I care (for you)

Ich mache mir Sorgen.
Immer mehr Menschen um mich herum erkranken oder sind in Quarantäne. Nicht mehr nur Fremde, sondern auch Freunde und Kollegen. Ich hoffe, sie überstehen das alles gut und werden wieder gesund.
Und irgendwann, früher oder später, wenn es mich und mein Kind trifft, hoffe ich dasselbe für uns. Dass es uns nicht erwischt, halte ich in der momentanen Situation eher für unwahrscheinlich, obwohl ich es insgeheim noch ein bisschen hoffe.

Das sich Sorge machen um jemanden ist ein unangenehmes Gefühl. Ein quälendes. Und irgendwie ruft es unverzüglich die schlimmsten Gedanken hervor, jedenfalls bei mir. Wenn sich jemand lange nicht meldet oder nicht erreichbar ist, wenn jemand auf eine Diagnose wartet, dann gehen bei mir im Kopf die Sirenen an. Vergangenes bahnt seinen Weg in den Vordergrund meiner Gehirnwindungen und plustert sich dort auf. Meistens kommt ja dann die Entwarnung. Jemand hatte einfach keine Zeit, war sehr beschäftigt oder im Urlaub und nicht wie erwartet sauer (aus unerklärlichen Gründen) auf mich. Und statt der ängstlich erwarteten Krebserkrankung war es etwas harmloses.

Das Schlimmste am sich um jemanden sorgen empfinde ich die Tatsache, dass man meistens nichts machen kann. Man ist diesem Gefühl hilflos ausgeliefert. Und auch der Situation. Man möchte machen, dass es der andern Person wieder besser geht. Man möchte irgendwas unternehmen, um ihre Situation zum besseren zu verändern. Aber das geht oft nicht. Dann bleibt nur zuhören und ich bin mir ganz sicher, dass das oft sehr hilft. Das Gefühl, etwas teilen zu können und auch das Gefühl, dass sich jemand interessiert. Und doch kommt es einem vor wie nichts.
Ich denke, das ist auch genau der Grund, dass man oft mit gutgemeinten Ratschlägen und Tipps versorgt wird von andern, wenn man in einer solchen Situation ist. Das kommt ja nicht immer gut an, aber ich finde das dennoch sehr nachvollziehbar.

Es ist schwierig auszuhalten, wenn es jemandem, dem man gern hat, nicht gut geht.

Ich habe heute zu jemandem gesagt, dass ich mir Sorgen um ihn mache und er hat geantwortet „Alles ist okay. Keine Panik.“. Und da habe ich gemerkt, dass er mir dieses „sich Sorgen machen“-Gefühl nicht zumuten möchte. Dass er nicht möchte, dass ich mich sorge und mir Gedanken mache, weil das unangenehm ist irgendwie.
Ich habe geantwortet, dass ich damit schon umgehen könne und dass es nicht um mich, sondern um ihn gehe jetzt. Und irgendwie ist es mir bewusst geworden, dass wir ganz oft die Wahrheit über unsere Befindlichkeit nicht sagen, um niemandem zuviel zuzumuten. Vielleicht antworten wir aus diesem Grund meistens „gut“ auf die Frage „Wie geht es dir?“ bzw wählen gut aus, wem wir was zumuten können.

Im Englischen sagt man ja „take care“, „I care“ oder „I care for you“. Und irgendwie finde ich grad nichts, was im Deutschen in etwa dasselbe aussagen würde. „Ich sorge mich“ oder „pass auf dich auf“, sowas sagen wir, oder?
Für mich bedeutet „I care for you“ soviel wie „du bist mir wichtig“ und mindestens „ich mag dich“, wenn nicht sogar „ich liebe dich“ (wobei man beachten muss, dass es verschiedene Arten von Liebe gibt). Das sagt soooo viel mehr aus als in der deutschen Sprache. Oder meine ich das nur?

Alsoooooo….. ich bin für viel, viel mehr „I care for you“.
Für mehr füreinander da sein, statt abgrenzen.
Besonders jetzt.