Ich möchte euch Mumtaz Mahal vorstellen


Wenn wir an den Taj Mahal denken, sehen wir meist das berühmte weisse Bauwerk vor uns. Die Kuppel, das spiegelnde Wasserbecken. In perfekter Symmetrie. Millionen Menschen besuchen jedes Jahr dieses beeindruckende Mausoleum und ich würde behaupten, fast alle kennen es. Es gehört zu den UNESCO-Weltkulturerben.

Der Taj Mahal ist das Andenken an einen Menschen. An eine Frau. Ihr Name war ursprünglich Arjumand Banu Begum. Geboren wurde sie im Jahr 1593 im Mogulreich, wie damals das heutige Indien hiess. Sie stammte aus einer einflussreichen und wohlhabenden Familie und erhielt eine für ihre Zeit aussergewöhnlich gute Bildung.
Schon als junges Mädchen lernte sie den Prinzen Khurram kennen, der später als Kaiser Shah Jahan in die Geschichte eingehen sollte.

Der Legende nach verliebten sich die beiden bereits bei ihrer ersten Begegnung. Ob es wirklich Liebe auf den ersten Blick war, werden wir wohl nie erfahren. Sicher ist jedoch, dass sie sich verlobten und einige Jahre später heirateten.
Bei ihrer Hochzeit war Arjumand Banu Begum etwa 19 Jahre alt.

Ihr Ehemann verlieh ihr später den Titel Mumtaz Mahal. Dieser bedeutet ungefähr «Juwel des Palastes» oder «Auserwählte des Palastes». Unter diesem Namen wurde sie weltberühmt.

Was viele Menschen nicht wissen: Shah Jahan hatte mehrere Ehefrauen. Das war bei Herrschern seiner Zeit nicht ungewöhnlich. Mumtaz Mahal war also nicht seine einzige Frau.
Dennoch berichten zeitgenössische Quellen immer wieder, dass sie seine wichtigste Vertraute gewesen sein soll. Sie begleitete ihn auf Reisen, auf Feldzüge und offenbar auch bei politischen Entscheidungen. Während andere Ehefrauen eher im Hintergrund blieben, scheint Mumtaz Mahal eine besondere Stellung eingenommen zu haben.

Gemeinsam bekamen die beiden vierzehn Kinder. Wenn ich diese Zahl lese, muss ich jedes Mal schlucken. Vierzehn Schwangerschaften. Vierzehn Geburten. In einer Zeit, in der es weder moderne Medizin noch sichere Geburtsversorgung gab…

Im Jahr 1631, im Alter von nur 38 Jahren, starb Mumtaz Mahal bei der Geburt ihres vierzehnten Kindes.
Für Shah Jahan war ihr Tod ein schwerer Schlag. Er zog sich für längere Zeit zurück und soll tief getrauert haben. Ob alle Geschichten über seine Trauer genau so stimmen, wie sie heute erzählt werden, lässt sich schwer überprüfen. Doch eines ist unbestritten: Er liess ein Bauwerk errichten, das die Welt bis heute fasziniert. Es wird geschrieben, sie habe sich auf dem Sterbegebet ein besonderes Grab gewünscht. Und das bekam sie tatsächlich:

Den Taj Mahal.

Mehr als zwanzig Jahre lang arbeiteten Tausende von Handwerkern, Künstlern und Steinmetzen an diesem Monument. Heute gilt es als eines der schönsten Bauwerke der Welt und wird oft als Symbol ewiger Liebe bezeichnet.

Was mich an der Geschichte von Mumtaz Mahal jedoch besonders berührt, ist etwas anderes.

Fast jeder kennt den Taj Mahal. Viele wissen auch, dass er ein Mann ihn als Denkmal für seine Frau errichten liess. Aber von der Frau weiss man eigentlich gar nichts, ausser ein paar Eckdaten.
Aber wir wissen nicht, wie sie lachte und ob sie ein glückliches Leben führte.
Wir wissen nicht, welche Hoffnungen sie hatte.
Wir wissen nicht, ob sie manchmal Angst hatte.
Wir wissen nicht, wie sie die vierzehn Schwangerschaften erlebt hat. Ob sie sich 14 Kindere gewünscht hat oder ob sie sich manchmal nach einem ruhigeren Leben sehnte.

Wir sehen heute das gewaltige Bauwerk aus Marmor. Doch die eigentliche Person dahinter bleibt für uns ein Mensch aus Fleisch und Blut, dessen Gedanken längst verloren gegangen sind. Und sind es nicht unsere Gedanken, die uns so einzigartig machen?

Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb mich ihre Geschichte interessiert.
Hinter den grossen Bauwerken, den berühmten Namen und den glänzenden Legenden dieser Welt stehen immer Menschen. Menschen, die geliebt haben, gelitten haben, gehofft haben. Menschen, die sich Gedanken gemacht haben über sich, das Leben und die Welt. Menschen, die irgendwann aus diesem Leben gegangen sind.

Und manchmal bleibt von ihnen nicht mehr als eine Geschichte zurück. Oder eben ein wunderschönes Gebäude aus weissem Marmor, das noch Jahrhunderte später von ihrer Existenz erzählt.

Die wenigsten erhalten nach ihrem Tod ein Monument, deswegen ist es umso wichtiger, von ihnen zu erzählen, um sie noch ein wenig länger in unserem Leben zu behalten…

Bilder: Internetfunde

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.