
Divorced, beheaded, died. Divorced, beheaded, survived — Geschieden, geköpft, gestorben. Geschieden, geköpft, überlebt….
Ich möchte euch heute King Henry VIII. und seine Frauen vorstellen.
Mit dem oben geschriebenen Merkspruch lernen englische Schulkinder bis heute das Schicksal der sechs Ehefrauen von König Heinrich VIII. Kaum ein Herrscher ist so eng mit seinen Ehen verbunden wie er und kaum eine historische Figur hinterlässt so gemischte Gefühle.
Heinrich VIII. wurde 1491 geboren und war von 1509 bis zu seinem Tod im Jahr 1547 König von England. Als junger Mann galt er als gebildet, sportlich, charmant und musikalisch. Er sprach mehrere Sprachen, schrieb Gedichte und spielte verschiedene Instrumente. Viele hielten ihn für einen idealen König.
Doch die Geschichte erinnert sich vor allem an etwas anderes…
Heinrich wollte unbedingt einen männlichen Thronfolger. Seine erste Ehefrau, Katharina von Aragon, brachte zwar mehrere Kinder zur Welt, doch nur ihre Tochter Maria überlebte. Weil Heinrich keinen Sohn hatte, wollte er die Ehe annullieren lassen. Als der Papst dies verweigerte, traf Heinrich eine Entscheidung, die die Geschichte Englands für immer verändern sollte: Er trennte sich von der katholischen Kirche und machte sich selbst zum Oberhaupt der neuen Kirche von England.

Damit begann eine Entwicklung, die weit über seine Ehen hinausging.
Nach Katharina heiratete er Anne Boleyn. Sie brachte die spätere Königin Elisabeth I. zur Welt, aber ebenfalls keinen Sohn. Heinrich wandte sich von ihr ab. Anne wurde des Ehebruchs und Hochverrats beschuldigt und 1536 hingerichtet. Viele Historiker gehen heute davon aus, dass die Vorwürfe zumindest teilweise erfunden oder stark übertrieben waren und den Zweck erfüllten, für eine neue Ehe frei zu sein.

Nur wenige Tage später heiratete Heinrich Jane Seymour. Sie schenkte ihm endlich den ersehnten Sohn, den späteren König Eduard VI. Doch Jane starb kurz nach der Geburt.

Die vierte Ehefrau war Anna von Kleve. Die Ehe hielt nur wenige Monate und wurde annulliert, möglicherweise weil sie keine Kinder gebar. Anders als andere Frauen Heinrichs hatte sie Glück: Sie behielt ihren Wohlstand und lebte weiterhin in England.

Seine fünfte Ehefrau, Catherine Howard, war noch sehr jung, ebenfalls gebar auch sie keine Kinder. Auch sie wurde später wegen angeblicher Untreue angeklagt und hingerichtet.

Die sechste und letzte Ehefrau, Catherine Parr, überlebte ihn. Sie kümmerte sich um Henrys Kinder aus den früheren Ehen und spielte eine wichtige Rolle bei deren Erziehung. Sie war gebildet, klug und schaffte es, die letzten Jahre an seiner Seite zu überstehen.
Nach Henrys Tod heiratete sie nochmals und bekam mit ihrem neuen Ehemann eine Tochter.

Interessant ist, dass Henry sein ganzes Leben lang von dem Wunsch nach einem männlichen Erben getrieben war. Ironischerweise wurde seine berühmteste Nachfolgerin ausgerechnet seine Tochter Elisabeth I. Sie gilt heute als eine der erfolgreichsten und bedeutendsten Herrscherinnen der englischen Geschichte. Unter ihr erlebte England eine kulturelle und politische Blütezeit.
Wenn ich über Henry VIII. lese, frage ich mich, wie viel Macht ein einzelner Mensch haben darf. Zwei seiner Ehefrauen verloren ihr Leben. Andere wurden verstossen oder politisch benutzt. Gleichzeitig war Heinrich nicht nur ein Ehemann, sondern ein König, dessen Entscheidungen ein ganzes Land veränderten. Die Gründung der anglikanischen Kirche prägt England bis heute.
Trotzdem sind es oft die Geschichten seiner Frauen, die mich am meisten interessieren. Hinter jeder von ihnen stand ein Mensch mit Hoffnungen, Ängsten und Träumen. Viele von ihnen werden bis heute vor allem als «eine der sechs Frauen Heinrichs VIII.» erinnert.
Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb seine Geschichte noch immer fasziniert. Sie erzählt nicht nur von Macht und Politik, sondern auch davon, wie eng das Schicksal einzelner Menschen mit den Entscheidungen eines Herrschers verknüpft sein kann.
Und so lebt dieser alte englische Merkspruch bis heute weiter: Geschieden, geköpft, gestorben. Geschieden, geköpft, überlebt. Hinter jedem dieser Worte steckt ein echtes Leben und eine Geschichte, die weit grösser ist als ein einziger Satz.
Die Schicksale hinter diesen Namen…


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