Ich möchte euch Colette vorstellen


Ich möchte euch heute eine Frau vorstellen, die viele kennen. Oft aber nur unter ihrem Nachnamen: Colette, von dem ich ehrlicherweise gemeint hatte, es sei ihr Vorname…

Ihr richtiger Name war Sidonie-Gabrielle Colette. Sie wurde am 28. Januar 1873 in einem kleinen Dorf in Burgund in Frankreich geboren. Frankreich war damals noch eine ganz andere Welt. Frauen hatten kaum Rechte, sie durften vieles nicht selbst entscheiden und wurden selten ernst genommen — schon gar nicht als Schriftstellerinnen.

Colette wuchs aber in einer Familie auf, in der Bildung wichtig war. Vor allem ihre Mutter soll einen grossen Einfluss auf sie gehabt haben. Sie war klug, naturverbunden und förderte die Fantasie ihrer Tochter. Colette liebte Bücher, beobachtete Menschen genau und hatte schon früh dieses besondere Talent, Gefühle und Alltag so zu beschreiben, dass sie lebendig wurden.

Mit zwanzig heiratete sie einen deutlich älteren Mann: Henry Gauthier-Villars, genannt Willy. Und genau dort beginnt der Teil ihrer Geschichte, der mich gleichzeitig fasziniert und traurig macht.

Willy war Schriftsteller, Journalist und Verleger. Er bewegte sich in den berühmten Kreisen von Paris, war charmant, laut, exzentrisch, aber auch sehr berechnend. Er erkannte schnell, wie talentiert seine Frau war. Und anstatt sie einfach zu fördern, machte er ihr Talent zu seinem Geschäft.

Er drängte sie dazu zu schreiben. Teilweise soll er sie sogar stundenlang eingeschlossen haben, bis sie Texte fertig schrieb. Sidonie-Gabrielle begann Geschichten über ein freches, kluges Mädchen namens Claudine zu schreiben. Halb autobiografisch, lebendig, modern und für diese Zeit erstaunlich offen.

Die Bücher wurden ein riesiger Erfolg in Frankreich. Die Menschen liebten Claudine. Junge Frauen erkannten sich in ihr wieder. Die Romane waren frisch, rebellisch und anders als vieles, was damals geschrieben wurde.

Aber auf den Buchcovern stand nicht Sidonie-Gabrielle Colettes Name. Dort stand: Willy.

Wir sind auf Erden,
um das Glück zu suchen,
nicht um es zu. finden.

Die Öffentlichkeit glaubte jahrelang, dass ihr Mann die Bücher geschrieben hatte. Er kassierte das Geld, den Ruhm, kontrollierte die Verträge und wurde berühmt. Mit Geschichten, die eigentlich von seiner Frau stammten.

Wenn man das heute liest, macht es einen eigentlich wütend. Da sitzt eine junge Frau voller Talent und schreibt Bücher, die ein ganzes Land begeistern, während ein Mann danebensteht und den Ruhm dafür bekommt.

Und gleichzeitig ist Colette für mich unglaublich beeindruckend, weil sie sich irgendwann daraus ja befreite.
Die Ehe zerbrach später. Colette begann endlich unter ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen. Und erst dann konnte die Welt langsam erkennen, wer wirklich hinter diesen Geschichten steckte.

Sie schrieb weiter Romane, Theaterstücke und journalistische Texte. Ihre Werke handelten oft von Frauen, Sehnsucht, Freiheit, Körperlichkeit und dem echten Leben. Für ihre Zeit war das mutig. Manche fanden sie sehr skandalös, andere bewunderten sie genau deswegen.

Colette führte ein ungewöhnliches Leben. Sie trat zeitweise sogar auf Bühnen auf, hatte Beziehungen, die damals als schockierend galten, und lebte viel freier, als Frauen es damals durften. Sie weigerte sich irgendwie, wieder klein gemacht zu werden und sie nahm sich den Raum, der ihr zustand.

Später wurde sie zu einer der bekanntesten Schriftstellerinnen Frankreichs.

Als sie 1954 starb, erhielt sie als erste Frau in Frankreich ein Staatsbegräbnis, obwohl die katholische Kirche dies wegen ihres Lebenswandels eigentlich ablehnte.

Und irgendwie finde ich ihre Geschichte so modern, denn sie zeigt, wie oft Frauen hinter grossen Erfolgen standen, ohne genannt zu werden. Wie oft Talent unsichtbar gemacht wurde. Und wie viel Mut es braucht, irgendwann zu sagen: Das hier bin ich! Das ist meine Stimme. Meine Arbeit. Mein Name.

Was für ein herrliches Leben hatte ich!
Ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.