Die verschwundene Kolonie Roanoke

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Stich aus einem amerikanischen Buch des 19.Jahrhunderts.

Stellt euch vor: Ihr segelt nach drei Jahren zurück zu einer kleinen Siedlung in der Neuen Welt. Dort leben eure Familie, Freunde und Bekannten. Doch als ihr ankommt, ist alles verlassen. Keine Menschen. Keine Leichen. Keine Kampfspuren. Nur ein einziges Wort, eingeritzt in einen Pfosten:

CROATOAN

Genau das geschah im Jahr 1590 auf Roanoke Island.

Die Geschichte begann 1587, als rund 115 englische Siedler unter der Leitung von John White auf Roanoke eine Kolonie gründeten. Unter ihnen befanden sich Frauen und Kinder. Dort wurde auch Whites Enkelin geboren: Virginia Dare, das erste englische Kind, das in Nordamerika geboren wurde.

Die Kolonie hatte jedoch Schwierigkeiten. Nahrung war knapp, und die Beziehung zu einigen indigenen Gruppen war angespannt. Deshalb segelte John White zurück nach England, um Nachschub zu holen.
Eigentlich wollte er schon nach wenigen Monaten zurückkehren. Doch dann kam ihm etwas dazwischen: der Krieg mit Spanien und die Bedrohung durch die Spanish Armada. Fast alle verfügbaren Schiffe wurden für die Verteidigung Englands gebraucht.
So konnte er erst drei Jahre später endlich zurückkehren.
Was er vorfand, war erschütternd. Die gesamte Kolonie war verschwunden. Die Häuser waren abgebaut worden. Es gab keine Anzeichen eines Kampfes, keine Leichen oder Gräber, keine zurückgelassenen Habseligkeiten. Nur das Wort “CROATOAN” und die Buchstaben “CRO” in einen Baum geritzt.

Was bedeutete das?

Die wahrscheinlichste Theorie lautet heute, dass die Siedler zu den Croatoan gezogen sind, einem benachbarten indigenen Volk auf der heutigen Hatteras Island. Vielleicht waren die Lebensbedingungen dort besser, vielleicht wurden die Engländer aufgenommen und gingen mit der Zeit in der Bevölkerung auf.
Andere Theorien besagen, dass sie von feindlichen Gruppen getötet wurden, an Hunger starben oder versuchten, weiter ins Landesinnere zu ziehen.
Bis heute gibt es jedoch keinen eindeutigen Beweis dafür, was wirklich geschah.

Gerade das macht die Geschichte so faszinierend. Die Menschen von Roanoke verschwanden nicht spurlos wie in einem Krimi. Sie hinterliessen Hinweise, aber keine Antworten.

Unter den Vermissten war auch John Whites Tochter Eleanor und seine Enkelin Virginia Dare. White sah sie nie wieder.

Mehr als 430 Jahre später wird noch immer geforscht, gegraben und diskutiert. Das Schicksal der Kolonie von Roanoke gehört bis heute zu den grössten ungelösten Rätseln der amerikanischen Geschichte.

Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den Theorien: kein dramatisches Verschwinden über Nacht, sondern Menschen, die versuchten zu überleben, neue Wege gingen und deren Geschichte mit der Zeit verloren ging. Das ist weniger spektakulär als manche Legende, aber vielleicht gerade deshalb so menschlich.

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.