Ich möchte euch Bintanath vorstellen


Wenn wir an das Alte Ägypten denken, fallen uns meist die grossen Namen ein. Ramses der Grosse, Tutanchamun, Kleopatra. Doch hinter den berühmten Herrschern standen viele Menschen, deren Geschichten heute fast vergessen sind.

Eine davon ist Bintanath.

Bintanath lebte vor mehr als 3000 Jahren im Alten Ägypten. Sie war eine Tochter des berühmten Pharaos Ramses II., den viele als Ramses den Grossen kennen. Ihre Mutter war vermutlich Isetnofret, eine der wichtigsten Ehefrauen des Pharaos.

Schon ihr Name ist interessant. Bintanath bedeutet vermutlich «Tochter der Anat». Anat war eine Göttin, die ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Nahen Ostens stammte und unter anderem mit Schutz, Stärke und Krieg verbunden wurde.

Bintanath wurde als Prinzessin geboren und wuchs am königlichen Hof auf. Ihr Vater regierte mehr als 60 Jahre lang und gehört bis heute zu den bekanntesten Herrschern Ägyptens. Während seiner langen Regierungszeit bekam er weit über hundert Kinder. In einer so grossen Familie hätte man leicht in Vergessenheit geraten können. Doch Bintanath war offenbar eine wichtige Persönlichkeit.

Ihr Name erscheint auf Statuen, Tempeln und Inschriften. Das ist einer der Gründe, weshalb wir heute überhaupt noch von ihr wissen. Im Laufe ihres Lebens erhielt sie immer höhere Titel und wurde schliesslich zur «Grossen Königlichen Gemahlin» ernannt – einem der höchsten Titel, den eine Frau im Alten Ägypten erhalten konnte.

Genau hier wird ihre Geschichte für viele Menschen heute schwer verständlich.

Die meisten Historiker gehen davon aus, dass Ramses II. seine Tochter Bintanath tatsächlich heiratete. Solche Verbindungen kamen innerhalb der königlichen Familie des Alten Ägypten gelegentlich vor. Die Herrscher betrachteten sich als von den Göttern eingesetzt, und die königliche Blutlinie sollte möglichst rein bleiben. Man geht übrigens davon aus, dass Ramses etwa sechs seiner Töchter geheiratet hat.

Ob diese Ehe so gelebt wurde, wie wir uns heute eine Ehe vorstellen, wissen wir allerdings nicht. Es gibt keine Briefe, keine Tagebücher und keine persönlichen Berichte. Es gibt lediglich Titel, Darstellungen und Inschriften, die darauf hindeuten, dass Bintanath offiziell zu den Gemahlinnen ihres Vaters gehörte.

Manche Forscher vermuten, dass sie eine Tochter hatte. Die Hinweise darauf sind jedoch nicht eindeutig, und bis heute ist unklar, ob Bintanath tatsächlich Kinder hatte oder nicht.

Je mehr man über Bintanath liest, desto mehr fällt auf, wie viel wir eigentlich nicht wissen.

Wir kennen ihr Gesicht nicht wirklich. Wir wissen nicht, wie ihre Stimme klang. Wir wissen nicht, ob sie glücklich war. Wir wissen nicht, ob sie ihre Rolle am Hof akzeptierte oder ob sie sich ein anderes Leben gewünscht hätte. Wir wissen nicht, was sie dachte, als sie vom Kind zur Prinzessin und später zur Königin wurde. Zur Ehefrau ihres eigenen Vaters.

Von Ramses dem Grossen sind gewaltige Tempel geblieben. Seine Statuen stehen noch heute in Museen auf der ganzen Welt. Doch Bintanath begegnet uns nur in einzelnen Spuren aus Stein. Trotzdem hat sie die Jahrtausende überdauert.

Schlussendlich besteht Geschichte nicht nur aus berühmten Herrscher:innen, sondern auch aus Menschen, deren Gedanken und Gefühle verloren gegangen sind. Menschen, von denen wir nur Fragmente kennen und die dennoch einmal gelebt, gehofft, geliebt und ihren Platz in der Welt gesucht haben.
Wer wären die grossen Herrscher:innen gewesen ohne all die andern Menschen um sie herum?
Mächtige Menschen sind nur mächtig, wenn sie Menschen haben, die zu ihnen aufschauen…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.