
Es gibt es Orte auf dieser Welt, die uns aufzeigen, wie beschränkt unser Wissen über unsere Vergangenheit eigentlich tatsächlich ist.
Einer dieser Orte liegt auf Malta und trägt den Namen Misraħ Għar il-Kbir. Die meisten kennen ihn aber unter dem Spitznamen „Clapham Junction“. Ich habe, ehrlich gesagt, noch nie davon gehört bis heute, als ich darüber per Zufall etwas bei Insta gesehen habe.
Der Name Clapham Junction stammt von einem der grössten Bahnhöfe Londons, weil sich dort unzählige Rillen kreuzen und verzweigen – fast wie auf einem Schienennetz.
Wenn man die Bilder zum ersten Mal sieht, könnte man tatsächlich meinen, dort hätten einmal Züge verkehrt. Dabei entstanden diese Spuren lange bevor es überhaupt Eisenbahnen gab.
Die Rillen sind teilweise bis zu 60 Zentimeter tief in den weichen Kalkstein eingeschnitten. Manche verlaufen parallel, andere kreuzen sich oder enden plötzlich an einer Felskante. Einige führen steile Hänge hinauf oder hinunter. Und genau das macht diesen Ort so geheimnisvoll.
Wie alt die Spuren genau sind, weiss niemand. Viele Archäolog:innen gehen davon aus, dass sie aus der Bronzezeit stammen und damit etwa 3’000 bis 4’000 Jahre alt sind. Sicher ist aber nur, dass sie uralt sind – und dass bis heute niemand mit Gewissheit sagen kann, wie sie entstanden sind.
Die naheliegendste Erklärung lautet, dass schwere Wagen über viele Jahre hinweg immer wieder dieselben Wege befuhren und so den Kalkstein aushöhlten. Andere vermuten, dass darüber riesige Steinblöcke transportiert wurden, vielleicht sogar für den Bau der berühmten Tempelanlagen Maltas.
Doch dann gibt es wieder Dinge, die nicht so recht zu diesen Erklärungen passen. Warum enden manche Spuren scheinbar im Nichts? Warum führen einige so steil bergauf oder bergab, wo ein Wagen kaum hätte fahren können? Und weshalb verlaufen ähnliche Rillen sogar unter dem heutigen Meeresspiegel?
Je mehr man darüber liest, desto mehr Fragen tauchen auf.
Und genau das packt mich.
Wir Menschen haben so vieles erforscht und sind laufend dran, Neues zu entdecken und zu erklären. Sogar über unseren Planeten hinaus, bis ins Weltall.
Aber man sieht, alles wissen wir auch von unserer Erde noch lange nicht und irgendwie gefällt mir das.
Vielleicht werden Archäologinnen und Archäologen eines Tages herausfinden, wie diese Spuren entstanden sind. Vielleicht aber auch nicht.
Bis dahin sehen wir zB anhand von Clapham Junction, wie unglaublich lang die Geschichte der Menschheit ist und sogar darüber hinaus und wie viele Geheimnisse noch darauf warten, entdeckt zu werden.
Ich glaube, das ist der Zauber von solch interessanten Orten. Sie schenken uns nicht nur Antworten, sondern vor allem Staunen.



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