
Vor kurzem bin ich über einen Spruch gestolpert, der ungefähr sagte, die tollsten Frauen seien nie ganz leise, nie komplett angepasst und meistens ein kleines bisschen verrückt. Genau diese Frauen würden Herz, Chaos, Wärme, Leidenschaft und ein besonderes Leuchten in die Welt bringen.
Und weisst du was?
Mein erster Gedanke war: Ja, schön.
Mein zweiter Gedanke war: Moment mal…
Solche Sprüche sind fast immer liebevoll gemeint. Sie wollen Frauen feiern. Sie wollen sagen, dass wir nicht perfekt sein müssen, dass wir Ecken und Kanten haben dürfen und dass nicht alles geschniegelt, angepasst und perfekt sein muss.
Das finde ich grundsätzlich eine schöne Botschaft.
Trotzdem lösen solche Texte bei mir inzwischen auch Fragen aus.
Zum einen muss ich sagen, dass ich diese Aussage sehr wertend finde. Eigentlich genau so wie beim Spruch „Sei Pippi, nicht Annika“. Was stimmt denn mit den Annikas nicht, dass man sich wünscht, niemand wäre so wie sie? Und was wäre, wenn die Welt voller Pippis wäre? Warum ist es toller, ein lauter Mensch zu sein?
Zum anderen frage ich mich: Warum werden Frauen so oft über ihre Gefühle beschrieben? Bzw warum werden Frauen so oft diese Attribute ZUgeschrieben?
Wärme, Herz, Leidenschaft und das dann im Zusammenhag mit Chaos oder Verrücktheit?
Warum werden gerade diese Eigenschaften immer wieder als typisch weiblich dargestellt?
Viele dieser Zuschreibungen haben eine lange Geschichte. Über Jahrhunderte wurden Frauen als (zu) emotional, (zu) sensibel, (zu) impulsiv und manchmal sogar als (zu) irrational angesehen. Männer dagegen galten als vernünftig, logisch, führungsstark und sachlich. Diese Vorstellungen stammen aus einer Zeit, in der Frauen weniger Rechte hatten und ihnen oft abgesprochen wurde, wichtige Entscheidungen treffen zu können. Eben genau aus den genannten Gründen…
Natürlich meint vermutlich heute niemand mit solchen Sprüchen, dass Frauen irrational seien. Aber manchmal frage ich mich, ob wir unbewusst immer noch genau die selben Bilder weitertragen. Nur etwas freundlicher verpackt.
Denn warum lesen wir so selten Sprüche darüber, dass die tollsten Frauen klug, analytisch, mutig, strategisch, beharrlich oder visionär sind? Dass sie gut Verantwortung übernehmen und wahnsinnig viel tragen?
Warum werden Frauen so oft über das definiert, was einem weiblichen Rollenbild entspricht, das vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäss ist und es vermutlich auch gar nie war, und weniger über das, was sie erschaffen, erreichen oder verändern?
Und noch etwas fällt mir auf: Die Eigenschaften im Spruch sind zwar positiv gemeint, aber sie haben oft einen Beigeschmack. Chaos. Verrücktheit. Zu laut. Nicht angepasst.
Es wirkt fast so, als dürften Frauen von der Norm abweichen – solange sie dabei charmant, warmherzig und liebenswert bleiben. Und sie werden bemerkt. Von anderen unterschieden.
Passend wäre eigentlich noch, die anderen, weniger lauten, angepassteren und organisierteren Frauen als Mäuschen zu bezeichnen…
Dabei sind Frauen so viel mehr als ein bestimmtes Rollenbild. Und Männer auch.
Die eine ist laut und voller Energie. Die andere ruhig und zurückhaltend. Die eine liebt Abenteuer, die andere Strukturen und Listen. Die eine ist hoch emotional, die andere denkt sehr analytisch. Und keine davon ist deshalb weniger Frau und jede trägt jedes dieserAttribute in sich. Mal ist das eine mehr sichtbar, mal das andere.
Vielleicht stört mich an solchen Sprüchen gar nicht der Inhalt selbst. Vielleicht stört mich vielmehr, dass sie wieder einmal so tun, als gäbe es die eine Art von Frau und die eine Art einer guten Frau. Und das soll frau ja sein. Gut.
Dabei sind die tollsten Frauen, die ich kenne, vor allem eines: unterschiedlich.
Manche bringen Wärme in die Welt. Manche bringen Ordnung. Manche bringen Wissen. Manche bringen Mut. Manche bringen Veränderung. Und viele bringen von allem ein bisschen.
Vielleicht ist genau das das eigentliche Leuchten.
Nicht dass wir alle gleich sind,
sondern dass wir es nicht sein müssen. ❤️
Ich finde ganz eindeutig, dass etwas vom Wichtigsten was diese Gesellschaft lernen muss ist, Frauen und wie sie aussehen, sich kleiden und wie sie sich benehmen, endlich nicht mehr dauernd zu bewerten…


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