Türen öffnen


Ganz am Anfang meiner beruflichen Karriere habe ich mit sogenannt schwierigen Jugendlichen gearbeitet. Diese Ausdrucksweise ist aber falsch, denn es waren Jugendliche in schwierigen Situationen, genauer genommen männliche Jugendliche und junge Erwachsene im offenen (Jugend-)Strafvollzug.
Dort zu arbeiten, zuerst als junge Praktikantin und danach als Auszubildende, das war nicht immer einfach. Damals war ich dort neben zwei, drei andern als Frau in der Minderheit. Es war eine harte Zeit, anstrengend und sehr, sehr lehrreich. Und wenn es heute ums Thema „Türen öffnen“ geht kann ich sagen, dass mir die Erwähnung dieser Arbeitsstelle im CV schon viele Türen geöffnet hat. Ich habe dort auch tatsächlich sehr viel gelernt. Fürs Leben und für den Beruf.

Zum Beispiel folgendes: Wenn ich ein schwieriges Gespräch führen muss (also dort zB mit einem dieser Jugendlichen), dann immer so, dass für ihn der Fluchtweg frei ist. Dass er raus kann, wenn es ihm zuviel oder was auch immer wird, ohne dass er mich oder jemand anderen bedrohen muss, weil jemand im Weg ist.
Dasselbe weiss man ja auch von Situationen wie Überfällen usw. Lieber den:die Täter:in laufen lassen als sich in den Weg zu stellen und damit zu gefährden.

Ich habe auch gelernt, oder als einigermassen sozialer Mensch wusste ich das vermutlich schon vorher, Menschen eher nicht in aussichtslose oder hoffnungslose Situation zu bringen oder bzw sie nie dort zu lassen, denn solche Orte sind dunkel. Solche Situationen sind nicht nur dunkle Tunnels, sondern dunkle Ecken und Sackgassen.
Es ist wichtig, Menschen auf vorhandene Türen hinzuweisen, denn nicht in jeder Situation hat man noch den Weitblick, diese selbst zu sehen. Sowie diese zu öffnen für sie oder ganz oft sogar neue Ausgänge oder Eingänge zu schaffen. Das heisst nichts anderes als nach Lösungen zu suchen mit jemandem, der wie gesagt gerade etwas im Dunkeln steht.
Was man in solchen Situationen ganz bestimmt nicht machen sollte ist, Türen zu schliessen oder / und diese Menschen statt ins Licht, noch tiefer in den Tunnel zu schieben damit. Das ist sehr unschön und man kann nicht davon ausgehen, dass alle immer den Ausgang selber wieder finden und den Ausgang finden, das sollte schon das Ziel sein.

Ich persönlich zB weiss, dass es immer Ausgänge gibt oder zumindest Gänge, die irgendwo hin führen. Ich weiss, wie und woran ich mich orientieren kann, um diese selber zu finden. Das können aber nicht alle und ich wünschte mir, wir Menschen wären uns dessen bewusster, wohlwollender und sorgfältiger zueinander.

Das ist mein Gedanke zum 20. Dezember
Es ist für uns alle schöner, wenn wir für andere und auch für uns selbst ein Licht und ein Halt sind anstatt ein Hindernis oder ein dunkler Schatten.

Danke denen, die das für mich sind.
Besonders auch dem heutigen Geburtstagskind. ❤️

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