
Es gibt Geschichten, bei denen man sich fragt, wie viel Mut ein einzelner Mensch eigentlich haben kann…
Marie Heim-Vögtlin wurde 1845 in Bözen im Aargau geboren – in eine Zeit, in der Frauen nicht studieren durften. Punkt. Es war nicht vorgesehen. Nicht gedacht. Nicht erlaubt. Und doch hatte sie diesen Wunsch, Ärztin zu werden. Nicht leise, nicht irgendwann vielleicht, sondern ganz klar.
Allein schon dieser Wunsch war damals fast ein kleiner Aufstand.
Sie kämpfte sich durch Widerstände, durch Zweifel, durch ein System, das sie eigentlich nicht wollte. 1868 begann sie ihr Medizinstudium an der Universität Zürich – als eine der ersten Frauen überhaupt. Man kann sich kaum vorstellen, wie es gewesen sein muss, als einzige Frau in Hörsälen zu sitzen, beobachtet, beurteilt, vermutlich auch belächelt.
Und sie machte trotzdem weiter.
1874 schloss sie ihr Studium ab und wurde damit die erste Schweizer Ärztin.
Was ich so besonders finde: Sie ist nicht einfach nur ihren eigenen Weg gegangen. Sie hat einen Weg geöffnet. Für andere Frauen. Für eine Zukunft, in der es plötzlich denkbar wurde, dass Frauen Medizin studieren, arbeiten, entscheiden dürfen.
Später spezialisierte sie sich auf Gynäkologie und setzte sich besonders für Frauen und Kinder ein. Sie war Mitbegründerin der Schweizerische Pflegerinnenschule in Zürich – eine Institution, die Frauen nicht nur medizinisch unterstützte, sondern ihnen auch eine Ausbildung ermöglichte. Hilfe und Selbstbestimmung gingen bei ihr Hand in Hand.
Und vielleicht ist genau das das Schönste an ihrer Geschichte:
Sie ist ihren Weg einfach gegangen. Schritt für Schritt. Klar. Bestimmt. Und hat dabei etwas verändert, das grösser war als sie selbst.
Wenn ich an sie denke, dann nicht nur als „erste Ärztin“, sondern als jemand, der gezeigt hat, dass ein einzelner Mensch Grenzen verschieben kann – einfach, indem er nicht aufhört, an sich zu glauben.
Und irgendwie tut das gut zu wissen.


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