften, Anerkennung und das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Wer seine Meinung ändert, riskiert möglicherweise, diese Gemeinschaft zu verlieren.

Auch das Internet spielt natürlich eine grosse Rolle. Früher musste man sich Informationen aus Zeitungen, Büchern oder Fernsehsendungen zusammensuchen. Heute reicht ein Klick.
Wer sich einmal ein Video über eine bestimmte Verschwörungstheorie anschaut, bekommt auf manchen Plattformen ziemlich sicher gleich weitere ähnliche Inhalte vorgeschlagen, das ist der Algorhythmus. So kann der Eindruck entstehen, dass unglaublich viele Menschen dieselbe Meinung vertreten. Man liest es immer und immer wieder. Dabei bewegt man sich vielleicht einfach in einer digitalen Blase.

Besonders problematisch finde ich, dass sich falsche Informationen oft viel schneller und emotionaler verbreiten als sachliche Erklärungen. Ein Video mit der Behauptung, dass uns heimlich jemand vergiftet, ist natürlich aufregender als eine wissenschaftliche Erklärung darüber, wie Kondensstreifen entstehen. Angst, Empörung und Wut wecken Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit bringt Klicks.

Es gibt allerdings noch etwas, das ich wichtig finde. Auch intelligente, gebildete Menschen können auf falsche Informationen hereinfallen. Niemand ist vollkommen davor geschützt, sich täuschen zu lassen. Bestimmte Lebenssituationen können uns sogar besonders empfänglich dafür machen. Wer sich machtlos fühlt, schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht hat oder das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen verloren hat, sucht möglicherweise verstärkt nach alternativen Erklärungen.

Und natürlich ist dieses Misstrauen nicht immer völlig unbegründet. Es hat in der Geschichte tatsächlich Regierungen, Unternehmen und Organisationen gegeben, die Menschen belogen, manipuliert oder wichtige Informationen verschwiegen haben. Darüber werde ich nächstens noch schreiben. Über die Verschwörungstheorien, die tatsächlich wahr waren.

Aber nur, weil ein paar wenige solche Theorien sich bewahrheitet haben, bedeutet das nicht, dass deshalb jede andere Behauptung ebenfalls wahr sein muss. Ich denke, genau diese Unterscheidung ist wichtig.

Was mich persönlich besonders beschäftigt, ist die Frage, weshalb manche Menschen so stark an ihren Überzeugungen festhalten, selbst wenn Freund:innen oder Familienmitglieder versuchen, mit ihnen darüber zu sprechen. Vielleicht liegt es daran, dass eine Verschwörungstheorie irgendwann nicht mehr einfach nur eine Meinung ist. Sie wird zu einem Teil der eigenen Identität. Wer jahrelang davon überzeugt war, die Wahrheit zu kennen, müsste sich beim Eingestehen eines Irrtums vielleicht auch fragen, weshalb er so lange daran geglaubt hat. Das kann unangenehm sein, vielleicht sogar beschämend. Ich finde das zwar nicht, kann es mir aber vorstellen.
So ist es manchmal einfacher, noch stärker an der eigenen Überzeugung festzuhalten, als sich einzugestehen, dass man sich getäuscht haben könnte.

Ich glaube, es ist sinnvoll, Fragen zu stellen und soweit es möglich ist, in einen Dialog zu gehen.
Woher hast du diese Information?
Wer behauptet das?
Gibt es unabhängige Belege dafür?
Und was müsste passieren, damit du deine Meinung ändern würdest?

Gerade die letzte Frage finde ich interessant, denn wenn jemand darauf antwortet, dass ihn überhaupt nichts von seiner Überzeugung abbringen könnte, dann geht es eigentlich nicht mehr um eine überprüfbare Behauptung. Dann geht es um Glauben. Und Glauben lässt sich bekanntlich nicht einfach mit Fakten widerlegen.

Für mich persönlich bedeutet kritisches Denken nicht, grundsätzlich alles anzuzweifeln, was Wissenschaft, Medien oder Behörden sagen. Es bedeutet vielmehr, Informationen zu prüfen, unterschiedliche Quellen zu berücksichtigen und auch die eigenen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen, denn wir alle können uns irren.

Ich finde, das ist überhaupt nichts Schlimmes. Im Gegenteil. Die Fähigkeit, seine Meinung aufgrund neuer Erkenntnisse zu ändern, ist für mich ein Zeichen von Offenheit und Intelligenz und nicht von Schwäche.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber nachdenken, weshalb andere Menschen so leicht auf Verschwörungstheorien hereinfallen und uns stattdessen gelegentlich fragen, wo wir selbst möglicherweise etwas glauben, nur weil es gut zu unserem bisherigen Weltbild passt. Unser Gehirn ist nicht immer so objektiv, wie wir gerne denken.
Ich finde auch, wir sollten immer wieder darüber nachdenken, ob wir eine Meinung haben oder ob wir etwas ganz genau verstehen und beurteilen können und ob wir es tatsächlich WISSEN oder einfach nur glauben.

Es lohnt sich, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und manchmal auch die eigenen Antworten anzuzweifeln.

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● About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.