Ich möchte euch Charles Joughin vorstellen


Wenn wir an die Titanic denken, denken wir meist an den Zusammenstoss mit dem Eisberg, an die Rettungsboote und an die vielen Menschen, die in dieser Nacht ihr Leben verloren. Und natürlich an Jack und Rose…
Zwischen all den tragischen Geschichten gibt es auch einige, die fast unglaublich klingen. Eine davon ist zum Beispiel die Geschichte des Titanic-Orchesters, das bis am Schluss an Bord weiterspielte.
Oder die Geschichte von Charles Joughin, dem Bäcker der Titanic, die ich bisher noch nicht gekannt habe.

Charles Joughin wurde 1879 in England geboren und arbeitete als Chefbäcker an Bord der Titanic. Als das Schiff am Abend des 14. April 1912 mit einem Eisberg kollidierte, ahnte zunächst niemand, welches Ausmass die Katastrophe annehmen würde. Doch als klar wurde, dass die Titanic sinken würde, begann auch für ihn ein Wettlauf gegen die Zeit.

Während Panik ausbrach und viele Menschen versuchten, einen Platz in den Rettungsbooten zu bekommen, tat Charles etwas anderes. Er organisierte mit seinen Mitarbeitern, dass Brot und Lebensmittel in die Rettungsboote gebracht wurden, damit die Geretteten zumindest etwas zu essen hatten. Danach half er weiter an Deck, wo immer Hilfe gebraucht wurde.

Später begann er, Liegestühle und andere schwimmfähige Gegenstände über Bord zu werfen. Vermutlich hoffte er, dass Menschen im Wasser sich daran festhalten könnten. Vielleicht wollte er einfach noch irgendetwas tun, solange noch Zeit blieb.

Eine Besonderheit seiner Geschichte ist, dass er während dieser Stunden reichlich Alkohol getrunken haben soll. Ob dies tatsächlich dazu beitrug, dass er die Kälte besser ertrug, darüber wird bis heute diskutiert. Medizinisch gesehen schützt Alkohol eigentlich nicht vor Unterkühlung – eher im Gegenteil. Trotzdem gehört dieser Teil untrennbar zu seiner Geschichte.

Als die Titanic schliesslich in den eisigen Atlantik sank, sprang Charles Joughin ins Wasser. Später berichtete er, er sei beinahe ruhig vom Heck des Schiffes ins Meer gelangt. Das Wasser hatte nur knapp über null Grad. Die meisten Menschen überlebten darin nur wenige Minuten.

Charles überlebte.
Er trieb lange Zeit im Wasser, hielt sich schliesslich an einem umgekippten Rettungsboot fest und wurde später von einem anderen Boot aufgenommen. Dass er diese Nacht überstand, grenzt bis heute an ein Wunder.

Viele Überlebende der Titanic litten noch ihr ganzes Leben unter den Erinnerungen an diese Nacht. Auch Charles trug diese Geschichte für immer mit sich. Dennoch führte er sein Leben weiter, arbeitete später wieder auf Schiffen und starb erst 1956 im Alter von 77 Jahren.

Gut zu hören, dass er überlebt hat. Ich finde es sehr eindrücklich, dass es in einer solchen Situation Menschen gibt, die andern helfen. In einer Situation, in der viele Menschen nur noch an sich selbst gedacht hätten oder haben, hat er bis zuletzt versucht zu helfen. Er sorgte für Lebensmittel, unterstützte andere und warf Gegenstände ins Wasser, die vielleicht jemandem das Leben retten konnten.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum man sich bis heute an Charles Joughin erinnert. Nicht weil er der Bäcker der Titanic war, sondern weil er in einer der grössten Katastrophen seiner Zeit Mensch geblieben ist.

Mir gefällt der Gedanke, dass es auch in Katastrophen immer wieder Menschen gibt, die andern zur Seite stehen und dies schaffen, ohne ebenfalls unterzugehen… Das ist mutig und stark.

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.