
ἀβουλία ist ein griechisches Wort. In unserer Sprache heisst es Abulie und bedeutet: Das pathologische Unvermögen, Entscheidungen zu treffen.
Abulie ist ein weich und melodisch klingendes Wort, eigentlich schön. Und doch steht es für etwas, das sich ganz bestimmt anders anfühlt.
Abulie ist nicht dieses Zögern, wenn man zwischen zwei Dingen schwankt, es schwierig findet, sich zu entscheiden. Nicht das «Ich weiss nicht so recht, was ich will».
Es ist ein Stehenbleiben, obwohl man weitergehen möchte. Ein inneres Feststecken, eine richtige Barriere.
So, als würde alles gleichzeitig möglich sein und genau das macht nichts mehr möglich. Jede Entscheidung wird zu gross, zu schwer, zu endgültig. Ein Albtraum.
Und so finden Entscheidungen gar nicht mehr oder kaum noch statt. Es geht einfach nicht.
Von aussen sieht es vielleicht aus wie Unentschlossenheit oder fehlende Motivation. Aber innen ist es ein Ringen. Ein leises Kämpfen mit etwas, das sich nicht einfach mit «Reiss dich zusammen» lösen lässt.
Ich glaube, wir kennen alle kleine Momente davon.
Diese Sekunden oder Tage, in denen selbst einfache Dinge plötzlich zu viel werden. Im Bewusstsein, dass dies bei den meisten von uns einfach eine kleine Schwierigkeit ist, bei andern aber tausendmal schwieriger ist.
Dass es dafür einen Ausdruck gibt, hilft uns zu verstehen und ernst zu nehmen. Einmal weniger „mach doch mal!“, „Klemm dich mal ein wenig in den Arsch!“ oder sowas zu sagen…. Denn nicht immer ist es nur Mühsamkeit, Faulheit oder Langsamkeit, sondern Abulie…
Ich plädiere eh dafür, dass wir immer mehr davon wegkommen, Menschen zu unterstellen, dass sie nicht wollen, sondern die Möglichkeit, dass sie vielleicht gar nicht können, auch in Betracht zu ziehen.


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