Mai



Man würde meinen, Menschen wie Mister T. zB würden in ihren öffentlichen Auftritten die Aufmerksam der Welt nutzen, um ihr ganz kluge Dinge mitzuteilen. Dieser benannte Herr ist meiner Meinung nach ein recht gutes Beispiel dafür, dass dem nicht so ist…

Manchmal stehen die wichtigsten Sätze ganz still irgendwo am Rand und werden nicht in die Welt hinausposaunt. Wir müssen sie selber finden oder aus unseren Gedanken formulieren.
Wir finden sie auf einem Kalenderblatt, irgendwo bei instagram oder facebook, wischen Terminen, zwischen den Zeilen, zwischen „ich muss noch schnell …“.
Und plötzlich liest man einen Satz und merkt, dass er einen mitten ins Herz trifft. Passiert mir ziemlich häufig und manchmal schreibe ich dann darüber.

Mein Kalenderblatt des Monats Mai sagt

Vergiss nicht das to be
vor lauter to do.

Ich glaube, wir leben in einer Zeit, die wahnsinnig viel von uns fordert. Ich weiss nicht, ob wir in stressigeren Zeiten leben oder ob einfach die Möglichkeiten, uns stressen zu lassen, vielfältiger geworden sind. Ich glaube, das ist es vermutlich.
Es gibt immer etwas zu erledigen. Nachrichten. Arbeit. Wäsche. Einkäufe. Termine. Verantwortung. Ausflüge. Adventure. Ferien. Noch mehr Termine. Gedankenlisten im Kopf, die niemals ganz abgearbeitet werden können…

So fühlt sich ein Tag nur dann oft „gut“ oder „erfolgreich“ an, wenn man möglichst viel geschafft hat. Daran messen wir uns. Wer viel Druck aushalten kann, extrem aktiv und produktiv ist, wer wenig Zeit für Erholung braucht, ist stark und attraktiv, zb für den Arbeitsmarkt. Die Messlatte ist da ein bisschen hoch gesteckt und gleich dahinter gehts steil bergab Richtung Burnout. Man fällt schon, bevor man‘s merkt.

Wann sitzen wir einfach nur da und atmen?
Wann trinken wir einen Kaffee, ohne gleichzeitig an fünf andere Dinge zu denken oder zu scrollen?
Wann schauen wir aus dem Fenster, ohne sofort wieder zum Handy zu greifen?
Wann schauen wir den Vögeln beim Pfeifen zu oder lauschen auf die Töne der Natur?
Wann sind wir einfach nur da? Mit uns ganz allein, ohne andere Menschen um uns herum, die uns von unseren Gedanken ablenken und uns gleichzeitig neue geben?

Ich glaube, genau das meint dieser Satz.
Dass wir vor lauter Tun manchmal vergessen, dass wir keine Maschinen sind. Dass unser Wert nicht davon abhängt, wie viel wir leisten, organisieren oder aushalten.

Das to be bedeutet für mich nicht, nichts mehr zu tun. Das Leben besteht nun einmal aus Verantwortung und Alltag. Aber vielleicht bedeutet es, sich selbst darin nicht komplett zu verlieren. Ich finde das auch gar nicht einfach. Es mangelt nicht an Pflichten und Dingen, die halt zu machen sind und der Tag hat für uns alle nur 24 Stunden.

TO BE ist aber wichtig. Bei uns sein. Batterien lade. Abschalten. Ausruhen. Sich zwischendurch wieder zu spüren. Zur Ruhe kommen. Das ist wichtig.

Zu merken, dass man müde ist. Oder traurig. Oder glücklich.
Zu lachen, ohne dabei schon wieder an morgen zu denken.
Sich einen kleinen Moment Ruhe zu erlauben, ohne ihn sofort rechtfertigen zu müssen. Unbeschwertheit zu erleben.

Vielleicht ist das manchmal schon genug. Und vielleicht brauchen wir gar nicht immer mehr Tempo, mehr Optimierung und mehr Leistung. Vielleicht brauchen wir manchmal einfach nur einen Moment, in dem wir wieder bei uns selber ankommen. Einfach immer mal wieder zwischendurch… Damit wir nicht vergessen, wer wir eigentlich zwischen all den Pflichten sind. Keine Maschinen, sondern Menschen.

Hinterlasse einen Kommentar

About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.