Goldwaage

Ich glaube, wir alle kennen sie. JK Rowling oder halt dann ihre Bücher über den Zauberlehrling Harry Potter. 1997 erschien das erste Buch dieser Reihe, entführte ganz viele von uns in die wundervolle Zauberwelt, nach Hogwarts und liess uns nicht nur mitfiebern, sondern auch mitleiden mit dem armen kleinen Jungen, der bei seinen garstigen Verwandten unter der Treppe hausen musste.
Ich habe die Bücher jedenfalls verschlungen. Eins nach dem andern. Ich erinnere mich besonders gut daran, weil dies meine erste Bücherreihe war, die ich in Englisch las. Und selbstverständlich besitze ich sie alle noch und freue mich, wenn meine Tochter die dann eines Tages (bald) auch lesen kann und darf.

Mit dem Erscheinen dieses ersten Buches wurde natürlich auch dessen Autorin Joanne Rowling berühmt. Ich kenne sie eigentlich bis heute von nichts anderem als von diesen Harry Potter Büchern. Aus einer Schlagzeile gestern wurde mir aber bewusst, dass sie danach auch noch anderes geschrieben hat. So schreibt sie offensichtlich eine Krimi-Reihe unter dem Pseudonym Robert Galbraith. Vor kurzem ist der fünfte Fall des Detektivs Cormoran Strike herausgekommen, der für ganz schön viel Wirbel sorgt. In diesem Buch geht es um einen Mann, der in Frauenkleidern Frauen ermordet. An sich nichts besonderes, denn es ist ja nur ein Krimi. Fiktion.
Und doch schlagen die Wellen hoch. JK Rowling wird Transphobie vorgeworfen und das sehr lautstark. In den sozialen Medien schlägt ihr unter dem Hashtag RIPJKrowling, der sozusagen symbolisch ihren Tod verkündet, sehr viel Hass entgegen.
Ich muss sagen, als ich diesen Hashtag zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich tatsächlich einigermassen erschrocken, weil ich dachte, sie wäre wirklich gestorben. Beim Weiterlesen wurde mir dann jedoch klar, was los war.

Bevor ich weiterfahre, möchte ich den Ausdruck „Transphobie“ kurz erklären:
Eine Phobie ist ja immer eine Angst bzw. sogar eine extreme Angst, eine ganz starke Abneigung.
Trans steht für Transgender oder Transsexualität. Trans kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „jenseits von, darüber hinaus“ und Gender kommt aus dem Englischen und meint das „soziale“ Geschlecht. Transgender steht dann also für Menschen, bei denen die Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig übereinstimmt mit dem Geschlecht, das ihnen nach der Geburt zugewiesen wurde.

Ich kann jetzt nicht zu JK Rowling Stellung beziehen, weil ich die Hintergründe nicht kenne. Ich habe gelesen, dass sie jedoch den Ärger der Transgender-Community bereits ein paar Mal auf sich gezogen habe. Was es damit auf sich hat und was dahinter steckt, weiss ich nicht und es interessiert mich noch nicht mal. Ich muss aber schon sagen, ich bin kein Fan von diesem „shitstormen“ und jemanden fertig machen auf sozialen (haha…. sehr sozial, gäll) Medien. Mir scheint es eh, dass dies ein Trend zu sein scheint, schon seit einer Weile und in diesem Jahr erlebt dieses Verhalten eine Steigerung. Ich will JK Rowling jetzt auch nicht in Schutz nehmen. Falls sie eine inakzeptable Haltung hat, ist das total am Arsch, das finde ich auch. Aber der Hashtag RIPJKRowling ist auch am Arsch, finde ich.

Wie vorher geschrieben…. Man kommt nicht drum herum, in den sozialen Medien wird viel gepöbelt, gehetzt und schlussendlich können wir es ruhig beim Namen nennen… Gemobbt. Und war nicht wenig. Viele Menschen sind gefrustet, ich verstehe es. Als intelligenter und erwachsener Mensch sollte man aber vielleicht anders damit umgehen können. Meine Meinung. Ihr dürft gern anderer sein, wie immer.
Lest euch online Kommentare unter xbeliebigen Zeitungsartikeln durch…. man sollte meinen, wir wären ein Volk von Asozialen. Absolut respektlos. Und ganz offensichtlich mit ganz, ganz viel Angst vor (eventuellen) Veränderungen, vor Einschränkungen. Ich habe manchmal den Eindruck, es wäre ihnen wichtig das ganz normale Leben weiter führen zu können im Moment, um keine Angst zu haben. Um sich vormachen zu können, es sei alles in Ordnung.
„Corona gibt es nicht, es ist alles okay. Wir dürfen uns nicht vom Staat einschränken lassen! Steht auf! Uns droht sonst eine Diktatur! Die wollen uns ALLES wegnehmen! Nur noch arbeiten und nichts mehr, was Spass macht!“
Tausende obdachlose Flüchtlinge gibt es nicht, wir müssen uns keine Gedanken machen. Und ganz bestimmt keine zu uns nehmen, keine retten, DENN DAS IST NICHT UNSER PROBLEM.
„Umweltschutz ist nicht notwendig, alles gut.“
Themen, die unschön und unbequem sind, werden mit dem Ärmel vom Tisch gewischt und die, die davon sprechen und sich dafür einsetzen, belächelt oder beschimpft.

Ich habe meine Meinung zu all diesen Themen, aber die spielt hier keine Rolle. Ich finde, man kann durchaus unterschiedlicher Meinung sein und halt trotzdem anständig miteinander umgehen. Für mich wird immer dann klar, wenn einer ausfällig wird, dass er nur plappert und keine Ahnung hat von irgendwas. Es gibt sehr viele davon. Und sie sind oft am lautesten und am aufdringlichsten, gieren nach Applaus von andern und sind total nicht diskussionsfähig.

Zurück zum Anfang.
Wie gesagt, ohne Hintergründe beurteilen zu wollen.
Aber ginge es nur um diesen neuen Roman….

Ist jemand transphobisch, wenn sie einen Roman schreibt, in der ein Mann in Frauenkleidern Frauen ermordet?
Also frauenfeindlich wäre es aber dann wirklich auch noch, denn das geht ja gar nicht, dass alle Opfer Frauen sind. Und männerfeindlich auch, denn man weiss ja dann gar nicht so genau, ob dieser Mann tatsächlich transgender ist oder sich nur verkleidet, um nicht erkannt zu werden. Und schlussendlich schadet das doch einfach auch der Damenkleider-Industrie. Welche Marke Kleider trägt der eigentlich? Die kauft danach doch niemand mehr!! omg….
Und was, wenn entweder der Mörder oder das Opfer dunkelhäutig ist. Oder asiatisch. Das wäre dann zu all dem anderen auch noch rassistisch.
Und warum ist es eigentlich okay, wenn der Mörder der Psychiater ist? Oder der Gärtner? Die Postbotin oder die Hebamme? Das schadet doch ganzen Berufsgruppen, aber irgendwie scheint sich da niemand dran zu stören.
Vermutlich, weil die wissen, dass das alles nur Fiktion ist…

Also ich persönlich finde ja, dass die Dauer-Empörten ganz einfach die Goldwaage mal weglegen und einfach etwas Sinnvolleres mit ihrer Zeit anstellen sollten, als die Aussagen anderer auf sich zu beziehen.