Schöne Worte — Fulgurit


Bild: Internet-Fund (T-Online)

Es gibt wirklich Wörter, die klingen, als würden sie direkt aus einer alten Legende stammen. Fulgurit zum Beispiel.

Es stammt vom lateinischen Wort „fulgur“, was so viel wie Blitz oder Blitzschlag bedeutet. Schon beim Aussprechen hört man förmlich das Knistern eines Gewitters und sieht einen hellen Lichtstrahl vor sich, der den Himmel durchschneidet.

Doch ein Fulgurit ist nicht nur ein schönes Wort. Es ist etwas, das tatsächlich existiert.
Ich bin auch gar nicht sicher, ob mein Titel „schöne Worte…“ passend ist oder ob ich lieber „Was ist eigentlich…“ schreiben soll, denn wir empfinden ja Blitze und ganz besonders Blitzeinschläge nicht unbedingt als etwas Schönes. Wenn ein Blitz einschlägt, ist das mit Gefahr verbunden oder es kann zumindest ein Schaden entstehen. Für uns Menschen oder für ein Tier ist ein Blitzschlag lebensgefährlich.
Ich entferne mich aber jetzt mal von diesen Gedanken und betrachte den Blitz aus einer anderen Sicht bzw betrachte, was daraus entstehen kann und das ist schon schön.

Wenn ein Blitz in sandigen Boden einschlägt, entsteht für einen winzigen Augenblick eine unglaubliche Hitze. Sie kann mehrere Tausend Grad erreichen und ist sogar heisser als die Oberfläche der Sonne. Durch diese enorme Energie schmilzt der Sand sofort und verbindet sich zu einer glasartigen Röhre oder einem verzweigten Gebilde unter der Erde. Wenn man es später ausgräbt, sieht es aus wie die Spur eines Blitzes, die im Boden eingefroren wurde.

Ein Fulgurit ist also gewissermassen ein versteinerter Blitz.

Fulgurit aus dem Naturhistorischen Museum in Münster.

Ich finde diesen Gedanken schon schön. Ein Blitz dauert nur einen Augenblick. Wahrscheinlich sagen wir ja genau aus diesem Grund „schnell wie ein Blitz“. Er erscheint, leuchtet hell auf und verschwindet wieder. Und doch hinterlässt er manchmal etwas, das viele Jahre, vielleicht sogar Jahrtausende überdauert.
Da ich natürlich solche Fotos nicht grad auf Lager habe, habe ich im Internet danach gesucht und habe wirklich sehr schöne Bilder gesehen von Blitzen am Himmel, aber auch von Fulguriten, die man aus dem Boden ausgegraben hat oder die auf der Erdoberfläche schöne Gebilde aus Verhärtungen geformt haben.

Irgendwie erinnert mich das an unser eigenes Leben. Auch wir erleben Momente, die nur kurz dauern. Ein Gespräch, eine Begegnung, ein Satz, den jemand sagt. Ein Blick, eine Entscheidung. Oft merken wir in diesem Augenblick gar nicht, welche Bedeutung er einmal haben wird. Erst später erkennen wir, dass etwas in uns verändert wurde, weil etwas davon für eine lange Zeit oder gar für immer bleibt. Das kann im positiven, aber auch im negativen der Fall sein.
Der Moment selbst war nur ein Blitz. Schnell wieder vorbei. Die Spur, die er hinterlassen hat, ist unser ganz persönlicher Fulgurit.

Ich mag das eigentlich. Es zeigt auf, dass nicht alles was kurz ist, auch unbedeutend ist. Manchmal sind es gerade die flüchtigen Augenblicke, die die tiefsten Spuren hinterlassen und das bedeutet, achtsam damit umzugehen. Auch mit Momenten, die wir anderen schenken. Möge es ein Schenken und nicht ein Zufügen sein…

So wie die Erde tragen auch wir Menschen so manche Erinnerung an einen Blitz in uns…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.