
Habt ihr schon einmal von Nomophobie gehört?
Der Begriff klingt auf den ersten Blick wie der Name einer seltenen Krankheit, dabei beschreibt er etwas, das viele von uns zumindest ein wenig kennen dürften.
Nomophobie ist die Angst, ohne das Handy zu sein. Genauer gesagt die Angst davor, nicht erreichbar zu sein, keinen Empfang zu haben, keinen Akku mehr zu besitzen oder das Smartphone zu verlieren.
Der Begriff entstand in Grossbritannien und ist eine Abkürzung von “No Mobile Phone Phobia” – also wörtlich übersetzt: die Angst, ohne Mobiltelefon zu sein.
Als die ersten Mobiltelefone aufkamen, waren sie vor allem praktische Geräte zum Telefonieren. Heute tragen wir mit dem Smartphone einen Kalender, unsere Emails und sonstige Nachrichten, eine Kamera und alle Fotos, ein Navigationsgerät, unsere Kontakte, Erinnerungen, Fotos, Nachrichten und oft sogar unsere Gesundheitsdaten und Bankkarte in der Hosentasche. Für viele Menschen ist das Handy längst mehr als nur ein technisches Gerät geworden. Es ist ein Stück Alltag, Sicherheit und die Verbindung zur Welt.
Deshalb ist es eigentlich gar nicht überraschend, dass manche Menschen nervös werden, wenn der Akku plötzlich nur noch zwei Prozent anzeigt. Oder wenn das Handy nicht dort liegt, wo es sein sollte. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl: Man greift automatisch in die Tasche, spürt das Smartphone nicht sofort und für einen kurzen Moment schiesst einem ein kleiner Schreck durch den Körper.
Natürlich bedeutet das nicht gleich, dass jemand an Nomophobie leidet, doch bei einigen Menschen geht die Angst deutlich weiter. Sie fühlen sich ohne Handy unsicher, gestresst oder sogar panisch. Manche vermeiden Orte ohne Empfang. Andere kontrollieren ständig den Akkustand oder werden unruhig, wenn sie ihr Telefon nur für kurze Zeit nicht benutzen können.
Ich finde den Begriff spannend, weil er zeigt, wie sehr sich unsere Welt verändert hat. Vor wenigen Jahrzehnten hätte niemand verstanden, warum man Angst haben sollte, wenn man einmal nicht erreichbar ist. Wir waren nur erreichbar, wenn wir zuhause waren. Remember?
Heute hingegen sind wir rund um die Uhr miteinander verbunden. Ich glaube, man telefoniert heute auch gar nicht mehr soooo viel, denn wir haben auch andere Möglichkeiten. Wir können einander schreiben, Sprachnachrichten schicken und das unabhängig davon, ob gerade beide Zeit haben. Ich kann dir jetzt eine Nachricht schicken und du hörst sie dir dann an, wenn du magst und Zeit hast. Die Möglichkeiten der Kontaktpflege haben sich von persönlich sehen, Briefe schreiben und telefonieren auf weitere indirekte Möglichkeiten erweitert.
(Und trotzdem oder gerade deswegen ist die Einsamkeit der Menschheit grösser denn je… Menschen, die aufgrund von Stress erkranken, gibt es zuviele…)
Vielleicht ist Nomophobie deshalb auch ein Spiegel unserer Zeit. Sie erzählt nicht nur etwas über Handys, sondern auch über unser Bedürfnis nach Sicherheit, Verbindung und Kontrolle.
Und vielleicht tut es uns manchmal ganz gut, das Smartphone bewusst für eine Weile zur Seite zu legen und festzustellen: Die Welt dreht sich trotzdem weiter. Die Menschen, die uns wichtig sind, sind danach immer noch da. Und manchmal entdecken wir gerade in diesen kleinen Offline-Momenten etwas, das kein Bildschirm ersetzen kann — Stille zum Beispiel. Unendlich wertvoll.


Hinterlasse einen Kommentar